Der Unvermisste. Der FC Bayern ohne Bastian Schweinsteiger

Bastian Schweinsteiger im Trikot von Manchester United zu sehen schmerzt jeden Bayern-Fan. Es ist wie den Ex-Partner mit jemand Neuem zu sehen – und ohne, dass man ihn vermisst hat, ist man trotzdem eifersüchtig. Auch wenn sie scheinbar gut zusammen passen und ihnen das neu gefundene Glück zu gönnen ist. Schweinsteiger und der FC Bayern – das gehörte sehr lange Zeit einfach zusammen.

Als sich der FC Bayern und Schweinsteiger nach 17 Jahren Vereinszugehörigkeit trennten, war der Unmut im Fanlager groß. Auch viele Experten sahen den mehr oder weniger freiwilligen Verzicht auf die Führungs- und Identifikationsfigur kritisch. Der Zorn entlud sich auch auf Trainer Pep Guardiola, der als Schuldiger für den Abgang ausgemacht wurde. Allerdings zeigte das Frühjahr 2015, dass Schweinsteiger zusammen mit Alonso nicht funktionierte. Eine Veränderung war für beide Parteien wohl unausweichlich.

Schweinsteiger und Alonso – zwei waren einer zu viel

Bastian Schweinsteiger war seit jeher ein Schlüsselspieler beim FC Bayern. Nach dem gewonnen WM-Titel war die Hoffnung groß, dass er den berühmten nächsten Schritt geht und die Spielweise von Pep Guardiola auf eine nächste Stufe hebt. Dieser Traum zerschlug sich allerdings schnell. Schweinsteiger verletzte sich bei einer Werbetour in den USA und fiel für die Hinrunde 2014/2015 fast komplett aus. Der FC Bayern reagierte auf die Verletzung, die besonders nach dem Abgang von Toni Kroos eine Lücke in den Kader schlug, indem im Spätsommer 2014 Xabi Alonso verpflichtet wurde. Dieser überragte in den Anfangsmonaten mit seiner Fähigkeit, ein Spiel zu lesen und zu leiten. Die Münchner cruisten durch die Hinrunde, führten die Bundesliga souverän an und hatten wenig Mühe in der Champions League. Im Mittelpunkt stand dabei häufig Xabi Alonso. Schweinsteiger spielte erst am 13. Spieltag, also Mitte Dezember, mehr als 12 Minuten.

TitelJahr
FIFA-Klub-Weltmeisterschaft2013
UEFA-Champions-League-Sieger2013
UEFA-Super-Cup-Sieger2013
Deutscher Meister2003, 2005, 2006, 2008, 2010, 2013, 2014, 2015
Deutscher Pokalsieger2003, 2005, 2006, 2008, 2010, 2013, 2014
Deutscher Ligapokalsieger2004, 2007
Deutscher Supercup-Sieger2010, 2012
Meister Regionalliga Süd2004
Deutscher A-Juniorenmeister2002
Deutscher B-Juniorenmeister2001

In der Rückrunde fehlte über weite Strecken das Duo Ribéry und Robben. Pep Guardiola suchte krampfhaft eine neue Möglichkeit das Spiel des FC Bayern zu ändern. Das sehr flügellastige Spiel war mit Götze und Müller auf den Außenpositionen nicht so effektiv wie mit Robben und Ribéry. Zugleich ergab sich in der Schaltzentrale im Mittelfeld das Problem, dass Alonso und Schweinsteiger zusammen nicht harmonierten. Sie waren sich beide in ihrer Spielweise zu ähnlich. Im 4-2-3-1 Grundsystem ließen sich beide meist zu sehr fallen. Die Abstände zwischen den einzelnen Reihen wurden zu groß. Gleichzeitig stimmte die Positionierung der beiden nicht. Sie standen sich sprichwörtlich auf den Füßen. Dieser Effekt wurde noch dadurch verstärkt, dass Schweinsteiger nie zu 100 Prozent fit wirkte und Alonso nach vielen Spielen in der Hinrunde überspielt war. Es fehlte in den entscheidenden Spielen die nötige Frische. Die Münchner hatten in vielen Defensivsituationen keinerlei Zugriff auf den Gegner. Negativer Höhepunkt war sicherlich das Champions League Hinspiel gegen Barcelona. Schweinsteiger und Alonso wurden vom Mittelfeld Busquets, Iniesta und Rakitic klar geschlagen. Schweinsteiger hatte in diesem Spiel nur 22% gewonnene Zweikämpfe und eine Passquote von “nur” 82%. 74 Ballkontakte waren zudem ein ‘negativer’ Höhepunkt, seitdem van Gaal das Ballbesitz-Spiel zum FC Bayern München gebracht hatte.

