Jan Kirchhoff wechselt nach München – Sammers Handschrift?!

Der in Frankfurt geborene, derzeit für den 1. FSV Mainz 05 spielende, Innenverteidiger Jan Kirchhoff wechselt nach München. So, oder so ähnlich gingen Vorgestern die Meldungen über Twitter und die Sportmedien. Das 22-jährige »Mainzer Talent« kommt zum FC Bayern und damit zwangsläufig nicht nach Dortmund, Leverkusen oder zu einem anderen deutschen Verein. Während ich mich beim Lesen der Meldung über diese Nebensätze und das Wort »wegschnappen« ärgerte, muss betrachtet werden was Kirchhoff für den FCB machen kann.

Der junge Innenverteidiger ist eine hervorragende Verpflichtung von der ich mir in der Zukunft einiges verspreche. Wie der Bayernblog ebenfalls gut herausgearbeitet hat: mit 4 Innenverteidigern ist eine Mannschaft gut besetzt. Das Trio Badstuber, Boateng und Dante dürfte sich aktuell um den festen Startplatz streiten und sich gegenseitig zu guten Leistungen anstacheln. Die Verletzung von Holger Badstuber und auch die Sperre von Boateng zeigen aber ein Problem. Der zentrale Platz vor Manuel Neuer kann nun nur noch von Daniel van Buyten aufgefüllt werden. Der ist inzwischen ein alter Hase beim FC Bayern und dürfte so langsam über seinen Abschied von der aktiven Spielerkarriere nachdenken. 2012 gab es für ihn nicht viele Einsätze. Für die Zukunft musste also zwangsläufig ein weiterer Spieler kommen, denn vom Einsatz unserer defensiven Mittelfeldakteure – Tymoshchuk oder Martínez – in der Defensivreihe halte ich nichts.

Jan Kirchhoff, ein paar Fakten:

Nachdem er 2012 mit Verletzungen (Knie + Muskelfaserriss) kämpfte, stand er zuletzt für Mainz auch weiter vorn auf dem Platz. Leider nicht oft über 90 Minuten. Seine Leistungsdaten sind solide: 51 Partien sind schon allerhand an Erfahrung. Dabei gab es in der Liga 13 gelbe Karten und vom Platz ist er noch nicht geflogen. Zusätzlich kennt man ihn aus der deutschen U21. Er ist ein sogenannter »moderner Spiele«, der – nicht nur wegen seiner Körpergröße von 1,95m – Übersicht und strategisches Spielverständnis zeigt. Er wird der größte Bayernspieler und zeichnet sich durch gutes Zweikampfverhalten aus. Leider konnte man auch ihm noch nicht den ein oder anderen Aussetzer austreiben, sodass er etwas ruhiger und überlegter werden sollte. Es wurde ein für sein Alter erfahrener Spieler geholt und kein blutjunges Talent, was man erst fertig ausbilden muss. Das ist gut, denn leider habe ich Zweifel an seinen Einsatzzeiten. Jan Kirchhoff wird sich nicht weiterentwickeln, wenn er die Nummer 4 hinter Badstuber/Boateng/Dante bleibt, sondern er muss spielen spielen und spielen um ein Spitzenniveau zu erreichen.

Was nun also machen mit ihm? Der »Rohdiamant« wird nicht auf der Auswechselbank geschliffen. Eine Ausleihe wäre wohl perfekt. Das hat sich als Schachzug bewährt und wahrscheinlich würden sich einige Vereine die Hände reiben, wenn sie Kirchhoff für eine Spielzeit bekommen könnten. Eine kurze Twitterdiskussion sieht ihn in Kaiserlautern, beim Club aus Nürnberg oder in Hoffenheim. Ob das so ein guter Schachzug und eine Verbesserung wäre? Andererseits,.. gibt es Alternativen, oder kann Sammer / Heynckes für genug Einsatzminuten in der Bundesliga sorgen? Dann müsste er wohl doch im Winter bereits nach München reisen. Kirchhoff selbst ist der Zeitpunkt nach eigenen Aussagen egal, Mainz muss aus finanziellen Gründen aber keine Ablösesumme verlangen und der FC Bayern hat anscheinend noch nicht entschieden. Stoßt er zu Beginn der Rückrunde zum Kader könnte er mit Boateng um den Platz neben Dante konkurrieren, denn der Brasilianer ist gesetzt.

