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FC Bayern – 1. FC Köln 4:1 (2:1)

Christopher Trenner 27.02.2015

Falls Ihr es verpasst habt:

Wie erwartet verzichtete Pep Guardiola erneut auf das Duo Schweinsteiger-Alonso. In Paderborn durfte der Spanier spielen, gegen die Kölner durfte Schweinsteiger von Beginn an auflaufen. Neben Alonso wurde auch der zweite Spanier Bernat aus der Mannschaft rotiert, für ihn spielte Götze. Taktisch entwickelte sich ein 2-3-4-1 System mit Badstuber und Boateng in der Abwehr, Alaba, Schweinsteiger und Rafinha auf den Halbpositionen. Ribery, Götze, Müller und Robben agierten sehr variabel in der Offensivlinie und im Sturm Lewandowski.

Es dauerte nur drei Minuten und vier Eckbälle, bis der FC Bayern in Führung ging. Nach einer Ecke von Robben köpfte Schweinsteiger fast unbedrängt zum 1:0 ein. Die Kölner waren sichtlich geschockt von der Führung. Vor allem über die linke Seite kombinierte das Duo Alaba und Ribery sich immer wieder frei. Unterstützt wurden die beiden von Götze, der immer wieder als Anspielstation und Raumöffner fungierte. Zwei Großchancen von Robben und Lewandowski später erzielte Ribery nach einem feinen Solo-Lauf das 2:0.

Danach verflachte die Partie. Der FC Bayern spielte seine Chancen nicht mehr so konsequent aus. Nach einem vermeidbaren Aufbaufehler von Robben gab es kurz vor der Pause noch mal Eckball für Köln. Die Truppe von Peter Stöger zeigte eine kurze Variante, Ribery, Götze und Lewandowski waren zu passiv und konnten die Flanke vom Strafraumeck nicht verhindern und Alaba führte nur einen reaktiven Zweikampf gegen Ujah im Kopfballduell. Die Folge war der Anschlusstreffer mit dem Pausenpfiff.

Nach der Pause drängten die Münchner auf den dritten Treffer, doch nach einem guten Konter der Kölner rette Neuer gegen Ujah in höchster Not (59.). Wenig später hat Risse die erneute Chance zum Ausgleich. Erst ab der 60. Minute bekam der FC Bayern mehr Kontrolle in die Partie. Nach einer Flanke von Ribery köpfte Robben zum zwischenzeitlichen 3:1 ein. Es war bereits der 17. Bundesligatreffer des Holländers im 19. Spiel. Gute zehn Minuten später trug Lewandowski den Ball ins Tor, nachdem der FC Bayern einen Konter über Ribery und Robben mustergültig ausgespielt hatte. Spätestens ab diesem Punkt war die Partie entschieden.

Drei Dinge, die auffielen:

1. Rafinha als Libero

Die zentrale Position in der Dreierkette des FC Bayern wurde vor allem in der ersten Halbzeit von Rafinha besetzt. Er ließ sich von einer defensiven 6/8er Position zum Spielaufbau immer wieder zwischen die beiden Innenverteidiger Badstuber und Boateng fallen, sollte der Spielaufbau zu lange dauern. Diese Rolle kommt sonst gerne Alonso oder Schweinsteiger zu. In heutigen Spiel verzichtete Pep Guardiola bewusst auf dieses Mittel. Der Vorteil: Mit Schweinsteiger, Alaba und/oder Götze konnten die Halbräume besser besetzt werden, aber auch Badstuber und Boateng bekamen interessante Winkel zur Spieleröffnung. Defensiv war das Konzept ebenfalls interessant, da Rafinha nur situativ ins Pressing ging. Meist konnten so Badstuber und Boateng die langen Bälle auf den kopfballstarken Ujah besser verteidigen, der sich vom Zentrum immer wieder auf die Flügelpositionen schob und die Flügelstürmer Peszko, Osako bzw. Risse in Szene setzen sollte. Rafinha deckte dann meist die Zentrale. In anderen Szenen, tauschten sich die Rollen und Rafinha ging in den Zweikampf und Boateng bzw. Badstuber verteidigten den Raum.