Nach der klaren 0:3 Niederlage war die Saison der Münchner gelaufen. Das Team konnte sich nicht mehr aufraffen und verlor zum ersten Mal drei Bundesligaspiele in Folge. Das passierte zuletzt im Februar/März 1998 – damals war Trappattoni noch Trainer. Zugleich sind Serien gerissen, die unmittelbar mit dem Führungsquarttet Lahm, Schweinsteiger, Ribery und Robben in Verbindung standen. Wie etwa die 122 Bundesligaspiele, die nach einer Führung nicht mehr verloren wurden. Die Münchner schlitterten trotz gewonnener Meisterschaft und dem Halbfinalteilnahmen in der Champions League und im DFB-Pokal in eine Sinnkrise.

Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben

Im Sommer entschied sich Bastian Schweinsteiger dafür, einen neuen Weg einzuschlagen und wechselte auf eigenen Wunsch zu Manchester United. Vielleicht, um auch selbst wieder einen neuen Impuls in seiner Karriere zu setzen. In Manchester ist sein einstieger Förderer Louis van Gaal Trainer. Er installierte Schweinsteiger nach verlorenen Jahren auf der linken und rechten Außenbahn als zentrale Figur im zentralen Mittelfeld. Es begann 2009 wohl eine der bemerkenswertesten Entwicklungen eines Profis, der mit 25 Jahren bereits im besten Fußballalter war. Schweinsteiger lernte ein Spiel zu lesen und viel wichtiger, dass Tempo einer Partie zu bestimmen. Höhepunkt war sicherlich das Champions League Finale 2013 gegen Dortmund. Im Wembley Stadion bestimmte er nach dem Dortmunder Ausgleich die Partie. Der Rest ist Geschichte.

Schweinsteigers Ankunft wurde bei den Fans von United gefeiert. Endlich, so war die Hoffnung, gibt es mehr Kontrolle im Mittelfeld. Mit Schweinsteiger, so die Idee, sollte endlich das Kombinationsspiel besser zu Geltung gebracht werden. Zu selten konnten im Vorjahr Blind, Ander Herrera und Carrick das Spiel im Sinne von van Gaal aufbauen. Nach dem Totalzusammenbruch in der Nach-Ferguson-Ära und großen Transferausgaben reichte es ‘nur’ zum vierten Platz in der Tabelle. Mit einer Bilanz von 20 Siegen, 10 Unentschieden und 8 Niederlagen konnte United trotz fehlender Mehrfachbelastung nicht ernsthaft um den Titel in der Premier League mitspielen. In dieser Saison sollte sich nun alles ändern.

Ähnlich wie in seiner Zeit beim FC Bayern setzt van Gaal auf ein 4-2-3-1 System. In der Zentrale konkurriert Schweinsteiger mit Schneiderlin und Carrick um einen Platz auf der Doppel-Sechs. Bisher spielte Schweinsteiger in allen acht Partien der bisherigen Saison, wobei er im Schnitt nur 55 Minuten pro Partie auf dem Platz steht. Lediglich drei Partien bestritt Schweinsteiger über die vollen 90 Minuten in der Liga. Hinzu kommt ein Spiel in der Champions League und eines im “League Cup”. Von diesen fünf Partien verlor Manchester United drei Spiele, gegen Swansea in der Liga und gegen Eindhoven in der Champions League. Beide Partien wurden trotz Führung im Verlaufe der zweiten Halbzeit abgegeben. Am vergangenen Wochenende – fast parallel zu Bayern gegen Dortmund – spielte United gegen Arsenal. Es war das erste Spitzenspiel für die Truppe van Gaal, die am vorherigen Spieltag die Tabellenführung übernommen hatten. Arsenal überrollte mit guten Pass- und Kombinationsspiel bzw. mit einem überragend ausgespielten Kontern United binnen 20 Minuten. Bis auf einen geblockten Schuss konnte Schweinsteiger keine Defensivaktion in diesem Spiel zeigen. Das Duo Carrick-Schweinsteiger wirkte vor allem in der ersten Halbzeit viel zu langsam und hatte keinerlei Zugriff. Die Gunners überrannten förmlich das Mittelfeld. United konnte sich zunächst fast nicht befreien – und als sie es konnten, führte Arsenal bereits mit 3:0. Es war eine Demütigung, die die Frage aufwirft, wie dieses United ernsthaft um den Titel mitspielen will.

