Spieler des Monats März: Robert Lewandowski

Georg Trenner 31.03.2021

Erneut in Topform verteidigt Lewandowski den Titel als Spieler des Monats. Um den Spieler Lewandowski zu verstehen, empfiehlt sich Louisas Würdigung zu seiner Wahl als Spieler des Monats Februar

Lewandowskis März in Zahlen

Lewandowski stand in allen vier Spielen des FC Bayern in der Startelf und trug maßgeblich zu den vier Siegen bei, die das Team in eine hervorragende Ausgangsposition für die finalen zwei Monate der Saison brachten. 

Quelle: Lewandowski (Imago/Photographer: Peter Schatz) Gerd Müller: (Imago)

Acht Tore in vier Spielen, darunter Dreierpacks gegen Dortmund und Stuttgart, sprechen eine deutliche Sprache. Im Schnitt traf er im März alle 39 Minuten.

Ein kicker-Notenschnitt von 1,75 und eine Whoscored-Bewertung von 9,2 (Weltklasse) zeugen von der Wertschätzung seiner Leistung. 

Das Rennen um den Rekord geht auf die Zielgerade 

Mit nun insgesamt 35 Toren in der Bundesliga liegt Lewandowski weiterhin auf Kurs, Gerd Müllers Rekord von 40 Toren aus der Saison 1971/72 einzustellen oder zu brechen. 

“Das Rennen zur 40-Tore-Schallmauer”.
Robert Lewandowski hat die ersten 35 Tore schneller erzielt als Gerd Müller. Unten im Bild die Tore pro Spieltag.

Einen Strich durch die Rechnung könnte ihm seine Verletztungspause machen. Lewandowski kommt mit einer Bänderrdehnung von der Länderspielreise zurück und wird vermutlich vier Wochen ausfallen. Lewandowski bleiben vielleicht nur noch drei Spiele, um fünf oder mehr Tore zu erzielen. In seiner aktuellen Form und anhand seiner Trefferquote klingt das ambitioniert, aber machbar.

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Das Stand heute noch enge Bundesligarennen und Flicks offensiver Spielstil könnten ihm helfen, die nötigen Tore zu erzielen.

Robert Lewandowski vs. Expected Goals

Lewandowski trifft derzeit wie er will. Für seine jüngsten drei Tore gegen den VfB Stuttgart brauchte er nur vier Abschlüsse, die Statsbomb mit kumulierten 1,2 xG bewertete, wobei er die vermutlich statistisch größte Chance in der zweiten Halbzeit sogar liegen ließ. Ein statistischer Durchschnittsstürmer hätte in diesem Spiel also nur ein, vielleicht zwei Tore erzielt. 

Ähnlich läuft es für den polnischen Stürmer bereits seit Beginn der Saison 2020/21: Seine 35 Bundesligatore erzielten er aus nur 24 xG. Elf Tore mehr zu erzielen als die Qualität seiner Chancen es hergab, ist eine beeindruckende positive Abweichung vom statistischen Mittel.

Lauf oder Können? 

Ein Blick auf andere Bundesligaspieler hilft beim Einordnen von Lewandowskis außergewöhnlichen Zahlen. Auf den “Overperformance”-Plätzen folgen hinter Lewandowski Sasa Kalajdzic mit 5,7, Thomas Müller mit 4,5 und Erling Haaland mit 4,4 Toren mehr als es ihr jeweiliger xG-Wert prognostiziert hätte (Quelle für alle xG-Daten: Statsbomb via fbref.com)

Schlusslicht in der Tabelle “Tore vs. xG” ist der Dortmunder Marco Reus, der also die Gruppe der glücklosen Stürmer anführt. Aus Chancen für 6,4 xG erzielte er nur drei und liegt damit also 3,4 Tore unter dem erwarteten Wert. 

Es ist in der Analytics-Community strittig, ob Weltklassestürmer deshalb so oft treffen, weil sie ihre Chancen besser verwerten, oder weil sie öfter in aussichtsreiche Abschlusssituationen kommen (ein Funken Egoismus vor dem Tor dürfte ebenfalls helfen). Die Diskussion hierüber wird noch eine Weile anhalten. 

So beeindruckend Robert Lewandowski diese Saison die xG-Werte schlägt, langfristig scheinen auch für für ihn die Gesetze der Regression zu gelten. In den drei Saisons von 2017 bis 2020 traf er in der Bundesliga 85 mal, während das Statsbomb xG-Modell seine Chancen mit 85,8 xG bewertete: eine frappierend genaue Übereinstimmung. 

