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Bild: Stuart Franklin, Getty Images

Transfersommer beim FC Bayern: sehr gute Einkäufe, schwierige Verkäufe

Sören 02.09.2026

Es ist kein Geheimnis, dass der FC Bayern derzeit einen Sparkurs fährt. Die sportliche Leitung um Sportvorstand Max Eberl stand in diesem Transfersommer daher vor der anspruchsvollen Aufgabe, die sportliche Qualität zu wahren und gleichzeitig die Finanzlast der Gehälter spürbar zu reduzieren.

Infolgedessen ist es wenig überraschend, dass den drei Neuzugängen zahlreiche Abgänge gegenüberstehen. Insgesamt 16 Spieler verließen den Verein. Dabei gelang es dem Rekordmeister, einige teure Missverständnisse zu beenden, wenngleich dabei ein Transferminus realisiert werden musste. Hinzu kommen ablösefreie Abgänge nach Vertragsende und einige junge Talente aus der zweiten Reihe, die den nächsten Karriereschritt bei einem anderen Verein gehen wollen und so Geld in die Kassen der Münchner spülen.

Auf der Zugangsseite nahmen die Bayern nicht wenig Geld in die Hand, um den Kader gezielt und punktuell zu verstärken und machten damit deutlich, dass die sportlichen Ambitionen und der Titelhunger nach wie vor an erster Stelle stehen.

Miasanrot ordnet den Transfersommer des FC Bayern ein und vergibt am Ende eine Note.

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Gezielte Verstärkungen statt großer Shoppingtour

Transferfenster an der Säbener Straße waren in der jüngeren Vergangenheit häufig geprägt von Hängepartien bis zum Deadline Day. In diesem Sommer hingegen konnten die beiden Königstransfers von Nathaniel Brown und Ismael Saibari bereits früh unter Dach und Fach gebracht werden. Beide unterschrieben noch vor dem Ende der WM in den USA beim deutschen Rekordmeister.

Jeweils rund 50 Millionen Euro legte der FC Bayern für die beiden auf den Tisch. Besonders die Flexibilität von Brown und Saibari, die verschiedene Positionen bekleinen können, habe es Trainer Vincent Kompany angetan. Brown, der primär als Linksverteidiger verpflichtet worden war, stellte seine Vielseitigkeit bereits unter Beweis.

In den ersten beiden Pflichtspielen des deutschen Rekordmeisters, setzte Kompany den 23-jährigen deutschen Nationalspieler im offensiven Mittelfeld ein. Geschuldet war diese Maßnahme natürlich auch der dramatischen Situation um Jamal Musiala, sowie der Verletzung von Serge Gnabry. Zusätzlich waren Saibari und Lennart Karl als weitere Alternativen nach ihren Blessuren noch nicht wieder bei 100 Prozent.

Dennoch zahlte Brown das Vertrauen von Kompany auf Anhieb zurück. Der Shootingstar glänzte bei seinem Pflichtspieldebüt im Franz-Beckenbauer-Supercup gegen Borussia Dortmund direkt mit einem Tor und unterstrich damit einmal mehr die Qualität, flexibel einsetzbar zu sein.

Ein Profil, das Saibari ebenfalls mitbringt. Der 25-jährige Marokkaner, der von PSV Eindhoven gekommen war, kann sowohl in der Sturmspitze Harry Kane entlasten als auch die drei Offensivpositionen dahinter bekleiden. Saibari konnte nach seiner Einwechslung zum Bundesliga-Auftakt gegen den VfB Stuttgart seine Qualitäten aufblitzen lassen und zwei Vorlagen verbuchen.

Etwas später als bei Brown und Saibari konnte beim Transfer von Bara Sapoko Ndiaye Vollzug vermeldet werden. Der 18-jährige Mittelfeldspieler, der bereits vergangene Saison im Rahmen einer Leihe Einsatzminuten beim FC Bayern gesammelt hatte, komplettiert das Mittelfeld, nachdem Leon Goretzka den Verein verlassen hat, dessen Rolle im Kader in erster Linie Tom Bischof einnehmen soll. Etwa 3,5 Millionen Euro Ablöse überwiesen die Münchner an die Akademie der Gambinos Stars für den Transfer von Ndiaye.

