FC Bayern München Frauen vs. Bayer Leverkusen: Claire Falknor, Lisa Evans, Gina Lewandowski, Nora Holstad, Viki Schnaderbeck, Melanie Behringer, Sara Däbritz

So gehen die Bayern-Frauen in die neue Saison

Wir pusten den Staub von der Miasanrot-Frauensparte, schrecken vor dem Ungeziefer zurück, das sich vom plötzlichen Sonnenlicht verstört in die nächste Ecke verzieht und schauen darauf, was uns die neue Saison der Frauenfußball-Bundesliga für die Bayern-Frauen bereithält.

Am Samstag, den 3. September, geht es mit einem Heimspiel um 16 Uhr in der Hermann-Gerland-Kampfbahn auf den Giesinger Höhen wieder los. Gegner des ersten Spieltages ist der SC aus Freiburg.

Doch zunächst ein Blick zurück

Noch vor zwei Jahren lautete das Ziel des Teams, die großen Drei aus Wolfsburg, Potsdam und Frankfurt anzugreifen und zu ärgern und sich als vierte Kraft in der Spitzengruppe zu etablieren. Nach einem vollkommenen Umbruch des Kaders konnten jedoch weder der FC Bayern noch seine Konkurrenz damit rechnen, zu welcher Sensation sich dieses Ärgern auswachsen würde. Mit dem Abpfiff der Saison 2014/15 holten die Bayern völlig die überraschend die Deutsche Meisterschaft. Im damaligen Kader wurde häufig rotiert und auch Nachwuchskräfte durften sich immer wieder beweisen.

Im Bewusstsein, nun der Gejagte zu sein und auch in der Champions League angreifen zu wollen, verstärkte sich der FCB vor einem Jahr u.a. mit der Champions-League-Siegerin Vero Boquete und dem deutschen Nachwuchstalent Sara Däbritz. Während Däbritz voll einschlug und mittlerweile auch in der Deutschen Nationalmannschaft eine etablierte Größe ist, hatte Boquete größtenteils mit Verletzungen zu kämpfen und wird künftig bei Paris Saint-Germain spielen.

Aus der Champions League schieden die Bayern-Frauen schon nach dem ersten Duell gegen Twente Enschede unglücklich aus, indem sie der Auswärtstorregel zum Opfer fielen (Hinspiel | Rückspiel). Auch in der Liga konnte das Team von Tom Wörle kein Offensivfeuerwerk entfachen. Da jedoch auf die Defensive stets Verlass war und die Konkurrenz ungewöhnlich arg patzte, gelang den Bayern das Kunststück der Titelverteidigung. Wieder konnte das Team zusammen mit den Männern auf dem Rathausbalkon feiern. Den Traum vom doppelten Double vermasselte man sich aber durch eine uninspirierte Leistung im Halbfinale gegen den SC Sand, der erst im Pokalfinale gegen den VfL Wolfsburg gestoppt werden konnte.

Unter dem Strich bleiben zwei Ligasiege in Folge. Die Konstanz, die für diese zwei Titel Woche für Woche auf den Platz gebracht wurden, sind wohl das eigentliche Vermächtnis, das sich diese Mannschaft erarbeitet hat. Während Potsdam sich mit dem ersten Trainerwechsel seit 45 Jahren und einem Seuchenjahr erst wird finden müssen und auch von der alten Hausnummer FFC Frankfurt derzeit nicht viel übrig geblieben zu sein scheint, wird vor allem Wolfsburg alles daran setzen, die Meisterschale wieder zurückzuerobern.

Rio-Recap

Zur Deutschen Nationalmannschaft, die in diesem Sommer das Karriereende von Silvia Neid mit Olympischem Gold krönte, zählten inklusive der Neuzugänge sechs Wölfinnen und fünf Bayernspielerinnen. Das war nicht immer so. Noch im März 2015 äußerte sich Tom Wörle Miasanrot gegenüber so:

„Ich würde natürlich gerne jede deutsche Nationalspielerin holen, aber die können wir uns nicht leisten. Ganz im Gegenteil, wir haben mit Melanie Behringer, Lena Lotzen, Leonie Maier und Melanie Leupolz genau eine einzige Stammspielerin der Nationalmannschaft.“ Tom Wörle, Trainer FC Bayern München Frauen.