Unabhängig von diesem Spiel gestaltet sich die Eingewöhnungsphase von Schweinsteiger schwierig. Er spielt nie schlecht, kann aber das Spiel nicht in der Form prägen, wie es viele von ihm erwarten. Häufig ist er deutlich tiefer positioniert als in seinen letzten Jahren beim FC Bayern. Hinzu kommt, dass er scheinbar noch nicht sein optimales Fitnesslevel erreicht hat. Van Gaal muss seine Einsatzzeiten sehr genau dosieren. Erschwert wird die Eingewöhnungszeit aber auch durch wechselnde Partner im Mittelfeld. Mal spielt Schweinsteiger mit Carrick, mal mit Schneiderlin oder mit Ander Herrera, der seit der Verpflichtung von Schweinsteiger aber eher auf der 8er Position spielt. Der im Vorjahr häufig auf der 6er Position eingesetzte Daley Blind spielt mittlerweile in der Innenverteidigung. Den perfekten Counterpart für Schweinsteiger hat van Gaal noch nicht gefunden.

Die Zahlen sprechen für den FC Bayern

Schweinsteiger ist noch nicht angekommen in Manchester. Das belegen auch die Zahlen. Ein Vergleich mit der Zeit beim FC Bayern ist natürlich nicht vollends aussagekräftig. Zu sehr dominieren die Münchner mit ihrer Spielweise die Liga. Dennoch ist auffällig, dass Schweinsteiger im Vergleich zur wenig überragenden Vorsaison beim FC Bayern, hochgerechnet auf 90 Minuten, 1.1 Key Passes weniger spielt und demzufolge auch 1.37 Chancen in der Liga weniger kreiert. Auch der Quervergleich mit Alonso ist spannend. Alonsos Passquote ist in der Liga 5% besser. Darüber hinaus spielte er 0.77 Key Passes pro Spiel mehr und erzeugt so auch 0.93 Chancen mehr pro Partie. Immerhin Defensiv kann sich Schweinsteiger besser einbringen als beim FC Bayern: 0.8 mehr abgefangene Bälle und 0.9 Klärungen mehr als in der Vorsaison. Im Vergleich mit Alonso in der laufenden Saison fängt Schweinsteiger einen Ball mehr pro Partie ab und klärt 0.4 mal öfters. Die Zweikampfwerte bewegen sich bei beiden mit 48.44% (Schweinsteiger) und 47.95 (Alonso) eher auf durchschnittlichem Niveau. Wie bereits erwähnt, ist es in der Summe ein schwieriger Vergleich, da der FC Bayern im Schnitt 10% mehr Ballbesitz hat als United. Beide Mannschaften zusammen haben je acht Liga Spiele, aber die Münchner haben bereits 16 Tore mehr erzielt und acht Punkte mehr in der Tabelle. Der FC Bayern bewegt sich aktuell auf einem anderen Niveau. An dieses kommt United trotz Schweinsteiger noch nicht heran.

Unvergessen vergessen

Der FC Bayern München hat (unbewusst) den Umbruch eingeleitet. Mit Schweinsteiger hat der erste große Spieler der Triple-Saison den Verein verlassen. Franck Ribéry und Arjen Robben sind aufgrund von Verletzungen ins zweite Glied gerückt. Im Mittelpunkt steht womöglich eine neue Spieler-Generation. Robert Lewandowski, Jerome Boateng, Manuel Neuer und Thomas Müller sind aktuell die Gesichter der Mannschaft. Dabei werden sie noch getragen von Altmeister Xabi Alonso, der für den Moment zu alter Stärke zurückgefunden hat. Es darf aber nicht übersehen werden, dass dieser Prozess nicht völlig fehlerlos oder ohne Anpassungsschwierigkeiten verläuft. Im Spitzenspiel gegen Borussia Dortmund wurde das Mittelfeld der Münchner über weite Strecken dominiert. Erst mit der Einwechslung von Arturo Vidal wendete sich das Blatt. Seine extrem physische Spielweise scheint der Mosaikstein zu sein, der in der letzten Saison gefehlt hat. Ob Schweinsteiger anstelle von Alonso ähnlich gut funktioniert hätte? Möglich – aber diese Frage ist eher von theoretischer Natur. Spannender wird die Frage sein, ob Alonso seine aktuelle Form halten kann.

