Klara Sieg gegen Wolfsburg: Bühl entscheidet das Topspiel

Justin Trenner 15.11.2020

Vor der Partie bangte Bayern-Trainer Jens Scheuer um seine Schlüsselspielerinnen Lina Magull und Sydney Lohmann. Letztendlich waren beide einsatzfähig und so gab es keinerlei Überraschungen in der Startelf.

Ausgangssituation und Erwartungshaltung waren klar: Die Bayern wollten das so wichtige Heimspiel gewinnen, um den Vorsprung in der Tabelle auf fünf Punkte anzuheben. Aber sie wollten auch zeigen, dass sie bereit sind für einen Angriff auf den VfL.

Falls Ihr es verpasst habt:

Halbzeit 1

In der ersten Halbzeit war davon zunächst noch recht wenig zu spüren. Die Wolfsburgerinnen machten den souveräneren Eindruck und hatten die bessere Spielanlage. Aus einer 4-4-2-Grundordnung heraus stellten sie im Mittelfeldpressing vor allem das Zentrum zu und zwangen die Bayern immer wieder zu langen Bällen.

Der Mannschaft von Jens Scheuer fiel nach vorn wenig ein, hinten standen sie auch wegen einer starken Leistung der Viererkette lange sicher. In der 26. Minute war es dann aber einer dieser langen Bälle, den Klara Bühl mit etwas Glück kontrollieren konnte. Plötzlich waren die Bayern in Überzahl. Bühl legte nach kurzem Dribbling quer und fand Viviane Asseyi, die die Führung erzielte.

Entscheidend besser wurde das Spiel der Münchnerinnen in der Folge aber nicht. Wenig Zug zum Tor, wenig Kreativität gegen ein gut organisiertes Wolfsburg – letztendlich neutralisierten sich beide Teams und alles deutete auf eine ereignislose Schlussphase des ersten Durchgangs hin.

Doch die Bayern hatten in Form eines Standards noch eine Möglichkeit. Expertin Lina Magull trat den Ball zielsicher in den Strafraum, wo Marina Hegering sich lösen und das zweite Tor für ihre Mannschaft erzielen konnte (43.). Zwei Abschlüsse, zwei Tore, ein sonst aber eher überschaubares Spiel der Bayern. Scheuer wird sich nicht darüber beschwert haben.

Halbzeit 2

Im zweiten Durchgang schienen sich die Bayern dann aber den Vorsprung nachträglich verdienen zu wollen. Sie kamen sofort mit Tempo und Druck nach vorn aus der Pause, erzielten in der 47. Minute sogar das 3:0 durch Lineth Beerensteyn und waren erstmals das klar spielbestimmende Team. Bis zur 60. Minute hätten die Münchnerinnen den Deckel draufmachen können, verpassten aber einige gute Angriffsmöglichkeiten.

Und so kam es, dass Wolfsburg in den letzten 30 Minuten nochmal ins Spiel fand. Bayern wirkte nun unorganisiert und öffnete zwischen den Ketten Räume für den VfL. Nach einem Foul von Beerensteyn im Strafraum sorgte Lena Goeßling per Elfmeter für das erste Gegentor der Bayern in dieser Saison.

Wolfsburg blieb druckvoll, ohne aber ganz große Chancen herausspielen zu können. Bayern beschränkte sich jetzt auf viele lange Bälle und die Hoffnung, einen entscheidenden Nadelstich setzen zu können – was in der 77. Minute gelingen sollte. Nach einer Hereingabe von Magull war es Dominique Janssen, die per Eigentor die Vorentscheidung brachte.

Dinge, die auffielen:

1. Aufschwung gegen Rezession statt absolutem Topspiel

Vom Topspiel der Frauen-Bundesliga haben sich viele Werbung für den deutschen Fußball erhofft. Und tatsächlich sprechen 5 Tore und ein sehr temporeiches Spiel für die Qualität beider Mannschaften. Nach einer langen Phase des gegenseitigen Abtastens musste Wolfsburg im zweiten Durchgang nach vorn schieben. Dadurch ergaben sich für die Bayern Räume zum Kontern.

Nicht falsch verstehen, Qualität hatte diese Partie allemal. Doch das ganz, ganz große Spektakel und Fußballfest blieb trotz der vielen Tore aus. Das hat auch einfache Gründe: Die Bayern befinden sich gerade in einem Aufschwung. Zum absoluten Top-Team fehlt es den Münchnerinnen noch an einigen Nuancen, die wir folgend noch aufgreifen werden. Auf der anderen Seite scheint der VfL Wolfsburg einer Rezession zu unterliegen.

