Julian Nagelsmann (Bundestrainer).
Bild: Alexander Hassenstein/Getty Images

„Es ist WM, wenn der Kader steht“: Nagelsmanns Entscheidungen im Check

Janet 21.05.2026

„Es ist WM, wenn der Kader steht.“ Der Satz aus dem DFB Livestream wirkte wie der offizielle Start in die heiße Phase vor der Weltmeisterschaft.

Drei Wochen vor Turnierbeginn hat Julian Nagelsmann seinen 26er-Kader bekanntgegeben. Mit Rückkehrer Manuel Neuer (FC Bayern München), mehreren mutigen Entscheidungen und Bayern-Youngster Lennart Karl will Deutschland ab dem 14. Juni um den fünften Stern mitspielen.

Miasanrot hat sich die Kaderentscheidungen von Nagelsmann für die WM 2026 genauer angeschaut und macht den großen Check.

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Ein Kader mit klarer Struktur? Wo Nagelsmann überrascht

Auch hielt der Kader einige Überraschungen bereit. Nathaniel Brown (Eintracht Frankfurt), Jamie Leweling (VfB Stuttgart), Nick Woltemade (Newcastle) oder Lennart Karl (FC Bayern München) standen vor einigen Monaten noch nicht im Fokus einer Weltmeisterschaft. Nagelsmann bezeichnete Brown sogar als „einen der talentiertesten Linksverteidiger die es gibt“.

Gleichzeitig fehlen mit Maximilian Mittelstädt (VfB Stuttgart), Matthias Ginter (SC Freiburg) oder Chris Führich (VfB Stuttgart) mehrere große Namen. Gerade Führichs Nicht-Nominierung überrascht. Der Stuttgarter gehörte in den vergangenen Wochen zu den auffälligsten Offensivspielern seines Teams.

Ebenso löst das Fehlen von Mittelstädt im Kader erste Diskussionen aus. Nagelsmann erklärte selbst, dass ihm die Entscheidung „richtig weh“ tue. Brown und David Raum (RB Leipzig) seien, so Nagelsmann, schon länger einen Schritt weiter gewesen.

Auch Leroy Sané (Galatasaray) bleibt ein heiß diskutierter Kandidat. Zum Start der WM-Qualifikation hatte Nagelsmann noch erklärt, Sané müsse in der türkischen Liga „noch mehr auffallen“. Nach seinem Wechsel vom FC Bayern München zu Galatasaray verlief die Saison mit sieben Toren und neun Assists in 43 Pflichtspielen eher schwierig.

Trotzdem erhielt der Flügelspieler eine Nominierung. Entsprechend kritisch fielen auch die Reaktionen in den sozialen Medien aus. Viele Nutzer reagierten überrascht auf Sanés Nominierung. Andere stellten die Entscheidung direkt den Nicht-Nominierungen von Spielern wie El Mala (1. FC Köln) gegenüber.

Die Torhüter bei der WM: Zwischen „Aura“ und „Weltklasse-1-B-Lösung“

Die größte Diskussion dürfte allerdings die Rückkehr von Manuel Neuer (FC Bayern München) auslösen. Sportlich ist die Entscheidung für die meisten nachvollziehbar, die Kommunikation im Vorfeld allerdings verlief unglücklich.

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Noch vor wenigen Wochen hatte Nagelsmann Oliver Baumann (TSG Hoffenheim) öffentlich mehrfach als Nummer eins gestärkt, nun reist Neuer als Stammkeeper zur WM. Nagelsmann bezeichnete Baumann als „Weltklasse-1-B-Lösung“. Die Entscheidung für Neuer begründete er mit dessen „Aura“. 

Gerade für Baumann ist die Situation schwierig. Der Hoffenheimer spielte eine starke Saison und wurde kurz vor dem Turnier trotzdem zurückgestuft. Fast beiläufig erzählte Nagelsmann auf der Pressekonferenz zudem, dass die Weihnachtssocken, die er trug, einst ein Geschenk Baumanns gewesen seien.

