Vorschau: FC Bayern München – SV Werder Bremen

Justin Trenner 10.03.2016

Bevor wir zu der Gegneranalyse, einigen Statistiken und den fünf Thesen zum Spiel kommen, lassen wir uns von Lars Kranenkamp (@BurningBush78) einige Einblicke zu Werder Bremen geben.

Hallo Lars, stell dich doch bitte kurz unseren Lesern vor.

Als Bremer bzw. Oldenburger bin ich nach über 10 Jahren Berlin (Musik & Kunst) Anfang 2014 zu Transfermarkt nach Hamburg. Seit kurzem bin ich im Bereich PR & Management in einer Hamburger Agentur tätig, einer der Köpfe bei FUMS und Autor von werder2013.de.

In der letzten Dekade galt Werder Bremen zeitweise als einer der großen Konkurrenten des FC Bayern. Darüber hinaus war man Dauergast in Europa. Was lief deiner Meinung nach falsch, dass die Bremer nun Jahr für Jahr gegen den Abstieg spielen?

Diese Frage habe ich in den letzten 5 Jahren wohl 1899-mal beantwortet. Kurz runtergebrochen: Mit klarem Blick und guter Transferpolitik hat Werder sich erfolgreich für die Champions League qualifiziert. Dort hielt man sich mehrere Jahre, spielte teilweise über dem realistischen Niveau und schraubte parallel die Personalkosten in die Höhe. Vor allem hat man aber geglaubt, das ginge ewig so weiter. Irgendwann blieb die Qualifikation für Europa langfristig aus, Transfers floppten und Gehälter überstiegen den angemessenen Rahmen bei weitem. Dazu ein Thema „Stadionumbau“ zu dem ich mich gar nicht erst äußere. Kurz: Viele falsche Entscheidungen und ein schädliches Sättigungslevel. Man hat es kommen sehen und zu spät reagiert.

Viktor Skripnik ist nicht unumstritten. Wie würdest Du sein Standing bei den Werder-Fans beschreiben und was hältst Du persönlich von ihm?

Viktor ist nicht nur ewiger Bremer, Viktor ist Werderaner. Ein großer Teil der Fanszene liebt ihn. Mit ihm und Co. Torsten Frings wurde nach dem Ende der Ära Schaaf und der unrühmlichen Episode Dutt bei vielen die Sehnsucht nach Identifikation mit dem Personal gestillt. Ich meine, wie charmant kann ein Wortschatz von 30 deutschen Begriffen bitte sein? Genau. Nun sollte man aber auch ehrlich sein und nicht die kritischen Stimmen vergessen. Viktor und sein Team gaben insbesondere in der jüngeren Vergangenheit gehäuft Anlass zur berechtigten Kritik. Auch ich fand, was da teilweise taktisch angeboten wurde dann und wann wirklich fast schizophren. Auf Spiele mit überragender Einstellung folgte Gebolze, bei dem Du Dich wirklich fragen musstest, ob da überhaupt irgendein Spieler so etwas wie Anweisungen bekommen hatte. Auch in Sachen Ein- und Auswechslung erschienen mir die Maßnahmen des Trainerteams immer öfter defizitär. Grundsätzlich bleibe ich aber dabei, dass ein Abstiegskandidat wie Werder zeitweise auf vielen Ebenen versagt, nicht nur innerhalb der Mannschaft. Skripnik & Co müssen lernen und sich weiterentwickeln und das werden sie.

Welche Spielidee verfolgt das Trainerteam und wo liegen gegebenenfalls Probleme?

Ich möchte mich nur bedingt über Spielsysteme oder Herangehensweisen eines Trainerteams äußern. Nicht, weil ich es nicht könnte, sondern weil ich meine, dass mir für passende Kommentare nötige Eindrücke (z.B. vom täglichen Training) fehlen. Generell ist Viktor Skripnik natürlich extrem vom Trainer Thomas Schaaf geprägt. Soll heißen: In Bremen hat es nach wie vor Priorität vorne mehr Tore zu erzielen, als hinten zu bekommen. Das ganze nach Möglichkeit durch Umsetzung via Raute. Ich bin nicht sicher, ob ich das in meinem Leben nochmal anders erleben werde. Dieser relative Mangel an Flexibilität ist mein größter Kritikpunkt. Ich sehe ein, dass man einer Mannschaft, die am Abgrund steht, nicht einfach fünf Systeme eintrichtert, zwischen denen sie munter hin- und hervariiert, aber wir müssen uns da zukünftig etwas einfallen lassen. Gerade die jungen Spieler sollten von Anfang an die nötige Grundflexibilität haben um sich auf unterschiedliche Matchszenarien einstellen zu können.