An die starken Leistungen vergangener Tage können sie im Moment nicht anknüpfen. Und so war es letztendlich ein gutes Fußballspiel, das zu unterhalten wusste. Zugleich zeigt insbesondere der internationale Niveauvergleich, dass es für beide weiter Luft nach oben gibt. Nicht mehr, nicht weniger.

2. Starke 15 Minuten setzen den Maßstab

Neben einem guten Ergebnis ist es vor allem die Viertelstunde nach der Halbzeitpause, die den Bayern für die kommenden Monate Mut machen muss. Dort haben sie sich über einen längeren Zeitraum in der Hälfte der Wolfsburgerinnen festgesetzt, Druck ausgeübt und sich Chancen erarbeitet. Sie gaben den Ton an, spielten endlich so selbstbewusst, wie sie vor der Partie wirkten. Es war die einzige Spielphase, in der die Bayern ihren Gegnerinnen deutlich überlegen waren. Für die Zukunft muss es das Ziel sein, sich auch auf diesem hohen Niveau mehr Spielanteile zu erarbeiten. Letztendlich war die Effizienz der Trumpf, mit dem die Bayern dieses Spiel für sich entscheiden konnten.

3. Wo war das Mittelfeld?

In den letzten Wochen wussten die Bayern häufiger mit temporeichen und variablen Spielzügen zu überzeugen. Gegen Wolfsburg gelang es ihnen trotz des Ergebnisses zu selten, das auf das höhere Niveau zu transferieren. In der ersten Halbzeit blieb das Herzstück der Mannschaft, das zentrale Mittelfeld, nahezu komplett aus dem Spiel. Von Magull, Lohmann und Zadrazil war nicht viel zu sehen.

In der zweiten Halbzeit riss vor allem Magull die Partie stärker an sich und konnte so Einfluss nehmen. Insgesamt bleib das Spiel nach vorn aber zu unstrukturiert und zu abhängig von Einzelaktionen. An diesem Abend mag das durch eine hohe Effizienz und etwas Glück funktioniert haben, für die Zukunft bleibt die Frage offen, ob diese Spielweise nachhaltig erfolgreich sein kann.

Gerade in großen Spielen macht es unter Scheuer zu oft den Eindruck, dass die Mannschaft ein bisschen zu zaghaft und mit zu viel Respekt agiert. Das druckvolle Pressing wich in einigen Spielphasen einem pragmatischeren Ansatz, der Wolfsburg aber die Möglichkeit gab, kontrolliert aufzubauen. Das 4-4-2 der Bayern gegen den Ball blieb immer dann wirkungslos, wenn man von hinten nicht konsequent nachschob. Gerade in der erwähnten Phase nach der Pause zeigte sich aber, dass Wolfsburg durchaus Fehler macht, wenn man sie unter Druck setzt.

4. Klara Bühl entscheidet die Partie

Will man die Partie auf eine Spielerin herunterbrechen, wäre es wohl Klara Bühl. Die 19-jährige Angreiferin machte mit ihren Dribblings, Läufen und Pässen den Unterschied. Viel mehr Chancen als der VfL Wolfsburg hatten die Bayern nicht. Dank Bühl konnten sie aber mehr von ihnen nutzen. In den letzten Wochen waren die Leistungen von Bühl immer recht schwankend. Gute Aktionen wechselten sich stets mit schlechteren ab. Ihr Talent ist aber unverkennbar und an diesem Sonntag konnte sie das ohne Zweifel unter Beweis stellen.

5. Die Abwehr bleibt auch gegen Wolfsburg stabil

Das vielleicht größte Qualitätsmerkmal der Bayern Frauen ist aktuell die Defensive. Es brauchte erst einen berechtigten, aber sehr unnötigen Elfmeter, um in dieser Saison überhaupt ein Gegentor zu kassieren. Auch die starke Offensive der Wolfsburgerinnen haben die Bayern in den meisten Momenten vom eigenen Tor weghalten können. Und wenn doch mal ein Abschluss aus der zweiten Reihe kam, war Torhüterin Laura Benkarth zur Stelle.

