Die 120 überragenden Minuten des Javier Martinez

In großen Spielen gibt es meist einen entscheidenden Akteur – für die breite Masse ist das in vielen Fällen der Stürmer, der den Siegtreffer erzielt oder der Torwart, der beim Elfmeterschießen über sich hinauswächst. Im DFB-Pokalfinale nahm Javi Martinez diese Rolle ein – und empfahl sich bereits im letzten Spiel 2013/14 für die kommende Saison.

Es war alles andere als einfach für den 25-Jährigen in dieser Saison. Zu Anfang überspielt, speziell aufgrund des anstrengenden Confed-Cups 2013, und dann auch noch verletzt, bestritt der Baske in der Hinrunde lediglich vier Spiele über die volle Distanz. Dass Pep in dem einen seiner zwei Spanier durchaus einen wichtigen Mann sah, stellte er immer wieder klar – doch schien sich der Trainer noch nicht ganz sicher zu sein über die Position, die Martinez im System einnehmen sollte. Das führte wiederum dazu, dass dieser zwischen Innenverteidigung und Acht im Mittelfeld wechselte. Konstante Einsätze, auf denen man sein Spiel weiterentwickeln kann, sehen anders aus. Und trotzdem: In der Rückrunde schaffte er es ein ums andere Mal die mitunter schwachen Leistungen seiner Innenverteidiger-Kollegen auszugleichen und kam immer besser in Tritt – ohne jedoch einen hundertprozentigen Stammplatz inne zu haben.

Wie essentiell Martinez für den FC Bayern sein kann und wird, zeigte er dann im Pokalfinale. Ein kurzer Blick in die Statistiken genügt, um seine durchgehend sehr gute Bewertung in den Zeitungen zu rechtfertigen: 92 Pässe (davon 13 lange) mit einer Passquote von starken 88 Prozent sprechen für die Umsichtigkeit und Ballsicherheit, die der Spanier 120 Minuten lang ausstrahlte. Sagenhafte 14 (!) klärende Aktionen (zum Vergleich: Hummels auf schwarz-gelber Seite mit gerade mal zwei) unterstreichen das Gefühl, dass man als Zuschauer bekam: Martinez war überall auf dem Platz und unterband gefährliche Aktionen meist schon im Ansatz. Auch seine Foulstatistik kann sich sehen lassen. Wäre Schiedsrichter Florian Meyer in der ersten Halbzeit nicht ein ums andere Mal auf die teils hinterlistige Fallsucht von Reus & Co. reingefallen, wären es noch weniger als fünf unfaire Aktionen geworden. Und in einem Spiel gegen die zweitbeste Kontermannschaft der Welt auf der Martinez-Position ohne gelbe Karte auszukommen, spricht ebenfalls Bände.

Zweites Finale gegen den BVB – zweite überragende Leistung

Bereits vor gut einem Jahr im Wembley-Stadion hatte der Spanier aller Welt bewiesen, dass sich die in ihn investierten 40 Millionen Euro ausgezahlt haben. In der lethargischen Anfangsphase behielt Martinez damals die Ruhe und rettete den FCB zusammen mit Manuel Neuer vor einem frühen Knockout. Zu diesem Zeitpunkt stellte er die Komponente da, die den Bayern bis dato gefehlt hatte: In großen Spielen konnten die Leistungsträger zu selten ihr höchstes Niveau erreichen – gerade auch Bastian Schweinsteiger versagten dann die Nerven. Martinez hingegen ist auf den Punkt da und macht die großen Spiele zu seinen ganz persönlichen Highlights.

Was Javi’s Spielweise so besonders macht, ist seine unheimliche Antizipationsstärke. Während zum Beispiel Luiz Gustavo seinen Gegner den Ball annehmen lässt und ihn dann attackiert, lässt es Martinez gar nicht auf derartige Mann-gegen-Mann-Duelle ankommen, sondern erkennt die Situation frühzeitig und geht dazwischen. Zudem hebt sich mit ihm das Niveau des Aufbauspiels aus der Innenverteidigung heraus merklich. Kaum ein riskanter Pass am Strafraum oder eine verschluderte Aktion im Mittelfeld geht auf seine Kappe – im Gegensatz zu manch haarsträubendem Klärungsversuch von Kollege Dante.

Im Spiel gegen den BVB war Martinez zentraler Verteidiger in der Dreierkette – dem System, dem Pep Guardiola in Zukunft wohl vertrauen möchte. Und vielleicht beantwortet das die Frage des Trainers nach der optimalen Position von Javi. Quasi Innenverteidiger, Sechser und Teilzeit-Achter in Personalunion. Eins steht jedenfalls fest: Macht er nächste Saison da weiter, wo er jetzt aufgehört hat, kann sich Martinez ein Prädikat verdienen, das nur ganz wenige Spieler aktuell beim FC Bayern inne haben: Unverzichtbar.

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Leserkommentare
  1. […] analysiert das Spiel aus einem taktischen Blickwinkel. Meine Analyse gibt es bei Welt Online. Miasanrot feiert Javi Martinez als den besten Bayern-Spieler. Lars Wallrodt (Welt Online) sah einen wankenden […]

  2. […] über das Zusammenspiel der optischen und akustischen Reize eines Fußballspiels fort. Miasanrot stimmt einen Lobgesang auf Javi Martínez an. Die Verletzungen von Lahm und Neuer haben sich als […]

  3. DS

    In letzter Zeit hört man sehr viele Gerüchte über einen möglichen Wechsel von Martinez. Nach dieser Saison könnte ihm das auch keiner verübeln. Wie schätzt ihr die Chancen ein, dass er Bayern verlassen wird?

    Einen Punkt möchte ich noch kurz ansprechen: Javis Körpersprache im DFB Pokal Finale. Wenn es auch sonst oft dein Eindruck macht als ob Martinez sich nicht richtig mit der Mannschaft identifizieren könne, hat er mit seinem Einsatz letzten Samstag das Gegenteil gezeigt. Bezeichnend hierfür sind für mich vor allem zwei Szenen zwischen den beiden Toren. In einer Situation entschärft er einen Konter und daraufhin seine Mitspieler an. In einer weiteren Situation lies er sich zu einer heftigen Auseinandersetzung mit den Dortmunder Spielern nach einem Foul hinreißen und musste von Boateng(!) zurückgehalten werden. Auch wenn letzteres normalerweise als negativ zu bewerten wäre, zeigt es in diesem Fall wie emotional wichtig dieses Spiel für Martinez war.
    Über das gesamte Spiel hinweg machte er auf mich neben Robben den motiviertesten Eindruck.

  4. Felix

    Ich halte einen Wechsel für aüßerst unwahrscheinlich. 1. hat Javi selber zueltzt im Interview mit der Sport Bild betont, dass er daran keinen Gedanken verschwendet, 2. hat man ja endgültig erkannt, dass es ohne ihn schwer wird, gegen konterstarke Mannschaften zu bestehen und 3. würde es finanziell keinen Sinn machen einen 40 Millionen Mann, der recht jung ist, so früh wieder ziehen zu lassen.
    Von der Einstellung her würde ich im Pokalfinale jetzt wenigen Spielern einen Vorwurf machen, ansonsten gebe ich dir aber zu 100 Prozent in dem Recht, was du über Robben sagst. Er & Javi sind für mich in der Hinsicht Vorbilder für Kroos und Co.

  5. […] geschrieben haben – es war keine einfache Saison für Javi Martinez, auch wenn er sie mit einer überragenden Leistung im DFB-Pokalfinale krönen konnte. Auch bei der WM wird Javi es wohl nicht leicht haben im mit Weltstars gespickten […]

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