Mittlerweile haben sich nicht nur Sara Däbritz, Melanie Leupolz und Leonie Maier in der Nationalelf festgespielt. Die erst jüngst als Nationalspielerin zurückgetretene Melanie Behringer führte das Team sogar mit fünf Treffern als beste Torschützin des Turniers zum Triumph. Darüber hinaus wurde mit Simone Laudehr eine absolute Spitzenspielerin verpflichtet, die den Konkurrenzkampf und die Führungsqualitäten im Team nochmal auf ein neues Level heben wird, sobald sie sich von ihrer Verletzung erholt hat.

Zugänge:

  • Simone Laudehr, Mittelfeld (1. FFC Frankfurt)
  • Stefanie Van der Gragt, Verteidigung (Twente Enschede)
  • Verena Faißt, Verteidigung (VfL Wolfsburg)
  • Anna Gerhardt*, Mittelfeld (1. FC Köln)
  • Jacintha Weimar, Tor (CTO Eindhoven)

Als Quasi-Neuzugänge sind die Rekonvaleszenten zu bezeichnen, wenn sie denn wieder eingreifen können: Katha Baunach, Sarah Romert und Lena Lotzen.

Abgänge:

  • Vero Boquete (Paris Saint-Germain)
  • Eunice Beckmann (Boston Breakers)
  • Laura Feiersinger (SC Sand)
  • Raffaella Manieri (ACF Brescia)
  • Ricarda Walkling (North Carolina State Wolfpack)
  • Fabienne Weber (SV Jungingen)

Quasi-Abgänge: Schon im Winter waren Kristie Mewis und Katie Stengel zurück in die USA gegangen. Mit Sarah Romert und Melanie Leupolz wurden dagegen im Sommer die Verträge verlängert.

Bundesliga-Termine

  • 1. Spieltag 03.09.16 FC Bayern – SC Freiburg
  • 2. Spieltag 10.09.16 FF USV Jena – FC Bayern
  • 3. Spieltag 25.09.16 FC Bayern – VfL Wolfsburg
  • 4. Spieltag 02.10.16 Bayer 04 Leverkusen – FC Bayern
  • 5. Spieltag 16.10.16 SC Sand – FC Bayern
  • 6. Spieltag 30.10.16 FC Bayern – MSV Duisburg
  • 7. Spieltag 05.11.16 TSG 1899 Hoffenheim – FC Bayern
  • 8. Spieltag 13.11.16 FC Bayern – 1. FFC Frankfurt
  • 9. Spieltag 19.11.16 Borussia Mönchengladbach – FC Bayern
  • 10. Spieltag 11.12.16 FC Bayern – Turbine Potsdam
  • 11. Spieltag 18.12.16 SGS Essen – FC Bayern
  • 12. Spieltag 19.02.17 SC Freiburg – FC Bayern
  • 13. Spieltag 26.02.17 FC Bayern – FF USV Jena
  • 14. Spieltag 19.03.17 VfL Wolfsburg – FC Bayern
  • 15. Spieltag 26.03.17 FC Bayern – Bayer 04 Leverkusen
  • 16. Spieltag 02.04.17 FC Bayern – SC Sand
  • 17. Spieltag 23.04.17 MSV Duisburg – FC Bayern
  • 18. Spieltag 30.04.17 FC Bayern – TSG 1899 Hoffenheim
  • 19. Spieltag 07.05.17 1. FFC Frankfurt – FC Bayern
  • 20. Spieltag 10.05.17 FC Bayern – Borussia Mönchengladbach
  • 21. Spieltag 14.05.17 Turbine Potsdam – FC Bayern
  • 22. Spieltag 21.05.17 FC Bayern – SGS Essen

Ein paar Worte zum Wettbewerb

Die Liga wird auch in der aktuellen Saison aus zwölf Teams bestehen und den Meister in 22 Spieltagen ermitteln. Für die zwei Absteiger Köln und Bremen sind der MSV Duisburg und Borussia Mönchengladbach in die oberste Spielklasse gekommen. Erneut werden sich die ersten beiden Teams der Tabelle für die Champions League qualifizieren.