Nicht immer sind die Bayern perfekt organisiert. Manchmal öffnen sich zwischen Abwehr und Mittelfeld zu große Räume, weil nicht konsequent genug nachgeschoben wird im Pressing. Aber selbst wenn sie mal nicht gut stehen, lösen sie es auf individueller Ebene meistens gut. Die Neuzugänge Hanna Glas und Marina Hegering machen dahingehend einen wichtigen Unterschied, weil sie viele Zweikämpfe gewinnen.

Mit einer solchen Defensivleistung wird es den Bayern in der Bundesliga noch oft gelingen, das mitunter holprige Offensivspiel zu kaschieren. Den Qualitätstest hat vor allem die Viererkette im Topspiel bestanden.

6. Vorentscheidung im Meisterschaftskampf?

Bei fünf Punkten Vorsprung neigt man nun dazu, die Meisterschaft für entschieden zu erklären. Doch dem ist noch lange nicht so. Too early to call. Wolfsburg schien sich in den letzten Wochen eigentlich zu stabilisieren, hatte heute auch schlicht kein Spielglück. Auf der anderen Seite erzielten die Bayern vier Tore aus fünf ernstzunehmenden Möglichkeiten – darunter ein Standard und ein Eigentor. Bayern muss damit rechnen, dass der VfL konstant punkten wird und sich selbst weiterentwickeln. All die Kritik (auf hohem Niveau) schmälert die gute Leistung der Bayern keinesfalls. Aber Einordnung ist wichtig, will man erfolgreich bleiben.

Wie bereits erwähnt, befinden sich die Bayern erst in einem Aufschwung. Um den Höhepunkt der eigenen Leistungsfähigkeit zu erreichen, wird es noch einiges an Verbesserung brauchen. Mit diesem Talent, dem herausragenden Mittelfeld und der nun mehrfach unter Beweis gestellten Mentalität ist mehr möglich als das, was die Bayern gegen schwächelnde Wolfsburgerinnen mitunter gezeigt haben. Unter dem Strich darf die Zufriedenheit über das deutliche Ergebnis und die herausragende Defensivleistung nicht die Analyse der Probleme überdecken.

Die Struktur in Ballbesitz reicht zu oft nicht aus, um souverän mit hohem Pressing umzugehen. Sechser-, Achter- und Zehnerraum könnten noch konsequenter und effizienter besetzt werden, um die ganze spielerische Klasse der Mannschaft zu entfalten und nicht immer auf die sehr langen Pässe in die Spitze angewiesen zu sein. Diesem Team zuzusehen, macht jetzt schon Spaß. Wie viel Spaß macht es erst, wenn ihnen die letzten Entwicklungsschritte auf das absolute Top-Niveau gelingen sollten? Punktuell deuten sie an, was noch in ihnen steckt. Es ist die Aufgabe des Trainerteams, aus der Andeutung einen dauerhaften Ist-Zustand zu machen.

7. Teamgeist

Und wer gemeinsam als Team so in komplizierten Spielen wie jenem am Sonntagnachmittag auftritt, der ist zweifelsohne dazu in der Lage, sich für kommende Aufgaben entsprechend zu pushen. Es ist nicht weniger als beeindruckend, wie spürbar der Teamgeist dieser Mannschaft ist. Jede für eine und eine für jede. Diese besondere Stimmung kann das Team unabhängig von allen Analysen noch sehr weit tragen – wenn sie noch mehr an sich glaubt, als es insbesondere in der ersten Halbzeit den Anschein gemacht hat. Das 4:1 gegen den VfL Wolfsburg dürfte dabei Rückenwind geben.



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  1. Also wenn man gegen ein Team 4-1 gewinnt, das seit fast zwei Jahren ungeschlagen war, dann ist dieser Artikel nicht super, wie ein bekannter Forist so gerne schreibt, sondern zu kritisch. Auch andere Mütter haben starke Fußballerinnen.

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    1. Ja, WOB muss man erst mal schlagen!
      Und da gibt es eben für den “Herausforderer nicht nur Highlights.
      Trotzdem hatte man nach selbst der 2:0-Halbzeitführung manchmal das Gefühl, dass die Struktur so ein bisschen auf der Strecke bleibt.
      Und eines muss man auch sehen, bei einer etwas verkniffeneren Schiedsrichterin geht Beerensteyn nach ihrem Check im Nachhinein mit Rot vom Platz und bleibt eben nicht mit Gelb.
      Und dann wird es vielleicht doch nochmal enger.