Der FC Bayern vermisst Bastian Schweinsteiger in der aktuellen Saisonphase – zumindest auf dem Feld – nicht. Der Unvergessene ist binnen drei Monaten zum Vergessenen geraten. In keinem der bisherigen zwölf Pfichtspiele hat sich die Frage aufgedrängt: Hätte das Spiel mit Schweinsteiger besser funktioniert? Oder anders formuliert: Wäre die Partie mit ihm anders ausgegangen? An dieser Stelle frisst der Erfolg der Münchner diese Gedankenspiele auf. Allerdings – und das ist auch die Kehrseite der Medaille, ist Schweinsteiger noch nicht vollkommen in Manchester angekommen. Zu selten kann er ein Spiel über 90 Minuten bestreiten. Bisher hat er noch keine Partie so bestimmen können, wie es ihm in der Triple-Saison gelungen ist. Somit speist sich die Liebe der Münchner Fans eher aus den Erinnerungen als der Sehnsucht in der Gegenwart.

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Leserkommentare
  1. Juno Fay

    Schweinsteiger is loved and appreciated by the ManUtd fans as well as the trainer/the club there. And the most important thing is that he now can play at his preferred 6 position for which he was denied under Guardiola who used him randomly so to speak.

    Meanwhile, I am not sure if you have followed ManUtd matches closely. With more than 5 key players newly join the team this season, it takes time for the the players to gel and play like a team. Schweinsteiger certainly influences ManUtd team’s play when he gets onto the pitch. His influence will only grow further when the team gels better.

  2. pitvonbonn

    Dank Schweinsteigers “United Jugendtraum”, hat Bayern Alles richtig gemacht.
    Mit Vidal wurde der fehlende Aggressivleader verpflichtet und die Doppelsechs ist Vergangenheit.

  3. Preß

    Bin der Meinung, das die (momentane) körperliche Verfassung Schweinsteigers größtes Handicap ist, und auch bleibt. Ich glaube, er hat sein “Pulver verschossen”. Leider.

    1. Naja, mit “Pulver verschossen” verbinde ich implizit immer auch den Aspekt des “zu früh” nach dem Motto “jetzt haste zu schnell alles verballert und stehst ohne da, jetzt, wo’s drauf ankommt”. Das ist bei (Fipsi und) ihm ja erfreulicherweise nicht der Fall. Champions League geholt, Weltmeister geworden, das Pulver hat insofern gereicht :)

      1. Preß

        …aber für ManU wird’s schon knapp werden.

  4. Peter Weichenrieder

    Der FC Bayern hat alles richtig gemacht und dem Verfasser dieses Berichtes gratuliere ich hiermit. Mit Vidal wurde wieder ein “Kämpfer” geholt, so wie all die erforlgreichen Jahre zuvor. Diese Aufgabe konnte Schweinsteiger, aus den bekannten Gründen, nicht mehr ausfüllen.

  5. […] unser Autor Chris sich in seinem Text damit beschäftigt, ob man Bastian Schweinsteiger beim FC Bayern vermissen sollte, beschäftigt […]

  6. kurt

    Ich vermisse ihn schon als Person, aber sportlich ist diese Saison einfach ein großer Sprung nach vorn.

    Man muss schauen, wie sich Kimmich in Zukunft macht, wenn dann Alonso aufhört. Wahrscheinlicher wird man noch Kroos vermissen, wobei ich zur Zeit finde, dass man sich wirklich nah am Optimum bewegt.

    1. Chicken

      Ich vermisse Kroos sicher nicht. Und wenn man aufhören würde ihn ständig zu erwähnen und seinen Abgang zu beklagen, wäre er sicherlich bzw ist er bestimmt bei vielen schon schneller vergessen als BS 31.
      Wenn man sich nur als ein Beispiel die beiden LS in Irland und gegen Georgien (2 kampfstarke und die Räume verengende Teams) mal ganz genau anschaut und dabei speziell auf TK achtet (sowie seine hohe Anzahl an nichtgewinnbringenden Sicherheitspässen plus sein unglaublich schlechtes Zeikampfverhalten – das zumeist aus Zweikampfvermeidung bzw. passivem Nebenherlaufen besteht), sollte man eigentlich feststellen können, dass sein Abgang absolut verkraftbar war, er als Spieler durchaus verzichtbar und er in dieser aktuellen FCB-Mannschaft genausowenig Stammspieler wäre wie BS 31. Auch als Persönlichkeit spielt(e) TK keine herausragende Rolle.
      TK ist ein Spieler, der glänzt, wenn es gut läuft. Wird es haarig, ist er eher unauffällig. Wird es kritisch zieht er den Kopf ein und den Fuß zurück – muss man so einen Spieler wirklich vermissen??