Langfristig sollten sich Bayern-Fans also nicht darauf verlassen, dass Lewandowski seine Chancen deutlich besser verwertet als der Durchschnitt. Doch solange Hansi Flick offensiv denkender Bayerntrainer bleibt, dürfte der Pole hinreichend viele Torchancen erhalten, um zahlreiche weitere Tore zu erzielen, selbst wenn er nur auf xG-Level trifft.

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  1. Spieler des Monats April wird er eher nicht. Was für ein Mist.

  2. Der Spieler des Monats April wird natürlich Chupo!
    #Leistungsexplosion
    #WarumichmirdiebestendreiSpielefürdasEndemeinerKarriereaufgehobenhabe
    #DieHoffnungstirbtzuletzt

  3. Der Löw des Monats:
    Kimmich, Goretzka, Sane und Gnabry starten gegen Nordmazedonien.
    Geschont wird (Trommelwirbel) Lukas Klostermann!

    Meine Meinung dazu wäre vermutlich justiziabel, deshalb behalte ich sie für mich.

    Antwortsymbol3 AntwortenKommentarantworten schließen
    1. ……warum spielen Werner,Younes und Musiala nicht? Ach ja, du hast den Nagel auf den Kopf getroffen. „ Der Löw des Monats“.
      Er meinte ja schon, das er keine Rücksicht mehr nimmt. Ich bin total sauer…

      1. Für Frankreichs A-Elf läuft unser Trio Hernandez, Pavard und Coman auf. Konate saß bei der U21 90 Minuten auf der Bank. Bei Österreich spielen immerhin Alaba und Sabitzer. Olmo und Poulsen stehen auch in der Startelf. Dafür wurden Gulasci und Orban schon vor dem Spiel in Andorra zurück nach Leipzig geschickt.

      2. Für diese Aussage gehört er eigentlich sofort freigestellt. Er hat trotz seines Rücktritts immer noch die Verantwortung für die DFB-Elf und die Spieler der abstellenden Vereine. Nach dem Motto – ich verheize die jetzt, danach ist mir alles Wurst.

  4. 79. Minute: Werner schont sich.

    Antwortsymbol2 AntwortenKommentarantworten schließen
    1. Die kann er halt. :-)
      Exakt die gleiche Situation wie im Februar 2020 beim 0:0 zwischen Bayern und RB in der 2. Halbzeit.

      1. Genau an diese Szene damals musste ich auch denken. Dieses absichtliche, angeblich „passive“ Abseits hat einfach kein Tor verdient!

  5. Das einzig positive: Gnabry, Sane, Goretzka und Kimmich haben sich ordentlich geschont.

    Einfach unverständlich, dass diese Spieler drei Spiele da nochmal durchmachen müssen. Und das ist nicht mal nur mit Blick auf Leipzig. Der Spielplan danach ist die Hölle. Da kann man doch mal gegen Nordmazedonien die Spieler schonen, einfach um der Spieler willen.

    Das ist sicherlich kein Wunder, warum da kein einziger bei war heute, der alles geben hat…

    Antwortsymbol1 AntwortKommentarantworten schließen
    1. Schonen? Hätte man machen können. Wäre aber arrogant. Gegen so einen kleinen Gegner ;-)

  6. Ojemine. Vielleicht erledigt sich die Frage des WM-Boykotts aus deutscher Sicht rein sportlich…

    Antwortsymbol2 AntwortenKommentarantworten schließen
    1. Na ja, das waren ja die letzten Qualifikationsspiele unter Löw. Der neue wird’s hoffentlich besser machen.
      Also, selbst Löw muss doch jetzt erkennen, dass das nix mehr wird mit ihm. Durch die Niederlagen gegen Spanien und jetzt Nordmazedonien hat er auch keine Ausstrahlung mehr.

      Ich weiß ehrlich nicht, wie das im Sommer besser werden soll.

    2. das hab ich gestern auch gedacht.

      Und wer überhaupt noch Hoffnung auf eine erfolgreiche EM in wenigen Monaten hat(te), der kann sie langsam fahren lassen.

      Mehr beschäftigt mich aber, wie andere weiter oben, der Zustand/die Belastung der Bayern-Nationalspieler aller Länder, die zumeist durchgespielt haben (wenn sie sich nicht verletzt haben, haha).

