WM-Blog: Kein Bayern-Tor in Russland

Es ist nicht die Weltmeisterschaft des FC Bayern. Seit 1990 hatte immer mindestens ein aktueller Spieler des Rekordmeisters bei einer WM getroffen. 2018 in Russland wird diese Serie voraussichtlich reißen. Doch ist das wirklich dramatisch?

Man muss sich dieser Thematik etwas differenzierter annähern als mit bloßen Fakten. Zu sagen, dass die Bayern-Spieler weniger Qualität hätten als in den Turnieren zuvor, wäre ebenso absurd wie die Behauptung, dass sie alle außer Form sind.

Ohnehin wird im Fußball viel zu oft das Individuum betrachtet. Ronaldo schoss Portugal mit seinen drei Treffern 2016 nicht im Alleingang zum Titel. Im Finale fehlte er seinem Team sogar über weite Strecken der Partie. Für Real Madrid erzielte der Superstar gleich mehrere wichtige Treffer in den vergangenen Champions-League-Spielzeiten. Trotzdem müssen diese Abschluss-Situationen eingeleitet, vorbereitet und freigelaufen werden.

Ronaldos Anteil an den Erfolgen seiner Teams war groß, aber es gab keinesfalls einen Alleingang. Genauso wenig ist Messi für das schlechte Abschneiden der Argentinier verantwortlich. Er hat höchstens eine Teilschuld. Betrachtet man den Fußball nicht ständig in diesen Extremen, fällt eine realistische und objektivere Bewertung von Leistungen auch einfacher.

Wir lieben diese Extreme und sie gehören dazu. Natürlich müssen sich manche Spieler mehr an ihren individuellen Leistungen messen lassen als andere. Aber wenn diese Weltmeisterschaft eines zeigt, dann, dass Fußball eben immer noch ein Mannschaftssport ist. Funktioniert das Kollektiv, funktionieren oft auch die Stars auf einem ganz anderen Level. Vielleicht gab es früher mal Spieler, die eine ganze Mannschaft zum Titel getragen haben. Doch der Fußball hat sich weiterentwickelt und funktioniert nur noch, wenn eine Mannschaft zusammen stark ist.

Der Bayern-Fluch?

Der FC Bayern stellte bei dieser WM, zählt man Neuzugang Goretzka dazu, 12 Spieler. Goretzka, Rudy, Süle, Thiago und Tolisso saßen dabei oft auf der Bank und hatten zusammen eine gute Chance auf ein Tor. Hummels und Boateng sind Innenverteidiger. An Toren werden die Beiden nicht gemessen, wenngleich Erstgenannter seine große Möglichkeit gegen Südkorea hatte. Neuer traf überraschend ebenfalls nicht. Bleiben James, Lewandowski und Müller als reine Offensivspieler sowie Kimmich, der als Außenverteidiger keine nennenswerte Torchance zu bieten hatte.

Gerade von Lewandowski und Müller hätte man sich das eine oder andere Tor erhofft. Nun war der Pole aber überhaupt nicht eingebunden. Pässe seiner Mannschaft erreichten ihn höchstens mal außerhalb des Strafraums und seine Läufe in die Tiefe wurden nicht belohnt. Es ist nicht fair, Polens Ausscheiden an ihm festzumachen. Die gesamte Mannschaft war nicht in der Lage, genügend Druck nach vorn zu entwickeln.

Oftmals fand sich Lewandowski in Eins-gegen-Drei-Situationen wieder, die er einfach nicht gewinnen konnte. Die bittere Erkenntnis für den Stürmer: mehr war nicht drin. Polen war insgesamt zu statisch und behäbig. Die Probleme lagen im Aufbauspiel und im Mittelfeld.

Müllers Situation diskutierten wir bereits im Podcast. Ihm kann man noch am ehesten einen Vorwurf machen, weil er seiner Form auch unabhängig von der schwachen Leistung des deutschen Teams hinterherläuft.

Seine Einbindung war ebenfalls nicht gut, aber das entlastet ihn nur teilweise. Müller, der sonst immer für ein Tor gut war, ist diesmal nicht in der Lage gewesen, seiner Mannschaft zu helfen.

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Für James ist am Dienstagabend ebenfalls Schluss im Turnier gewesen. Der Kolumbianer konnte nur in einer Partie zeigen, dass er der wichtigste Spieler seines Teams ist. Leider war er in den restlichen Spielen angeschlagen oder verletzt. Andernfalls wäre das erste Bayern-Tor bei der WM 2018 durchaus möglich gewesen.

James konnte seiner Mannschaft im Achtelfinale nicht helfen.
(Foto: Matthias Hangst / Getty Images)

Es bleibt aber festzuhalten, dass die Bewertung nach Toren kein fairer Indikator für einen Rückschluss auf die Qualität des FC Bayern ist. Dafür ist Fußball zu komplex. Allerdings gibt es durchaus Kriterien, die solche Rückschlüsse zulassen.

Gerade das Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft sollte auch beim FC Bayern Thema sein. Gegen Mexiko spielten fünf Bayern-Spieler und zwei Akteure aus der Bundesliga. Im zweiten Spiel waren es erneut fünf aus München und drei Bundesliga-Spieler. In der letzten Partie reduzierte sich die Anzahl an Bayern-Spielern auf vier. Es blieb aber bei drei Bundesligisten.

Die Qualität in der Bundesliga hat abgenommen. Bayern entfernt sich zunehmend von der Konkurrenz und wird selbst in schwächeren Spielzeiten mit deutlichem Vorsprung Meister. Andere Mannschaften bringen ihr Niveau oft nur dann auf den Platz, wenn es gegen den Serienmeister aus München geht. Konstanz ist nicht vorhanden.

Die Nationalmannschaft war deshalb auch ein Spiegelbild einer Liga, die seit einigen Monaten nicht mehr in der Lage ist, im internationalen Vergleich ganz oben mitzumischen. Aus der Liga der Weltmeister wurde eine Ansammlung ganz ordentlicher Mannschaften. Auch das Abschneiden in Europa League und Champions League war ein Indikator für den schwächelnden deutschen Fußball. Es wird in Zukunft Ideen brauchen, wie man den Rückstand auf die Konkurrenz verringern kann.

Für den FC Bayern kann das frühe Aus seiner Spieler bei der Weltmeisterschaft in Russland aber auch viele positive Aspekte mit sich bringen.

“Weltmeister sind schwerer zu motivieren”

Kovac wird die Nationalspieler früher bei sich begrüßen dürfen, als es ursprünglich vermutet wurde. Lediglich Tolisso ist jetzt noch im Turnier und der wird – so sieht es im Moment jedenfalls aus – höchstens von der Bank kommen. Zum Saisonstart dürfte deshalb ein frischer Bayern-Kader erwartet werden.

Das neue Trainerteam hat genügend Zeit, um sich und die Mannschaft auf das wichtige erste Saisondrittel vorzubereiten. Auf seiner ersten Pressekonferenz antwortete Kovac auf die Frage, ob es nun schwerer sei, die Spieler zu motivieren, dass es eher einfacher wäre. Top-Spieler wären nach Misserfolgen viel hungriger als nach einem Titel. “Weltmeister sind schwerer zu motivieren”, sagte der Berliner.

Mit der aktuellen Situation ergeben sich für Kovac durchaus Vorteile, die Guardiola und Ancelotti bei Amtsantritt nicht hatten. Trotz vieler Titel in den letzten Jahren ist der FC Bayern angreifbar geworden. Der Status der Unbesiegbarkeit hat auch auf nationaler Ebene endgültig gelitten. Das nagt natürlich am Selbstverständnis, aber es dürfte auch die Motivation der Spieler erhöhen.

Wenn Kovac seine Empathie und Redegewandtheit, die er unter der Woche abermals unter Beweis stellte, auch in den Teamansprachen und Einzelgesprächen umsetzen kann, ist bereits viel gewonnen. Kommt dann noch die nötige Kompetenz im sportlich-taktischen Bereich dazu, wie ihn der Trainer gerne nennt, kann der FC Bayern etwas froher in die Zukunft blicken als noch vor wenigen Monaten.

Solange die Bayern-Spieler im richtigen Trikot wieder Tore erzielen, kann es dem Rekordmeister nämlich egal sein, wie viele Tore sie bei der Weltmeisterschaft auf dem Konto hatten.