Wird das Sammers Handschrift?

Unser Sportvorstand hat – in perfektem Vereinsdeutsch – folgendes zur Verpflichtung gesagt:

Wir freuen uns sehr, dass wir diesen hochtalentierten deutschen U21-Nationalspieler für den FC Bayern verpflichten konnten. Ich persönlich freue mich sehr, dass er die Herausforderung annimmt. […] Er ist ein Rohdiamant, hat gute Voraussetzungen […] Es gibt ja immer so Leistungsvoraussetzungen, durch die man einen Spieler gut analysieren kann. Er ist zwar jung, aber sehr mutig. Und Mut gefällt uns.

Er passt gut in Sammers Beuteschema, der zu seinem Amtsantritt an der Säbener Straße schon von den Erfahrungen aus dem Jugendbereich beim DFB gesprochen hat. Außerdem dürfte er der erste Transfer »Marke Sammer« sein, welcher wohl die Hauptverantwortung getragen hat. Kirchhoff ist ein deutsches Talent und damit die Fortsetzung der Strategie eben diese Spieler nach München zu führen. Man könnte jetzt von »Standortattraktivität« sprechen, denn der FC Bayern war nicht alleine an ihm interessiert. Das lasse ich lieber. Umso besser also, die Lücke Innenverteidigung schnell und mit Perspektive geschlossen zu haben. Nach einiger Zeit der Schläfrigkeit auf dem deutschen Talentmarkt hat nun wieder etwas geklappt.

Der Sportvorstand sollte sich nun aber nicht zurücklehnen, sondern direkt weiter schauen. Oder zumindest Pläne für andere Lücken machen. Spontan fällt mir da Philipp Lahm ein, denn der wird in diesem Jahr 30 und Rafinha ist kein adäquater Ersatz. Gibt es überhaupt einen Rechtsverteidiger mit ähnlichen Qualitäten (oder großem Potential) und wie möchte man ihn heranführen? Was ist mit dem Dänen Pierre-Emile Höjbjerg? Bei den Bayern Amateuren sammelt er gerade Erfahrung, aber wird er denn Sprung in die 1. Mannschaft schaffen? Pizarro wird ebenfalls keine langjährige (zweite) Bayernkarriere vor sich haben. Wer wird Stürmer Nummer 3?

Mit Jan Kirchhoff könnte der erste Schritt unserer Transferstrategie für die nächsten Jahre angedeutet worden sein. Das verspreche ich mir zumindest davon seit Matthias Sammer einen Vertrag beim FC Bayern unterschrieben hat. Es muss sich dennoch zeigen, ob man Talente nicht nur im Notizbuch hat, sondern an den Verein binden und dann auch auf Topniveau führen kann. Das hat nicht immer funktioniert und könnte die Herkulesaufgabe der nächsten Jahre werden.

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Leserkommentare
  1. […] skeptisch beäugt. Gut genug? Wieviele Talente vor ihm scheiterten bereits beim Rekordmeister? Miasanmia blickt auf den Transfer und fragt sich, ob bereits Matthias Sammers Handschrift zu lesen […]

  2. @rammc

    Ich würde gerne nochmals den letzten Absatz genauer Besprechen:

    “Mit Jan Kirchhoff könnte der erste Schritt unserer Transferstrategie für die nächsten Jahre angedeutet worden sein. ”

    ==> Würde ich an der Stelle jetzt nicht nur auf die Zukunft, sondern auf die Gegenwart und Vergangenheit beziehen. Wir haben immer versucht Talente für wenig Geld zu holen. Bisher hat das aber (fast) nie geklappt: Mir fallen da eine Vielzahl von Namen ein: Rau, Schlaudraff, Baumjohan oder letzte Saison Petersen und aktuell vllt. Weiser. Meist blieb es nur ein “Versuch”.

