Sara Däbritz, Tini Demann und Nicole Rolser feiern mit Torschützin Carina Wenninger das 2:0 des FC Bayern gegen Turbine Potsdam im Pokalhalbfinale, © Sven Beyrich

Bayern-Frauen besiegen Potsdam und stehen im Pokalfinale

Mit 3:1 schlugen die Bayern Turbine Potsdam im DFB-Halbfinale und zogen mit einem verdienten Heimsieg ins Finale in Köln am 19. Mai ein.

Dort treffen Sie auf den VfL Wolfsburg, der sich mit 4:1 gegen die SGS Essen durchsetzte. Wolfsburg könnte den vierten Cup-Sieg infolge gewinnen. Doch auch Bayern-Coach Tom Wörle blickt optimistisch auf das Spiel. „Wenn wir fünfmal gegeneinander spielen, gewinnt sicher Wolfsburg, aber in einem Spiel haben wir eine Chance.“ Mit Verweis auf Bayerns Pokalsieg 2012 – Wörles bislang einzigem Pokalfinale – ergänzte er: „Meine Statistik ist ganz gut.

Falls Ihr es verpasst habt:

Mit Potsdam reiste ein starker Gegner nach München. Erst eine Niederlage hatte Turbine in der laufenden Saison hinnehmen müssen – ein knappes 0:1 in der Liga gegen den VfL Wolfsburg. Im Pokalviertelfinale war bereits der FFC Frankfurt an ihnen gescheitert. Die Bayern waren also gewarnt.

Grundformationen FC Bayern München Frauen 4-5-1 vs. Turbine Potsdam 4-4-2Grundformationen: Bayern 4-5-1, Potsdam 4-4-2

Beide Mannschaften bemühten sich, kontrolliert Druck aufzubauen und Potsdam gelang dies über weite Strecken der ersten Halbzeit wesentlich besser. Das Spiel fand hauptsächlich in der Bayern-Hälfte statt. Vor allem die Kombinationen über Lia Wälti auf Anna Gasper oder Sarah Zadrazil auf Gasper – also aus der Zentrale des Spielfelds auf den rechten Flügel – sorgte mehrfach für Gefahr. Hier boten die Bayern zwischen Abwehrlinie und Torhüterin Manuela Zinsberger Räume an, in die Potsdam vorstechen konnte. Dennoch arbeitete sich Turbine kaum klare Abschlussmöglichkeiten heraus. Verletzungssorgen und allem voran des Fehlen von Tabea Kemme merkte man den Potsdamerinnen deutlich an.

Die Bayern hielten defensiv konzentriert dagegen und versuchten, den Ball auch unter hohem Gegnerdruck laufen zu lassen. Immer wieder gelang es ihnen, sich geschickt durch Körperdrehungen, diagonale Laufwege und Doppelpässe dem Zugriff Potsdams zu entziehen. Doch ebenso oft unterlief den Bayern bei der zweiten oder dritten Station ein Passfehler, der die Angriffe wieder abwürgte, da Potsdam die Räume durch konzentriertes Verschieben dicht hielt.

Als Nina Ehegötz und Kristin Demann saftig aneinandergerasselt waren und beide lange Zeit für eine Behandlung vom Feld verschwanden, spielten beide Teams mit jeweils neun Feldspielerinnen weiter. In dieser Phase war Potsdams Chance auf den Führungstreffer am höchsten. Bei den Bayern half Kapitänin Melanie Behringer in der Innenverteidigung aus. Mit Ball am Fuß nutzte sie Ihre Erfahrung und Übersicht, um die Bälle aus dem Strafraum zu klären, doch wenn Potsdam in Person von Svenja Huth mit Geschwindigkeit auf die improvisierte Abwehr zulief, wurden die Tempodefizite offenbar. „Heilfroh“ sei sie gewesen, als Demann aufs Spielfeld zurückkehrte. Zwar würden Spieler ja häufig über die Karriere hinweg weiter nach hinten gezogen, aber sie hege keine Ambitionen, jemals wieder in der Innenverteidigung zu spielen, so Behringer nach Abpfiff.

Zum Ende der ersten Halbzeit kamen die Bayern besser ins Spiel. Nicole Rolser vergab eine Chance nach langem Weg im Eins-gegen-Eins, doch in der 29. Minute bereitete sie das 1:0 mustergültig vor. An der Grundlinie behauptete sie denn Ball, flankte auf Fridolina Rolfö am langen Pfosten, die ihre Chance noch vergab, doch Leonie Maier war zur Stelle und schob zur Führung ein.

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Potsdam hätte wenig später ausgleichen können, doch eine Hammergrätsche von Verena Faißt gegen Huth im Strafraum löschte die Gefahr sensationell. Für die zweite Hälfte hatte sich Potsdam einiges vorgenommen, doch Carina Wenninger verwandelte die Aufbruchstimmung bei den Gästen kurz nach Wiederanpfiff direkt wieder in Niedergeschlagenheit. Mit einem schönen Schlenzer aus dem fernen Rückraum stellte sie nach einer Ecke auf 2:0.

Potsdam musste nun kommen, doch Bayern blieb der eigenen Linie treu, kombinierte sich aus Engen und hatte nun Platz zum Kontern. Sara Däbritz suchte zweimal den Abschluss und zwang Schmitz zu einer Flugparade. In der 86. Minute fand Däbritz dann Rolser bei einem Konter mit einem Schnittstellenpass in die Tiefe. Diesmal bezwang Rolser Schmitz im Duell und erhöhte auf 3:0. Die Partie war gelaufen. Beim abseitsverdächtigen Ehrentreffer von Lara Prasnikar für die Gäste waren die Bayern gedanklich nicht mehr ganz bei der Sache, doch es sollte nichts mehr anbrennen. Das Finalticket war gelöst.