Damit ist der FC Bayern auf nahezu jeder Position doppelt besetzt und hat gleichzeitig eine Kaderstruktur, die es Kompany aufgrund der Flexibilität vieler Spieler erlaubt, auf unvorhergesehene Ausfälle jederzeit reagieren zu können.

Auslaufende Verträge und das Ende der Jackson-Leihe

Mit Leon Goretzka und Raphaël Guerreiro verließen zwei verdiente Spieler den Verein ablösefrei, nachdem die Verträge der beiden im Sommer ausgelaufen waren. Zwar generieren diese Abgänge an der Säbener Straße keine Transfereinnahmen und dennoch wird einerseits Platz im Kader für junge, entwicklungsfähige Spieler geschaffen, andererseits aber auch das Gehaltsbudget entlastet.

Eine Vertragsverlängerung hätte zudem zusätzliche Kosten für den Verein mit sich gebracht, da in solchen Fällen meist Unterschriftsboni und Beraterprovisionen ausgehandelt werden, die dann zusätzlich fällig würden. Somit ist es eine logische Konsequenz, diese Rollen im Kader mit jungen Spielern zu bekleiden, die das Gehaltsgefüge deutlich weniger belasten und gleichzeitig die Chance bekommen, sich beim deutschen Rekordmeister langfristig durchzusetzen, was wiederrum zukünftige Transferinvestitionen verringern würde

Ein weiterer Abgang, der keine direkten Transfereinnahmen in die Kassen des FC Bayern spült, ist die Rückkehr von Nicolas Jackson zum FC Chelsea. Der 25-jährige Mittelstürmer war wie zu erwarten nach dem Leihgeschäft nicht fest verpflichtet worden und kehrte daher zurück in die Premier League. Auch hier sparen die Münchner nicht nur Gehaltskosten ein, sondern ebenfalls Gebühren für die Leihe als solches selbst.

Teure Missverständnisse

Mit João Palhinha verlässt ein Spieler den Verein, der vermutlich als das größte Missverständnis der jüngeren Transfergeschichte gilt. Für eine kolportierte Sockelablöse von 14 Millionen Euro wechselt der Portugiese in die heimische Liga zu Benfica Lissabon.

Den 31-jährigen, der im Sommer 2024 für über 50 Millionen Euro nach München gewechselt und vergangene Saison an Tottenham Hotspur ausgeliehen war, als Transferflop zu bezeichnen, wird den Umständen allerdings nicht gerecht.

Der portugiesische Nationalspieler ist ein herausragender Fußballer, jedoch war er der Wunschspieler von Thomas Tuchel. Letztlich verpflichtet wurde Palhinha dann allerdings zu einem Zeitpunkt als Tuchel gar nicht mehr Chefcoach des FC Bayern war. Ein Transfer, der wohl auf einer bereits getroffenen Absprache beruht hat.

Dass Palhinha nie in das System vom aktuellen Trainer Vincent Kompany gepasst hat, hielt die Verantwortlichen nicht davon ab, ihr Versprechen zu halten. Diese Entscheidung lässt sich an anderer Stelle durchaus von verschiedenen Standpunkten aus diskutieren. Sie sollte jedoch nicht als Grundlage zur Bewertung der aktuellen Transferperiode dienen, da es sich um eine Entscheidung handelt, die in der Vergangenheit getroffen wurde und der Abgang in diesem Sommer nur eine Konsequenz aus jener Entscheidung ist.

Ähnliches gilt für den Abgang von Alexander Nübel zu Besiktas Istanbul für etwa 6,25 Millionen Euro, deutlich unter dem ihm zugeschriebenen Marktwert. Nübel kam einst ablösefrei als potenzieller Nachfolger von Manuel Neuer zum FC Bayern. Es folgten ein Jahr später zahlreiche für die Bayern unprofitable Leihgeschäfte mit AS Monaco und dem VfB Stuttgart, bei denen der FC Bayern Teile des Gehalts übernahm. Auch er gilt bis heute als teures Missverständnis und gescheiterter Transfer.

