Erfolg hat drei Buchstaben: FCB!

Maurice Trenner 04.03.2020

Das Punktesystem

Dass die aktuelle Erfolgsserie von Liverpool FC nach einer historischen Einordnung ruft, dachten sich wohl die Redakteure der britischen TV-Show Monday Night Football des Senders SKY. Dafür bewerteten sie Vereine basierend auf ihrem Erfolg über einen dreijährigen Zeitraum.

Dabei werden einer Mannschaft pro gewonnenem Titel Punkte zugesprochen. Die auf die deutsche Fußballwelt angepasste Metrik sieht dann wie folgt aus:

ErfolgPunkte
Champions-League-Titel5
Zweiter in Champions League2
Bundesligatitel4
Zweiter in Bundesliga1
Anderer Europokaltitel (z. B. UEFA-Cup)3
DFB-Pokal-Sieg2
Weltpokalsieg und Europäischer Supercup1

Die Bewertung legt klaren Fokus auf den Champions-League-Titel, der fünf Punkte wert ist. Die Meisterschaft ist danach der wichtigste Titel. Der nationale Pokal wird nur halb so stark gewertet. Da es für den englischen League Cup, der im Original einen Punkt wert ist, keinen Equivalent in Deutschland gibt, wurde dieser gestrichen. Der deutsche Supercup wurde aufgrund seines niedrigen Stellenwerts bewusst in der Bewertung außen vor gelassen.

Pro Saison werden die erzielten Punkte zusammengezählt und dann rollierend über drei Spielzeiten aufsummiert. Das erfolgreichste Team ist dann das, das die meisten Punkte in seiner Ära erspielen konnte.

Erfolgreichste Team des FC Bayern

Für alle Spielzeiten des FC Bayern seit der Gründung der Bundesliga wurde dieses Punktsystem angewandt. Das Ergebnis ist in der Grafik visuell aufbereitet. Die ausgeschriebenen Spielzeiten sind dabei immer die mittlere Saison aus dem betrachteten dreijährigen Fenster. Für die letzten zwei Saisons sowie die aktuelle Spielzeit kann noch keine Aussage getroffen werden. Das letzte betrachtete Trio ist entsprechend: 2016/17-2018/19.

Welches ist nun das erfolgreichste Bayern-Team? Eine Übersicht der Metrik.
(Grafik: Lukas)

Der Grafik wurden zudem noch horizontale Linien hinzugefügt, die den Schnitt der jeweiligen Dekade andeuten.

Die drei stärksten Teams des FC Bayern sind auch nach diesem Punktesystem wenig überraschend. Zum einen stehen da die Jahre 1973-1976 mit der Maier-Beckenbauer-Müller-Achse. Insgesamt 19 Punkte sammelte man in diesen drei Jahren, vor allem dank dreier Champions-League-Titel. In der Liga war man hingegen schon über den eigenen Zenit hinaus. Lediglich in der ersten Saison 1973/74 wurde man Meister.

Das nächste Team sind die Bayern rund um Kahn, Effenberg und Scholl zur Jahrtausendwende. Ein Champions-League-Titel, ein weiteres Finale sowie ein Titel-Hattrick in der Bundesliga und ein DFB-Pokal summieren sich auf insgesamt 21 Punkte. Mit zwei Last-Minute-Meistertiteln sind diese Jahre auch auf der Pulsskala von Bayern-Fans sicher ganz oben zu finden.

Das Nonplusultra der Titel-Hamster stellte jedoch das Triple-Team dar. Im Zeitraum 2012-2015 holte man 22 Punkte, im Zeitraum 2013-2016 sogar 23 Punkte. In letztere Periode fallen der Champions-League-Sieg in Wembley, drei Liga-Titel, zwei Pokalsiege sowie Triumphe im Weltpokal und europäischen Supercup. Der Peak von Wembley unter der Leitung von Heynckes konnte unter seinem Nachfolger Guardiola verlängert werden.

Die 2010er Super-Dekade

Generell stechen die extrem starken 2010er-Jahre in der Bewertung hervor. Mit einem Schnitt von 16,2 Punkten in drei Jahren liegt diese Dekade selbst deutlichst vor den 70er-Jahren (9,6 Punkte). Die unglaubliche Serie von sieben Meistertiteln hat daran großen Anteil.