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Leserkommentare
  1. wipf1953

    Kein Bayern-Tor – ist das nicht etwas voreilig? Was passiert, wenn Tolisso Brasilien aus dem Turnier schießt?

    1. „voraussichtlich“, „wenn“… absolut schreibe ich das nirgends.

    2. eigentor

      Das könnte schon im Viertelfinale gegen Uruguay passieren. Sehr wahrscheinlich wird Tolisso den gelbgesperrten Matuidi ersetzen, es sei denn, Deschamps stellt sein (inzwischen defensiver gewordenes) System um und bringt auf links einen echten Flügelstürmer, statt eines 8ers.

  2. wipf1953

    Hast ja recht, Justin, selbst wenn Tolisso nun das Turnier seines Lebens spielen sollte, bleibt Fakt, dass selbst dann alle anderen Bayernspieler torlos geblieben sind.

    Nachdem der beim FC Bayern spielende beste Deutsche Stürmer aber gar nicht mitgenommen wurde, nachdem es außerdem eine WM mit relativ wenigen Toren (bzw. mit wenigen “Kantersiegen”) ist und nachdem Bayerns Top-Nichtdeutsche entweder noch verletzt (Coman) oder zurückgetreten sind (Robbery), gibt es für das fehlende Toreerzielen schon Erklärungen.

    Der Artikel legt den Finger ja auch in eine andere, wichtigere Wunde. Bayern stellte die meisten deutschen Nationalspieler. Diese DFB-Elf ist in zwei von drei Spielen torlos geblieben. “Tore reinmachen” ist nur bei ganz wenigen Spielern die Hauptaufgabe. Als Mannschaft Tore erzielen ist das Ziel, und hier hat die WM schon gezeigt, dass sich diese Bayernspieler auch gegen gut organisierte Verteidigungen von Underdogs nicht mehr durchsetzen konnten.

    By the way, wie viele Bayernspieler haben denn Tore vorbereitet?

    1. Olorin

      James bereitete beim 3:0 über Polen das 1:0 und das 3:0 für Kolumbien vor (wobei die Vorlage zum 3:0 wunderschön war). Das war´s.

  3. Olorin

    Guter Kommentar, dessen beschwichtigen Tonfall ich durchaus gut finde. Dennoch sollte man auch nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, das fast völlige Fehlen von direkten Torbeteiligungen von Bayernspielern ist ein Symptom einer schon bekannten Schwäche: Bayern ist offensiv unterbesetzt. Im Grunde gibt es für die vier Offensivpositionen mit Lewandowski, Müller und James nur drei wirklich einplanbare Spieler. Der Rest ist in höchstem Maße verletzungsanfällig und entweder noch sehr jung (Gnabry, Coman) oder schon sehr alt und weit über dem Zenit (Ribéry, Robben) und spielte auch aus diesem Grund bei der WM keine Rolle. Da hilft es auch nix, dass wir dahinter qualitativ wie quantitativ hochwertig besetzt sind, wenn wir dann im CL-Halbfinale wieder auf Gedeih und Verderb der verletzlichen Gesundheit Franck Ribérys ausgeliefert sind.
    Leider scheint auch diese Transferperiode nicht genutzt zu werden, um diese Baustelle anzugehen (außer mit Gnabry, aber der wurde ja im Grunde schon vor einem Jahr geholt und ist genauso verletzungsanfällig wie der Rest). Die konkreter werdenden Gerüchte um Pavard fallen für mich in eine ähnliche Kategorie wie letztes Jahr Süle und Tolisso: perspektivisch eine gute Idee, hilft kurzfristig aber erstmal nur wenig weiter. Die Baustellen sind woanders.

    1. wipf1953

      Naja, das sehe ich jetzt etwas anders: Gnabry und Coman waren beide verletzt – hätten sie an der WM teilgenommen, hätte ich beiden durchaus zugetraut, für Furore zu sorgen. Für beide Spieler zusammen hat Bayern bei weitem weniger Ablöse gezahlt als z.B. Man United für Martial .. wenn es wirklich gelingen sollte, die Offensivstellen mit solchen Transfers zu füllen, wäre das eine herausragende Transferpolitik.

      Schade nur, dass dann wieder Geschichten passieren wie Breno, Sanches oder Götze. Transfers wie in den bleiernen 1990 / 2000er Jahren, als rein nach Namen gekauft wurde. Oder die causa Toni Kroos, der für rückblickend lächerlich kleines Geld an einen der größten Konkurrenten verkauft wurde.

      Ich denke, wir werden noch mindestens einen interessanten Transfer sehen, bevor die Saison losgeht. Unser Scouting ist inzwischen so gut, dass das ein Spieler sein könnte, der für diese WM gar nicht nominiert wurde. Vielleicht ist er ja sogar torgefährlich – Kovac, Brazzo sowie “Hoeness und Rummenigge” wird nicht entgangen sein, dass die etablierten Bayernstars ein wenig stumpf geworden sind.

      1. eigentor

        Sehe ich genauso. Coman wäre im Kader der Franzosen gewesen, die Entscheidung gegen ihn war ohnehin sehr knapp, aufgrund fehlender Spielpraxis nach seiner Verletzung. Olorins Argument (“noch sehr jung”) sticht zwar nicht, (Mbappé und Dembelé sind beide jünger), dennoch hat er recht: “Bayern ist offensiv unterbesetzt.” In der gesamten CL-Saison kann ich mich nur an einen einzigen überzeugenden Flügellauf erinnern – als Coman im Rückspiel gegen den PSG Dani Alves überrannte und Tolisso das 3:1 servierte.

        Auf den Flügeln muss was passieren. Robben hat deutlich an Durchschlagskraft verloren, Ribéry ebenso, auch wenn er mich zum Saisonende angenehm überrascht hat (solange die Puste reichte). Ich sehe beide nur noch als Einwechselspieler (wenn die gegnerische Abwehr schon “müde” gespielt ist). Und ich bin
        immer noch der Meinung, dass Bayern Real geschlagen hätte, wenn Coman fit gewesen wäre.

        Darüberhinaus ist Kimmich für mich als rechter Aussenverteidiger keine gute dauerhafte Lösung. Kimmich gehört ins Mittelfeld, wo seine überragenden Fähigkeiten erst voll zur Entfaltung kommen können. Darüberhinaus wirken sich dort seine Schnelligkeitsdefizite nicht so gravierend aus. Als “Ersatzrechtsaußen” ist er m. E. verschenkt.

        Verstehen würde ich gerne, was Sie mit “unser scouting ist inzwischen so gut” meinen. Zielen Sie vergleichsweise ab auf die “bleiernen 1990/2000 er Jahre” oder auf die Zeit nach Reschke. Letzteres könnte ich nur schwer nachvollziehen (siehe Coman, Kimmich).

        Und ganz zum Schluß noch danke an Justin. Ich habe die wohltuend sachlich-nüchterne Analyse gerne gelesen.

      2. willythegreat

        In den “bleiernen” 1990/ 2000er Jahren waren aber auch einige Spitzentransfers dabei für ebenfalls mehr als vernünftige Ablösesummen. Wir hatten immerhin den französischen Weltmeister Lizarazu im Kader, dann Willy Sagnol, der Stammspieler bei der Vizeweltmeisterschaft 2006 war. Stürmer wie Giovane Elber oder Roy Makaay hätten wohl auch in ihren Nationalmannschaften für Furore sorgen können, wenn ihre Plätze nicht durch Überspieler wie Ronaldo und Rivaldo bzw. van Nistelroy besetzt gewesen wären. Auch Ballack war jemand, der auch mal bei einer WM (2002) herausstechen konnte. Mit Ze Roberto und Paolo Sergio waren Spieler dabei, die es sogar in Brasiliens WM-Stammelf schafften. Rein WM-technisch betrachtet waren diese Jahre für das Prestige des FCB besser als die aktuelle WM. 2014 war natürlich unschlagbar. Möglicherweise reden wir nach der nächsten WM wieder etwas anders, wenn sich Spieler wie Gnabry oder Coman etablieren.

      3. wipf1953

        Jancker war auch ein guter Transfer – es war nicht alles schlecht, natürlich nicht.