    Hier müsste eigentlich Ursachenforschung betrieben werden: Liegt es vielleicht am falsch eingeschätzten Talent des Spielers? Oder war die Scoutingabteilung nicht gut genug? Schließlich sind auch “Soft-Skills” enorm wichtig. Meine Gedanken sind vor allem beim berühmten Willen oder/und der Leistungsbereitschaft. Das kann man zwar keinen Profi absprechen, aber oftmals gibt es den schmalen Grad zwischen 96% und 100%. Der entscheidet im Profisport.

    Auf der anderen Seite bekommen junge Spieler bei uns kaum Einsatzpraxis. Spieler mit unglaublichen Potenzial wie Alaba oder Lahm mussten den Weg der Ausleihe wählen. Ich behaupte, dass sich Müller & Badstuber unter einem anderen Trainer auch schwerer getan hätten. Unter Jürgen Klinsmann wurde Mats Hummels direkt verkauft. Einer der schwersten Managementfehler in der jüngsten Vergangenheit.

    “Es muss sich dennoch zeigen, ob man Talente nicht nur im Notizbuch hat, sondern an den Verein binden und dann auch auf Topniveau führen kann.”

    ==> Ich glaube an dieser Stelle wird es interessant, weil ich denke das die “vereinsinternen Talente” einen Vorsprung haben. Sie kennen das Umfeld, wurden vor allem im Umgang mit den Medien und den Fans geschult. Zudem trainieren sie oft schon länger mit den Profis. Dies beschleunigt den Integrationsprozess.
    Für einen Jungprofi mit Talent ist das Umfeld oftmals nur das berühmte Haifischbecken “Bayern München”.

    Von daher ist eine Verpflichtung solcher Spieler zwar immer ganz nett zu sehen, aber die Skepsis bleibt.

  3. Liegt es vielleicht am falsch eingeschätzten Talent des Spielers? Oder war die Scoutingabteilung nicht gut genug? Schließlich sind auch “Soft-Skills” enorm wichtig.

    Denke hier kommt auch zum Tragen, dass das Umfeld “FC Bayern” schon sehr speziell ist und eben auch im Fußballsport sehr extrem. Presse, Aufmerksamkeit, Erfolgsdruck. Das wird sehr schwer zu ermitteln sein und sich eben oft erst in der Praxis zeigen.
    Wahrscheinlich muss das Scouting noch besser werden bzw. intensiver geschult sein. Hier wurde meiner Meinung nach durchaus etwas verpasst.

    Auf der anderen Seite bekommen junge Spieler bei uns kaum Einsatzpraxis.

    Dieses Problem habe ich zuletzt recht lang mit einem Freund diskutiert. Ist es beim FC Bayern überhaupt möglich genügend Einsatzpraxis zu bieten? Wenn man junge Talente nach München holt, müsste man das wohl ohne Frage tun, aber kann man es und wird gleichzeitig seinem Anspruch gerecht? Jemanden auf Topniveau zu führen, bedeutet eben auch Fehler zu verzeihen. Nach der letzten Saison arbeitet man wohl noch mehr daran genau das zu vermeiden: Fehler, die am Ende wichtige Punkte kosten könnten.

    Eine Lösung haben wir leider nicht gefunden. Den Spieler ausleihen ist wohl das einfachste.

    Sie kennen das Umfeld, wurden vor allem im Umgang mit den Medien und den Fans geschult. Zudem trainieren sie oft schon länger mit den Profis. Dies beschleunigt den Integrationsprozess.

    Womöglich sollte man einfach noch jüngere Talente nach München locken, sie bei den Amateuren ausbilden und eventuell verleihen, bevor sie in die 1. Mannschaft zurückkehren. Sicher einfacher gedacht als durchgeführt.

    Danke für deinen ausführlichen Beitrag. Gern – wie gerade schon bei Twitter erwähnt – auch mal als Gastbeitrag! ;)

  4. […] sich auszuzeichnen waren wohl nicht vorhanden, aber er machte auch keine entscheidenden Fehler. Der »Rohdiamant« muss im Sommer noch geschliffen […]

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