Heißester Kandidat auf den Meistertitel sind neben dem FC Bayern der VfL Wolfsburg, der im europäischen Frauenfußball neben Olympique Lyon national und international das tonangebende Team der letzten Jahre war. Erst heute wurde der Wechsel von Nationalstürmerin Anja Mittag bekannt, die aus Paris nach Wolfsburg kommt. Zusätzlich erleichterte der VfL den Konkurrenten in Frankfurt um die australische Nationalspielerin Emily van Egmond und verpflichtete die Isländerin Sara Gunnarsdóttir vom FC Rosengård. Den großen Umbruch haben die Wölfinnen in der letzten Spielzeit schon hinter sich gebracht. Es ist damit zu rechnen, dass Ralf Kellermann mit seinem Team volle Lotte angreifen wird.

Wie Frankfurt und Potsdam ihre anstehenden Umbrüche bewältigen, wird ebenso spannend wie die Entwicklung der beiden Aufsteiger und des Projekts in Sand. Beim Pokalfinalisten heuerte der ehemalige Frankfurt-Trainer Collin Bell nach seinem kurzen Abenteuer in Norwegen an und verpflichtete mit Laura Feiersinger und Jenny Gaugigl gleich zwei Spielerinnen mit Bayern-Vergangenheit.

FC Bayern München Frauen - Twente Enschede Vrouwen, Champions League, 2:2, GrundformationenVan der Gragt als zentrale Verteidigerin bei Enschede

Davon dass Tom Wörle von seinem System mit Dreier-/Fünferkette abweicht, ist nicht auszugehen. Für die Bayern wird es darauf ankommen, mehr Variantenreichtum ins eigene Spiel zu bekommen. Mit Faißt und Van der Gragt für Manieri und Feiersinger konnte in der Verteidigung ein Upgrade erreicht werden. Van der Gragt spielte in den Champions-League-Spielen gegen die Bayern in der zentralen Verteidiger-Rolle wie es bei den Bayern Co-Kapitänin Nora Holstad tut. Holstad verpasste in der letzten Saison nicht eine einzige Ligaminute. Wir werden sehen, ob sie künftig in die Rotation einbezogen wird. Die beidfüßige Faißt könnte mit der bislang gesetzten Gina Lewandowski auf der linken Wingbackposition Konkurrenz machen. Laudehr wird im Vergleich zu Boquete mehr Geradlinigkeit für den Übergang vom zweiten ins letzte Drittel einbringen, ohne dass Führungsstärke verloren ginge. Gut möglich, dass sie defensiver auf der Sechs spielt und dafür Leupolz analog zu Däbritz wie in der DFB-Elf offensiver eingesetzt wird. Gerade an der Kreation von Chancen gegen tief gestaffelte Gegner hatte es in der letzten Saison gemangelt. Wir werden sehen, wie Wörle mehr Power in die Offensive bekommt, ohne die Defensive zu vernachlässigen.

*Jap, den Bruder bitte selber googeln.

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Leserkommentare
  1. Pantagruel

    “Die Liga wird auch in der aktuellen Saison aus elf Teams bestehen […]”

    Zähl nochmal nach. :p

  2. KNURRH4HN

    Boquete kommt bei PSG offensichtlich blendend zurecht. Bei Bayern war sie in der zweiten Saisonhälfte gesund, hat aber trotzdem praktisch nicht gespielt. Insofern ist es nicht leicht ihre Rolle bei Bayern mit der künftigen Rolle von Simone Laudehr zu vergleichen. In der Vergangenheit war sie keine Quitterin. Der Wechsel zu PSG wirkte aber doch fluchtartig. Weiß man da etwas genaueres?

    1. Bevor sie kam, hatte ich angenommen, dass München nur eine Durchlaufstation sein würde und war dann vom Dreijahresvertrag überrascht. Positiv natürlich. Genaueres über ihren Wechsel zu Paris weiß ich leider auch nicht. Mich hat nur absolut beeindruckt, wie sie sich auf und neben dem Platz in das Team eingereiht und vorangegangen ist. Stelle mir das schwierig vor, wenn man verletzt zum Team stößt und sich nicht auf dem Platz beweisen kann. Auch in der Kommunikation war sie sofort eine Identifikationsfigur. Dass Boquete dann auch in der Rückrunde nicht ihre volle Klasse hat aufblitzen lassen können, hat mich auch etwas gewundert. Ich dachte, es würde dann sicher in der neuen Saison zünden. Nun scheint ein gutes Angebot von Paris vorgelegen zu haben.

