Spitzenspiel? – Dortmund zu Gast in München

Christopher Trenner 31.10.2014

Personal

Borussia Dortmund kämpfte die ganze Saison mit vielen kleineren Verletzungen. Gerade zwischen dem vierten und sechsten Spieltag spitzte sich die personelle Situation zu. Reus, Mkhitaryan, Sahin und Hummels fielen aus. Sicherlich auch ein Grund, weshalb die Bundesligasaison bisher so enttäuschend verläuft. In den vergangen Wochen kehrten immer mehr Spieler zurück. Selbst İlkay Gündoğan schaffte es nach über 400 Tagen wieder auf den Platz. Wobei bei ihm überdeutlich ist, dass seine körperliche Verfassung noch nicht die beste ist. Die Spritzigkeit und auch die Handlungsschnelligkeit fehlt, was angesichts der langen Leidenszeit niemanden verwundern sollte.

Am Donnerstag stieg auch Nuri Sahin wieder ins Mannschaftstraining ein – auch wenn es bei ihm noch nicht reichen dürfte für Samstag. Ein Einsatz ist allerdings nicht gänzlich ausgeschlossen, da Jürgen Klopp zuletzt Spieler nach der Verletzung früh wieder einsetzte. Unabhängig von Sahin fehlen Borussia Dortmund daher nur Schmelzer, Blaszczykowski und Ji. Jürgen Klopp kann also fast aus dem Vollen schöpfen.

System & Aufstellung

Das Trainerteam von Dortmund versuchte zuletzt viele verschiedene taktische Varianten. Die taktische Variabilität war vor der Saison einer der wichtigsten Baustellen. Die Mannschaft sollte flexibler werden und auch im Laufe eines Spiels verschiedene Systeme spielen, um auf den jeweiligen Verlauf zu reagieren. Dabei studierte Klopp ein 4-2-3-1, 4-4-2 mit Raute, 4-1-4-1 und 4-3-2-1 ein.

Die Mannschaft indes konnte diese neuen Spielsysteme zuletzt nicht immer in Ergebnisse ummünzen. Vor allem gegen tief stehende Gegner tat sich Dortmund schwer. Die Spielanlage war meist zu hektisch. Oftmals stieß Immobile zu schnell in die Spitze, was seine Mitspieler wieder unter Zugzwang brachte den schnelleren Pass – häufig zu risikoreichen Pass – zu spielen. Auch der weite lange Ball aus der Abwehr auf den Stürmer, früher Lewandowski – heute Immobile oder Ramos, funktioniert nicht mehr in dieser Weise, weil die beiden Letztgenannten andere Spielertypen sind und nicht die Fähigkeiten Lewandowskis bei der Ballannahme und Ballabschirmung besitzen. Durch den Transfer veränderte sich ein Stück weit die Dortmunder Spielphilosophie. Der Transformationsprozess ist hier noch nicht abgeschlossen.

In der Defensive leidet Dortmund vor allem unter vielen individuellen Fehlern. So hat Torwart Weidenfeller schon einige Gegentreffer (teil-)verschuldet, aber auch andere Spieler sorgten durch grobe Aussetzer für Tore auf der falschen Seite. Die Vierkette mit Hummels, Subotic (Sokratis), Schmelzer (Durm) und Piszczek war überdies taktisch nicht immer fehlerfrei. Zuletzt zeigten sich immer wieder Abstimmungsschwächen, wenn ein Stürmer das Zentrum verließ, um eine Flügelseite zu überladen. Meist passte das Verschieben in der Kette dann nicht, was wiederum Lücken in den Defensivverbund gerissen hat. 15 Gegentore in 9 Bundesligaspielen bedeuten die fünftschlechteste Abwehr der Bundesliga und 1,6 Gegentore pro Spiel.

Das gewisse Etwas

Könnte trotz allem die gute Pressinganlage von Borussia Dortmund werden. Die taktische Ausrichtung wird sich vor allem auf Xabi Alonso konzentrieren. Aus Sicht der Schwarzgelben wird es darum gehen müssen, seine Ballbesitze zu minimieren bzw. ihn zu Fehlern zu zwingen, um dann über den schnellen Reus, Kagawa und wahrscheinlich Aubameyang schnelle Gegenstöße zu fahren. Beim 2:0-Erfolg der Borussen gegen Real Madrid im Frühjahr, zeigten die Schwarz-Gelben schon einmal wie es gelingt, Alonso weitgehend zu neutralisieren. Nur 71 Ballkontakte des 6ers im angesprochenen Spiel sind ein guter Beleg dafür. Auch Borussia Mönchengladbach und mit größeren Abstrichen der HSV haben gezeigt, dass dieses taktische Mittel vielversprechend sein kann. Es ist durchaus möglich, dass Klopp mehr oder weniger versucht, mit zwei Spielern auf Alonso zu pressen.

Der FC Bayern könnte auf zwei verschiedene Arten reagieren. Zum einen ist eine Dreierkette vielleicht sinnvoll, da Alonso nicht zwischen die beiden Innenverteidiger kippen muss, um das Spiel aufzubauen, was das Grundrisiko minimiert. Alonso würde weiter vorne spielen, was allerdings den Abwehrketten des BVB helfen könnte, da sie nicht so weit auseinander gezogen werden. Zum anderen könnte es auch eine klarere Vierkette geben, bei der Boateng und wahrscheinlich Benatia von hinten heraus das Spiel aufbauen. Wohl mit einigen langen Bällen auf die Flügelspieler Robben und Müller. Das Dortmunder Pressing würde somit ein stückweit umspielt – Heynckes hatte in der Saison 2012/2013 in den Duellen mit Dortmund mit dieser Variante Erfolg.

Prognose

Es ist schwer eine Vorhersage für das Spiel zu treffen. Geht Pep Guardiola ein gewisses Risiko ein, um Räume für schnelle Gegenstöße zu öffnen wie zuletzt in Gladbach oder baut er auf ein System mit mehr Stabilität. Das Pokalfinale gegen Borussia Dortmund hat gezeigt, dass er auch pragmatische Entscheidungen treffen kann. Hinzu kommt, dass Dortmund das Spiel eigentlich gewinnen muss, um wieder Anschluss an die obere Tabellenregion zu bekommen. Schließlich spielen sie in den nächsten Wochen noch gegen die andere Borussia, Hoffenheim und Wolfsburg, also alle Mannschaften aus der aktuellen Top 4.

BVB-Vorschau im Forecheck

Chris war erneut im Forecheck zu Gast und hat gemeinsam mit Constantin Eckner von Spielverlagerung.de und Host Christoph Fetzer auf die Partie am Samstagabend geblickt.

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