FC Bayern München Frauen vs. USV Jena © Sven Beyrich

Frauen: Gefühlte Niederlage gegen Jena

Andi Trenner 25.04.2018

Sie verpassten somit die Chance, den SC Freiburg mit Blick auf die Champions-League-Plätze auf Distanz zu halten.

Falls Ihr es verpasst habt

Tom Wörle veränderte im Vergleich zu den Spielen zuvor die Startelf auf drei Positionen: anstelle von Melanie Behringer, Nicole Rolser und Melanie Leupolz bekamen Mandy Islacker, Lucie Voňková und Dominika Škorvánková die Gelegenheit, sich wieder für die erste Elf aufzudrängen. Laura Georges kehrte zumindest wieder in den Kader zurück.

Grundformationen: FC Bayern 4-4-1-1 vs. Jena 5-4-1Grundformationen: Bayern 4-4-1-1, Jena 5-4-1

Bayern zeigte sich von Beginn dominant und setzte die Gäste unter Druck. Der FF USV Jena wartete jedoch mit einer Fünferkette in der Abwehr und einem kompakten defensiven Mittelfeld davor auf. Bayerns Angriffe verpufften wirkungslos. In der 12. Minute zog dann Jill Roord aus einer guten Distanz ab und setzte den Ball nur knapp über die Latte. In der Folgezeit taten sich die Roten schwer, sich Chancen zu erspielen, da Jena sehr tief stand und meistens den letzten Pass verhindern konnte.

In der 20. Minute versuchte es Roord erneut, scheiterte jedoch an Torhüterin Erin McLeod. Eine tolle Balleroberung von Islacker konnte durch Sara Däbritz nicht verwertet werden, so dass es weiterhin 0:0 stand. In der 33. Minute gelang dann Jena der erste richtige Vorstoß und eine Unachtsamkeit in der Abwehr hätte dies beinahe bestraft. Allerdings erkannte die Linienrichterin das Abseits. So ging torlos in die Pause.

Eine Stärke der Münchnerinnen war es, durch ständige Positionswechsel den gegnerischen Defensivblock zu verschieben. So spielte zum Beispiel Leonie Maier oftmals auf der zentralen defensiven Position und Rolfö sowie Däbritz tauschten auch des Öfteren die Seite. Leider brachte dies nicht den gewünschten Erfolg.

In der zweiten Hälfte setzten die Frauen ihr druckvolles Spiel fort, wobei es aber weiterhin am letzten Pass haperte. Es dauerte dann bis zur 54. Minute, bis Mandy Islacker nach einer Körpertäuschung zum Abschluss kam. Doch ihr Schuss geblockt. In der 59. Minute korrigierte Tom Wörle dann die Aufstellung und brachte für die glücklosen Islacker und Voňková mit Behringer und Rolser zwei frische Kräfte. Gerade Rolser zeigte sofort nach der Einwechslung, warum sie zuletzt so wertvoll war, indem sie vorne nachsetzte und die Gegnerinnen unter Bedrängnis brachte.

In der 61. Minute versuchte es dann Leonie Maier mit einem Fernschuss, verfehlte das Gehäuse jedoch. Rolser probierte es in der 67. Minute aus kurzer Distanz. Doch auch sie verzog ebenso wie kurz darauf Verena Faißt.

In der 73. Minute versuchte Behringer Roord in Szene zu setzen, allerdings konnte diese den Ball nicht erreichen. Es fehlte am nötigen Effet, so dass der Ball knapp am Tor vorbeitrudelte. In der 84. Minute setzte dann Tom Wörle alles auf eine Karte und wechselte Lineth Beerensteyn für Škorvánková ein. Diese zeigte sofort ihren Ehrgeiz und versuchte ihre Schnelligkeit auszuspielen, jedoch standen die Jenaerinnen nun mit zehn Frauen am eigenen Strafraum und ließen kaum noch Chancen zu. In der letzten Minute hatte Däbritz noch den Siegtreffer auf dem Fuß, setzte den Ball jedoch knapp neben das Tor. Am Ende merkte man es dem Team an, dass es aufgrund der hohen Intensität quasi auf dem Zahnfleisch ging. Trotz der Rotationen spielte Maier beispielsweise trotz Oberschenkelprobleme durch.

Letztendlich blieb es beim 0:0 und die Bayern mussten sich trotz spielerischer Überlegenheit mit einem Punkt begnügen. Dem FF USV Jena konnte man dagegen zu der Punkteteilung gratulieren, da ihre Defensivtaktik bis zum Schluss diszipliniert beibehalten wurde.

Durch den Sieg des SC Freiburg haben diese nun punktemäßig aufgeholt, jedoch halten die Bayern aufgrund der besseren Tordifferenz noch den zweiten Platz. Die Chance, Freiburg mit Blick auf die Champions-League-Qualifikation auf Distanz zu halten, wurde vergeben. Das Thema Meisterschaft – sofern es noch eines war – kann wohl ad acta gelegt werden.

