Munich's players celebrate after scoring during the German football Cup DFB Pokal semifinal match Bayer 04 Leverkusen vs Bayern Munich in Leverkusen, western Germany, on April 17, 2018. / AFP PHOTO / Patrik STOLLARZ

Bayer 04 Leverkusen – FC Bayern München 2:6 (1:2)

Tobi Trenner 17.04.2018

Im Pokalhalbfinale bekam es der FC Bayern mit Bayer Leverkusen zu tun. Die Werkself ging gestärkt in diese Partie, schließlich konnte man in der Liga zuletzt sowohl Leipzig als auch Frankfurt mit 4:1 schlagen. Diese Ergebnisse sollten dem Rekordpokalsieger als Warnung dienen, dass auch der letzte Schritt auf dem Weg ins Finale kein leichter sein wird.

Falls ihr es verpasst habt:

Nachdem Jupp Heynckes am Wochenende die Chance nutzte und beim Kantersieg gegen Gladbach kräftig rotierte, kehrte er nun zur aktuell vermeintlich stärksten Elf zurück – mit einer Überraschung: Statt James Rodriguez sollte Thiago Alcantara das Spiel gestalten.

Auf der anderen Seite vertraute Heiko Herrlich weitestgehend der Mannschaft, die bereits die Frankfurter Eintracht bezwingen konnte.

Bayer Leverkusen vs. FC Bayern, GrundformationenBayer Leverkusen vs. FC Bayern, Grundformationen

Lediglich Leon Bailey und Benjamin Henrichs mussten Karim Bellarabi und Jonathan Tah weichen. Taktisch bedeutete dies ein Wechsel zur Viererkette.

Nach gerade einmal zwei Minuten war Bernd Leno bereits geschlagen. Nach einer geduldig ausgeführten Freistoßvariante flankte Boateng auf Müller. Dessen Kopfball konnte der Torhüter noch abwehren, doch der Nachsetzer von Javi Martinez war zu kraftvoll. Der Abseitsverdacht gegenüber Lewandowski wurde per Videobeweis widerlegt. Ein perfekter Start für die Münchner (3.).

In der fünften Minute wurden die Bayern nach einer Ecke ausgekontert, doch die Werkself konnte die Überzahlsituation nicht nutzen. Vollands Versuch per Kopf war zu schwach und konnte von Ulreich pariert werden. Die Partie begann wild und mit offenem Visier. Und so ging sie auch weiter. Ribery konnte sich auf links viel zu leicht gegen Lars Bender durchsetzen und zur Grundlinie sprinten. Die Flanke auf den langen Pfosten fand Robert Lewandowski, der vollkommen ungedeckt einschieben durfte (9.).

Eine 2:0-Führung nach nur zehn Minuten. Nicht etwa, weil die Bayern den Gegner gnadenlos einschnürten, sondern weil die Leverkusener hinten völlig naiv und unkoordiniert auftraten.

Das Chaos ging weiter, diesmal auf der anderen Seite. Aus einer Leverkusener Freistoßflanke wurde ein Flipperball im Strafraum, den Lars Bender dankbar einköpfen konnte (16.). Plötzlich war der Glaube, den die Leverkusener zuvor verloren hatten, wieder da.

Nun glich der Spielverlauf endgültig einem bedeutungslosen Ligaspiel am 34. Spieltag. Offensiv war alles drin, defensiv war alles dahin. Selbst in der Phase ab der 20. Minute, als sich das Geschehen etwas beruhigte und normalisierte, herrschte stets das Gefühl der drohenden Gefahr. Die Bayern ließen den Ball teils ansehnlich laufen, konnten die Hereingaben aber nicht aufs Tor bringen. Auch Leverkusen konnte die größte Chance (erneut nach Chaos im Münchner Strafraum) nicht nutzen.

In der 37. Minute konnte sich Sven Ulreich auszeichnen. Bellarabi zog aus der Distanz ab, doch Ulreich fand mit einer ganz starken Parade die Antwort und hielt die Führung fest. Mit dem 2:1 ging es dann in die Halbzeitpause. Nach dem perfekten Beginn für die Bayern gelang es nicht, Spiel und Gegner in der gewohnten Art zu kontrollieren. Bei jedem Ballverlust drohte sofort Gefahr. Leverkusen schaltete blitzschnell um. Der weitere Spielverlauf war nach 45 Minuten vollkommen offen.

Beide Trainer nahmen eine Anpassung vor. Herrlich brachte Leon Bailey für platzverweisgefährdeten Retsos und stellte somit auf eine Dreierkette um, während Heynckes positionsgetreu Rafinha für Alaba einwechselte.

Thiago schirmt geschickt den Ball ab.
(Foto: PATRIK STOLLARZ / AFP / Getty Images)

Kurz nach dem Seitenwechsel brannte es wieder einmal lichterloh im Strafraum der Gäste. Erneut war es Sven Ulreich, der mit einer Weltklasseparade den Schuss von Bellarabi abwehren konnte. Und dann kam Müller. Keine zwei Minuten nach der Riesenchance bediente ihn Thiago auf der anderen Seite in perfekter Manier, der Kapitän hatte mit der Ballannahme größere Probleme als mit dem Abschluss. Das glückliche, zugleich aber nicht völlig unverdiente 3:1 (53.).

Wenige Minuten später, der Werkself wurde gerade ein Abseitstor zurückgepfiffen, konnten die Bayern dieses seltsame Spiel vorzeitig entscheiden. Ribery steckte wunderbar durch zu Robben. Der Niederländer hatte das Glück des Tüchtigen, dass sein Ausrutscher zur Vorlage wurde. Thiago schob gewohnt gelassen ein und feierte den Einzug ins Finale (60.).

