Miasanrot-Awards 2021/2022: FC Bayern – Spielerin der Saison

Justin Trenner 21.06.2022

Es ist gar nicht so leicht, diese Saison des FC Bayern München einzuordnen. Die Hinrunde verlief gut, hatte aber auch den einen oder anderen Rückschlag zu bieten. In der Rückrunde erfolgte ein Einbruch, der vor allem durch viele Coronainfektionen geprägt wurde. Dementsprechend schwierig ist es auch, Individualleistungen hervorzuheben.

Für diese seltsam verlaufene Saison gibt es eigentlich nicht die eine Spielerin, die allen anderen überlegen war. Alle hatten ihre Höhen und ihre Tiefen.

Deshalb hat sich die Redaktion dazu entschieden, nicht zwingend die Spielerin zu wählen, die die meisten Highlights hatte. Stattdessen wurde die Spielerin gewählt, die über die Saison hinweg nicht nur eine sehr wichtige Rolle im Team hatte, sondern auch sehr konstant auf hohem Niveau agierte.

FC Bayern: Giulia Gwinn ist Miasanrot-Spielerin der Saison

Und das ist Giulia Gwinn. Mehrfach analysierten wir in der Vergangenheit, dass die defensiven Flügel bei den Bayern nicht optimal besetzt waren. Mit Hanna Glas schien sich in der Meistersaison eine herausragende Rechtsverteidigerin zu etablieren. Nach den anstrengenden olympischen Spielen in Tokio fand die Schwedin in dieser Saison aber fast nie zur Normalform.

Die Vize-Olympiasiegerin blieb weit unter ihren Möglichkeiten. Auf der linken Seite hat Caro Simon in den letzten Monaten und Jahren zunehmend ihren Stammplatz verloren. Vor allem auf hohem Niveau wurde sie von Top-Teams immer mehr als defensive Schwachstelle auserkoren.

Eine Neuverpflichtung für die Außenbahnen schien sinnvoll und mit Maxi Rall kam auch eine rechte Flügelspielerin mit Offensivdrang, die als Rechtsverteidigerin eingesetzt werden kann. Durchgestartet ist aber mit Gwinn nur eine.

Giulia Gwinn: Nach Kreuzbandriss wieder wichtig beim FC Bayern

Nach ihrem Kreuzbandriss im September 2020 arbeitete sie sich sukzessive zurück und spielte eine hervorragende Saison als Außenverteidigerin. Die 22-Jährige war die einzige Konstante im Defensivbereich. Als gelernte Offensivspielerin verfügt sie zudem über Qualitäten, die sie zu einer sehr modernen Außenverteidigerin machen.

Sie bringt alles für diese Position mit. Im Fußball werden die defensiven Außenspielerinnen und Außenspieler immer stärker in den Spielaufbau mit einbezogen. Trainer wie Pep Guardiola lassen sie dafür teilweise ins Mittelfeld einrücken. In dieser Saison hat Gwinn mehrfach gezeigt, dass sie ihre Rolle sehr flexibel und klug interpretiert.

Sie bewegt sich auf dem Platz intelligent, bietet sich klassisch an der Seitenlinie an, wenn ihr Team Breite benötigt. Wenn Lina Magull oder Sarah Zadrazil im Zentrum Unterstützung brauchen, rückt sie aber auch ein. Gwinn ist technisch stark, schnell und kann sich unter Druck behaupten – das macht sie zu einer Waffe im Spielaufbau. Gleichzeitig kann sie in der Offensive torgefährlich sein.

FC Bayern: Macht Giulia Gwinn unter Alexander Straus den nächsten Entwicklungsschritt?

Acht Torbeteiligungen in 20 Bundesliga-Partien sind ein guter Wert. Wenngleich sie manchmal noch etwas mehr Mut zum Risiko haben könnte. Im Eins-gegen-eins ist sie so stark, dass sie in der Offensive noch mehr eingebunden werden könnte. Wobei unklar ist, inwiefern das teils absichernde und zögerliche Verhalten im Halbfeld von Trainer Jens Scheuer gewollt war.

Gwinn agierte bei weitem nicht fehlerfrei. Beim einen oder anderen Gegentor sah sie im Rahmen einer Fehlerkette nicht immer gut aus. Im Hinspiel gegen Paris Saint-Germain war sie sehr aktiv und belebte das Spiel, musste allerdings auch zwei-, dreimal erkennen, dass die Wege in der Rückwärtsbewegung zu weit und die Gegenspielerinnen zu schnell waren.

Nichtsdestotrotz ist sie auf einem sehr guten Weg. Mit Blick auf den neuen Trainer Alexander Straus könnte ihr auf der linken Außenbahn eine Schlüsselrolle winken. Beim SK Brann setzte der 46-Jährige auf ein System, in dem sich die Außenverteidigerinnen stets aktiv ins Offensivspiel integrierten. Das könnte Gwinn entgegenkommen.

Die Nationalspielerin ist auch deshalb von der Redaktion gewählt worden, weil sie nicht nur konstant auf hohem Niveau agierte, sondern mit ihrer Vielseitigkeit gleich auf mehreren Positionen aushelfen konnte – offensiv wie defensiv. Gwinn ist längst nicht am Ende ihrer Entwicklung – und genau das macht Lust auf mehr. Bei der Europameisterschaft im Sommer, aber auch und vor allem beim FC Bayern.