FC Bayern München – Borussia Dortmund 2:1

Steffen Trenner 01.11.2014

Falls ihr es verpasst habt:

Guardiola brachte den zuletzt angeschlagenen Robben für Ribéry zurück in die Mannschaft. Auch Götze wie erwartet von Beginn an. Bayerns Ausrichtung erinnerte stark an das 7:1 gegen Rom, erneut begann Alaba als linker Halbverteidiger neben Boateng und Benatia. Robben hatte die erste Chance des Spiels, als er nach einer schönen Kombination an Weidenfeller und der Querlatte scheiterte (6.). Fast im Gegenzug spazierte Mkhitaryan durch das zentrale Mittelfeld und traf mit seinem Schuss aus 18 Metern nur den Pfosten (8.). Bayern kombinierte sich immer wieder sehr ansehnlich durch das Dortmunder Pressing und spielte sich in der ersten Hälfte mindestens 5 gute Chancen heraus. Vor allem Müller und Robben vergaben jedoch beste Einschussmöglichkeiten aus kürzester Distanz. Dortmund trug viele Gegenangriffe durch die Mitte vor und ging in der 31. Minute etwas überraschend in Führung. Aubameyang hatte einen Abwurf von Weidenfeller stark verarbeitet und nahm Xabi Alonso im Sprintduell mehrere Meter ab. Seine Flanke fast von der rechten Eckfahne fand trotz Überzahl der Bayern im Sechzehner den Kopf von Marco Reus, der Neuer keine Chance lies. Ein absurder Gegentreffer, der so niemals fallen darf. Boateng, Benatia und auch der nicht einrückende Alaba sind hier als Fehlerquelle zu nennen. Dass Alonso ein Laufduell gegen Aubameyang verliert ist ihm dagegen kaum anzukreiden. Zu so einer Situation darf es gar nicht erst kommen.

In der Pause musste Hummels angeschlagen raus, für ihn kam Neven Subotic. Der BVB in der Folge deutlich passiver und Bayern mit der Wut des Rückstands im Bauch. Dortmund gelang es nun immer seltener Nadelstiche durch Gegenstöße zu setzen und Bayern zog sein Offensivspiel auf. Vor allem Robben blieb der entscheidende Aktivposten mit am Ende 7 Torschüssen. Nachdem Robben und Benatia beste Chancen liegen ließen, erlöste der Lewandowski sein Team mit dem in der Entstehung etwas glücklichen 1:1 (72.). Guardiola hatte schon zuvor mit der Einwechslung von Ribéry für zusätzlichen Druck gesorgt. Ribéry attackierte vom Moment seiner Einwechslung an die rechte Dortmunder Abwehrseite mit Subotic und Pisczcek. Nachdem Weidenfeller noch einmal gegen den ebenfalls eingewechselten Pizarro parierte, war es Ribéry, der mit einem sehenswerten Antritt für die Entscheidung sorgte. Subotic konnte den Franzosen nur mit einem Trikotzupfer aufhalten und Schiedsrichter Gräfe entschied folgerichtig auf Strafstoß. Robben verwandelte eiskalt (85.) und sorgte so für den ersten Bayern-Heimsieg gegen den BVB in der Bundesliga seit Februar 2010.

Es war am Ende ein verdienter Sieg – auch wenn Dortmund unterstrich, dass sie Bayern nach wie vor Probleme bereiten können. Dass es den Bayern zum ersten Mal in der Klopp-Ära gelang einen Rückstand gegen den BVB zu drehen ist ein weiterer positiver Nebeneffekt.

3 Dinge, die auffielen:

1. Dortmunds Pressing und Bayerns Antwort

Wie erwartet begannen die Gäste mit einem sehr mutigen Pressing. Dabei agierten die Dortmunder meist mit einer 4-1-2-3-Formation mit Reus, Kagawa und Aubameyang in vorderster Front. Kagawa kümmerte sich dabei insbesondere um Xabi Alonso (siehe Punkt 2 dazu). Auffällig war, dass Dortmund weniger als in der Vergangenheit auf den ganz frühen Ballgewinn drängte, sondern durch kluge Positionierungen das Aufbauspiel in bestimmte Bereiche drängen wollte (nach Außen oder in Bereiche mit Überzahlsituationen im Zentrum). Vor allem dann, wenn ein Bayern-Spieler einen Pass aus der Defensive mit dem Rücken zum Tor annehmen musste, versuchte Dortmund zuzupacken. Genauso bei Ballverlust im Gegenpressing. Interessant war auch die starke Mannorientierung von Kagawa, Bender und Mkhitaryan, die Alonso, Lahm und Götze im Spielaufbau sehr direkt attackierten und zustellten.

