Tessa Wullaert AFBL, Frauenbundesliga, FC Bayern München vs VfL Wolsburg, Saison 2017/2018 © Sven Beyrich

Bayern-Frauen schlagen Wolfsburg 2:1

Jolle Trenner 28.05.2018

Wegen des Relegationsspiels von Sechzig waren die Bayern-Frauen ausnahmsweise für die Bundesligapartie an den Bayern Campus ausgewichen. So lernte auch Katha Baunach das Nachwuchsleistungszentrum ihres Ex-Clubs kennen, den sie im letzten Sommer Richtung Wolfsburg verlassen hatte. Das letzte Heimspiel der Saison bot auch die Bühne, um sich von den langjährigen Grundpfeilern des Teams, Viktoria Schnaderbeck und Lena Lotzen, zu verabschieden.

Schnaderbeck war schon länger mit Arsenal London in Verbindung gebracht worden und geht nun diesen sicher erfahrungsreichen Schritt ins fremdsprachige Ausland. Lotzen zieht es zum SC Freiburg, wo sie ihre verletzungsgeplagte Karriere neustarten möchte.

Für Bayern ging es um die Champions League – für Wolfsburg war da nichts

Eine Woche, nachdem sich die Wolfsburgerinnen im DFB-Pokal-Finale knapp im Elfmeterschießen gegen die Bayern durchsetzen konnten, trafen die Teams erneut aufeinander. Von einer Revanche zu sprechen, ginge allerdings vollkommen an der Realität vorbei. Für die Wölfinnen ging es in der Liga um nichts mehr. Die Meisterschaft hatten sie längst eingefahren. Unter der Woche war ihnen tragisch in der Verlängerung des Finales der Champions League gegen Olympique Lyon der Traum vom Triple entrissen worden. Sie reisten erschöpft, mit zwei Verlängerungen in fünf Tagen in den Beinen nach München und waren somit weder körperlich noch mental im Vollbesitz ihrer Kräfte.

Dass VfL-Coach Stephan Lerch angesichts dessen kräftig den Kader aufmischte, ist nicht Respektlosigkeit oder der absichtlichen Wettbewerbsverzerrung geschuldet, sondern gesundem Menschenverstand zuzuschreiben. Wer sich dafür begeistern kann, wie Sportler mit Glauben an ein großes Ziel über sich hinauswachsen, der kann ihnen nicht Ernsthaft Unprofessionalität vorwerfen, wenn sie ohne Ziel im Erschöpfungszustand nicht auf ihre einhundert Prozent zurückgreifen können. Manchmal besiegt der Tabellenzweite den Ersten. Das klappt sogar ab und an ohne einen gnädigen Spielplan. Doch natürlich kam den Bayern, die für etwas kämpfen konnten, die längere Regeneration entgegen.

Falls Ihr es verpasst habt:

Die Gäste kamen gleich druckvoll aus der Kabine und verteidigten extrem hoch. Doch die erste Doppelchance verbuchten Sara Däbritz und Kristin Demann bei der nachfolgenden Ecke für die Bayern. Die Gastgeberinnen zwangen Schult schon in der Anfangsphase zu einigen Paraden, doch beim Schuss von Dominika Škorvánková aus spitzem Winkel von rechts war die Nationaltorhüterin machtlos. 1:0.

Die Bayern machten mit der Führung im Rücken weiterhin das Spiel und wirkten zuweilen frischer im Kopf – wie beispielsweise beim schnell ausgeführten Freistoß von Däbritz, aus dem sie vor dem Tor zu wenig machten. Zudem machten sie die Wege für den VfL unangenehm lang, indem sie in Ballbesitz immer wieder zügige Verlagerungen auf die andere Seite einstreuten. Doch Bayern spielte nicht nur um den Defensivblock Wolfsburg herum, sondern schaffte es immer wieder, mit klaren, druckvollen Pässen in die VfL-Formation zu spielen und die Bälle dort auch weiterzuverarbeiten.

Nach einer solchen Kombination wurde Fridolina Rolfö mustergültig von Däbritz am Sechzehner eingesetzt und die Schwedin erhöhte mit einem satten Linksschuss auf 2:0. Die Bayern spielten mit einer solchen Souveränität, dass sie sich auch risikoreiche Pässe und das spielerische Auflösen von Pressingsituationen zutrauten. Und mit diesem Selbstverständnis spielend gelang ihnen auch das Meiste. Zwar brauchte Wolfsburg nicht viel, um mit seinem direkten Vertikalspiel gefährlich vor dem Tor von Manuela Zinsberger aufzutauchen, doch die klare Bayernführung zur Halbzeit ging in Ordnung. Alternativ hätte es von der Güte der Chancen her aber auch 4:1 oder 4:2 stehen können.

Zur zweiten Halbzeit verstärkte Lerch sein Team durch die Hereinnahme von Alex Popp und Lara Dickenmann und schon kurz nach dem Wiederanpfiff verkürzte Zsanett Jakabfi auf 2:1. Die Bayern schüttelten den Gegentreffer ganz gut ab, übernahmen wieder die Initiative und kamen gerade durch Pässe von Rolfö parallel zur Grundlinie quer durch den Strafraum zu Torchancen.