      1. Steht ja auch nirgends im Artikel, dass sie Wolfsburg 90 Minuten wegdominieren müssen. Genauso steht dort nicht, dass die Bayern keine gute Leistung gezeigt hätten. Wer nach ganz oben will, muss eben auch an den Nuancen arbeiten. Weiß keiner besser als der FC Bayern selbst. Und ich sehe auf dem Weg nach ganz oben ein paar Stolpersteine.

    2. Auch die Männer haben schon mal hoch gewonnen und wurden danach kritisiert, teilweise sogar sehr hart … das Ergebnis stimmt, aber man muss eben auch sehen, wie es dazu kam. Wolfsburg hat mit Popp, Pajor zwei wichtige Spielerinnen nicht einsetzen können und vor der Saison mit Pernille Harder DIE Topstürmerin der letzten Bundesligasaisons verloren. Das ist so, als wäre bei den FCB Männern gleichzeitig Lewandowski, Gnabry und Comann nicht einsatzfähig …

      Justin ist kritisch, ja, zu kritisch? Ich denke nein. Der Anspruch des FCB sollte eben schon mehr sein, als Wolfsburg ohne deren Topstürmerinnen anlaufen zu lassen, und die dann mit ein wenig Glück, Klara und Standards zu besiegen. Kann man machen, klar.

      Aber es wäre auch schön gewesen, zu versuchen Wolfsburg zu dominieren, nach hinten zu drücken und sie dann so 4:1 zu besiegen. Weil macht man das Spiel von gestern gegen Lyon, dann geht die Nummer in 8 von 10 Fällen schief. Sie sind nämlich genauso effektiv wie der FCB gestern.

    3. Wenn man das ernst meint mit dem Frauenfußball, dann haben die Frauen auch eine angemessen kritische Betrachtung verdient.
      Schlimm wäre eher eine Einstellung in dem Sinne: Ach, lass doch die armen Hascherl, sie können’s halt nicht besser.

      Dass das ein großer Sieg war, vielleicht schon ein entscheidender, dürfte klar sein. Dass der Sieg deutlich zu hoch ausfiel, ist genau so klar. Über ein Remis hätte sich wahrscheinlich auch keiner beklagt. Diese Diskrepanz gilt es zu analysieren und zu erklären. Insofern finde ich Justins Analyse hier präzise und zutreffend.

      Was mich wirklich verwundert hat, war das unter 3. angesprochene Pressing, vor allem in der 1.HZ. Vorne schubbern Bühl und Lohmann ein bißchen rum und zum Rest der Mannschaft klafft dann ein Riesenloch. Sah regelrecht seltsam aus.
      Sehr positiv natürlich wirklich die Defensivleistung. Außer ein paar Fernschüssen konnten die Wolfsburger da wenig Punkte machen. Wirklich cool und konzentriert verteidigt.

      Bühl hatte einen ziemlich schweren Stand, aber wie es ein guter MS machen muss, dann die entscheidenden Stiche gesetzt. Eine interessante Spielerin.
      Sehr gut gefallen hat mir Beerensteyn. Wie sie ihre Seite rauf und runter gepflügt ist, erinnerte sie mich an Brazzo zu seinen besten Zeiten.
      Im MF fiel mir am ehesten Zadrazil auf. Kommt vielleicht auch daher, dass ich sie bisher nur vom Namen her kannte.
      Die zuletzt so hoch gelobte Sydney Lohmann dagegen die größte Enttäuschung. Kann natürlich auch mit ihrer Verletzung zusammenhängen. Oder meiner Erwartungshaltung ;-)