Bayern versuchte es mit einem Maßnahmenmix als Antwort. Dazu zählten lange Diagonalbälle, ein weites Auseinanderziehen der Dreierkette vor allem durch Benatia, dynamische Vertikalläufe von Alaba oder ein tiefes Abkippen von Alonso. Es ist deutlich zu sehen, dass Bayern hier im Vergleich zu den einseitigen Duellen zwischen 2010 und 2012 – als es häufig U-förmig von links nach rechts ging – deutlich an Variabilität gewonnen hat. Immer dann wenn Bayern die erste Pressing-Reihe kontrolliert durch das Zentrum überwand wurde es gefährlich. Vier Großchancen alleine in der ersten Hälfte sind dafür der beste Beweis. Sobald die Münchner im Rücken der ersten Pressingreihe schnell kombinierten, wackelte Dortmund. Hier wurde auch einmal mehr der Vorteil der Dreierkette deutlich. Sie ermöglicht mehr diagonales Passspiel und variantenreichere Bewegungen der äußeren Defensivspieler. Insgesamt hatte Bayern am Samstag-Abend so wenig Probleme mit Dortmunds Pressing wie wohl noch nie in der Ära Klopp.

Vor allem in der zweiten Hälfte wurde deutlich, wie sehr Dortmund dem Kombinationsspiel der Bayern Respekt zollte. Nach der Auswechslung von Hummels drosselte Klopp spürbar das Risiko und zog sich etwas weiter zurück. Die nun stärker als 4-4-2 vorgetragene Pressingformation raubte den Dortmundern zudem einige ihrer Stärken. Bayern nutzte die enstehenden Räume für sichere Kombinationen und erspielte sich weiter gute Torchancen. Vor allem Boateng zeigte hier, dass er sich zu einem exzellenten Aufbauspieler entwickelt hat. Seine Qualität ermöglichte Alonso und Lahm im zweiten Spielabschnitt eine deutlich höhere Positionierung. 99 Pässe spielte der deutsche Nationalspieler – so viele wie kein anderer Spieler auf dem Feld. Auch Benatia zeigte, mit Ausnahme des Gegentreffers, eine Klasseleistung sowohl gegen den Ball, als auch mit gelegentlichen Vorstößen und vielen Kopfballchancen.

25 Torschüsse, davon 18 im Strafraum und viele weitere vielversprechende Szenen ohne Torabschluss. Exzellente Werte für ein Duell gegen Dortmund. Die mangelnde Chancenverwertung und ein glänzender Weidenfeller verhinderten lange Zeit, dass sich die Bayern für ihr im Prinzip gutes Offensivspiel belohnten. Dass die Münchner nach der Einwechslung von Ribéry in den letzten 20 Minuten noch einmal das Tempo erhöhen konnten, spricht für die sehr gute Verfassung der Guardiola-Elf, die sich auch vom Rückstand nicht von ihrer Spielanlage abbringen lies. Dortmunds Pressing fiel in der zweiten Hälfte ein wenig in sich zusammen. Bayern drehte auch deshalb das Spiel.

2. Alonsos Mismatch gegen Kagawa

Es war abzusehen, dass sich Klopp für den zuletzt omnipräsenten Alonso etwas besonderes überlegen würde. Kagawa spielte den Sonderbewacher für den wichtigsten Aufbauspieler der Münchner und zwang diesen immer wieder dazu weit in die eigene Dreierreihe abzukippen. Alonso passte das gar nicht, er wirkte genervt. Er hatte weniger Zeit für den Ballvortrag und musste sich an diese Tempoveränderung erst einmal gewöhnen. In der zweiten Hälfte gelang das mit einer etwas höheren Positionierung immer besser. Alonso hatte am Ende 94 Ballkontakte, spielte 74 Pässe und eine Passquote von 89%. Etwas weniger als in den Spielen zuletzt. Bayerns Offensivspiel störte es aber kaum, dass Alonso eine etwas weniger dominante Rolle einnahm.