        Aber diese hochintelligenten Sachen wie Kimmich, (hoffentlich) Gnabry, Süle, vor ein paar Jahren Olic und Mandzukic, oder der genialste Transfer überhaupt, Arjen Robben, das kam erst Mitte der Nullerjahre.

    2. Lukas

      Da stimme ich Olorin absolut zu. Ich würde noch etwas präziser werden und sagen, wir in Sachen schnelle Offensivspieler unterbesetzt. Kovac wird (hoffentlich) viel mit 3er/5er Kette spielen und (zurecht) eher 50-60% Ballbesitz anstreben, von daher wird Bayern wahrscheinlich wieder so viele Kontersituationen bekommen, wie seit 2009 nicht mehr. Wenn dann Ribery, James Müller und Lewa nach vorne sprinten, kannst du kaum eine Überzahl kreieren. Selbst bei Gnabry ist das mit Vorsicht zu genießen, der hat vor allem einen starken Antritt. Alles in allem würde ich auf Grund Kovacs der aktuellen Entwicklung nicht wirklich neue Flügelspieler fordern, da es eventuell garkein System mehr gibt, in dem bspw. ein Robben für ein isoliertes 1g1 freigespielt wird.
      Von daher finde ich die Gerüchte über Martial überragend. Mir würde kein passenderer Spieler einfallen. Schnell abschlussstark und offensiv komplett variabel einsetzbar.

  4. Mehmet68

    Pavard scheint ja schon fix zu sein, wie seht Ihr das?

    Falls ja: Respekt vor so einem geräuschlosen und weitsichtigen Transfer!

  5. Turbo Batzi

    Die Aussage “Kein Bayerntor bei dieser WM” habe ich vor einigen Tagen erstmals im Staats-TV gehört und musste etwas schmunzeln. Selbst nach Saisonende wird man nicht müde, Verknüpfungen der abstrusesten Art herzustellen. Danke, dass das hier nochmal ad acta gelegt wurde. Zumal mir gleichzeitig auffiel, dass in D gar nicht die These aufkam, der FCB sei Schuld am Scheitern der Nationalmannschaft. Diese Schlussfolgerung hätte man unter den bekannten Denkmustern eigentlich irgendwo lesen können.

    Ein Fakt, der mich allerdings schon interessieren würde im Hinblick auf Konkurrenzfähigkeit der Bundesliga: Gibt es eine Zahl zur Höhe der Nationalspieler aus der Bundesliga, die bei dieser WM teilnehmen? Oder noch interessanter: auf wieviele Einsätze kommen Bundesligaspieler bei dieser WM in der Gruppenphase. Denn wenn die Bundesliga wirklich permanent schwächer und unattraktiver wird und andere Ligen inzwischen die guten Spieler anheuern, dann müssten die Zahlen in den letzten 10-12 Jahre doch eigentlich herunter gegangen sein.

      1. Turbo Batzi

        Danke, interessant! Also sank der Schnitt in den letzten 8 Jahren von 2,6 Bundesligaspielern pro WM Team auf 2,33 und nun 2,1.

        Man könnte argumentieren, dass mit der Nicht-Teilnahme von Holland, Türkei, Österreich (und ggf. Italien) die Bundesliga überdurchschnittlich betroffen war (Nachbarländer bzw. die Türkei mit generell hohem Austausch). Und mit der Teilnahme vieler afrikanischer Mannschaften Ligen in anderen Ländern ihren Schnitt dagegen erhöhen konnten. Trotzdem ist die Zahl in meinen Augen durchaus interessant und aussagekräftig.

      2. Ibiza

        gut, das würde ich auch nicht überbewerten, da gibt es viele Effekte, die da mitschwingen – also dass die Bundesligaabstellungen auch schon von 2010 auf 2014 zurückgingen kann man ja zb. eher kaum durch die schwache BL erklärt werden wenn 2013 ein rein dt. CL-finale stattfand und ne Brutalabfertigung von Barca+Real in den Halbfinals. Eher könnte man auch gerade die gestiegene Attraktivität der BL zu dieser Zeit daran festmachen, dass deshalb mehr gute BL-spieler ins Ausland abgeworben wurden, gerade weil mehr ausl. Fokus auf die BL und ihre Qualität gelenkt wurde. Dass es auch nach 2014 weiterging mit dem Abwerben von BL-profis könnte man wiederum auch dadurch erklären, dass das Land des Weltmeisters natürlich automatisch auch nochmal attraktiver (als es durchs rein dt. CL-finale eh schon war) für ausl. Vereine BL-stars abzuwerben.

        Man kann aber auch durchaus gerade in der von dir erwähnten üblichen “der FCB muss schuld sein” Sicht argumentieren – als Topspieler in eine/r Liga zu gehen/bleiben in der man, wenn nicht gerade bei Bayern anheuert, quasi keinerlei Chance auf nen Meistertitel mehr hat (anders als früher, da gabs immer wieder zwischendurch echte Konkurrenten und sogar auch mal totale Überaschungsmeister a la Aufsteiger Kaiserslautern – sowas ist in England aber nicht mehr als 20 Jahre her dass ein extremster Aussenseiter – Leicester City- die PL gewann) ist das halt schon mal ein ziemlicher Wehrmutstropfen – welcher Profispieler träumt nicht davon auch mal so einen maximalen, zumindest national, Erfolg zu erzielen.

        Aber klar – dass in anderen Ligen mehr Kohle kursiert (allen voran die PL, die bei der WM-abstellungsliste nicht überaschend meilenweit führt) spielt natürlich sicherlich auch ne gravierende Rolle. Dass sich das aber nochmal deutlich verschoben hätte in den letzten Jahren ist allerdings ne Illusion der Medien – wenn man sich die konkreten Zahlen bzgl. der Fernsehgelder anschaut ist es schon quasi immer so, dass England einen hohen Faktor zur BL hatte, der sich auch überaschend wenig geändert hat. Wenn recht in Erinnerung habe (hatte mir das mal genauer angeschaut) ist er recht konstant um die 3 geblieben in den letzten beiden Jahrzehnten (davor gabs ja nicht mal Privatfernsehen, geschweige denn Paytv) seitdem die Fernsehgelder überhaupt ein entscheidnder Faktor wurden…

      3. Turbo Batzi

        @Ibiza

        Valide Punkte. Wobei ich den Finaleinzug des BVB 2013 nicht als dominant bezeichnen würde (Donezk/Malaga als KO-Gegner, der irreguläre Sieg gegen Malaga, gegen Real im Rückspiel verloren). Aber du hast insofern recht, dass Schalke 2013 ja auch als Gruppenerster die CL abschloss (wir damit inkl. Dortmund 3 Top Teams hatten) und D ein Jahr später auch Weltmeister wurde.

        So gesehen könnte man wiederum argumentieren, dass die steigende Attraktivität des deutschen Fußballs dazu führen sollte, dass mehr Nationalspieler aus anderen Ländern bei Bundesligisten anheuern. Ich persönlich glaube, dass Gehalt nicht das einzige Argument ist. Gerade für Spieler aus anderen Kontinenten (Südamerika, Afrika) ist die Chance, in Europa zu spielen, bereits Anreiz genug. Vielleicht ist das aber auch ein Scouting Problem (was hat Leverkusen damals beispielsweise immer für Stars aus Lateinamerika hervorgebracht).

        Daher würde ich die stetige Abnahme von Bundesligaspielern bei Weltmeisterschaften durchaus als Indiz werten, dass wir im Vergleich zu anderen Ligen an Qualität (“Spielermaterial”) schrittweise einbüßen. Die Gründe sind sicher mannigfach (Scouting, FCB-Dominanz, Vermarktung der PL, Scheich-Gelder im Transferkreislauf etc.).

    1. Finn

      Hey Batzi, ich finde deinen Kommentar prinzipiell lesenswert und du trägst auch einen interessanten Aspekt zur Diskussion bei, aber es wäre trotzdem cool, wenn du auf Begriffe wie “Staats-TV” verzichten würdest.
      Das ist in der Form und mit der Konnotation zum einen einfach relativ großer Quatsch und zum anderen an dieser Stelle auch komplett unnötig.