Es ist sehr beeindruckend zu sehen, wie konstant der FC Bayern hier agierte und wie man schaffte der nationalen Konkurrenz zu enteilen. Selbst vermeintliche Schwächephasen unter Ancelotti oder Kovač konnte man am Ende noch in Titel verwandeln. Auch selten zuvor war eine Münchner Mannschaft so ausgeglichen und auf Top-Niveau besetzt. Neuer, Boateng, Lahm, Schweinsteiger, Robben und Ribéry spielten alle über Jahre hinweg in der absoluten Weltklasse auf ihrer jeweiligen Position.

Lässt man die Jahre nach dem Bundesliga-Aufstieg außen vor, so sind die 1990er-Jahre der schwächste Abschnitt in der Bayern-Historie mit “nur” 8,1 Punkten. Während man zwar den UEFA-Pokal gewinnen konnte und Zweiter in der Champions League wurde, ließ man in der Bundesliga Körner liegen.

Vereinzelte Schwächeperioden

Damit sind wir auch schon bei den Schwächeperioden der Münchner. Hier fällt als Erstes auf, dass man nie über den Zeitraum von drei Jahren null Punkte holte. In der schwächsten Periode von 1976/77 bis 1978/79 gewann man zumindest den Weltpokal. In diesen Zeitraum fällt das Ende der oben angesprochenen Legenden-Elf rund um Beckenbauer und Müller. Kaiser Franz verließ den Verein 1977, während Müller zunehmend häufiger verletzt war.

Eine weitere vergleichsweise schwache Periode durchlebte der Verein zu Beginn der 1990er-Jahre. Von 1990/91 bis 1994/95 schaffte man in keinem Dreijahres-Abschnitt mehr als fünf Punkte. Lediglich zwei Meisterschaften fallen in diesen Zeitraum. Gleich mehrere Trainer verzweifelten an der Kluft zwischen Anspruch und Realität. Gerade Lerby und Ribbeck sind hier als misslungene Experimente ins Feld zu führen.

Limitationen der Metrik

Im redaktionsinternen Kommunikationskanal Slack hat unser Historiker Tobias Günter die Limitation dieser Metrik wie folgt kommentiert:

“Der eigentliche Peak in den 70ern war 1971/72 bis 1973/74. Die beiden Europapokalsiege ’75 & ’76 stammen aus einer Zeit, als das Team längst über seinem Zenit war, vergleichbar mit den letzten CL-Titeln von Real.

Ottmar Hitzfeld wird von seinen Spielern nach dem Champions-League-Sieg auf Händen getragen.
(Foto: Alex Livesey / Allsport)

Das entspricht durchaus einem sich wiederholenden Muster: Am Anfang steht ein wildes, begeisterndes, offensives – und meist zudem naives – Team. Am Ende dagegen eine abgeklärte, kontrolliert spielende, sich auf Höhepunkte fokussierende Mannschaft.

Das gilt für die 70er, das gilt für das Hitzfeld-Team 98/99 bis 2000/01 und es trifft letztlich auch auf Teams zu, die nicht ganz den Legendenstatus erlangt haben (79/80 bis 81/82 und 84/85 bis 86/87), weil ihnen die Krönung im Europapokalfinale verwehrt blieb.

Man kann es so beschreiben, dass die oben beschriebenen Eigenschaften Ausdruck zweier entgegenlaufender Lernkurven sind: Links beginnt die mit “begeisternd-offensiv-naiv” apostrophierte, abfallende Kurve, rechts auf der Zeitleiste hat die “nüchtern-kontrolliert-abgeklärte” Kurve ihren Zenit. Dort wo sich die beiden Kurven schneiden, haben wir den Zenit. In den 70ern würde ich diesen in der Saison 73/74 ansetzen, beim Hitzfeld-Team während der Zwischenrunden-Spiele gegen Real Anfang 2000.”

»Eier, wir brauchen Eier!«

— Oliver Kahn

Du willst Miasanrot Supporter werden?

  1. Zitat: „Pro Saison werden die erzielten Punkte zusammengezählt und dann rollierend über drei Spielzeiten aufsummiert. Das erfolgreichste Team ist dann das, das die meisten Punkte in seiner Ära erspielen konnte.
    Für alle Spielzeiten des FC Bayern seit der Gründung der Bundesliga wurde dieses Punktsystem angewandt. Das Ergebnis ist in der Grafik visuell aufbereitet. Die ausgeschriebenen Spielzeiten sind dabei immer die mittlere Saison aus dem betrachteten dreijährigen Fenster. Für die letzten zwei Saisons sowie die aktuelle Spielzeit kann noch keine Aussage getroffen werden.“

    Die Methode verstehe ich nicht ganz. Die naheliegendste Lösung ist doch, entweder jede Saison einzeln zu erfassen und direkt abzubilden, oder – wenn die Daten geglättet werden sollen – eben einen rollenden, dreijährigen Durchschnitt zu bilden? Bei letzterem hättest Du für jede Saison ab 1967/68 einen Wert, der dem Schnitt (nicht der Summe!) der letzten drei Jahre entspricht. Also auch für die letzte Saison.