Auffälliger waren die Probleme Alonsos in der Rückwärtsbewegung. Ein Thema, dass wir hier schon nach dem Mönchengladbach-Spiel ausführlicher besprochen haben. Alonso und auch Lahm hatten große Probleme die Dortmunder Gegenangriffe zu stoppen. Beide wirkten vom Tempo der Angriffe überfordert. Besonders deutlich wurde das bei direkten Duellen zwischen Alonso und Kagawa. Der wendige Japaner drehte sich mehrfach auf engstem Raum um den 32-Jährigen herum oder zeigte ihm nach schnellen Doppelpässen mit Reus oder Mkhitaryan die Hacken. Es war häufig Boateng und Benatia zu der verdanken, dass vielversprechende Dortmunder Angriffe weit weg vom Tor gestoppt wurden. Es ist nicht wegzudiskutieren, dass Bayern mit Alonso und Lahm ein wenig die physische Dominanz im Zentrum abgeht.

Schon einmal in der Zeit von Zé Roberto und Mark von Bommel war ein ähnliches Defizit in Bayerns zentralem Mittelfeld auffällig geworden. Damals reagierte der Rekordmeister mit den Transfers von Luiz Gustavo und später Javi Martínez. Vor allem letzterer hat in den direkten Duellen der vergangenen Jahre gegen den BVB entscheidenden Anteil an den Erfolgen. Sein physisches Spiel wurde am Samstag-Abend eindeutig vermisst. Bayern gewann in der ersten Hälfte nur 36 Prozent seiner Zweikämpfe – bis zum Ende steigerte sich diese Quote auf 47 Prozent. Guardiola hat hier durchaus eine Aufgabe zu lösen. Rode wäre im aktuellen Kader ein Spielertyp, der passen würde – Guardiolas Vertrauen scheint er aber nicht zu haben. Schweinsteiger könnte auch in dieser Hinsicht im Laufe der Saison eine wichtige zusätzliche Alternative werden.

3. Lewandowski mit dem nächsten Ausrufezeichen

Es ist eine Freude Robert Lewandowski beim Fußballspielen zuzusehen. Der Pole ist immer in Bewegung, immer involviert und hat sich zu einem wesentlichen Element in Bayerns Spiel entwickelt. Das Zusammenspiel mit Müller in vorderster Front klappt exzellent und Lewandowski unterstreicht Woche für Woche nicht nur durch Tore, sondern auch durch kluge Pässe und Bewegungen seinen Wert für die Mannschaft. Duelle gegen Dortmund sind so etwas wie die Königsprüfung für jeden Bayern-Stürmer. Dass Mario Gomez mit seiner Spielweise gegen den BVB nur wenig Durchschlagskraft entwickelte, dürfte eine wesentliche Rolle dabei gespielt haben, dass schon Heynckes eher Mandzukic vorzog. Auch für Lewandowski war das Spiel gegen Dortmund eine wichtige Prüfung – die er mit Bravour meisterte.

20 Sprints und 66 intensive Läufe waren jeweils der fünftbeste Wert in der Bayern-Mannschaft und insgesamt ungewöhnlich hoch für einen Bayern-Stürmer. Vier Torschüsse, drei erfolgreiche Dribblings und sein wichtiger Treffer zum 1:1 waren die Kennzahlen eines erneut sehr kompletten Spiels von Bayerns Nummer 9. Einzig die Chancenverwertung war auch bei ihm noch deutlich verbesserungswürdig. Lewandowski – das kann nach 14 Pflichtspielen, sieben Toren und vier Assists festgehalten werden – ist bisher die erhoffte Verstärkung und hat die hohen Erwartungen erfüllt. Der 26-Jährige, das hat das Spiel gegen Dortmund eindeutig gezeigt, wird im weiteren Saisonverlauf eine absolute Schlüsselfigur bleiben.

FC Bayern München – Borussia Dortmund 2:1 (0:1)
FC Bayern Neuer – Benatia, Boateng, Alaba – Bernat, Xabi Alonso, Lahm – Götze (70. Ribéry), Lewandowski (88. Rode), Müller (81. Pizarro)
Bank Zingerle, Dante, Rafinha, Shaqiri,
Borussia Dortmund Weidenfeller – Piszczek, Sokratis, Hummels (46. Subotic), Durm – Kehl, Bender – Mkhitaryan, Kagawa (71. Großkreutz) Reus – Aubameyang (81. Ramos)
Bank Langerak, Ginter, Gündogan, Immobile
Tore  0:1 (31.) Reus, 1:1 (72.) Lewandowski, 2:1 (85.) Robben
Karten Gelbe Karten: Xabi Alonso / Piszczek, Subotic
Schiedsrichter Manuel Gräfe (Berlin)
Zuschauer  71.000

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