Jetzt flog es Leverkusen um die Ohren. Rafinha spielte den Ball von der Grundlinie in die Mitte, wo Robben die Direktabnahme verwertete – wäre da nicht Müller gewesen, der den Ball unbeabsichtigt abfälschte und dem Veteranen so das Tor klaute. Wie auch immer, plötzlich stand es 5:1 (63.).

In der 72. Minute durften die Heimfans nochmals jubeln: Der eingewechselte Leon Bailey zirkelte einen Freistoß wunderbar vom Innenpfosten ins Netz. Verdiente Ergebniskosmetik, die fünf Minuten später wieder zunichte gemacht wurde. Ein langer Ball von Thiago landet bei Thomas Müller, der sich nach der Annahme einmal um die eigene Achse dreht und den Ball dann trocken ins Netz schiebt (78.). Ein schönes Tor zum Abschluss, für ihn kam James Rodriguez zum Auslaufen. Bernd Leno musste in den Schlussminuten gegen Javi Martinez und Arjen Robben nochmal alles geben, um das 2:7 zu verhindern.

Der FC Bayern zieht verdient ins DFB-Pokalfinale ein. Jupp Heynckes bekommt im Mai also mindestens ein Abschiedsspiel in Form eines Finales.

Drei Dinge, die auffielen

1. Kopfschmerzen vor Madrid?

Die Probleme beim defensiven Umschalten ziehen sich schon durch die gesamte Bayernsaison, hier wurden sie aber nochmals deutlich unterstrichen. Jeder Ballverlust wurde zum Bumerang, wenn das aggressive wie lückenhafte Gegenpressing nicht griff. Teilweise konnten die Leverkusener sogar in Überzahl auf den gegnerischen Strafraum zulaufen.

Es war wohl vor allem zwei Umständen zu verdanken, dass diese Schwäche nicht tödlich endete: die gnadenlose Zweikampflust des Jerome Boateng und das gute Spiel mit dem Ball. Denn bei allen Problemen in der Defensivarbeit sollte auch betont werden, dass sich die Bayern im Ballbesitz sauber positionierten und kein Dribbling scheuten. Die Unsicherheiten der Werkself wurden eiskalt bespielt und ausgenutzt.

Nichtsdestotrotz bleiben Restsorgen, wenn man eine Woche in die Zukunft zu blicken versucht. Der FC Bayern hat mit den Konterfähigkeiten Real Madrids schon einschlägige Erfahrungen gemacht. Gegen einen Cristiano Ronaldo im vierten Frühling dürften solche Räume zum Ausscheiden führen. Das europäische Finale ist mit einer solchen Defensivleistung nicht zu erreichen.

2. Immer wieder Ulle

Über Sven Ulreich wurde in den vergangenen Wochen und Monaten eigentlich schon genug geredet. Aber in dieser Partie war der Neuer-Backup wieder ein Erfolgsgarant. Das deutliche Endergebnis täuscht leicht darüber hinweg, dass dieses Spiel über 50 Minuten völlig offen war.

Beim Stand von 2:1 konnte Ulreich zweimal überragend gegen Bellarabi retten. Vor der Pause kratzte er dessen flachen Gewaltschuss aus der Ecke, kurz nach Wiederanpfiff reagierte er aus kurzer Distanz glänzend.

Nach der Partie wird kaum jemand über den Torhüter sprechen, dessen Mannschaft mit vier Toren Unterschied gewonnen hat. Aber wäre Ulreich nicht in der Topform, die er seit Monaten beweist, der Spielverlauf wäre garantiert ein ganz anderer geworden.

3. Finale

Was auch sonst? Jupp Heynckes wird seine Trainerkarriere also mit einem Finalspiel beenden.

Dass der FCB im Finale um den DFB-Pokal steht, ist an sich keine Überraschung. Dass er es in dieser Saison, die national ein so geringes Niveau aufweist, schafft, geschenkt. Was man aber nicht vergessen sollte: Der Weg nach Berlin dürfte diesmal einer der härtesten in der langen Pokalgeschichte der Münchner gewesen sein. Mit Leipzig, Dortmund und Leverkusen traf man auf drei der vier größten Konkurrenten im deutschen Fußball – der vierte (Schalke) könnte je nach Ergebnis am Mittwoch im Finale warten.

Heynckes könnte im letzten Spiel also einen Pokal gewinnen. Oder wird der DFB-Pokal nur zur Generalprobe?

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Bayer Leverkusen – FC Bayern 2:6 (1:2)
Bayer Leverkusen Leno – L. Bender, Tah , S. Bender , Retsos (46. Bailey) – Baumgartlinger (62. Alario), Aranguiz – Bellarabi (67. Henrichs), Havertz, Brandt – Volland
Bank Özcan, Jedvaj, Kohr, Kießling
FC Bayern Ulreich – Kimmich, Boateng, Hummels, Alaba (46. Rafinha) – Martínez – Thiago (85. Süle), Müller (80. James) – Ribéry, Robben – Lewandowski
Bank Starke, Bernat, Wagner, Rudy
Tore 0:1 Lewandowski (3.), 0:2 Lewandowski (9.), 1:2 L. Bender (16.), 1:3 Müller (52.), 1:4 Thiago (60.), 1:5 Müller (64.), 2:5 Bailey (72.), 2:6 Müller (78.)
Gelbe Karten Retsos, Aranguiz / Boateng
Schiedsrichter­ Daniel Siebert (Berlin)
Zuschauer 30.210 (ausverkauft)

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