  7. Marco05

    Auch wenn er aufgrund seiner Erfolge auf Lebenszeit unvergessen bleiben wird, ich vermisse ihn nicht wirklich. Wen dann allenfalls auf dem Platz, und dann auch oft nur in den großen Spielen.

    Wüsste nicht, was ich sonst an ihm vermissen sollte. Die Interviews waren wenn man mal ehrlich ist meist recht inhaltsleer. Ein Typ mit Ecken und Kanten ist er ja ohnehin nicht. Ansonsten ist er jahrelang mit seiner Sarah durch die Gazetten gehüpft und jetzt halt mit der Anna. Was bleibt ist die Chips-Werbung auf sky während der Spiele und nichts sagende Tweets, die im Wesentlichen die Medienpräsenz am Laufen halten.

    Der Abschied wurde schon bei der letzten Vertragsverlängerung knapp verhindert bzw. mit mehreren Beratern hart verhandelt, war aber zweifellos eine gute Sache. Jetzt war der Verbleib von beiden Seiten keine richtige Option mehr und auch das war in Ordnung. Ich habe große Zweifel, dass er sportlich in Manchester noch irgendwas brauchbares erreicht und auch mit der Nationalmannschaft wäre es Stand heute eine Überraschung. Ich sehe auch nicht, dass er im Anschluß an seine Karriere einen offiziellen Posten übernimmt, ich gehe davon aus, dass er sich komplett aus dem Geschäft zurückzieht. Man wird sehen.

    1. förb

      ich denke nicht, dass er sich komplett zurückziehen wird. im gegenteil, einige kurze shots bei den LS, wie er so neben JL sitzt und mit ihm tuschelt, da kam er schon fast rüber wie ein assistenztrainer. und wenn er beim FCB keine funktion übernehmen kann weil sein wechsel jetzt ein bruch war, dann er das bei der NM tun, da bin ich mir ziemlich sicher. aber man wird sehen…

      1. förb

        “dann WIRD er das…” srry

  8. Josef

    Fun Fact:
    “Der FC Bayern München hat (unbewusst) den Umbruch eingeleitet. Mit Schweinsteiger hat der erste große Spieler der Triple-Saison den Verein verlassen. Franck Ribéry und Arjen Robben sind aufgrund von Verletzungen ins zweite Glied gerückt. Im Mittelpunkt steht womöglich eine neue Spieler-Generation. Robert Lewandowski, Jerome Boateng, Manuel Neuer und Thomas Müller sind aktuell die Gesichter der Mannschaft.”
    Alles richtig. Und was nicht dort steht, und damit implizit zwischen den Zeilen: Auch der vierte der Fab Four steht nicht mehr für das Gesicht der Mannschaft. Auch Philipp Lahm ist ins zweite Glied gerückt, zumindest vorübergehend. Oder naja, ins 1B-Glied. Er spielt ja, aber er macht nicht mehr den Unterschied aus, er spielt nicht mehr prägend. Leider.

  9. Stephan

    Ich finde es verständlich, dass er uns verlassen hat (aber schade, wie) und stimme zu, dass er sportlich nicht fehlt. Würde mich interessieren, ob und wie Kroos sich bei uns entwickelt hätte. Der Abstand auf der Ballverteilerrolle und Taktgeberrolle zwischen
    Alonso und Kimmich ist riesig, bzgl Alter und Erfahrung.

  10. Stephan

    Viel Augenfälliger finde ich übrigens den vergessenen Lahm. Das wäre doch interessant zu analysieren: Vor zwei Jahren noch gelobt in höchsten Tönen als neues Mittelfeldass, und schlauester Spieler in Guardiolas Trainerleben, jetzt oftmals unauffällig, mit nach meiner Wahrnehmung gehäuften, meist kleinen Unkonzentriertheiten. Täuscht das?