Eine Viertelstunde vor Schluss ließ bei den Bayern dann sichtbar die Konzentration nach. An normalen Tagen bestrafft Wolfsburg Unachtsamkeiten von der Qualität mit einem Gegentor, doch nicht an diesem Tag. Über das eigene Passspiel nahm Bayern den Faden wieder auf und Wolfsburg hatte auf der Gegenseite keine besseren Ideen, wie man sich selbst ein Tor rausspielen könnte. Trotzdem hätten die Bayern in der Nachspielzeit fast noch den Sieg hergeschenkt. Aus dem toten Winkel kreuzte Kristine Minde an Leonie Maier vorbei, lief allein auf Zinsberger zu, doch die Österreicherin entschied dieses wichtige Duell für sich und die Bayern. Im Anschluss hätten wiederum auch Däbritz und Lineth Beerensteyn die Möglichkeit auf einen Treffer gehabt. Doch es blieb beim 2:1.

3 Dinge, die auffielen:

1. Bayern dominieren das Spiel mit Ballbesitz

Die Roten hatten deutlich mehr vom Spiel. Während Wolfsburg lauerte, musste München das Spiel gestalten und das taten sie ausgesprochen gut. Alle Spielerinnen waren in Bewegung, entzogen sich der Wolfsburger Deckung, tauschten die Positionen, boten sich so für Zuspiele an und hatten bei all dieser Dynamik eine gute Raumaufteilung auf dem Platz. Außerdem trauten sie sich auch die schwierigen Pässe zu, spielten diese möglichst zügig und direkt.

Im Gegensatz zum Pokalfinale in der Vorwoche kamen die Bälle deshalb auch an. Beeindruckend war, dass sich Bayern auch immer wieder zwischen die Linien der Wolfsburger Formation spielte und die Übersicht für Abprallpässe, Weiterleitungen und Verlagerungen behielt. Hier fügten sich trainierte Abläufe und ein Verständnis für die Wege der Kolleginnen ineinander.

2. Wolfsburg mit hohem Pressing und direktem Vertikalspiel

Wolfsburg dagegen versuchte, sich das Aufbauspiel durch extrem hohes Pressing zu sparen. Hatte Zinsberger den Ball und der Rest der Münchnerinnen war noch nicht allzu weit aufgerückt, dann drückten die Wolfsburgerinnen bis in den gegnerischen Sechzehner vor und setzten auf Torchancen nach Ballverlust der Bayern.

In der sonstigen Spielanlage agierte Wolfsburg wesentlich direkter und vertikaler als die Bayern. Wenn sich Lücken ergaben – und die ergaben sich zwangsläufig, wenn der FCB einen Angriff nicht zuende spielen konnte, dann überbrückte Wolfsburg das Spielfeld mit langen Bällen auf Jakabfi und Anna-Lena Stolze.

3. Laudehr verändert die Statik

Grundformationen: FC Bayern München Frauen 4-4.2 vs. VfL Wolfsburg 4-4.2, AFBL 2018Grundformationen: Bayern und Wolfsburg im 4-4-2

Beide Teams spielten in einer 4-4-2-Grundformation. Doch war es letzte Woche noch Wolfsburg, das eine dynamische Dreierkette aufbot, waren es diesmal die Bayern, die im Aufbauspiel Maier weit nach vorne schoben und das Spiel aus einer Dreierkette aus Verena Faißt, Demann und Carina Wenninger eröffneten. Dadurch, dass Faißt mehr in die Verteidigungslinie eingebunden war, ergab sich bei den Bayern eine leicht asymmetrische Anordnung. Maier und Škorvánková schoben rechts höher, dafür liefen zahlreiche Angriffe über die linke Seite der Bayern, wo Rolfö, Däbritz und Rolser die Räume dynamisch nutzten.

Melanie Behringer ließ sich für Anspiele im Aufbau immer mal wieder zurückfallen, doch ähnlich wie Leupolz streute Behringer zentrale Läufe ins offensive Mittelfeld ein, um sich dort am Kombinationsspiel zu beteiligen.

Als sie sich nach gut einer Stunde verletzte, kam Simone Laudehr ins Spiel und übernahm ihre Rolle auf der Doppelsechs. Doch Laudehr interpretierte sie ein wenig anders. Während Behringer häufig die Defensivere war und Leupolz etwas höher spielte, füllte nun Leupolz den defensiveren Part aus, während sich Laudehr raumgreifend ins Spiel einbrachte. Im Gegensatz zur mittig agierenden Behringer kippte Laudehr immer wieder auf den linken Flügel raus, um Rolfö und Däbritz bzw. Rolser in den Kombinationen zu unterstützen und sie weiter nach vorne zu schieben.

Alles in allem waren die Bayern das überlegene Team der Partie und fuhren einen verdienten Sieg ein, der aber aufgrund der Klasse von Wolfsburg und einigen Nachlässigkeiten der Bayern durchaus gefährdet war. Im letzten Spiel der Saison reisen die Bayern nun nach Frankfurt und können dort die Champions League fixmachen.

Bayern – Wolfsburg
Bayern Zinsberger – Faißt, Demann, Wenninger, Maier – Rolfö (80. Lewandowski), Behringer (63. Laudehr), Leupolz, Däbritz – Rolser (90+2. Beerensteyn), Škorvánková
Bank Weimar, Roord, Islacker, Schnaderbeck
Wolfsburg Schult – Maritz (46. Dickenmann), Wedemeyer, Peter (74. Goeßling), Kerschowski – Neto, Baunach – Minde, Wullaert (46. Popp) – Jakabfi, Stolze
Bank Frohms, Blässe, Harder
Tore 1:0 Škorvánková (18.), 2:0 Rolfö (35.), 2:1 Jakabfi (48.)
Karten Gelb: -/-
Schiedsrichter­­innen Karoline Wacker (Marbach am Neckar), Melissa Joos (Leinfelden-Echterdingen), Silke Adelsberger (Abtsgmünd), Franziska Brückner (Wechselburg)
Zuschauer 2.130

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