    Das würde auch Daten- und Zeitpunkte besser miteinander in Einklang bringen. Momentan ist 2009/10 etwa als eines der zuletzt schwächsten Jahre erfasst, obwohl es eine sehr erfolgreiche Saison war (Meisterschaft, Pokal, CL-Finale). Oder wurde der Datenpunkt falsch zugeordnet, und der Zacken nach oben im Jahr davor sollte diese Ausbeute abbilden?

    Antwortsymbol1 AntwortKommentarantworten schließen
    1. Vermutlich wird das etwas andere Ergebnisse bringen. Aber entscheidend für die Selbstwahrnehmung dürfte ja nicht nur die Frage sein, ob wir die CL gewonnen haben oder im Finale standen, sondern auch ob wir im Halbfinale waren. Das ist ja auch schon ein wichtiger Gradmesser für den Erfolg. Das Viertel- oder Achtelfinale ist ja noch eine andere Sache, da das hier vermutlich eher als Pflichtaufgabe angesehen wird. Aber auch das Erreichen des Halbfinals ist ja schon eine starke Leistung.

      Im historischen Vergleich hat man dann natürlich noch das Problem mit der Vergleichbarkeit der Wettbewerbe im Zeitverlauf. In der Liga und im Pokal ist das vermutlich schon nicht ganz unwichtig, denn je größer die finanziellen Unterschiede in der Liga werden, desto wahrscheinlicher wird der Pokalsieg oder die Meisterschaft. Und heute haben wir vor dem Rest der Liga einen riesigen Vorsprung. Aber spätestens in der Wertung der CL (früher ja Pokal der Landesmeister) ist der zeitliche Vergleich schwierig. Heute kannst Du auch ins Finale kommen, wenn Du nicht Meister warst. Die Mannschaften früher konnten das nicht.

      Aber dennoch vielen Dank für die Aufbereitung. Ich denke, dass man auch so ein paar interessante Dinge daraus ablesen kann.

  2. Ich bin da auch eher gespalten, was diese gesamte Berechnung angeht.
    Schön dass es für den CL-Titel die meisten Punkte gibt. Dass man aber bis einschließlich 1996 erst einmal Landesmeister sein musste um an diesem Wettbewerb teilzunehmen, spielt in der ganzen Berechnung keine Rolle. Insofern hatte eigentlich der alte Pokal der Landesmeister eine ganz andere Wertigkeit, wenn eben nicht “übertrieben gesagt” die Hälfte der Top-Ligen daran teilnimmt. Das ist dann eher eine verkappte Europaliga.
    Wenn man sich vorstellt, dass eine Mannschaft wie Real im letzten Jahrzehnt nach alter Regel genau 2x hätte teilnehmen dürfen. Die CL mutiert immer mehr zur Gelddruckmaschine. Die vier Topligen stellen dann wie dieses Jahr die Teilnehmer der KO-Runden und alles vorher ist Füllmaterial.
    Und die, die an der Gelddruckmaschine beteiligt sind, vergrößern in den Ligen und in Europa den Abstand zum Rest immer mehr. Das gilt für Italien, Spanien, Frankreich, Deutschland – in England spielen andere Geldflüsse eine größere Rolle.
    Und so haben selbst ehemalige Triple-Sieger wie Glasgow, Eindhoven oder Ajax heute nur noch im Ausnahmefall überhaupt eine Chance. Da helfen dann auch Serienmeisterschaften nicht wirklich.
    Da fehlt es eben schlicht an den finanziellen Mitteln.
    Der Erfolg wird eben immer abhängiger von den zur Verfügung stehenden Finanzmitteln.
    Bist du da als Verein oben mit dabei, kannst du auch erfolgreich sein. Bist di da nicht dabei, geht es irgendwann zwangsläufig bergab.

    Antwortsymbol1 AntwortKommentarantworten schließen
    1. Ich gebe Dir zu 100% Recht. Noch schlimmer finde ich aber den sofortigen Ausverkauf erfolgreicher Mannschaften wie Ajax, Frankfurt, Salzburg etc. Hat auch mit dem Geld zu tun und macht alles sehr vorhersehbar.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Mit dem Absenden deines Kommentars erklärst du dich einverstanden, unsere Community Guidelines zu beachten.