    1. Jo

      Zur Einschätzung von Lahm gibt es drei (vielleicht neue) Faktoren zu bedenken:

      – Er wird schlicht kritischer beurteilt. Vor seiner Verletzung war Lahmkritik vollständig tabu. Er war akzeptiert als Meister aller Klassen und gut ist. Nach seiner Verletzung gab es wohl so etwas wie eine “Entwöhnung”. Man hat ihn mit etwas anderen, mit Argusaugen beobachtet. Gerade da nach seiner Abwesenheit jeder gespannt war in welcher Verfassung er sich präsentiert, hat man genauer hingeschaut. Und siehe da Lahm macht Fehler! Hat er natürlich auch vorher schon gemacht, aber da stand das eben nicht so im Fokus.
      – Lahm ist das defensivere Äquivalent zu Götze. D.h. nach seiner Verletzung gab es keine fixe Rolle mehr für ihn. Was er hat er denn nicht alles gespielt? RV, RA; DM, OM.
      Klar, Lahm ist ein anerkannter Vielkönner, aber auch für ihn gibt es Rollen die ihm besser und schlechter liegen. Und auch für ihn gibt es so etwas wie Eingespieltsein und Routine auf einer Position. Momentan ist er so etwas wie Peps Reparaturtrupp. Überall wo es gerade fehlt und klemmt kommt Lahm zum Einsatz. Bin mal gespannt, ob Pep ihm im Laufe der Saison wieder was eher fixes zuweist.
      -Seine Verletzung. Der Sprunggelenksbruch war eine wirklich üble Verletzung, die ihn lange Zeit außer Gefecht gesetzt hat. Es war deutlich zu sehen und auch erwartbar, dass er danach nicht Wochen, sondern Monate brauchte um wieder halbwegs auf die Beine zu kommen. Und auch heute noch, was man nicht vergessen darf, steckt eine ganze Menge Metall in seinem Fuß.
      Wie ihn das ggf. beeinträchtigt kann man als Außenstehender gar nicht einschätzen. Das es ihn behindert ist eine realistische Möglichkeit. Ich hoffe, dass in der Winterpause die Platte und Schrauben entfernt werden können.

      Meine Einschätzung wäre: Lahm spielt nicht in absoluter Topform, aber grundsätzlich ist es völlig o.k. was er abliefert. Meine Hoffnung ist, dass es nach der Winterpause noch einmal zu einer Steigerung kommt.

    2. förb

      lahm ist 31 und hat in seiner karriere lange zeit auf vier hochzeiten gleichzeitig getanzt (DFB-P, CL, BL, NM) und praktisch IMMER gespielt, und zwar IMMER 90 MINUTEN, er war fast nie verletzt, und seine position war bis in jüngste vergangenheit AUSSENVERTEIDIGER, was eine sehr lauf- und sprintintensive position ist. wenn hier einer sein “pulver verschossen hat”, dann lahm. dementsprechend hat es mich auch überhaupt nicht so krass gewundert, als er das ende seiner NM-karriere verkündet hat. er weiß halt, was mit seinem körper noch geht und was nicht. von daher sehe ich seine rolle als erfahrenen, “stillen” leader und allround-sehr-gut-spieler sehr positiv. ich denke diese rolle passt ihm absolut, er hat ganz offensichtlich gar nicht dieses selbstdarstellungsbedürfnis, immer der mann im fokus zu sein (siehe NM rücktritt), guardiola ist froh ihn zu haben, und den unterschied machen jetzt schlicht und einfach jüngere, “heißere” spieler wie lewa, müller und CoCo. that’s life. so ist sport. so ist fussball. all good.

  11. Dinzinger

    Schöner Artikel, wie immer.
    Zwei Anmerkungen: “Bastian Schweinsteiger war seit jeher ein Schlüsselspieler beim FC Bayern”.
    Finde ich nicht, ehrlich gesagt; 2009/10 bis 2013, ja, auf jeden Fall, seine Anfänge waren aber schon eher zäh (falsche Position), nach dem CL-Sieg ging es dann stark bergab (Verletzungen). “Seit jeher” vielleicht etwas pathetisch formuliert.
    Und dass er nach dem 1:1 das CL-Finale bestimmt hat, kann man so sehen, fand aber, dass Martinez da der Wichtigere und Dominantere der beiden war. Da könnte mich aber auch die Erinnerung (ziemlich blau in der Bayernkurve in Wembley) trügen. :-)
    Alles in allem: Danke für die geilen Kampfspiele unter van Gaal und Heynckes, viel Glück in Manchester (wird nix Besonderes werden). Wer Bayern verlässt, ist selber schuld. :-)
    Geht immer weiter.

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