      1. In Bezug auf Fußball waren die Bayern im letzten Spiel gegen Wolfsburg (0: 0) besser. Sie drückten Wolfsburg in vielen Phasen des Spiels, sie rasselten sie viel. Sie übten guten Druck auf Wolfsburg aus (das hatte Popp und Harder in diesem Spiel). Sie hätten mindestens ein Tor in diesem Spiel erzielen sollen. Wolfsburg hatte in diesem Spiel nur eine gute Chance. Die Bayern hatten mindestens 2 gute Chancen (und viele halbe Chancen).
        Aber ich würde nicht zustimmen, dass die Ergebnis in diesem 4: 1-Spiel zu hoch ist. Die Bayern machten 8 Schüsse. Wolfsburg machte 4. Die Bayern hätten zu Beginn der zweiten Halbzeit zwei weitere Tore erzielen sollen. Lohmann verpasste eine großartige Gelegenheit. Und dann verpasste Hegering ihre Chance. Und Klara hätte auch ein Tor erzielen können. xG ist für Bayern wahrscheinlich höher. Weil Wolfsburg nur Lange Torschüsse gemacht hat. FCB haben Wolfsburg im ganzen Spiel nicht dominiert und haben immer noch Probleme mit ihrer Spielstruktur. Viele schlechte Pässe im letzten Drittel. Lohmann sollte nicht als 10 spielen. Lina Magull sollte eine offensivere Rolle spielen. Aber das ist ein Coaching-Problem. Seltsame Kader untergraben den Fußball der Bayern. Es ist Scheuers Schuld. Ich weiß nicht, was das eigentliche Problem mit den Bayern ist (warum können sie nicht konsequenter im Angriff und mit mehr Zusammenhalt spielen?). Vielleicht ist Scheuer wirklich ein sehr schwacher Trainer und ein schlechter Manager.
        Aber ich denke 4-1 war das richtige Ergebnis. Sie erlaubten Wolfsburg nicht, gute Torchancen zu schaffen. Und sie waren bei Bedarf selbst effizient.

      2. Der FC Bayern kann sehr aggressiv gegen Wolfburg spielen. Ich denke, sie haben in ihrem letzten Spiel, das mit 0: 0 endete, besser gegen Wolfsburg gespielt. Sie haben Wolfsburg in vielen Phasen des Spiels unter Druck gesetzt. Die Bayern haben in diesem Spiel wirklich mindestens ein Tor verdient. Und sie haben wirklich gut verteidigt. Wolfsburg hatte nur einen Schuss aufs Tor.
        Aber ich denke auch, dass 4-1 das richtige Ergebnis im letzten Spiel ist. Die Bayern hatten mehr gute Chancen als Wolfsburg. Sie hatten 8 Schüsse (während Wolfsburg 4-5 hatte). Lohmann und Hegering hätten es mit 5: 0 schaffen sollen. Und dann hatte Klara eine gute Chance. xG wäre für die Bayern vielleicht höher. Sie haben wieder sehr gut verteidigt und waren effizient.
        Aber die Bayern haben immer noch ihre Probleme. Fehlende klare Spielstruktur. Schlechte Pässe im letzten Drittel. Mangel an Zusammenhalt in Angriffsphasen. Die Bayern kämpfen immer noch darum, gute Chancen zu schaffen. Im Moment retten Freistöße und Ecken den Tag.
        Ich denke, es ist schlechtes Coaching. Schlechte Kaderauswahl. Warum spielt Lohmann als 10? Ich denke, sie ist besser im defensiven Mittelfeld. Magull als kreative Spielerin sollte als 10 spielen. Ich fürchte, Scheuer ist (taktisch) ein schwacher Trainer. Ich warte immer auf Verbesserungen in der Qualität des Spiels, aber es sind anderthalb Jahre vergangen, und die Bayern sehen immer noch unsicher aus und verlassen sich auf die individuelle Qualität. Vielleicht kommuniziert Scheuer nicht gut genug mit seinen Spielerinnen?

  2. Wie schon im Abschnitt zur ersten Halbzeit beschrieben, war es in sehr vielen Abschnitten des Spiels so, dass sich beide Mannschaften neutralisierten.
    Man kennt sich, man weiß was man vom anderen zu erwarten hat.
    Letztlich ist es wie bei den Topmannschaften der Herren. Erwischt nicht einer einen schwarzen Tag, spielt man den Gegner nicht mal so daher.
    Da ist auch der gegenseitige Respekt spürbar und genau wie beschrieben, die Stärken des anderen zu neutralisieren.
    Wolfsburg hatte eigentlich verkündet, wieder Tabellenführer zu werden, was unsere Damen natürlich selbst bleiben wollten.
    In vielen Phasen konnte man es mit FCB gegen BVB vergleichen.
    Die Spitzenteams gegeneinander mit der besseren Leistung auf unserer Seite.