  7. In your face, Jogi!
    So scheitert sein Plan auch noch den letzten Tropfen Sprit aus den immer gleichen überbelasteten Spielern herauszuquetschen.

  8. https://www.kicker.de/lewandowskis-ziel-comeback-in-zwei-wochen-801151/artikel

    Zuzutrauen wäre es ihm. Aber ich plädiere da auch eher an die Vernunft und no risk!!

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    1. Mich haben die 4 Wochen bei einer “Dehnung” eher als viel zu lange überrascht, von daher stehe ich eher auf dem Standpunkt, dass diese Aussage “2 Wochen” gar nicht so unrealistisch ist. Ich hatte die Vermutung, sie wollten mit der “4 Wochen” Aussage da Ruhe haben und nicht jeden Tag gefragt werden. Vor allem wenn es dann länger dauert, wenn man zB 10 Tage bis 3 Wochen gesagt hätte.

      Risiko sollte man natürlich keines eingehen.

      1. Unsere medizinische Abteilung macht das schon. Da wird sicher kein Risiko eingegangen. 2 Wochen könnte durchaus realistisch sein.

  9. ….Die Manschaft…hat verdient verloren ,mein rotes Tuch ist der ..Ginter..macht zwar schnelle vorstösse schpielt aber fast immer zurück .Tore kannmanaber nur vorn erzielen.

    Antwortsymbol1 AntwortKommentarantworten schließen
  10. Eine Gesamteinschätzung zum Thema N11 fände ich hier nett zu lesen, auch wenn es ein FCB-Blog ist.

    Aus meiner Sicht kann Löw nur bedingt etwas für die eher lauen Leistungen der letzten 2 Jahre: Ja, er hat sich sicherlich abgenutzt, war zwischenzeitlich auch weniger fokussiert – keine Frage.

    Das Hauptproblem stellen mMn aber die massiven Unwuchten beim verfügbaren Personal dar: Während wir im Tor und im Mittellfeld ein Überangebot an guten bis sehr guten Spielern aufbieten können, sieht es in Abwehr und Sturm schlicht katastrophal aus.

    Bis 2014 konnten u. a. Lahm, Klose, Boateng und Hummels diese Lücken herausragend bespielen. Jetzt wird immer mehr sichtbar, dass der Fokus in der Nachwuchsarbeit viel zu sehr bei den “Tanzmäusen” im zentralen und offensiven Mittelfeld gelegen hatte. Die Jean-Lucs, Justins und Leanders wollen daher ebenfalls kreativ spielen. Die frühere Domäne Abwehrkompetenz zerfällt dabei komplett.

    Nur meine ersten Gedanken. Wie gesagt, ein Artikel wäre nett.

    Antwortsymbol9 AntwortenKommentarantworten schließen
    1. Sehe das ähnlich, und diese permanente Löw-Basherei ist ziemlich unangebracht. Mag ja sein, dass sich sein Zyklus nicht nur im zeitlichen, sondern eben auch im “wirkungsästhetischen” Sinn zu Ende neigt. Wenn es so ist, dann bin ich eher dankbar für all das, was er geleistet hat, besonders eingedenk der langen Dürrejahre vor seiner Zeit. Ein Spieler wie Xavi würdigt ihn sicherlich nicht nur, weil er sich geschmeichelt fühlte von Löws Kompliment. Fußball unter Löw war immer geprägt von einem klaren Konzept, oft elegant, sehr oft erfolgreich (außer für jene, die meinen, D könnte bei jedem Turnier immer alle Titel abräumen). Für Rumpelfußball ist mir meine Zeit wirklich zu schade.

