Spieler des Winters: Thiago

Georg Trenner 19.02.2020

Dezember und Januar waren beides kurze Monate mit wenigen Pflichtspielen, sieben für den FC Bayern, deshalb kürt die Miasanrot-Redaktion einen Spieler des Janzembers: Thiago. 

Der Spanier folgt auf Shooting Star Alphonso Davies, der im November zum Spieler des Monats gewählt wurde und seine guten Leistungen seitdem bestätigt hat. 

Deutliche Leistungssteigerung nach mäßiger Hinrunde 

Thiago hatte wie der gesamte FC Bayern keinen guten Start in die Saison. Unter Kovač war er zwar gesetzt, spielte jedoch für seine Verhältnisse außer Form. Der “kicker” stufte seine Leistung gar so schwach ein, dass er keine Berücksichtigung in der Rangliste des deutschen Fußballs fand. Diese Einstufung mag man als hart erachten, denn ein Thiago, der nicht in Normalform ist, ist immer noch ein herausragender Fußballer. 

Nach dem Trainerwechsel verschlechterte sich seine Situation anfangs sogar. In den ersten drei Ligaspielen unter Flicks Leitung musste Thiago sich mit einem Bankplatz begnügen. Ausgerechnet im Spitzenspiel bei Borussia Mönchengladbach setzte Flick ihn erstmals von Beginn an ein. An Thiago machte Flick die Niederlage anscheinend nicht fest, denn fortan zählte er zum Stammpersonal.

In den folgenden Spielen vor und nach der Winterpause zeigte Thiago die Leistungen, die man von ihm seit Jahren kennt und erwartet: stabil und überzeugend im Dezember. Überragend im Januar.  

Quelle: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

In seinen sechs Einsätzen in den beiden Wintermonaten erspielte sich Thiago eine herausragende Whoscored-Bewertung von 8,07. Zur Einordnung: Von allen Spielern der “Big 5”-Ligen haben aktuell nur vier Spieler einen Saisonschnitt oberhalb von 8,0: Neymar, Messi, Lewandowski und Mbappé. Gute Gesellschaft für Thiago. 

Er krönte seine guten Leistungen im Bewertungszeitraum mit zwei Toren und einem Assist, seine ersten Scorerpunkte in der laufenden Bundesligasaison. 

Traumpaar Thiago Kimmich?

Flick setzte nach seiner Beförderung zum Cheftrainer zunächst auf Kimmich als alleinigen Sechser, der zusammen mit Müller, Goretzka oder Tolisso das Mittelfeld bildete. Für Thiago blieb nur ein Bankplatz bzw. dann ein Platz im Mittelfeld, wenn Kimmich pausierte (Tottenham) oder als Rechtsverteidiger auflief (Gladbach). Erst gegen Werder Bremen wagte Flick erstmals das Experiment mit Kimmich und Thiago gemeinsam in der Zentrale. Es gelang. 

Die anfängliche Skepsis, Kimmich und Thiago gemeinsam im Zentrum zu bringen, war verständlich. Kimmich und Thiago sind sich in vielerlei Hinsicht ähnlich und spiegelten sich eher als dass sie sich ergänzten. 

Andererseits sind beide zu spielintelligent, als dass sie nicht harmonieren könnten. Das Mittelfeld des FC Bayern pendelt seit Jahren zwischen einer stärkeren Betonung von Durchschlagskraft und Vertikalität (Vidal, Goretzka, Martínez) und einer Ausrichtung auf Spielstärke und Pressingresistenz (Thiago, Lahm, Kroos). 

Unter Hansi Flick scheint das Pendel mit Kimmich und Thiago wieder stärker in Richtung des spielerischen Ansatzes zu bewegen, es könnte dem FC Bayern gut tun. 

Zukunft mit Fragezeichen

Es ist fast sieben Jahre her, als Peps legendäres “Thiago oder nichts” zur Verpflichtung von Thiago führte. Sieben Jahre, in denen Thiago sich stets als Leistungsträger der Bayern empfahl. Thiago ist je nach Sichtweise einer der defensiv stärksten offensiven Mittelfeldspieler der Welt oder einer der offensiv stärksten defensiven Mittelfeldspieler.

Und doch scheint es denkbar, dass seine Zeit in München im Sommer zu Ende geht. Sein Vertrag läuft nur noch bis 2021. Eine Verlängerung würde teuer für den FC Bayern, denn zu Recht erwartet Thiago ein Gehalt in der Nähe der Spitzenverdiener. Gleichzeitig wird Thiago im April 29 Jahre alt, womit opportunistisch betrachtet der Sommer 2020 die vielleicht letzte Chance auf eine hohe Ablöse bietet. 

Die sportliche Leitung des FC Bayern sollte sich des Wertes Thiagos für die Struktur im bayerischen Spiel bewusst sein. Dem Vernehmen nach werden bereits Gespräche über die gemeinsame Zukunft geführt. Es wäre zu hoffen, dass es irgendwann heißt, dass Thiago “dos años más” gemacht hat. 

Honorable Mentions

Nur knapp hinter Thiago verpasste Thomas Müller die Wahl zum Spieler des Winters. Nachdem er bei Kovač zeitweise außen vor war, hat er sich einen Stammplatz erkämpft und ist in der aktuellen Form nicht aus der ersten Elf wegzudenken. Müller strahlt wieder permanente Torgefahr aus. Fast zwangsläufig gelangen ihm in den sechs Bundesligaspielen 4 Tore und 4 Assists. Mittlerweile hat Müller sein Vorlagenkonto auf 14 hochgeschraubt, noch nie hatte ein Bundesligaspieler nach 22 Spieltagen mehr. 

Ebenfalls erwähnt werden darf Joshua Zirkzee: Zunächst feierte der 18-jährige Jungstürmer gegen Tottenham sein Profidebüt. Und nur eine Woche später erzielte er innerhalb von nur vier Tagen zwei wichtige Jokertore gegen Freiburg und Wolfsburg. Laut offizieller  Datenerfassung hat er für seine beiden Tore nur 8 Minuten gebraucht, was hochgerechnet zu spektakulär effizienten Werten führt, wie von Michael Karbach augenzwinkernd dargestellt. Kann eine Profikarriere besser beginnen? 

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