In der Rückrundentabelle steht Werder Bremen auf Platz 6 und nur fünf Punkte hinter dem FC Bayern. Was hat sich seit der Winterpause verändert?

Erst einmal wurde da gut gearbeitet. Jeder, der den Vergleich hat, berichtet Dir, dass die Mannschaft mit anderem Elan zu Werke geht, als unter Robin Dutt. Man weiß um die komplizierte Situation und ich würde mal behaupten, dass dieser Mannschaft kein Mangel an Motivation, Wille oder Einstellung zu unterstellen ist. Personell würde ich aber natürlich auch zwei Punkte markieren wollen: Mit Papy Djilobodji hat Werder z.Zt. einen Mann in der Verteidigung, der so alles hat, was wir brauchen. Unter welchen Bedingungen er beim FC Chelsea trainiert hat, kann man beim Anblick seines Spiel nicht ignorieren. Auge, Laufwege und Spieleröffnung sind von anderer Qualität, als wir es in der Regel gewohnt sind. Dass dieser Spieler sich in dieser schwierigen Phase wohl nicht in Werder Bremen verlieben wird, sondern sich ab Sommer wieder in der Premier League wird präsentieren wollen, ist jammerschade. Zum anderen haben wir einen unglaublichen Pizarro. Der Mann hatte im Laufe der Hinrunde von so vielen Experten bereits den Stempel „mangelhaft“ erhalten – dabei behauptete er selber erst im Winter von sich, 100% fit zu sein. Ich möchte jetzt nicht anfangen zu schwärmen… dazu können wir mal ein eigenes Interview machen. Gerne!

Worauf wird es für die Bremer in München ankommen? Wo siehst Du Schwächen beim FC Bayern, die Werder vielleicht ausnutzen könnte?

Ich sehe beim FC Bayern in einem Spiel gegen den SV Werder Bremen keine Schwächen. Auf dem Feld schonmal gar nicht. Unsere Chance sitzt auf der Bank. Ein Trainer, der in Gedanken bereits seine Maßanzügchen im Koffer verstaut und auf dem Weg Richtung Manchester ist, kann eine Mannschaft nicht mehr optimal einstellen. Pep Guardiola trägt seine Unlust derart nach außen, dass man sich fragt, wieso in München keiner auf die Barrikaden geht. Ich hoffe, dass er das Spiel gegen Werder in seiner unnachahmlichen Weise als „Test“ für die CL-Partie gegen Juventus Turin einstuft und wir uns durch Nachlässigkeiten der MiasanMia-Fabrik einen hohen Auswärtssieg einfahren. Pep sollte dann zurücktreten und der FC Bayern, nachdem es gegen Werder im Pokal-Halbfinale nicht geklappt hat, mit Hermann Gerland an der Linie die Meisterschaft einfahren. So stelle ich mir das insgesamt vor. (lacht)

Welche Stärken hat Werder Bremen und worauf sollten die Bayern achten?

Nichts zu verlieren, gute Auswärtsfans, Claudio Pizarro.

Wie geht das Spiel aus und wo landet Werder am Ende der Saison?

Ich gehe von knapper Niederlage oder hohem Sieg durch Werder Bremen aus. Der Verein wird sich am Ende der Saison den Klassenerhalt sichern und im Sommer einige Spieler gen England und/oder China verkaufen. Die nächste Saison wird in Sachen Anspruch und Zielsetzung erneut mit dieser zu vergleichen sein, daran wird sich so schnell nichts ändern. Mit der „schwarzen Null“ am Horizont bin ich aber guter Dinge, dass der allumfassende Aderlass der letzten Jahre irgendwann für was gut gewesen sein wird.

Auf der zweiten Seite folgen eine Vorschau auf den Gegner, die wichtigsten Statistiken und fünf Thesen zum Spiel.

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