      1. Ibiza

        weiß nicht, ob man jetzt so übermäßíg politisch korrekt sein muß und selbst einen doch recht harmlosen Begriff wie “Staats-TV” anprangern. Es ist doch recht nah immer noch an der korrekten Bezeichnung “öffentlich-rechtlicher Sender”. Natürlich hat es Anklänge von Erdogan+Putin, aber mein Gott, davon geht nun wirklich nicht die Welt unter. Dass wir davon in Deutschland recht weit entfernt sind, ist, denke ich auch so jedem klar, fand den Ausdruck eher ironisch/witzig…

        Ich persönlich finde deutlich eher, dass übermäßige politische Korrektheit (und hier meine ich natürlich nicht, dass man sich über sowas wie bei der Echoverleihung aufregt, ob es deswegen dann aber zb. richtig und notwendig war den Preis komplett abzuschaffen, ist schon wieder ganz andere Geschichte) wie sie in Deutschland (nicht verwunderlich bei unserer Vergangenheit) oftmals vorkommt, auch durchaus Gefährliches hat. Weil es sinnvolle Diskussionen heutzutage fast schon im Keim erstickt, wenn man wie bei nem Eiertanz nur noch am Aufpassen sein muß, dass auch ja nichts und niemand sich auf den Schlips getreten fühlen könnte, ohne, dass man das eigentlich wollte. Sinnvolle Diskussionen, gerade um “heisse” Themen sind aber extrem wichtig, um positiven Fortschritt möglich zu machen…

      2. Finn

        @Ibiza

        Ich finde nicht, dass das was mit übertriebener politischer Korrektheit zu tun hat. Ich glaube, sobald man etwas verunglimpfend (und sei es nur locker nebenbei) über eine Gruppe sagt (egal ob es nun um die Herkunft geht, Beruf, Aussehen etc.) und diejenigen sich dadurch beleidigt fühlen, sollte man auf die Gefühle der Personen Rücksicht nehmen – weil man eben nicht weiß, wie das für diese Personen ist, wie es sich anfühlt usw.

        In einer Unterhaltung mit einem Griechen mal kurz nebenbei “Pleite-Griechen” droppen, ist für denjenigen auch nicht so geil – nur als Beispiel. Und für mich als Mitarbeiter eines öffentlich-rechtlichen Senders ist “Staats-TV” einfach verunglimpfend und problematisch, weil er so ganz klar meine Berufsgruppe diffamieren soll – nichts weniger ist die Benutzung des Begriffs “Staats-TV” in meinen Augen. Es suggeriert ganz klar und ausschließlich: das ist vom Staat gelenkt. Und der Normalisierung von sowas, dass es einfach mal locker nebenei erwähnt wird, der sollte man sich entgegenstellen, finde ich. Gerade als Betroffener.

        Sorry für den Rant, aber mir ist wirklich wichtig, zu verdeutlichen, was man mit der Benutzung so eines Begriffes tut und was man den Weg ebnet – auch wenn man es vielleicht nicht so meint. Aber damit leitet man einfach (bewusst oder unbewusst, auch bei Mitlesenden) die Delegitmierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ein. Mal abgesehen davon, dass man sich als Mitarbeiter dieses Systems angegriffen fühlt.

      3. Ibiza

        Ok, ja, das kann ich dann doch jetzt deutlich besser nachvollziehen deine Reaktion. Natürlich macht es einen Riesenunterschied, ob man nun selber gerade Teil eines kritisierten Systems/Lands/Personengruppe ist.

        Bin mit der Suche nach “StaatsTV” auf diesen recht interessanten Artikel gestoßen – nicht von ungefähr aus der Schweiz, wo ja vor Kurzem sogar über die Abschaffung des öffentlichen Rundfunks/Gebührenpflicht abgestimmt wurde – interessanterweise mit überwältigender Mehrheit für dessen Beibehaltung:
        https://www.nzz.ch/feuilleton/medien/staats-tv-oder-oeffentliches-tv-1.18183632

        Und ich würde trotzdem sagen, dass es etwas anderes ist, ob man nun in einer Unterhaltung, wo schon klar ist, dass ein Grieche mithört, einen Ausdruck wie “Pleitegriechen” (was ja eigentlich noch deutlich klarer der Realität entspricht als dass man öffentlich-rechtlichen Sendern eine zu große Staatskontrolle vorwirft mit nem Begriff wie StaatsTV) dann so einen Begriff fallen läßt. Was dann sicherlich für eine hohe “Insensivität” der Person spricht, die sowas macht. Ob man deswegen aber schon in jedeweder Diskussion über Südeuropäer und ihre Steuer/Ausgabenmoral dann einen solchen Begriff absolut vermeiden muß – klar besser wärs, da bin ich total einer Meinung mit Dir – keine Frage, aber isses wirklcih so schlimm?

        Ich persönlich würde da eher versuchen (wenn ich denn nun zb. Mitarbeiter eines solchen Senders wäre) mich um solche Bezeichnung einfach überhaupt nicht zu scheren – weil man ja selber genau weiß dass es Blödsinn ist (auch wenn man wie im Artikel dargelegt zumindest etwas kritisch schon sein kann ob dieses Raushalten des Staates bei uns wirklcih perfekt/ausreichend funktioniert) dass man mit StaatsTV a la Rußland verglichen wird. Sowas(weil man eben selber total vom Gegenteil überzeugt ist wie dus wohl durchaus zu Recht bis) läßt mich doch ebenso kalt, wie dass sich jetzt natürlich zb. Engländer oder Brasilianier “diebisch” über unser Ausscheiden bei der WM gefreut haben und das auch sehr öffentlich und plastisch oft kundgetan wurde – da steht man doch auch als nur noch ehemaliger “Weltmeister” aber sowas von drüber….

  6. Fabian

    Frage mich gerade, warum niemand über einen Transfer für RA diskutiert. Martial wäre doch auch LA, oder? Und mit Coman und Gnabry haben wir doch dann schon zwei Spieler, die dort spielen. Coman ist für mich ganz klar links stärker als rechts und Gnabry hat doch auch bisher meist, wenn überhaupt, links gespielt, oder? Finde Brandt immer noch interessant. Vielleicht nicht für dieses Jahr, aber spätestens für nächstes. Nein, er ist nicht der schnellste, aber intelligent, durchschlagskräftig und gut im 1gg1.

    1. Ibiza

      Ja, also selbst bei unserer Grotten-WM – wenn man Leistung als Arbeit/Ergebnis (2 Pfostenschüsse) pro Zeit (paar kurze Einwechslungen) sieht war Brand recht klar der einzige unserer Spieler, der durchgängig überzeugt hat.

      Was im Nachhinein finde ich übrigens durchaus gerechtfertigt hat, dass Löw sich in einer sehr kontroversen Entscheidung für ihn statt Sane entschieden hat, der bisher bei der Nationalmannschaft (und ne, daran muß dann nicht automatisch Löw schuld sein – es ist schon durchaus völlig was Anderes in einem komplett neuen Umfeld/Mitspielern zu performen, anders als in einer “Wünsch dir Was”-Mannschaft bei Mancity und in der täglichen Arbeit mit Guardiola) halt leider in gar nicht so wenigen Versuchen wirklcih unglaublich wenig gerissen hat…

    2. Eigentor

      Coman, Gnabry, Martial und Brandt haben alle vier interessanterweise das gleiche Profil: starker rechter Fuß, bevorzugte Position Linker Stürmer, können auch in der Mitte oder rechts (dort als inverse Stürmer) spielen. Sollte man wirklich mit Brandt oder Martial eine ohnehin vorhandene Doppelung eines Spielerprofils noch mal verdoppeln? (Die von Mourinho geforderten 85 Mio Ablöse für einen Spieler, dessen Vertrag in einem Jahr ausläuft, sind ohnehin ein Witz).