  3. Moin, danke für die m.E. gute und zutreffende Analyse. Ein paar Anmerkungen. 

Die Aufstellung fand ich schon überraschend. Weniger im Mittelfeld, da ging ich wie Du davon aus, dass Scheuer nur dann wechselt, wenn Lohmann und/oder Magull ausfallen. Das Jens Scheuer aber Caro Simon auf der Bank läßt, hätte ich eher nicht vermutet. Eigentlich hatte ich befürchtet, das für Simon entweder Ilestedt oder Bühl auf die Bank verbannt werden. Aktuell denke ich jedoch, dass die Abwehr mit Ilestedt hinten links sicherer steht und Bühl auf die Bank zu setzen wäre in meinen Augen eh eine abwegige Idee. Ich bin da aber noch von der letzten Saison geprägt, wo Simon den Thomas Müller Status hatte, sprich sie spielt immer. Nicht falsch verstehen, Caro Simon ist eine wirklich herausragende Spielerin und Scheuer hat aktuell links ein Luxusproblem.

    Zum Spiel, ich bin da bei Dir. Das Mittelfeld hat mich zumindest in der ersten Halbzeit enttäuscht. Ich weiß, es stand nach der ersten Halbzeit 2:0 Bayern, aber das hatte andere Gründe. Wolfsburg ist es gelungen, die Mitte dicht zu bekommen, Lohmann war kaum zu sehen und Zadrazil und Magull hatten als erste Priorität eher zu verhindern, dass Wolfsburg zu Chancen kam, anstatt das Spiel zu ordnen und Wolfsburg unter Druck zu setzen. Wir hatten ja schon gestern bei Twitter überlegt, ob das daran lag, dass Wolfsburg so stark war (man ist halt immer nur so stark, wie die Gegnerinnen das zulassen – ja ich weiß, Phrasenschwein) oder kam die Vorgabe vom Trainer. Sprich, macht erstmal nach hinten dicht und vorne haben wir gelegentlich „klara“ Momente. (Sorry) Über die Außen kam in der Phase auch (zu) wenig, Glas und Ilestedt waren auch sehr vorsichtig nach vorne, und Asseyi und Beerensteyn waren so einfach zu isolieren. Klara hing eh völlig in der Luft. Tja, bis sie dann doch mal den Ball bekam, Sidney Lohmann fast die Chance zerstörte und dann Asseyi den Ball überlegt und total sicher ins Tor schoß.

    Auch das zweite Tor entsprang keinem gelungen, strategischen Aufbauspiel. Diesmal der Freistoß von Lina Magull und bei Standards sind diese Saison die Bayern brutal gefährlich und effektiv. Zum einen, weil nicht nur Caro Simon die Standards schießt, sondern ebenso Magull und Bühl, was das Einschätzen der Bälle für den Gegner erschwert. Zum anderen bringen die FCB Frauen ihre zweikampf-/kopfballstarken Innenverteidigerinnen gut an den Ball. Nicht umsonst traf gestern Marina Hegering zum 2:0, auch schon die ganze Saison über sind die Verteidigerinnen extrem Torgefährlich. Neben Hegering trafen auch schon Ilestedt, Glas und Wennninger.

    Da ich weiß, was das Mittelfeld eigentlich kann, war ich gestern ähnlich wie Justin enttäuscht. Ich gebe zu, Sven Scheuer hat das Recht des Siegers auf seiner Seite, und wenn es sein Plan war so zu spielen, und davon gehe ich doch aus, dann ging der Plan auf. Aber es war eben dann der Plan einer Mannschaft, die sich dem Gegner unterlegen fühlt. Sprich, nicht auf die eigenen Stärken gesetzt und selbstbewußt gesagt, die hauen wir mit unserer Stärke weg, die dominieren wir so, dass die keinen Fuß auf den Boden bekommen. So wie das aktuell die Männer immer vermitteln, wo Flick sagt, mir doch egal wenns hinten mal kracht, wir ziehen unser Spiel, unsere Stärken durch und gewinnen so, wenn nicht extrem viel schief läuft.

    Dies hätte ich mir von Scheuers Mannschaft auch gewünscht. Dieses „Mia san mia“, komme wer da wolle, wir drücken unser Spiel durch.