    2. Ich sehe es ähnlich wie du Mehmet68. Es spricht nichts dagegen, wenn ein Stürmer technisch beschlagen ist und wenn ein Abwehrspieler ein verkappter Spielmacher ist. Um wirklich in den absoluten Topbereich vorstoßen zu können, sind diese Qualitäten heutzutage fast unverzichtbar. Mir kommt es aber so vor, dass man seit einigen Jahren die technische Beschlagenheit bzw. das Passspiel als wichtigstes Kriterium ansieht und die Kernkompetenz Tore schießen bzw. Tore verhindern hinter diesen Attributen ansiedelt. Ein Stürmer, der seine Tore vornehmlich im Strafraum mit allen möglichen Körperteilen macht und dafür seine Probleme beim Doppelpass hat, würde permanent hinterfragt, außer seine Torquote wäre so hoch wie bei Lewandowski. Einen Abwehrspieler, der seinen Gegenspieler kaltstellt und eine gute Zweikampfquote hat, würde man trotzdem kritisch beäugen, wenn die Passquote um 5% unter dem Durchschnitt liegt, weil er im Zweifelsfall lieber den Ball auf die Tribüne kloppt als den riskanten Pass zu spielen, nur um den Ball im Spiel zu halten.
      Ich denke, dass es auf lange Sicht nur gelingen wird, wieder sehr gute Spieler im Sturm und in der Abwehr zu bekommen, wenn man junge Spieler nicht permanent darauf drillt, dass sie ja eigentlich auch nichts anderes als Mittelfeldspieler sein sollen nur eben weiter vorne oder hinten. Gelingt das nicht wird der Trend weitergehen, dass man Mittelfeldspieler umwandeln muss, wie Löw das z.B. mit Gnabry und Havertz im vorderen Bereich macht bzw. mit Can in der Abwehr. Das kann funktionieren, aber es werden mMn immer ein paar Prozentpunkte fehlen, weil diesen Spielern eben die grundlegende Ausbildung auf dieser Position abgeht. Somit werden wir dann halt weiterhin Innenverteidiger haben, die tolle Diagonalbälle schlagen können, aber im Zweifelsfall halt auf die Körpertäuschung des Stürmers hereinfallen und ihm zu viel Platz geben. Genauso werden wir Stürmer haben, die dribbelstark sind, denen aber die Physis fehlt und die Probleme haben, wenn sie mit dem Rücken zum Tor agieren sollen.

      1. @willy: Ich sehe keinen vernünftigen Grund dafür, wieso ein Verteidiger oder Stürmer nicht beides können kann, also technisch gut beschlagen ist und dennoch kompetent im jeweiligen Kernbereich, wobei der Verteidiger sicherlich mehr gefordert ist, denn er muss sich ins Aufbauspiel einschalten, wenn er außen spielt sogar den Vorderleuten im Angriff assistieren. Sicherlich alles sehr anspruchsvoll, aber bestimmt keine Frage von entweder oder, sondern ein methodisches Problem in der Ausbildung. Da braucht es zuallererst und sehr früh eine gute Basis in der Arbeit mit dem Ball, das Taktische kommt naturgemäß später.

      2. Wir haben doch das Paradebeispiel bei unserem “Lieblingsgegner” – Haaland, 20 und ein absoluter Vollblutstürmer.
        Ja, der hat auch – wie könnte es in dem Alter auch anders sein – seine Defizite. Aber den interessiert nur eines Tore schießen. Im Interview sagte er, dass ihn das ja bei Lewandowski wahnsinnig macht: “schieße ich zwei, dann macht der drei! Unfassbar!” Ob und wie der den Ball annimmt und verarbeitet- egal, der schießt immer Tore!
        Und genau dieser Spielertyp geht uns mittlerweile völlig ab.
        Die Kanes, die Benzemas, die Suarez, die Sons, die Griezmanns – die alle nur eins wollen Tore,Tore, Tore!
        Das ganze Gedöne mit Ballbesitz, falscher 9 und ähnlichen Sperenzchen, dasd über Jahre im Jugendfußball Einzug gehalten hat, aber eines total übersehen hat. Das funktioniert nur dann, wenn du entweder ein Supertalent a la Messi hast, das dan auch noch die Tore macht – oder genau dafür den Kracher im Sturm stehen hast, der sowieso trifft.
        Wenn du natürlich vorne als Vollstrecker einen Ronaldo UND einen Bentzema UND eine di Maria hast, kannst du im Mittelfeld gut Ballbesitz spielen – wenn der eine Pass kommt, klingelt es eben.
        Wohin dieses Elend führt – was aber offenbar bei uns keine wahrhaben wollte – konnte man 2018 bei den Spaniern sehen. Nachdem mit den Jahren ein Superstar nach dem anderen abtrat blieb für die WM nur noch Andre Iniesta übrig. Im ersten KO-Spiel gegen den Gastgeber Rußland – Ballbeitz ohne Ende – spielte Spanien in den 120 Minuten sage und schreibe über 1.300 Pässe! Diese 1.300 Pässe führten genau zu 0,0 Torchancen. Und im 11m-Schießen flog man dann raus!
        Nur Spanien hat danach die Konsequenzen gezogen.
        Selbst ein Löw jammer ja nach dem Spiel rum, er hätte sich gewünscht, dass man auch mal aus 16 oder 18 m den Abschluß sucht.
        Und wer bitte hat die Spieler dahin gebracht, dass sie den Ball am liebsten noch im 5m-Raum 2x querspielen.
        Die Jungs aus der ersten Reihe sind alle Mitte 20 – und da rächen sich eben die Sünden, die in der Jugend begangen wurden.
        Ich höre immer noch den Lieblingssatz aller Jugendtrainer – “hör mit dem Gefummel auf und spiel gefälligst ab”.
        Und dann bekommst du eben die schnellen Werners, die aber an keinem Gegenspieler vorbei kommen, und die schnellen Gnabrys, die aber eine entsprechende Fehlerquote aufweisen, aber eben keinen Haaland.
        Mitspieler von Ronaldo haben immer wieder in den Interviews erzählt, das der Verrückte nach Trainingsende noch Stunden alleine Torschuß- und Freistoßtraining machte.