2. Sorglosigkeit

Nach zehn Spielminuten stand es bereits 2:0. Zu diesem Zeitpunkt machten die ersten Hochrechnungen die Runde, ob das Spiel eventuell doch zweistellig für den FC Bayern enden könnte. Spätestens ab der 20. Spielminute verlor die Münchner Offensivreihe die nötige Klarheit in den Aktionen. Zu oft wurden gute Torchancen nicht ausgespielt. Negativer Höhepunkt war die 60. Minute als Ribery und Robben alleine auf Horn zu liefen, aber Robben den Ball nicht mit der nötigen Genauigkeit auf den Franzosen abgegeben konnte.

Defensiv zeichnete sich ein ähnliches Bild. Als der FC Bayern gerade die 80-%-Ballbesitzgrenze durchbrach, vernachlässigten die Münchner zunehmend die eigene Raumabdeckung. Auch das Pressing wurde ab der 30. Minute nicht mehr mit der nötigen Konsequenz vorgetragen. Ujah wurde meist zu passiv angegangen, so dass dieser unbedrängt die Bälle auf die schnellen Flügelspieler legen konnte. Hier erwies sich der gelobte Punkt 1 als Fehler, da Boateng oder Badstuber gegen deutlich schnellere Spieler in Laufduelle gezwungen wurden. Ein weiterer Punkt war in der zweiten Halbzeit die schlechte Konterabsicherung. Die lag zum einen an schlecht ausgespielten Standardsituationen. Zum anderen an schlechten Pressingräumen, die Köln einfache Passwege über die Mitte erlaubte. In der Summe ziemlich einfache Fehler, die größtenteils aus der erdrückenden Überlegenheit entstanden sind. Hier mangelte es zwischenzeitlich an der nötigen Konzentration. Es war Manuel Neuer zu verdanken, dass Köln nicht ähnlich wie 2011 (letzte Niederlage nach Führung der Bayern [2:3, nach 2:0 Führung]) zurück ins Spiel kam.

3. Götze – der Verbindungsspieler

Dem Offensivspiel des FC Bayern mangelt es nicht an individueller Qualität. Franck Ribery und Arjen Robben können ein Spiel alleine entscheiden. Gelingt es aber einem Gegner – wie zuletzt Donezk, beide geschickt anzulaufen und ihnen die Geschwindigkeit zu nehmen, dann tut sich der FC Bayern in letzter Zeit schwer beim Spielaufbau. Ein Lösungsansatz könnte dabei Mario Götze sein, der im Spiel gegen die Kölner als Freigeist agierte und immer wieder durch geschickte Läufe aus den Halbräumen den nötigen Platz für Alaba und Ribery auf der linken Seite bzw. Arjen Robben auf der rechten Angriffsseite schuf. Götze startete meist mit kleinen Sprints zwischen den Linien und zog so die Aufmerksamkeit auf sich. Dabei war es nicht immer zwingend notwendig, dass er angespielt wurde, da auch so Räume entstanden. Wenn er den Ball bekam, wartete er meist geschickt und verzögerte das Spiel, bis das Bayern Mittelfeld nachschieben konnte oder er Gegner auf ziehen konnte. Mit 94-%-Passquote leitete er dann zielgerichtet die Offensivaktionen mit ein. Dabei zog er meist zwei Gegenspieler auf sich und zog dadurch geschickt die letzte und vorletzte Kette auseinander. Lobenswert überdies ist das geniale Pressing von Götze im vordersten Angriffsdrittel. Meist läuft er so geschickt den Gegner an, dass sich der FC Bayern nach einem Ballverlust wieder gut staffeln konnte. Highlight war Mitte der 80. Minute als er beinahe Horn den Ball wegspitzeln konnte.

Alles in allem ein souveränes Ergebnis in einem Spiel, das dennoch viele Details zur kritischen Ansprache hinterlässt.

FC BAYERN – 1. FC KÖLN 4:1 (2:1)/th>
FC BAYERN Neuer – Rafinha, Boateng, Badstuber, Alaba – Schweinsteiger (78. Rode) – Robben, Müller (69. Alonso), Götze, Ribéry – Lewandowski
Bank Reina, Dante, Bernat, Weiser, Pizarro
1. FC KÖLN Horn – Brecko, Maroh, Wimmer, Hector – Olkowski, Vogt (72. Halfar), Lehmann, Peszko – Osako (46. Risse) – Ujah (78. Deyverson)
Tore 1:0 Schweinsteiger (3.), 2:0 Ribéry (10.), 2:1 Ujah (45.), 3:1 Robben (67.), 4:1 Lewandowski (75.)
Karten Gelb: – / Halfar
Zuschauer 75.000 (ausverkauft)
Schiedsrichter Daniel Siebert (Berlin)

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