    Gegen Wolfsburg ging das vorsichtigere Spiel nun gut, aber eben auch deshalb, weil Wolfsburg wie Justin zutreffend analysiert, aktuell Probleme hat. Neben der von Justin angesprochenen „Rezession“ der Wolfsburger, haben sie mit Pajor und Popp zwei verletzte Spielerinnen, die echte Unterschiedsspielerinnen sind. Gegen Mannschaften wie Wolfsburg, erst recht in der Championsleague gegen die französischen/englischen Mannschaften, kann diese vorsichtige Herangehensweise auch verdammt schief gehen, und ging in der Vergangenheit auch immer schief. Die FCB-Frauen bekamen zwar Lob für ein starkes Spiel, aber verloren haben sie trotzdem. Egal ob gegen Wolfsburg oder Lyon oder Barcelona … Da wünsche ich mir bei der inzwischen vorhandenen Klasse der Mannschaft tatsächlich mehr Mut. Die sollen gefälligst Angst vor uns haben und sich an uns anpassen, wäre mein Ansatz als Trainer :-)

    In der zweiten Halbzeit war dann eine Zeitlang das zu sehen, was ich mir von Anfang an erhofft hatte. Magull lenkte das Spiel, Zadrazil und Lohmann verbanden gut das Mittelfeld mit dem Angriff, wobei man Lohmann anmerkte, dass sie aus einer Verletzung kam, und plötzlich waren dann auch Asseyi, Beerensteyn und Bühl im Spiel. Klara hatte zweimal Pech, aber ich ging eigentlich davon aus, dass Wolfsburg noch zwei, drei Tore bekommt. Dann der doofe Elfmeter und plötzlich sah es wieder unsicher aus. Gut, dass Janssen den Ball im eigenen Tor versenkte, sonst hätte das noch spannend werden können. Wobei ich mir, obwohl dem FCB das Spiel wieder entglitt, keine echten Sorgen machte. Dazu ist die Abwehr diese Saison einfach zu gut. Was Glas, Wenninger, Hegering und Ilestedt da machen, das ist ganz großes Kino. Cool, technisch stark, Hegering und Wenninger auch mal sehr robust wenn es sein muss, Glas und Ilestedt machen über die Außen zudem Druck nach vorne, auch Wenninger oder Hegering unterstützen im Mittelfeld und trotzdem sind immer genügend Spielerinnen hinter dem Ball. Kommt mal was durch, steht da mit Laura Benkarth eine diese Saison wirklich ultrastarke Torfrau. Letzte Saison führte das Trainerteam ein seltsames Wechselspiel zwischen Benkarth und Schlüter durch, mit dem Ergebnis, dass beide Frauen, beide schon in der Nationalmannschaft im Einsatz, plötzlich drei, vier Stufen unter ihrem Niveau agierten. Inzwischen ist Ruhe auf der Position und Laura zeigt, was sie wirklich kann. In meinen Augen aktuell die Nr. 1 in Deutschland, trotz einer Merle Frohms aus Frankfurt.

    Unterm Strich ein spannendes Spiel, teilweise hart geführt – Oberdorf, Asseyi, Beerensteyn haben sich da besonders „ausgezeichnet“ :-) – das unterm Strich der FCB verdient und sicher gewonnen hat.

    Bei aller Kritik von Justin und auch mir, die Gefahr das Wolfsburg gewinnt, habe ich das ganze Spiel über nicht gesehen. Insofern hat dann auch Scheuer alles richtig gemacht. Für dieses Spiel, aber seine Mannschaft wird wieder auf Wolfsburg und auch auf Lyon und Konsorten treffen. Ich bin gespannt, wie das dann aussieht. In der Bundesliga sehe ich aktuell, wenn die Mannschaft konsequent durchzieht und konzentriert bleibt, außer Wolfsburg jedenfalls keine Konkurrenz.

    Antwortsymbol1 AntwortKommentarantworten schließen
    1. Noch ein Nachtrag, ich hätte erst lesen sollen, was Jens Scheuer nach dem Spiel gesagt hat. :-)

      “Wir haben fußballerisch nicht das beste Spiel gemacht”, so seine Aussage. Vielleicht passt diese Aussage zur Kritik von Justin und auch mir.

      Was ich mir mal echt wünschen würde, gerade nach so einem Spiel. Ein Interview von Justin oder einem wie Tobias Escher mit Jens Scheuer. In der Hoffnung, dass der dann auch offen antwortet. Ich würde zu gerne wissen, was sein Matchplan war, ob seine Mannschaft das Mittelfeld mehr dominieren sollte (dafür spricht z.B. wie seine Mannschaft die ersten 15-20 Minuten der zweiten Halbzeit spielte) usw etc pp …

      @ Justin: Probier das doch mal :-) Wenn Max-Jacob Ost den Uli Hoeness ans Telefon bekommt, redet vielleicht Herr Scheuer auch mit Dir .-)

  4. PSG gewinnen gegen Lyon

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