      3. @severalseasons: mit dem zu starken Fokus auf den Ball, sprich die Technik, besteht aber die Gefahr, dass man möglicherweise genau die Talente im Sturm verliert. Anton spricht Haaland an und verweist auf seine Defizite. Ich denke, dass es bei einem zu starken Fokus auf die Technik möglicherweise passieren kann, dass man Spielertypen wie Haaland irgendwann im Laufe ihrer Jugendzeit verliert. Wenn ein Spieler stark von seinen körperlichen Fähigkeiten lebt und der Trainer ihn immer wieder Technik-Übungen machen lässt, kann das für eine gewisse Frustration sorgen und sogar am Selbstvertrauen kratzen. Das andere Extrem gab es im deutschen Fußball ja auch jahrzehntelang. Die alte Schule, die z.B. Magath noch in die Neuzeit transferierte, besagte, dass erst einmal die Physis stimmen muss und man dann an den Ball geht. Viele technisch begabte Spieler haben ihre Fußballschuhe deswegen an den Nagel gehängt. Wieder zurück zum eigentlichen Thema: Du hast einen 15 oder 16jährigen Stürmer vom Typ Haaland, der wegen Wachstumsproblemen aktuell seine Torquote aus den vorherigen Jahren nicht halten kann. Damals haben die Tore in gewissem Sinne technische Defizite noch ausgeglichen. Jetzt stimmt die Ausbeute nicht mehr und die Trainer schieben alles nur auf die technischen Mängel. Da kann ein hoffnungsvolles Talent schon mal ganz schnell durchs Raster fallen und ein “Comeback” für jemanden, der mit 15 oder 16 aus einem Leistungszentrum gefallen ist, dürfte sehr schwierig werden.
        Heutzutage versucht man mMn zu verkrampft, alle Spieler auf das gleiche technische Niveau zu bringen. Das wichtigste ist aber die Positionstechnik. Hier war z.B. Klinsmann ein Phänomen. Seinen Spitznamen Flipper bekam er von technisch starken Mitspielern verliehen, weil die der Meinung waren, dass man bei ihm genau wie bei einem Flipper-Automaten nicht weiß, wo die Kugel hinspringt. Wenn man versuchte, mit ihm ein Kombinationsspiel aufzuziehen, tat das oft beim Zuschauen weh. Bekam Klinsmann allerdings im Strafraum den Ball, dann schien es, dass er jeden erdenklichen Move draufhatte, den man brauchte, um die Kugel aufs Tor zu bekommen. Ich denke, dass man einen solchen Spielertypen heute nicht mehr in der U19 in irgendeinem Leistungszentrum findet.
        Im Abwehrbereich dürfte es ähnlich sein. Dass man seine Technik im Alter übrigens immer noch verbessern kann, sah man beispielsweise bei Haudegen wie Jürgen Kohler, der in seinen späten Jahren am Ball bedeutend stärker war als in seiner Frühphase, in der er aber gegen den Mann so stark war, dass er die besten Stürmer der Welt ausschalten konnte.
        Ich bin der Meinung, dass man junge Spieler niemals in irgendwelche Schemata pressen sollte, aber das wurde früher gemacht und das wird heute noch ähnlich praktiziert. Früher hatten wir das Probleme, dass viele technisch begabte Spieler durchs Raster fielen und man deswegen eine kampfstarke aber spielerisch limitierte Nationalelf hatte. Jetzt sind fast alle Nationalspieler technisch perfekt geschult, weisen aber dafür in anderen Bereichen Mängel auf.

