Hannover 96 – FC Bayern München 0:3 (0:0)

Christopher Trenner 21.04.2018

Nach dem Sieg im DFB-Pokal-Halbfinale stand für die Münchner vor dem Spiel gegen Real Madrid noch eine Pflichtaufgabe in der Bundesliga an.

Falls Ihr es verpasst habt:

Die größte Überraschung gab es bereits 75 Minuten vor dem Anpfiff. Lars Lukas ‘Lasse’ Mai stand in der Startelf. Der Kapitän der U19 konnte seinen Traum wohl viel früher als gedacht wahr machen und für den FC Bayern auflaufen.

Neben Mai gab es noch sechs weitere neue Spieler im Vergleich zum DFB-Pokal-Halbfinale. Süle, Rafinha, Rudy, James, Bernat und Wagner rückten in die Startelf. Kimmich, Hummels, Alaba, Martinez, Müller, Ribery und Lewandowski wurden zunächst geschont.

Hannover spielte unter Breitenreiter zuletzt häufig mit einer Viererkette, doch heute entschied sich Trainer André Breitenreiter für ein System mit Dreierkette. Elez, Sané und Hübers bildeten die letzte Kette. Neben Elez kam auch noch Bakalorz und Sorg in die Startelf der Hannoveraner.

Die Münchner hatten die erste Chance der Partie. Nach einer Flanke von Rafinha sprintete Thiago in den Strafraum und setzte einen Kopfball knapp über die Latte (11.). Im Anschluss kamen Wagner (15.) und Süle (16.) zu weiteren Torchancen.

Auf der Gegenseite hatte Hannover gute 10 Minuten später zwei Torchancen. Zunächst verschätzte sich Mai im Zweikampf gegen Füllkrug, dieser kam auch zum Abschluss, konnte aber von Bernat noch geblockt werden. Eine Szene später gab es Freistoß für Hannover und Hübers konnte den Ball sehenswert aus spitzem Winkel aufs Tor bringen. Ulreich konnte glänzend parieren (28.).

In der 41. Minute verhinderte abermals der Schlussmann von Hannover 96 Tschauner den Rückstand der Heimmannschaft. Nach einer Flanke von Süle kam Thiago im Rückraum zum Abschluss. Tschauner konnte sich erneut auszeichnen.

Mit einem 0:0 ging es in die Pause. Es war ein ordentliches Bundesliga-Spiel mit leichtem Chancenplus für den FC Bayern, der aber nicht jeden Angriff mit höchstem Tempo ausspielte.

In der Halbzeit brachte Jupp Heynckes Thomas Müller für Arjen Robben, der auch die erste Chance der noch frischen Halbzeit vergab (48.).

Als die Partie etwas in den Sommerfußball-Modus verfallen war, erzielten die Münchner das 1:0. James spielte einen genialen Lupfer auf Bernat, der knapp auf der Abseitslinie stand und den Ball flach ins Zentrum bringen konnte. Dort wartete Müller, dessen Schuss von Sané unhaltbar abgefälscht wurde.

Ein Eckball von Rudy in der 73. Minute entschied das Spiel. Der Ball des Mittelfeldspielers war eine mustergültige Vorlage für Lewandowski, der sich gegen Elez im direkten Duell durchsetzen konnte. Tschauner war beim Kopfball diesmal machtlos. Der 28. Treffer in der Bundesliga für den Polen.

Nach dem 2:0 der Bayern trudelte die Partie aus. In der 88. Minute erzielte Rudy noch einen weiteren Treffer. Bernats Flanke wird von Müller nochmal in die Mitte gespielt. Dort brauchte Rudy, völlig blank stehend, nur noch ins lange Eck einzuschieben.

Am Ende gewann der FC Bayern auch in der Höhe verdient mit 3:0 gegen Hannover, weil von der Heimmannschaft in der zweiten Hälfte keinerlei offensive Aktion mehr ausging. Die Münchner hatten die Partie völlig unter ihrer Kontrolle.

Drei Dinge die auffielen:

1. Debütant Mai

Jupp Heynckes ist voller Überraschungen. Zuerst berief der Bayern-Trainer Mai in den Kader für das Spiel gegen Hannover. Etwa 24 Stunden später überraschte Heynckes erneut, in dem er Mai direkt in die Startelf beorderte. Mai ist damit der erste Spieler der 2000er Generation, der für den FC Bayern auflaufen durfte. Mit genau 6.595 Lebenstagen ist Mai der sechstjüngste Bayernspieler bei seinem Bundesligadebüt.

Es wurde ein gelungener Auftakt. Mai fügte sich nahtlos in das Bayern-Team ein. Er gewann Zweikämpfe, fing Bälle ab und überzeugte mit einer ordentlichen Passquote im Aufbau. Ein Fehler in der 26. Minute leitete eine Chance für Hannover ein, als er gegen Füllkrug zu passiv in den Zweikampf ging und dann hinter sich viel Wiese frei ließ. Es blieb der einzige kleine Fehler des Debütanten.

Der Einsatz von Mai zeigt auch, dass es noch geht. Jugendspieler bekommen Einsatzzeit und können wichtige Erfahrungen sammeln. Wichtig wird sein, dass es auch unter Neu-Trainer Kovac weiterhin Möglichkeiten gibt, Minuten zu bekommen. Die Spieler brauchen eine faire Chance auf Entwicklung.

2. Süle in ungewohnter Rolle

Mit Verkündung der Aufstellung gab es leichte Verwirrung. Wechselt Jupp Heynckes nochmal kurz vor Ende seiner Amtszeit das Spielsystem? Anders ließen sich zunächst die drei Innenverteidiger Süle, Boateng und Mai nicht erklären. Doch Heynckes behielt sein 4-1-4-1 System die Treue und setzte Süle auf der alleinigen Sechser Position ein. Eine interessante Wahl. Süle überzeugte mit guter Zweikampfauswahl nach Ballverlusten, aber auch offensiv konnte er einige Impulse setzen und Chancen der Bayern initiieren. Er ließ sich auch nicht instinktiv zurückfallen, um möglicherweise beim Aufbau ungestörter zu sein. Im Gegenteil – Süle hielt seine Position gut und bildete mit Mai und Boateng ein gutes Dreieck.

3. Konzentrierte Leistung

Es war eine konzentrierte Leistung des FC Bayern in Hannover. Gerade im Vergleich zu den letzten Wochen in der Bundesliga war der Rekordmeister sofort da. Ein Rückstand wie gegen Augsburg oder Gladbach musste nicht gedreht werden. Hannover machte es mit dem abwartenden Mittelfeldpressing natürlich dem FC Bayern auch einfacher, als die Gegner zuletzt. Boateng, Mai oder Rafinha wurden im Aufbau meist nicht oder nur verhalten gestört. Dadurch konnten die Münchner viel Ballbesitz sammeln (76%) und hatten trotz einiger Risikopässe eine Passquote von über 90%. In der zweiten Halbzeit gelang es auch, die wenigen Chancen konsequent auszunutzen. Hier überzeugten Müller und Lewandowski, die sofort Erfolg hatten mit ihren Aktionen.

Die Mannschaft wirkt bereit für die beiden Duelle gegen Real Madrid. Der Fokus stimmt und viele Leistungsträger sind in guter Form. Es werden spannende Partien werden.

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