Auf Leihbasis: Bayern verpflichtet Álvaro Odriozola von Real Madrid

Justin Trenner 22.01.2020

Nachdem Hansi Flick mehr als deutlich seinen Plan mit Joshua Kimmich im Mittelfeld äußerte, gab es rechts hinten für die Bayern Handlungsbedarf. Nach Benjamin Pavard gibt es dann nämlich keine nennenswerte Alternative mehr.

Nun haben die Bayern mit Álvaro Odriozola aber ihren Kader in der Breite verstärkt – zunächst auf Leihbasis. Bei Real Madrid kam der Rechtsverteidiger nie über die Rolle eines Backups hinaus. 27 Einsätze sammelte er seit der Saison 2018/19 für die Königlichen – nur fünf in dieser Saison. Immerhin kam er aber auf 11 direkte Torbeteiligungen.

Ob er bei den Bayern nun mehr Spielzeit bekommt, hängt von vielen Faktoren ab. Einer davon wird sein, wie offensiv Flick seinen Rechtsverteidiger gegen den jeweiligen Gegner einbinden möchte. Hier hatte Pavard zuletzt größere Probleme, wenngleich seine defensive Stabilität dafür ein absoluter Mehrwert ist.

Álvaro Odriozola: Spielertyp für die Offensive?

Doch was für einen Spieler haben sich die Bayern da überhaupt geholt? Odriozola kommt aus der Jugend von Real Sociedad, in der er zwischen 2006 und 2014 spielte, bevor es dann zur zweiten Mannschaft ging. 2017 debütierte er für die Profis und absolvierte 50 Pflichtspiele.

Real Madrid wurde auf ihn aufmerksam und verpflichtete ihn für rund 30 Millionen Euro. Die Hoffnung: Hinter Dani Carvajal könnte er perspektivisch zum neuen Stammrechtsverteidiger reifen. Doch daraus wurde nichts.

Die Königlichen verpflichteten Odriozola vor allem deshalb, weil er ein sehr dynamischer und schneller Spieler ist. Gerade zu Beginn seiner Zeit in Madrid schien er auch jemand zu sein, der im Zusammenspiel mit dem halbrechten Achter (meist Modrić) gute Kombinationen einbringen kann. Mit seinem Drang nach vorn ist er zudem eine gute Unterstützung für die Außenstürmer. Nicht nur mit klassischem Hinterlaufen, sondern auch mit diagonalen Sprints in den Strafraum.

Dribblings, Läufe in die Tiefe und Geschwindigkeit in beide Richtungen?

Was Real auch nicht entgangen sein dürfte, waren die sechs starken Auftritte in der Europa League 2017/18. Odriozola gewann damals im Schnitt 2,2 seiner 4,8 Dribblings pro 90 Minuten – ein starker Wert.

Insgesamt pendelte sich dieser aber zwischen 2016 und heute bei rund einem gewonnen Dribbling von 2,7 Versuchen pro 90 Minuten ein. Das liegt auch daran, dass er den Durchbruch bei Real Madrid nie schaffte. Seine großen Stärken im Dribbling und bei Läufen in die Tiefe konnte er bisher nicht auf das höhere Niveau transferieren, weil er zu oft mit dem Kopf durch die Wand wollte.

Ein großes Problem bei offensiv ausgerichteten Außenverteidigern ist zudem die Balance in die andere Richtung. Bei Real Sociedad hatte er immerhin eine Zweikampfquote von beeindruckenden 73 %. Mit seiner Geschwindigkeit gelang es ihm gut, nach Ballverlusten wieder schnell hinter den Ball zu kommen. Nichtsdestotrotz bleiben Einbindung und Absicherung auch für die Bayern ein wichtiges Thema.

Was ist zu erwarten?

Nach seiner schwierigen Phase bei Real Madrid sollte in München niemand den Fehler machen, in Odriozola den nächsten Superstar zu sehen. Er ist in seinen Anlagen eine gute Ergänzung für den Kader und bringt als Spielertyp eine ordentliche Balance aus Offensive und Defensive mit.

Eine andere Option auf dem Markt wäre beispielsweise der Ex-Herthaner Valentino Lazaro gewesen, der offensiv riesiges Potenzial mitbringt, dafür aber in der Arbeit nach hinten limitiert ist. Odriozola könnte hier eine ausgewogenere Option darstellen, gleichzeitig aber mehr Drang nach vorn bringen als Pavard.

Für Flick wäre ein Odriozola, der an seine Leistungen bei Real Sociedad anknüpfen kann, eine wichtige Ergänzung im Kader, die gerade gegen tieferstehende Mannschaften wichtig werden könnte. Doch dafür muss der Spanier in München einen Sprung schaffen, der ihm in Madrid nicht gelang. Entscheidungsfindung und Durchschlagskraft zählten dort plötzlich nicht mehr zu seinen Stärken. Doch er ist jung und hat sein Potenzial schon mal angedeutet. Mit einer Leihe gehen die Bayern zudem kein großes Risiko. Zumal man sich damit die nötige Zeit verschafft, um im Sommer eine Lösung zu finden. Und vielleicht ist diese ja auch schon gefunden, sollte Odriozola in München zu alter Form zurückfinden. Denn selbst wenn der FC Bayern keine Kaufoption haben sollte, wäre Real Madrid auf dieser Position ab Sommer mit Carvajal und Hakimi bestens besetzt. Zumal die Beziehung zwischen den beiden Klubs als ziemlich gut gilt.



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