      1. Lukas

        Also das verstehe ich nicht ganz. Martial hat bei Monaco hauptsächlich MS gespielt, Gnabry bei Nagelsmann oft HS und Brandt spielt bei Lev eigentlich alles (vermehrt über links). Abgesehen davon haben deren Profile eher wenig miteinander zu tun, denke ich. Brandt ist unglaublich spielintelligent und lebt insbesondere davon, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Er verliert auf engem Raum kaum Bälle und hat zahlenmäßig eine geradezu irrwitzige Effizienz. (Ich glaube Nummer eins oder zwei in Europa). Er macht wahnsinnig spielwitzige Dinge, wie, wenn er den Ball am rechten Fuß hat, ihn mit dem linken zu passen, indem er praktisch seinen eigenen Fuß anschießt. Er ist hingegen nicht besonders schnell, durchschnittlich abschlussstark, kein Kopfball. Martial ist im vergleich Taktisch meilenweit schlechter. Dagegen im 1 gegen 1 potentiell einer der besten Europas und ähnlich schnell wie Coman oder Mbappe. Außerdem verfügt er über einen sehr guten Abschluss undkann im Zentrum Flanken verwerten. Granbry ist schwer einzuschätzen. Er hat sich bei Nagelsmann recht eigenartig entwickelt. Ich denke sein Fußball IQ ist ebenfalls relativ beschränkt, dafür kann er taktisch sehr diszipliniert sein. Ich sehe, wenn überhaupt, bei ihm und bei Coman Ähnlichkeiten, wobei Coman (hoffentlich) auch in der Lage wäre einen klassischen Außenstürmer zu spielen, bspw. in der 5er Kette, während ich Gnabry sogar zutraue den 10ner Raum zu bespielen, da er unter Nagelsmann ein erstaunlich gutes Passspiel bekomme hat.

        Ergo: Ich denke alle vier sind sehr unterschiedlich einsetzbar und ich hätte sie am liebsten alle im Kader und Rob/Rib als Netzwerkende Scouts/Markenbotschafter oder sowas. Also vor allem Robben, Ribery könnte auch Hofnarr im neuen Campus werden.

      2. wipf1953

        Coman, Gnabry, Martial und Brandt sind alles Rechtsfüßler – wie übrigens auch Rebic oder Werner. Wenn die alle auf links spielen sollen / wollen, sind sie dort invers. Ob das so sinnvoll ist, nachdem einer unserer besten, James, als Linksfuß zentral spielt, also tendenziell dorthin zieht, wo diese über links kommenden Inversen ihren Abschluss suchen sollen?

        Es wirkt so, als hätte Bayern keinen schnellen Linksfuß auf dem Radar – Costa war einer, aber diesen angeblichen Stinkstiefel musste man ja laut UH unbedingt loswerden (klar, verstehe ich, aber warum hält man dann am weitere Stiefel Lewandowski so fest?).

        Inzwischen wird ja der Kovac-Kommentar aus der heutigen FAZ von den anderen Medien aufgegriffen. Dass die Großen (Mannschaften / Länder) die Kleinen fressen ist passe .. jetzt fressen die Schnellen die Langsamen. Gnabry fällt in die Kategorie “schnell”. Rebic und Werner ebenso (Werner ist insbesondere auch “antrittsschnell”, das ist vielleicht das allerwichtigste).. Ich hoffe schon sehr, dass sich noch etwas tut und Bayern noch einen schnellen Mann verpflichtet.

    3. Hittmer Otzfeld

      Martial ist eher LA. Mit Ankunft Sanchez musste er auf rechts ausweichen und das war dann auch der Anfang vom Ende – definitiv kein gleichwertig LA/RA. Sind die allerwenigstens im Übrigen, wieso immer so platt behauptet wird “der kann sowohl rechts als auch links” ist mir schleierhaft.

      Ich würde mich auch über einen potenten RA freuen auch wenn dann die Offensive fast zu aufgebläht wirken würde, aber “nur” mit Robben und Müller in die neue Saison zu gehen ist arg unterwältigend. Der Traum: Willian.

  7. Osrig

    Nach Verstärkungen zu rufen, geht m.E. am Kernproblem vorbei:
    Wir haben bereits Top-Spieler in unseren Reihen, die einem Neuen – wenn überhaupt – nur wenig nachstehen würden!
    Trotzdem war die offensive Durchschlagskraft alles andere als optimal, trotz unermüdlicher Versuche wurden im Verhältnis zu wenig hochkarätige Chancen herausgearbeitet. Mangelnde Qualität unserer Spieler?
    Ich denke, die Schwierigkeit liegt darin, dass die Gegner inzwischen das “Spiel gegen den Ball” verbessert haben und in ihrer Bewegung ohne Ball eine sehr gute Grundordnung haben. Gegen solche gut eingestellten Gegner helfen salopp gesagt nur gut herausgespielte Chancen, die aber vor allem eine Frage des Zusammenspiels und der offensiven Grundordnung ist. Da unseren Jungs gegen die gute Abwehrarbeit der Gegner zu wenig einfiel, sollte durch die Verbesserung unser Offensivordnung versucht werden, die Gegnerdefensive wieder mehr in Unordnung zu bringen, was durch ideenloses Ballgeschiebe und harmlose Flanken aus dem Halbraum mittlerweile nicht mehr erreicht wird. Sehr wohl aber können Überzahlsituationen durch bewegliche Positionseinnahmen und schnelles Pass-Spiel erreicht werden, egal, ob durch Kombinationen in die Spitze oder über die Breite des Feldes.
    Ein neuer Mega-Transfer würde genauso an ideenlosem Spiel und Behäbigkeit scheitern, wie unsere Jungs bisher auch ihre Schwierigkeiten hatten. Damit sind wir aber beim Thema Taktik und Motivation und somit bei Kovac!

    1. Jo

      Sich mit Verstärkungen beschäftigen macht immer Spaß.
      Aber wo sollten derzeit denn neue Spieler hin, bzw. was könnten wir ihnen anbieten? Auch als großer Freund eines üppigen Kaders muss ich feststellen, dass da momentan einfach kein Platz mehr ist. Zumindest für Spieler mit einem gewissen Standing und daraus resultierenden Ansprüchen.
      Insofern ist die Hoeneß-Aussage, dass bevor noch jemand kommt erst jemand anderes gehen muss völlig nachvollziehbar.
      Und die beiden prädestinierten Kandidaten dafür sind Bernat und Vidal. Während bei einem Dutzend anderer Spieler viel heiße Luft durch den medialen Ventilator geblasen wird, hat bei den beiden der Verein handfeste Tatsachen geschaffen durch die Nichtverlängerung der Verträge.
      Vidal könnte dabei noch ohne Ersatz gehen, da im MF im Vergleich zum letzten Jahr aktuell eh zwei Neue zur Verfügung stehen.
      Spannender wäre es schon bei Bernat. Da würde ich im Kader keinen logischen Nachfolger sehen. Also finde ich die Frage wer ggf. als neuer LV kommt viel spannender als Spekulationen über einen möglichen RA, da naheliegender.

      1. wipf1953

        Völlig richtig, Jo. Wahrscheinlich glühen hinter den Kulissen die Drähte und die Öffentlichkeit bekommt nullkommanull mit. Wie immer bei den Transfers, die dann tatsächlich zustandekommen.

  8. Anton

    Am besten gefällt mir immer dieser Hinweis auf die Schwäche der Bundesliga. Haben wir denn zwei verschiedene 1. Ligen.
    Da spielt die eine Mannschaft mit 8 Spielern aus der Bundesliga, zwei aus der PL und einem aus der Seria A und fliegt in der Vorrunde raus.
    Die andere Mannschaft spielt mit 8 Bundesligaspielern,, zwei aus der PL und einem aus der Seria A. Die trotzen Brasilien ein Unentschieden ab, schlagen Serbien und verlieren mit viel Pech das Achtelfinale mit 0:1 durch ein halbes Eigentor.

    Da erscheint mir das mit der Bundesliga doch etwas zu einfach.. Die Gründe sind sicher an ganz anderer Stelle zu suchen. Und auch arüber ist ja schon reichlich geschrieben worden unter den Stichworten – Überheblichkeit, Leistungsgedanke, Teamspirit.

    1. Ibiza

      sehr schön auf den Punkt gebracht, ist ja wirklcih krasse Dopplung!

      ein entscheidender Unterschied allerdings noch – während bei der ausgeschiedenen Mannschaft fast alle in der Rückrunde noch europäisch und auf Pokalebene Mehrfachbelastung hatten war das bei der weitergekommenen Mannschaft wenig bis gar nicht der Fall. Dürfte auch noch mit entscheidender Punkt sein…

      Wie Olli Kahn zuletzt scherzte – da hat uns ja die FIFA nen Riesengefallen getan, dass 2022 endlich mal im Winter WM gespielt wird. Wo noch nicht sämtliche Topspieler wegen eben dieser massiven Belastung schon ziemlich am Ende ihrer Kräfte sind wenns eignetlich aufs Ganze gehen sollten um dem größten Titel im Fußball…

      1. Anton

        Dann sieh dir doch mal Mannschaften wie Kroatien an- wo spielen den Spieler wie Modric, Rakitic, Mandzukic, Rebic und Co. Frag mal Rebic, wann er das letze Pokalspiel hatte? Wo spielen den die Masse der Belgier – in der PL! Die haben 3 Pokalrunden, die euroäischen Wettbewerbe und keine Winterpause, aber dafür statt 18 – 20 Mannschaften in der Liga.und die englischen und brasilianischen Nationalspieler von Liverpool sind auch zum Großteil immer noch im Geschäft. Das mit der Mehrbelastung – eher nicht.