Drei Dinge die auffielen:

1. Defensivstarke Gäste

Schon bei der Aufstellung vor dem Anstoß konnte man bei den Gästen erkennen, dass eine geordnete Defensive die oberste Priorität hatte. So positionierte sich vor der Torhüterin zugleich eine Fünferkette sowie zwei zentrale defensive Mittelfeldspielerinnen. Auch die zwei äußeren Mittelfeldspielerinnen agierten eher defensiv, so dass die einzig verbliebene Offensive – Lisa Seiler – meist auf verlorenem Posten stand. Offensivakzente zu setzen, war aber offensichtlich nicht der Plan Jenas. So waren es die wenigen Konter, über die die Gäste vereinzelt für Gefahr sorgten.

Diese Strategie ging für Jena auf. Bis auf wenige Ausnahmen drohte kaum Gefahr für das Tor von Jena und McLeod wurde zu keiner Parade gezwungen. Als Tabellenletzter einen Punkt aus München mitzunehmen, hatte sich Jena redlich verdient.

2. Ratlos vor dem Tor

Aufgrund der gestaffelten Defensive der Gäste gestaltete es sich für die Bayern von Beginn an als schwierig, Islacker und Voňková in Szene zu setzen. Meistens wurden bereits die Flanken von außen unterbunden. Kam doch mal eine durch, so fanden die Bayern im Strafraum kaum Platz, den sie nutzen konnten. Mit zunehmender Spielzeit konnte man durchaus etwas Verzweiflung erkennen. Mehr und mehr holte sich Islacker die Bälle von weiter hinten ab und stand dann vorne nicht zur Verfügung.

Nach den Wechseln von Rolser und Behringer für Voňková und Islacker setzten der FCB auf hohe Bälle von außen in den Strafraum, doch mit der Herausnahme von Voňková fehlte eine großgewachsene Stürmerin als Abnehmerin. Ab der 60. Minute wurde dann mehr und mehr die Brechstange ausgepackt. Die Frische und Ideen fehlten, wogegen die sommerlichen Temperaturen nicht gerade Abhilfe schufen. An diesem Tag hatten die Bayern einfach keine Antwort parat auf die Anforderungen des Ligaalltags.

3. Bankspielerinnen nutzen ihre Chance nicht

Nachdem Tom Wörle zuletzt stets auf die identische Startelf baute, stellte er dieses Mal auf drei Positionen um. Gerade diejenigen Offensivkräfte, die zuletzt auf der Bank schmorrten, bekamen gegen das Schlusslicht eine neue Chance, sich zu beweisen. Islacker war von Beginn an bemüht, Abschlüsse zu erzielen, jedoch meistens ohne Glück. Je länger das Spiel dauerte, um so öfter versuchte sie, sich die Bälle aus dem Mittelfeld zu holen und rieb sich dadurch immer auf, so dass vorne dann die Genauigkeit fehlte. In der 59. Minute musste sie der Kapitänin Behringer den Platz räumen.

Voňková fehlte es ebenfalls an Durchschlagskraft, so dass sie letztendlich keine ernst zunehmende Torchance hatte. Somit konnte auch sie keine Eigenwerbung betreiben und musste ebenfalls in der 59. Minute glücklos das Feld räumen. Škorvánková zeigte als Mittelfeldmotor, dass sie stets eine Option für die erste Elf ist, und versuchte überall auf dem Platz präsent zu sein. Dem Spiel konnte sie jedoch auch nicht ihren Stempel aufdrücken, so dass auch sie letztendlich ausgewechselt wurde. Lineth Beerensteyn hatte zwar noch einige gute Ansätze, allerdings bekam sie nur wenige Minuten, um sich noch wirkungsvoll einbringen zu können – hier wäre eine frühere Einwechselung womöglich effektiver gewesen.

Bayern – Jena
Bayern Zinsberger – Faißt, Demann, Wenninger, Maier – Rolfö, Škorvánková (84. Beerensteyn), Roord, Däbritz – Islacker (59. Islacker), Voňková (59. Behringer)
Bank Weimar, Lewandowski, Georges, Schnaderbeck
Jena McLeod – Žigić, Sedláčková (90+2. Bott), Woeller, Breitenbach, Schmidt (83. Riedel) – Pietrangelo, Utes, Graf, Cameron (46. Heinze) – Seiler
Bank Odeurs, King
Tore – / –
Karten Gelb: – / Utes (90+3.) –
Schiedsrichter­innen Melissa Joos (Leinfelden-Echterdingen), Sonja Kuttelwascher (Ilvesheim), Ülfet Car (Kirchheim/Teck), Alessa Plass (Augsburg)
Zuschauer 433

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