Auch international wurde Neuers Rückkehr intensiv kommentiert. Die spanische Zeitung Sport sprach von einer der „kontroversesten Neuigkeiten“ rund um die WM-Kader, während Le Parisien schrieb: „Der Chef ist zurück.“

DFB-Team: Einige Spieler (noch) nicht in Topform

Die vielleicht größte Herausforderung dieses Kaders liegt in der Form einiger Spieler. Vor allem auf Jamal Musiala (FC Bayern München) und Florian Wirtz (FC Liverpool) möchte Nagelsmann im Turnier bauen. Beide beendeten die Saison allerdings nicht in absoluter Topform.

Wirtz kam nach seinem Wechsel von Bayer 04 Leverkusen nach Liverpool zwar auf sechs Scorerpunkte, erreichte über die Saison hinweg aber nicht sein höchstes Niveau. Musiala sammelte im April noch in fünf Pflichtspielen in Folge mindestens einen Scorerpunkt, blieb seit dem Champions-League-Halbfinale in Paris offensiv aber unauffälliger.

Auch Nick Woltemade (Newcastle) reist nicht in seiner stärksten Phase zur WM. Erst beim 3:1 gegen West Ham United am vergangenen Sonntag erzielte er sein erstes Tor seit Februar. Für die Nationalmannschaft funktionierte Woltemade zuletzt dagegen auffällig gut. In der WM-Qualifikation kommt er auf vier Tore und einen Assist in sechs Spielen.

Wie stehen Deutschlands Chancen bei der WM?

Dass Deutschland nicht zum engsten Favoritenkreis gehört, zeigt sich auch an den Einschätzungen rund um das Turnier. Die WM-Qualifikation verlief nicht durchgehend überzeugend, dazu kamen Niederlagen gegen Portugal und Frankreich beim Nations-League-Final-Four.

Auch Experten wie Bastian Schweinsteiger oder Thomas Müller sehen vor allem die fehlende Konstanz als Problem. Jürgen Klopp blickt etwas optimistischer auf den Kader, betont aber ebenfalls, dass Deutschland im Turnier erst einen gemeinsamen Rhythmus finden müsse.

Nagelsmann formulierte das Ziel trotzdem selbstbewusst: „Alle Mannschaften wollen Weltmeister werden – und wir wollen das auch.“ Deutschland gehört zwar nicht zu den ganz großen Favoriten, bringt aber genug Qualität mit, um gegen viele Mannschaften konkurrenzfähig zu sein.

Julian Nagelsmanns WM-Kader:

Tor: Manuel Neuer (FC Bayern), Oliver Baumann (TSG Hoffenheim), Alexander Nübel (VfB Stuttgart)

Abwehr: Joshua Kimmich (FC Bayern), Jonathan Tah (FC Bayern), Nico Schlotterbeck (Borussia Dortmund), Waldemar Anton (Borussia Dortmund), Antonio Rüdiger (Real Madrid), David Raum (RB Leipzig), Nathaniel Brown (Eintracht Frankfurt), Malick Thiaw (Newcastle)

Mittfeld / Angriff: Felix Nmecha (Borussia Dortmund), Aleksandar Pavlovic (FC Bayern), Leon Goretzka (FC Bayern), Angelo Stiller (VfB Stuttgart), Nadiem Amiri (FSV Mainz 05), Pascal Groß (Brighton Hove & Albion), Jamie Leweling (VfB Stuttgart), Jamal Musiala (FC Bayern), Leroy Sane (Galatasaray), Lennart Karl (FC Bayern), Florian Wirtz (FC Liverpool), Kai Havertz (FC Arsenal), Nick Woltemade (Newcastle), Deniz Undav (VfB Stuttgart), Maximilian Beier (Borussia Dortmund)

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