      2. Ibiza

        ja, also das auffälligste Phänomen generell bei dieser WM ist schon in der Tat ein anderes – jede Nation die in den letzten 10 Jahren was gerissen EM/WM Titelmäßig (D, Spanien, Portugal, Italien ja noch nicht mal zur WM geschafft) hat ist spätestens im 8tel Finale raus – das dürfte absolut historisch sein.

        Und selbst wenn Finalteilnehmer hinzunimmt (Argentinien auch noch raus, Niederland nicht mal bei der WM) ist lediglich Frankreich dann noch dabei..

        Lediglich eben Brasilien, Frankreich (beide gute 20 Jahre ohne Titel, erstere mit dem 1:7 Megastachel) und England (seit 66 nix mehr gerissen und immer früher raus als D außer jetzt) sind von den renomierten Namen noch dabei.

        Das stellt dann eben in der Tat schon sehr deutlich die Motivations/Erfolgshunger-thematik in den Vordergrund…

    2. Jo

      Ich würde diesen Fakt auch nicht über betonen.
      Da wird in allen möglichen Datenabraumhalden gewühlt um sich das herauszuziehen was die gerade gängige These stützt.
      Was nicht ins Bild passt wird eben ignoriert.
      Mir ist da nicht die Schweiz sondern Österreich eingefallen. Die sind hauptsächlich (vmtl.?) deswegen nicht bei der WM weil sie ihr Heimspiel gegen Irland verloren haben. Wären sie dabei gewesen hätte man noch so um die 10 BL-Spieler dazu zählen können und die Aussage wäre in sich zusammengebrochen.
      Also hängt dann die Stärke der BL an einem verlorenen Spiel der Österreicher?

      1. Anton

        Ich sehe das Hauptproblem an ganz anderen Stellen. Und dafür brauche ich keine Nationalmannschaft, sondern kann mir jeden beliebigen Verein aussuchen.
        Wie hieß es im Winter: ” es geht beim WM-Kader nach dem Leistungsprinzip! Jetzt haben alle Spieler in der Rückrunde die Gelegenheit durch Leistung zu beweisen, dass ihre Nominierung gerechtfertigt ist” Hört, hört!
        Und dann fangen wir mal an. Die Nr 2 bis 5 der Torschützenliste finden erst gar nicht statt. Die Nummer mit Gomez war so etwas von durchsichtig, dass es schon peinlich war.
        Von den vorhandenen Außenstürmern wird genau einer berücksichtigt, der dann aber kaum spielt. Der Rest-Pech gehabt.
        Der von den Leistungsdaten beste Linksverteidiger bekommt schon im März gesagt, Kader ist nicht.
        Und bei aller Wertschätzung für Manuel Neuer – ein ter Stegen spielt eine Supersaison und bekommt eine Nr.1 vor die Nase gesetzt, die bis zur Kaderfestlegung kein einziges Spiel gemacht hat. Und einem Leno wird dann der Ersatztorhüter von FSG vorgezogen.
        Dass weder ein Thomas Müller, noch ein Jerome Boateng in absoluter Topform sind, bei Boateng auch der Verletzung geschuldet, – egal. Dass ein Draxler nur als Ersatzspieler von PSG mit kaum Einsätzen kommt -egal, das ein Özil bei Arsenal auch nicht der Brüller war -egal.
        Wenn ich in einem x-beliebigen Verein einigen Spieler mehr oder weniger unverblümt zu verstehen gebe – du bist sowieso gesetzt, wirkt sich das aus – vor allem im Kopf.
        Und die anderen Spieler sehen, ich kann im Training und in der Saison bringen, was ich will, ich spiele sowieso nicht. Das nennt man dann Nasenfaktor – und der Teamgeist ist im Eimer. Das funktioniert in keiner Mannschaft – auch nicht in der Nationalmannschaft.

        Der zweite Punkt, und der ist noch viel gefährlicher, ist die Überheblichkeit.
        “Deutschland wieder Glück bei der Auslosung” “Mexiko ist der klare Außenseiter” “Südkorea Platz57 der Weltrangliste” Und dann setzt man noch einen drauf – “Reus brauchen wir für die wichtigen Spiele!”
        Und das bekommt man nicht mehr aus den Köpfen! Der Beweis – die jährlichen “Sensationen” beim Pokal!
        Jeder Erstligist weiß es und war auch schon selbst einmal betroffen – die “Kleinen” kämpfen als gäbe es kein Morgen und die “Großen” kicken halt. geht meistens gut, aber auch jedes Jahr wieder im ein oder anderen Fall böse daneben.
        “Wie müssen den Gegner ernst nehmen!” – Ja,ja, wird schon nicht so schlimm sein. Und dann geht es dahin.
        Schweden hat seit 2017 kein Heimspiel mehr verloren – nicht gegen Frankreich, nicht gegen die Niederlande und auch nicht gegen Italien – und dann wird der eEindruck vermittelt, als wäre das Laufkundschaft.

        Und der dritte Punkt – siehe DFB- Homepage. Kader 23 Spieler; Sortliche Leitung 5 incl. Bierhoff; “Das Team hinter dem Team” 40 dabei ist die Zahl der Medienverantwortlichen und Büromendschen mehr als dreimal so hoch wie die Zahl der Ärzte oder Physios. Egal, macht zusammen 68 Nasen
        Die Entourage des DFB in Russland 118!!!! Alle wichtig, alle haben irgendwo was zu sagen. Der Büroleiter und der Medienfuzzi turnen im Innenraum des Stadions rum. Da wurde man das Gefühl nicht los, da ist alles wichtiger als der Fußball. Den Erdogan lassen wir mal als Nebenkriegsschauplatz außen vor – noch so eine böse Fehleinschätzung.
        Dann darf man sich halt hinterher nicht wundern, wenn es den Bach runter geht

  9. Anton

    Ich finde, dass es Kovac heute eigentlich auf den Punkt gbracht hat – Ballbesitzfußball ohne Tempo bringt nichts.
    Mann konnte es doch deutlich sehen. Spanien spielt gegen Russland über 1100 Pässe – was hat es außer einem russischen Eigentor gebracht? Den Polen hat der Ballbesitz genauso wenig gebracht wie unserer Mannschaft.
    Eine symptomatische Szene war ein verunglückter Schuß der Südkoreaner-Neuer fordert schnell den Ball und bekommt ihn auch. Aber bis der Ball dann die Mittellinie überquerte, waren gefühlte 2 min vergangen. Tempo ist anders.
    Dass ein Thomas Müller kein Rechtsaußen ist, sollte sich doch allmählich rumgesprochen haben.
    Dass bei allen Verdiensten eines Ribery die schwerwiegende Verletzung von Coman zur Unzeit kam, dürfte auch klar sein. Und dass ein fitter Gnabry das auf der anderen Seite auch kann, hat er bei Hoffenheim gezeigt.
    Im Mittelfed sind wir doch eigentlich auch für die Offensive so gut besetzt, dass es möglich sein müsste, das entsprechende Tempo nach vorne zu bringen.
    Gegen 5er- + 4er-Ketten den Ball hin und herzuspielen kann es nicht sein und auch da hat Kovac das passende dazu gesagt: Damit verschiebt sich das gesamte Konstrukt immer weiter nach vorne und ist dann bei einem Ballverlust, den es immer geben kann extrem konteranfällig.

    Mal gespannt, wie er das künftig lösen wird.