      4. Gerade Haaland würde ich niemals als Beispiel für technische Mängel ansehen, ganz im Gegenteil, Ballannahme und Ballbehauptung unter Druck und vor allen Dingen Abschluss (Schusstechnik!!!) sind geradezu mörderisch gut, und das macht niemand aus Instinkt. Ich habe auch nie davon gesprochen, jemanden in ein Schema pressen zu wollen, sondern davon, dass schon sehr, sehr früh eine “spielerische” Vertrautheit im Umgang mit dem Ball entsteht, so wie das z.B. Hans Meyer immer wieder gefordert hat. Frustrationen bei jungen Spieleren vermeiden ist ja zuerst ein didaktisches Problem der trainingssteurung und -inhalte. – Was m.E. gegen Nordmazedonien den Ausschlag gab, war aber vor allen Dingen die der Müdigkeit geschuldete mangelnde Laufbereitschaft gegen eine eingespielte und physisch starke Mannschaft.

      5. Willithegreat – du bringst es genau auf den Punkt. Gerade im Jugendbereich hängt sehr viel von den “Vorlieben” des Trainers ab. Und Leistungsdefizite kannst du dir heute in den NLZ nicht mehr leisten.
        Und gerade in den Zeitfenster zwischen D- und B-Jugend wird gnadenlos ausgesiebt.
        Und viele – Kinder sind halt auch grausam- gehen dann nicht mehr zum alten Verein zurück. “Na, hat wohl doch nicht gereicht!” Da haben viele keine Lust drauf und hören auf.
        Die Geduld, die man mit jungen Spielern eigentlich haben müsste, ist heute sehr oft nicht mehr vorhanden.
        Nimm dir das Supertalent des BVB, Moukoko – der wechselt mit 12 Jahren von St.Pauli zum BVB.
        Stell dir vor, der hat mit 14 einen Leistungseinbruch über ein Jahr – dann ist der da weg vom BVB.
        Der FCB holt sich einen jungen Spieler, der dann einem Will von Kaiserslautern weichen muss. Ein Will spielt aber schon nicht mehr beim FCB.
        Mit hat ein Betreuer von Mönchengladbach erzählt, dass man schon in der E-Jugend einen Durchlauf von fast 50 Spielern pro Saison hat. E-Jugend, die noch nicht mal wissen, wie großes Feld geht – und da werden schon solche Mengen an Spielern durchgeschleust. Da kann man sich vorstellen, wieviele Talente auf dem langen Weg bis zu den Senioren aus unterschiedlichsten Gründen auf der Strecke bleiben

      6. @Anton: danke für deine Beispiele. Das Stichwort lautet Konformität. Wer auffällt, ist prinzipiell erst einmal unter Beobachtung. Wenn du nicht der Norm entsprichst, musst du schon viel besser als der Durchschnitt sein und das betrifft sowohl Verhalten als auch Spielweise.

    3. Hui, das ist ja ein klasse Thread geworden. Danke Allen für Ihre Gedanken!

      Ich denke wie gesagt auch, dass heute zu früh “normiert” wird – wer nicht in eine Schublade (Technik, bzw. Spiel mit dem Ball) passt, hat es schwer.

      Insgesamt führt das sicher auch zu gefälligerem Fußball. Wer deutsche Teams in den 80ern mit gefühlt 6 “Vorstoppern” erlebt hat weiß, was ich meine. ;-)

      Die Ausgewogenheit geht dabei aber verloren. Wenn 10 Spieler nur noch schön spielen wollen, hat man weder “Abräumer” hinten, noch “Brecher” vorne. Vielleicht ist es ja kein Zufall, dass in den letzten Jahren auch die – guten – Abwehrspieler wie van Dijk so teuer geworden sind.

  11. Methodik (Didaktik) und Inhalte sind aber zwei Paar Schuhe. Oben ging es darum, welche Fertigkeiten Spieler haben (sollten), jetzt, wie man mit individuellen Begabungen umgeht. Das heißt, der fokus liegt dann auch auf der Ausbilder-Schulung.

    Antwortsymbol1 AntwortKommentarantworten schließen
    1. Sorry, sollte eine Etage weiter oben stehen im Thread zum post von Mehmet 68.

  12. […] gab. Den “Für-die-Ewigkeit-Tor-Rekord” von Gerd Müller im Blick (siehe hierzu auch Spieler des Monats März: Robert Lewandowski), führt er nicht nur die nationale Torjäger-Liste mit großem Abstand an, sondern ist auch in […]

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