  3. Frank

    Boquete hat in einem Interview selber anklingen lassen,das die Spielweise von Bayern München einfach nicht zu ihr passte.OK…Wörle spielt schon einige Jahre so,hätte man ja vorher wissen können. Das Däbritz so durchstartet in München war nicht zu erwarten und mit Laudehr hat man Erfahrung pur verpflichtet,das fehlt oft im Spiel der Bayern. So wird der Abgang von Vero nicht nur zu verkraften sein,nein es ist sogar ein Upgrade.Nachdenklich stimmt mich die Entwicklung von Lena Lotzen,man weiß nichts genaues,der Verein sagt seit Monaten immer das gleiche,aber es gibt einfach null Fortschritt.Bei der Mannschaft ist sie aktuell auch nicht,beim Teamessen hat sie auch gefehlt,kein Glückwunsch an die Kolleginnen zur Goldmedaille in Rio,seit Wochen Funkstille.Ansonsten stimmt mich traurig,das von der Nachwuchsförderung nicht mehr viel übrig geblieben ist,mit Walkling und Gaugigl sind die letzten Talent nun auch weg,weil sie keine Chance bekommen haben,ebenso Laura Feiersinger.Standen von vier Jahren noch zweitweise 7 Spielerinnen aus dem eigenen Nachwuchs auf dem Platz,ist es heute einzig Viki Schnaderbeck die regelmäßig spielen darf.In den U-Mannschaften des DFB sucht man Spielerinnen des FCB meist vergebens.Im Grunde agiert Bayern heute so wie der FFC Frankfurt über viele Jahre,man wurde vom Ausbildungs zum reinen Käuferverein.Aber vielleicht ist das auch einfach nur der Preis,den man für Erfolg bezahlen muss.

    1. Hallo Frank, Danke für Deine Eindrücke. Spielerinnen wie Vero oder Mana passen aus meiner Sicht eigentlich ganz ausgezeichnet ins Spiel der Bayern — gerade wo es darauf ankommt, gegen tiefe Verteidigungsketten Lücken zu finden/aufzureißen und Schnittstellenpässe zu spielen. Aber war beim Training nicht dabei.. Zu den Jugendspielern: Das finde ich zwar auch schade, es ist immer eine großartige Wertschätzung für die Arbeit in der Jugend und auch wichtig für die Identifikation mit dem Verein, wenn eigene Talente nachrücken. Gerade bei Feiersinger hat es mich gewundert, weil sie ja allein mit den Trainingsleistungen bei Bayern fast immer gesetzt war in der Österreichischen Nationalmannschaft. Aber sie hat in München einfach keine Spielzeit bekommen und dann ist es richtig, zu gehen. Gaugigl und Walkling haben vor zwei Saisons immer wieder Einsätze bekommen, da sah es lange so aus, als würden sie in der jeweils kommenden Saison dann durchstarten. Aber ich glaube, sie hätten einen noch größeren Schritt machen müssen. Die Verteidigung der Meisterschaft wäre nur mit Nachwuchs nicht gelungen. Ich hatte mich auch schon auf Isabella Hartig gefreut, deren Leihe an Hoffenheim noch läuft. Das Team hat den Konkurrenzkampf und das Level insgesamt nochmal erhöht. Das spricht für die gestiegene Qualität im Kader und in den Ansprüchen, dass es für den Nachwuchs noch schwerer wird, auf sich aufmerksam zu machen. Nach der Überraschungsmeisterschaft war das aus meiner Sicht konsequent. Es spricht auch für den Verein, wenn man Spielerinnen wie Behringer, Laudehr und Vero bekommt. Die bayerischen Wurzeln sieht man dem Team ja nach wie vor an. Einen reinen Stardurchlauferhitzer kann ich da nicht erkennen.

  4. “Wir pusten den Staub von der Miasanrot-Frauensparte, schrecken vor dem Ungeziefer zurück, das sich vom plötzlichen Sonnenlicht verstört in die nächste Ecke verzieht[…]”

    Beim ersten Lesen hatte ich den Eindruck, dass hier die Frauenmannschaft ganz schön beleidigt wurde :D

  5. […] relativ wenig los war, fanden sich immer mal wieder interessante Themen. Jolle stimmte uns auf die neue Saison der Frauen ein, während Steffen und Justin die Stärke des Männer-Kaders diskutierten. Darüber hinaus […]

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