  10. rookie

    Lass mich ja gerne von Kovac überzeugen wie der FC Bayern gegen busparkende Gegner keinen Ballbesitzfussball mehr spielt. In der eigenen Hälfe bleiben und dann de Ball rüberdreschen, damit man dann Kontern kann? Kann ein FC Bayern im eigenen STadion genau 5 Minuten praktizieren. Das Kovac einen auf Atletico machen will habe ich mit schon lange gedacht ,super für die champions league, aber wie das in der Bundesliga gehen soll,? Da ist keiner so doof gegen Bayern Räume zu lassen.In der Bundesliga hat Bayern halt die Barcelona Rolle und würde die nur durch Jahre der Enttäuschungen verlieren.

    1. Lukas Erhart

      Haha ja das wird wirklich spannend :-)

  11. rookie

    Übrigens hatten wir mal den Ballbesitztrainer schlechthin und mit dem haben wir den erfolgreichsten (vom Punkteschnitt und nach einer WM Saison gegen den Tuchel BVB in der Form ihres Lebens) und schönsten Fußball den ich je gesehen habe (sehe seit 30 Jahren alle Bayernspiele). Dann hat dieser Trainer es gewagt nicht die champions league zu gewinnen,.Dann kam derselbe Quatsch au,. der jetzt wegen des Ausscheidens von Spanien und Deutschland vebreitet wird: Ballbesitzfußball ist tot, uneffektiv usw. Der pragmatische Ancelotti wird es richten, tja und selbst der Oberpragmatische Super-Spielerversteher -Vater Jupp hat weder die Verletztenmisere beendet noch das Triple wiederholt, war nicht einmal ein double. Und jetzt soll eben Kovac mal richtig Tempo spielen lassen, mal endlich umschalten gegen hintendrinstehende Busparker und dieses furchtbare Quergeschiebe beenden. Wir können Fehler halt zig mal wiederholen. Hätten aber auch einfach Tuchel holen können und unsere Rolle eines Dominanzteams , die wir einfach haben, weil wir die besten Spierl und ds meiste Geld haebn einfach mal annehmen und mit guten Spieler weiterverfolgen anstatt die dafür notwendigen Spieler zu verkaufen (Kroos) oder in frage zu stellen (Thiago)

    1. wipf1953

      Auch wenn Du sehr emotional argumentierst, versuche ich mal eine Antwort:

      1.
      Du hast zwar alle Bayernspiele der letzten 30 Jahre gesehen, aber das, was Kovac heute in der FAZ geschrieben hat, scheinst Du nicht zu kennen. Ich hab’s heute morgen gelesen und fand es sehr überzeugend.

      2.
      Das erste, was Kovac geschrieben hat war: Wie diese WM – die deshalb eine spannende WM ist – ganz klar zeigt, können auch die vermeintlich “Kleinen” inzwischen toll verteidigen. Island zum Beispiel.

      3.
      Das zweite war: Ballbesitz alleine bringt deshalb nicht mehr viel. Geschwindigkeit ist jetzt der entscheidende Faktor. Und ich behaupte nicht, dass Kovac damit etwas Neues erkannt hat. Dass Bayern schon seit einiger Zeit auf einen Gnabry setzt, ist für mich schon ein Indiz, dass sie das schon seit Jahren wissen und bei ihren Transfers beachten. Und dass jetzt Kovac neuer Bayerntrainer ist, liegt gerade nicht an seinem “Stallgeruch” oder daran, dass “UH nach seinem erzwungenen Urlaub nur noch alte Freunde um sich rum erträgt” (diesen Stuss überlassen wir mal den Boulevardzeitungen und anderen Fußballforen). Nein, Bayern hat schlicht und einfach einen “Aufsteiger” verpflichtet, der diese Philosophie teilt.

      4.
      Deine Aussage, dass Bayern “die besten Ballbesitzspieler hat” und dass sie deshalb “Tuchel hätten verpflichten sollen”, teile ich überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil – die drei Clubs in Europa, die heute noch auf Ballbesitz setzen, sind Barcelona, PSG und ManCity. Alle drei sind finanziell deutlich stärker als Bayern. Was bitte wäre so toll daran, sic mit diesen drei Clubs um die für Ballbesitz besten Spieler zu streiten?

      5.
      Ich argumentiere zwar immer gegen den Ballbesitzfußball, aber ich bin hoffentlich weit davon entfernt, ihn komplett schlechtzureden. Die Erfahrung der drei Jahre Pep haben sicher den meisten Bayern-Stammspielern sehr gut getan (siehe etwa die Entwicklung von Boateng, oder dass Alaba plötzlich auch Vorstopper spielen kann). Auch Robben hat, obwohl er seine Explosivität etwas verloren hat, von Guardiola profitiert. Aber die Entwicklung muss weitergehen, und diese Erfahrungen aus der Ballbesitzzeit werden in Zukunft nur noch ein Element unter vielen sein.

      1. Mehmet68

        +1 zu Punkt 4. Ich sehe uns da eher mittelprächtig besetzt und finanziell nicht konkurrenzfähig.

    2. Ibiza

      es wird hier immer wieder/von Vielen argumentiert als ob es nur 2 Varianten gäbe – Ballbesitz und Konterfußball. Ne, in der Realität ist das ein total fließendes Spektrum.

      Mannschaften wie Mancity+Barca spiegeln nur die Extremform des Ballbesitzfußballs wieder.

      Ich würde aber alles drauf wetten, dass auch diese Saison unter Kovac wir in fast jedem Spiel in der BL mehr als 50% Ballbesitz haben werden. Im Schnitt werden wir recht wahrscheinlich wo um die 60% rum liegen – also ev. minimal unter dem was man unter Heyknes hatte, aber immer noch meilenweit auf der Ballbesitz-Seite des Spektrums…

      1. Rainer

        @IBIZA. Genau richtig. Die Ballbesitzquote wird etwa in diesen Bereichen liegen. Das hängt m.M.n. auch mit den Pressingzonen zusammen. In der BL werden wir gg. defensive Gegner höher verteidigen, also den Ball schneller zurückbekommen. Also mehr Ballbesiz haben.

  12. Ibiza

    Für mich ist die ganze WM bisher eine perfekte Reflexion/Wiederspiegelung des heurigen Pokalfinales:

    Schon vor dem Mexikospiel fand ich die Parallele zu den letzten Spielen gegen die Eintracht bestechend: Man trifft zum 2. mal in relativ kurzer Zeit (Eintracht kurz vorher in der Liga, Mexiko wars ein Jahr vorher im Confedcup, was für Nationalmannschaftsverhältnisse aber eben auch ein “kurz vorher” ist) auf dieselbe Mannschaft. In der ersten Begegnung tritt man mit totaler B-Mannschaft an und gewinnt haushoch. Demzufolge müßte es mit der A-Mannschaft der totale Spaziergang werden, aber Pustekuchen – die Realität könnte kaum weiter davon entfernt sein…

    Aber auch das Tunier als Ganze spiegelt sowas bisher immer wieder aufs Neue und bei einer Vielzahl von Nationen. Umso erfolgreicher man war im letzten Jahrzehnt (siehe weiter oben in meinem Kommentar an Anton) umso schneller und deutlicher gehts in die Grütze. Wer dagegen ewig ausgehungert erfolgstechnisch oder wos zuletzt besonders “böse” (1-7 Brasilien) lief, da funktioniert es heuer plötzlich alles super.

