Bayern findet den Schalter in Rom

Georg Trenner 23.02.2021

Falls ihr es verpasst habt

Aufstellungen

Simone Inzaghi lobte die Bayern vor dem Spiel in höchsten Tönen. Grund für Anpassungen an seiner Formation sah er jedoch kaum. Einzig Lazzari rotierte für Lulic ins Team und begann im rechten Mittelfeld, wo er sich einige spannende Sprintduelle mit Davies liefern sollte. 

Auch Hansi Flick kam mit nur zwei Umstellungen aus. Goretzkas Startelfeinsatz hatte sich bereits in der zweiten Halbzeit gegen Frankfurt abgezeichnet. Außerdem schenkte Flick Musiala nach längerer Zeit wieder das Vertrauen. Für Roca und Choupo-Moting blieb nur die Ersatzbank. 

1. Halbzeit

Lazio beginnt wie erwartet körperlich und aggressiv, konnten die Münchner aber nicht ernsthaft unter Druck setzen. Die Bayern kontrollierten Ball und Gegner und ließen ihrerseits Lazio keine Zeit zum Verschnaufen. 

So war es fast folgerichtig eine hohe Gegenpressingaktion von Kimmich, die dem 0:1 vorausging. Von Kimmich angelaufen, spielte Musacchio einen Rückpass auf Reina zu kurz, so dass Lewandowski den Pass abfangen und alleine vor Reina verwandeln konnte (9. Minute). 

Gerade als Lazio etwas stärker wurde, setzten die Bayern in der 24. Minute den wichtigen Big Point zum 2:0. Ausgehend von Manuel Neuer kombinierten die Münchner sich über das komplette Spielfeld unter anderem über Coman und Goretzka, bis Musiala mit einem platzierten Schuss aus 16 Metern verwandelte. 

Bei Bayern schoben Kimmich und Goretzka, aber auch Süle regelmäßig mit und gegen den Ball sehr hoch. Die vier Offensivspieler komplettierten die Überzahl im Angriffsdrittel. Flicks Teams kam durch die hohe Positionierung immer wieder gut ins Angriffspressing oder nach Ballverlusten ins Gegenpressing. Viele Ballgewinne in hohen und gefährlichen Zonen waren das Ergebnis dieser Dominanz gegen den Ball.

Nach einem weiteren Ballgewinn gegen Patric sprintete Coman bis in den Strafraum, wo Reina seinen Schuss nur nach vorne abwehren konnte. Sané verwandelte im Nachschuss. 

2. Halbzeit

Die zweite Halbzeit begann wie die erste aufhörte. Diesmal war es Sané, der nach einem Eckball für Lazio mit Tempo über die linke Seite konterte. Seinen scharfen Pass quer vors Tor vollendete Acerbi im vollen Sprint zum Eigentor. Davies hätte hinter ihm freigestanden.

Waren die Bayern in der ersten Halbzeit noch knapp um einen Elfmeter herum gekommen, zuckten diesmal gleich mehrere Abwehrspieler vor einem riskanten Zweikampf mit Correa zurück. Dieser nutze die Einladung und traf in der 49. Minute zum 1:4. 

Die Bayerischen Torschützen unter sich.
(Photo by ALBERTO PIZZOLI/AFP via Getty Images)

Anschließend schalteten die Bayern einen Gang zurück und Lazio gewann ein spielerisches Übergewicht. Einzig die späten gelben Karten für Kimmich und Coman, die ebenso unnötig wie ärgerlich waren, bleiben als Wermutstropfen zurück.. 

Der souveräne Auftritt in Rom sollte Auftrieb geben für die kommenden zwei Heimspiele in Folge. Zunächst geht es am Samstag gegen den 1. FC Köln bevor eine Woche später das Topspiel gegen die formverbesserten Borussen aus Dortmund ansteht. 

Dinge, die auffielen

1. Bayern-Serien und Rekorde gegen den “Achtelfinalfluch” 

Durch den Sieg sind die Bayern in der Champions League seit nunmehr 18 Spielen in Folge ungeschlagen (bei 17 Siegen) und haben in 19 Spielen in Folge mindestens ein Tor erzielt. Man muss kein Prophet sein, um die Bayern mit mehr als einem Bein im Viertelfinale des diesjährigen Wettbewerbs zu sehen. Mit dem Viertelfinaleinzug würden die Münchner auch die kurze Negativserie von Titelverteidigern beenden. In den Vorjahren waren Liverpool (gegen Atletico) und Real Madrid (gegen Ajax) jeweils als Titelverteidiger im Achtelfinale gescheitert. 

Gleich zwei Torschützen trugen sich in die Rekordbücher ein. Jamal Musiala ist mit 17 Jahren und 363 Tagen laut Opta der jüngste Spieler, der je für ein deutsches Team in der Champions League getroffen hat. Bei den Bayern löste er Samuel Kuffour als jüngsten Schützen ab. 

Robert Lewandowski hat derweil mit seinem 72. Treffer den Ex-Madrilenen Raúl überholt und steht nun alleine auf Platz 3 der Alltime-Torschützenliste in der Champions League. Um bis zu den beiden führenden Ronaldo (134) und Messi (119) aufzuschließen ist es allerdings noch ein weiter Weg. 

2. Schalter umgelegt auf Champions-League-Modus?

Ein 3:3 gegen Bielefeld und ein 1:2 in Frankfurt bedeuten für den FC Bayern dieser Tage eine Minikrise. Bereits vor dem Spiel in Frankfurt erwartete man die Bayern in Spitzenspielform, nur um zu beobachten, dass sie eine Halbzeit lang von der Eintracht dominiert wurden. 

War es die Rückkehr ins Champions-League-“Wohnzimmer”, war es die Hymne oder war es die Ansprache von Hansi Flick? Diesmal schafften die Münchner es, ihre Bestform abzurufen. Von der ersten Minute an wirkten die Spieler in rot auf den Punkt konzentriert und ließen keinen Zweifel daran, dieses Spiel gewinnen zu wollen. 

3. Kleine Änderungen bringen die Spielfreude zurück

Flick änderte wenig und doch viel. Nominell waren es nur Musiala und Goretzka, die in die Startelf rückten. Zusammen mit der defensiven Konstanz – Flick konnte die gleiche Viererkette aufs Feld schicken wie gegen Frankfurt – reichten diese Unterschiede, zusammen mit dem geänderten Fokus und den von Lazio angebotenen Räumen, für ein Comeback der spielfreudigen Bayern. Hacke, Lupfer und vor allem keine Angst vor Doppelpässen, Ballverlusten und Kombinationen in engen Räume: Der FC Bayern begeisterte in der ersten Halbzeit und schnürte Lazio komplett ein. 20 versuchte Dribblings, von denen 14 erfolgreich waren, sind nur eine Kennziffer, die die Spielfreude mit Zahlen belegen. Besonders Leroy Sané tat sich hierbei hervor.
Die Leistung provozierte Vergleiche zum legendären 7:1-Auswärtssieg gegen den Stadtrivalen AS Rom im Oktober 2014. 

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