3 Dinge, die auffielen:

1. Potsdam in einer sehr variablen 4-4-2-Grundformation

Mit Ehegötz und Huth in der vordersten Linie und einer defensiven Viererkette gegen den Ball sortierte sich Potsdam in einem 4-4-2, das aber nur selten klassisch interpretiert wurde. In Ballbesitz stand Potsdam meist hoch mit einer Dreierkette, wobei jeweils eine der beiden Außenverteidigerinnen – Schmidt oder Amanda Ilestedt – nach vorne ins Mittelfeld aufrückten. Die Angreiferinnen Huth und Ehegötz waren meist nur defensiv im Pressing auf einer Höhe zu finden. Vor allem Huth ging vertikal enorm weite Wege. Mal ließ sie sich bis vor die eigene Abwehr fallen, um Bälle zu schleppen und den Aufbau anzukurbeln, mal presste sie auf die Torhüterin und mal wich sie auf den Flügel aus, um mit Dynamik diagonal vorzustoßen.

Ehegötz ging nicht ganz so exzessive Wege, ließ sich aber ebenfalls ins Mittelfeld zurückfallen und glich die Laufwege der Mitspielerinnen aus. Zusammen mit den Flügelstürmerinnen Viktoria Schwalm und Gasper bildete eine der zwei Potsdamer Spitzen immer wieder einen Dreierangriff. Zwischen den zwei Strafräumen teilten sich Zadrazil und Wälti die Räume ebenfalls sehr dynamisch auf. Von der Höhe Wältis hing es ab, ob Potsdam zu fünft oder zu sechst in die Offensive ging und wie gut gestaffelt sich die Gäste für Ballrückeroberungen positionierten.

2. Wörle hält an seiner Sieges-Formation fest

„Einige Spielerinnen haben im neuen Jahr ihre Chance bekommen und haben sie genutzt,“ so Tom Wörle nach dem Spiel zum Festhalten an seinem „Winning Team“. Obwohl auch andere Spielerinnen im Training alles geben und der derzeitigen Stammformation Druck machen, gibt es für Wörle derzeit keinen Grund, die Startelf zu verändern. In der Hinserie habe man davon profitiert, immer wieder neue Besetzungen zu finden und sich an die Gegner anzupassen. Doch jetzt, so Wörle, wolle man das nächste Level erreichen und das ginge nur, wenn man den Spielerinnen, die derzeit im Flow sind, möglichst viele Minuten gemeinsam auf dem Feld gäbe. Nur so entwickelten sich Automatismen und ein höheres Verständnis des Teams auf dem Platz.

3. Leonie Maier und Nicole Rolser im Leistungshoch

In der Nationalmannschaft war Leonie Maier zuletzt gesetzt. Ob linke oder rechte Abwehrseite, ganz egal, Maier bekam ihre Einsätze und mischte offensiv auch aus zentraler Position gehörig an den Torbeteiligungen mit. Auch im Verein knüpft die Stuttgarterin derzeit nicht nur an ihr altes Leistungsniveau an, sondern geht noch darüber hinaus. Tom Wörle bestätigte nach dem Spiel, dass Maier auf dem besten Wege ist, im Stile eines Lahms oder eines Kimmichs die Grenzen des Hybrids aus Außenverteidigung und Mittelfeldposition neu auszuloten.

Was für eine DFB-Spielerin mit mehr als 60 Länderspielerin noch normal klingen mag, ist bei Nicole Rolser um so erstaunlicher. Auch Rolser ist derzeit nicht aus dem Kader wegzudenken. Für die Position im Sturm hat der FC Bayern einige Nationalspielerinnen zur Auswahl. Doch Spielerinnen wie Mandy Islacker müssen sich trotz guter Leistungen im Training derzeit gedulden. Zu gut beschäftigt Rolser die gegnerische Abwehrreihe, zu häufig behauptet sie auch schwer verwertbare Bälle und verteilt sie weiter und zu unangenehm ist die kleine Spielerin mit dem engen Wendekreis für die großen Innenverteidigerinnen. An die Nationalmannschaft verschwende sie aber trotzdem keinerlei Gedanken. Sich Woche für Woche für die Bayern reinzuhauen und anzubieten, verlange ihr den vollen Einsatz ab. Alles Weitere hätten ohnehin andere zu entscheiden.

Bayern – Potsdam
BayernZinsberger – Faißt, Demann, Wenninger, Maier – Behringer, Leupolz – Rolfö, Roord (69. Škorvánková), Däbritz (87. Voňková) – Rolser (90. Lewandowski)
BankWeimar, Beerensteyn, Islacker, Schnaderbeck
PotsdamSchmitz – Ilestedt, Elsig, Kiwic, Schmidt – Schwalm (77. Meister), Wälti, Zadrazil, Gasper (60. Kössler) – Huth, Ehegötz (60. Prašnikar)
BankFischer, Cahynova, Aigbogun, Lindner
Tore1:0 Maier (29.), 2:0 Wenninger (47.), 3:0 Rolser (86.), 3:1 Prašnikar (89.)
KartenGelb: – / Elsig (57.) –
Schiedsrichter­innenMarina Wozniak (Herne), Sina Diekmann (Essen), Laura Duske (Leverkusen), Karoline Wacker (Marbach am Neckar)
Zuschauer1.184
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Leserkommentare
  1. […] setzten sich am Wochenende gegen Turbine Potsdam im Halbfinalspiel des DFB-Pokals durch. Den Bericht zum Spiel gibt es hier. 0 […]

  2. […] drei Wochen nach dem Pokalspiel stand das Ligaspiel gegen Turbine Potsdam auf dem Programm, die bis zu diesem Zeitpunkt fünf […]

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