    Es ist aber auch ähnlich wie bei der Eintracht nicht so, dass es dann reiner Zufall wäre wer es plötzlich packt, sondern es sind schon sehr wohl dann weiterhin besonders gut eingestellte (Kovac sei Dank im Falle der Eintracht) und Mannschaften mit akut hoher Qualität (auffallend ist da eher, dass es Mannschaften sind wo gerade relativ viele neue Stars sich hervorgetan haben und die vor 10 Jahren eher noch “am Boden” waren) die es packen. Eben zb. auch Kroatien+Belgien, die aber trotz hoher Qualität und “Geheimfavoriten”status dem in den letzten Tunieren nie so wirklich gerecht werden schafften. Auch Brasilien, Frankreich und England sind vom Kader her nochmal klar besser geworden (bei Brasilien+Frankreich zb. die neuen Superstars Coutinho und Mbappe neu hinzugekommen) als man sie bei früheren Tunieren sah. Und ebenso ist auch die Eintracht vom Kader her eben auch durchaus besser (man hatte zb. nen Kämpfer total a la Kevin Prince in den eigenen Reihen, aber auch viele junge Toptalente a la Marius Wolf oder Jovic, dazu kommen Leute wie Rebic, der auch bei der WM jetzt schon weiter positiv auf sich aufmerksam gemacht hat) aufgestellt war als in früheren Jahren…

  13. Anton

    Ballbesitzfußball ist nicht gleich Ballbesitzfußball. Und gerade der “Meister” zeigt es doch. ManCity spielt Ballbesitzfußball aber(!) … warum ist denn da ein schneller Außenstürmer, der auch noch dribbelstark ist, zum besten Jungprofi der PL gewählt worden. Und warum holte den Barca einen schnellen und trickreichen Dembele, PSG einen schnellen und trickreichen Mbappe. Weil alle genau das wissen, was ein Kovac genau so gesagt hat: Ballbesitz ohne Tempo bringt nichts.
    Das absolute Negativbeispiel war doch Spanien-Russland, über 1100 Pässe in 120 min und das Ergebnis ein russisches Eigendor aus einem Standard. Natürlich wird auch weiter Ballbesitzfußball gespielt werden – aber eben nicht ohne Geschwindigkeit.
    Und wenn man sich die guten Spiele des FCB ansieht, dann war es immer der Ballbesitzfußball mit Tempo – einem schnellen Ribery und seinem 1 gegen 1, einem schnellen Robben mit seinem 1 gegen 1, einem schnellen Costa, einem schnellen Coman . Und das ist es was ein Kovac will und nicht nur ein Kovac, denn dazu passt auch die Verpflichtung eines Gnabry oder eines Goretzka.

  14. Osrig

    Die Diskussion “Ballbesitzfussball vs Dominanzsystems vs Schnelles Umschalten” wurde an anderer Stelle ja schon geführt, leider auch unterbrochen! Ich möchte sie hier nicht wieder aufleben lassen, aber ein, zwei Anmerkungen seien mir gestattet.

    Wir sind uns doch alle einig, dass Ballbesitz für sich selbst genommen kein Ziel sein kann, da sonst Selbstzweck ohne Effektivität. Wir sind uns auch einig, dass in Zukunft nicht mehr ein einzelnes System gespielt werden wird, sondern je nach “Feindlage” und Spielstand variabel vorgegangen werden soll. Das Motivation und Gier – bei jungen, noch wenig erfolgreichen Spielern meist stark ausgeprägt – eine wichtige Rolle spielen, wenn man höchste Titel gewinnen will, dürfte ebenfalls außer Frage stehen.

    Kovac steht nun vor der Aufgabe, für unseren FCB Änderungen zu bewirken, die es ihm erlauben, mit höherer Wahrscheinlichkeit als bisher Großchancen zu generieren. Wie sollen diese Änderungen aussehen?
    Es heißt dann: Mehr Geschwindigkeit!
    Inwiefern? Möchte er tatsächlich die Sprinter auf dem Feld haben und “Rennball” a la Leipzig sehen? Möglichst noch über das halbe Feld aus der eigenen Deckung heraus? Die “In-zehn-Sekunden-zum-Torabschluss” Schnellen Umschalter? Mit Wuhling um den Ball und bei Ballgewinn rennt die ganze Offensive Richtung gegnerisches Tor? In der Hoffnung, den Gegner überrumpeln zu können?
    Oder geht es nicht eher darum, mehr Geschwindigkeit in die eigenen Pässe und Laufwege zu bekommen, um Ballbesitz und Dominanzsystem zu mehr Dynamik zu verhelfen? Eine Dynamik, die in den letzten Monaten bei uns zunehmend verloren gegangen ist. Das Dominanzsystem bleibt trotz aller Unkenrufe ein praktikables und erfolgversprechendes System, dass meines Erachtens allen anderen Systemen überlegen ist. Wozu Weiterentwicklungen nötig sind, die ich auch gerade im Bereich der Handlungsschnelligkeit und Beweglichkeit sehe. Was nicht dagegen spricht, Elemente der schnellen, vertikalen Systeme mit einzubauen.

    1. Anton

      Ja, dann nenne es eben Dynamik. Rennball ist es mit Sicherheit nicht. Und du sprichst es ja selbst an, dass genau dies Dynamik uns – vielleicht auch durch Verletzungen bedingt – mehr und mehr gefehlt hat. Und dann bleibt nur noch der Ballbesitz übrig und der reicht nicht.
      Wie man das Baby nun nennt, Umschaltspiel, Handlungsschnelligkeit,Geschwindigkeit in die Pässe und Laufwege- letztlich bleibt das Ergebnis das gleiche: ohne Tempo geht nichts.
      Vielleicht muß man auch mal wieder diese Statistikgläubigkeit aus den Köpfen verbannen.
      Was nutzt es, wenn die Mannschaft 5,6879 km mehr läuft als der Gegner und dafür hinten 2x einen Bock im Strafraum schießt. Was nütz dir – siehe Spanien- wenn du 1114 Pässe unfallfrei spielt und nix dabei raus kommt. Was helfen 78% Ballbesitz, wenn du das Spiel trotzdem 0:1 verlierst. Dieser Statistikwahn bringt keinen wirklich weiter. Aber offensichtlich ist einigen in den Fernsehstudios einfach langweilig.

      1. Klaus

        @Anton
        Dieser Statistikwahn in den TV-Studios ist nicht selten überflüssig wie ein Kropf, denn er sagt in der Tat nichts über das wirkliche Spielgeschehen aus. Schon gar nicht beschreibt eine Statistik, ob das Endergebnis gerecht gewesen ist.

    2. Rainer

      @OSRIG. Du bringst es wieder mal auf den Punkt. :) oder wie von IBIZA geschrieben“ als ob es nur 2 Varianten gäbe – Ballbesitz und Konterfußball. Ne, in der Realität ist das ein total fließendes Spektrum.“
      Ich kann mir auch nicht vorstellen, das Kocac mit Geschwindigkeit eine Umstellung auf ein Spielsystem analog Leipzig meinte. Die von Dir genannten Elemente klingen erfolgversprechend. Wir werden die ersten Ansätze in den atestspielen sehen. Ich freue mich schon darauf.

    3. Klaus

      @Osrig
      100% Zustimmung zur Anmerkung was den Rennball anbelangt und die mitunter falsch verstandene Darstellung des Ballbesitz- bzw. Dominanzfußballs. Es ist nach wie vor die Dynamik in allen Bereichen entscheidend, ob ein Spiel auch den Fan und Zuschauer begeistert oder ihn zum Einschlafen bringt. Wenn so mancher Trainer ein total langweiliges Spiel dadurch aufwertet, indem er auf die taktischen Finessen verweist, dann stellt sich die Frage, ob der Zuschauer solch ein Spiel überhaupt sehen möchte. Ich hoffe nur, Kovac orientiert sich weder an der WM und auch nicht an den letzten 6 Minuten des Spiels Frankreich gegen Belgien. Hier wurde eine (negative) Lehrstunde für Ballbesitz geboten. 6 Minuten Nachspielzeit, Belgien musste unbedingt ein Tor schissen und sie kamen in diesen Minuten kein einziges Mal an den Ball. Wenn man diese Art des Taktiksystems als Fußballkunst ansieht, dann Gute Nacht Fußball.

  15. Schwarzenbeck

    Was anderes: Der Abgang von James scheint konkreter zu werden. Und dafür Draxler? Leute, Leute – gebt am besten noch Thiago ab, dann mache ich erst einmal Pause.

    Sorry, aber das kann doch gar nicht sein. Man beharrt bei Lewandowski auf Vertragseinhaltung und will davon dann bei James nichts mehr wissen? IMO hat der noch ein Jahr Leihe und danach gibt es eine einseitige Kauf-Option. Warum auf James in seiner Prime ohne Not verzichten? Wir haben Real doch schon den Querpass-Toni geschenkt.

    Mann, Mann, Mann!

    1. eigentor

      Gestitufe, die Berateragentur von James, dementiert heute einen Wechselwunsch.
      Wir sollten uns nicht von täglich wechselnden Spekulationen aus dem sonnigen Spanien verrückt machen lassen.

  16. Marco05

    Kann Kovac bitte ab sofort alle Interviews geben und möglicherweise auch noch den Pressesprecher machen? Finde das einfach überragend…

    1. Eigentor

      Einverstanden. Dann fehlt nur noch ein Trainer.

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