Mit dem Abgang des heute 29-jährigen Torhüters kann der FC Bayern einen weiteren hochdotierten Vertrag von der Gehaltsliste streichen, der den Verein über die Jahre eine Menge Geld gekostet hat, ohne dass man selbst davon sportlich profitiert hat.

Bryan Zaragoza, ein weiteres Missverständnis der jüngeren Transfergeschichte des FC Bayern, wird erneut verliehen und schließt sich Espanyol Barcelona an. Der 24-jährige Spanier galt als großes Versprechen für die Zukunft, als er 2023 an die Isar wechselte und nach einem Jahr Leihe (4 Mio. Leihgebühr) fest für etwa 13 Millionen Euro verpflichtet wurde. Trotz mehrerer Leihgeschäfte konnte sich der Flügelspieler nie beim FC Bayern durchsetzen und mittlerweile glauben wohl nur noch die allerwenigsten daran, dass er beim Rekordmeister nochmal eine Rolle spielen wird.

Zusätzlich verlässt Torhüter Daniel Peretz den Verein in Richtung Southampton für eine geschätzte Ablösesumme von acht Millionen Euro. Der israelische Nationalspieler war bereits in der vergangenen Wintertransferperiode auf Leihbasis zum FC Southampton gewechselt. Auch er spielte seit seiner Ankunft nie eine wirkliche Rolle beim FC Bayern und verlässt den Verein nun nach mehreren Leihgeschäften dauerhaft.

Ein bisher Verbliebener ist Sacha Boey. Der 25-jährige Franzose war seit seiner Ankunft im Januar 2024 häufig von Verletzungen geplagt. Die Verantwortlichen um Max Eberl machten wiederholt klar, dass der Außenverteidiger in den Planungen des Rekordmeisters keine Rolle mehr spielt. Inzwischen soll Boey sogar Einzeltraining absolvieren. Bisher ist es nicht gelungen, einen Deal einzufädeln, der alle Parteien zufrieden stellt. Es ist unklar, ob Boey bei Bayern bleibt oder ob sich noch ein Abnehmer findet. Zwar hat das deutsche Transferfenster geschlossen, aber andere Märkte sind noch einige Tage geöffnet, darunter der türkische.

Der Nachwuchs als Einnahmequelle

Mit Noël Aséko (12 Mio.; Eintracht Frankfurt), Jonah Kusi-Asare (6 Mio.; FC Fulham), Maurice Krattenmacher (2 Mio.; SV Elversberg), Lovro Zvoranek (1,5 Mio.; Estrela Amadora) und Armindo Sieb (500 Tsd.; LAFC) verlassen gleich fünf junge Talente den FC Bayern dauerhaft. Die generierte Gesamtablöse von über 20 Millionen Euro zeigt, dass die Entwicklung junger Talente auch Früchte tragen kann, wenn nicht alle Spieler sich in der eigenen ersten Mannschaft durchsetzen können.

Mit Felipe Chávez (1. FC Magdeburg) und Arijon Ibrahimovic (FC Augsburg) verlassen zwei weitere junge Spieler den Rekordmeister auf Leihbasis. Besonders der 20-jährige Ibrahimovic wurde überraschend verliehen, nachdem er noch vor zwei Monaten bei Bayern verlängerte und es zunächst hieß, er eine Chance in der ersten Mannschaft unter Vincent Kompany erhalten sollte.

In der Vorbereitung bekam der Flügelspieler einige Minuten, konnte allerdings nicht vollends überzeugen. Dass man sich nun kurzfristig doch für eine erneute Leihe entschieden hat, ist daher gleichzeitig nachvollziehbar und überraschend. Die Leihe soll eine Kaufoption für Augsburg über acht Millionen Euro enthalten, eine für den FC Bayern ungünstige Konstellation. Überzeugt er in Augsburg, profitiert der FCA. Das Risiko eines Scheiterns hingegen bleibt beim FC Bayern. Dafür wirken 0,5 und acht Millionen Euro zu niedrig bemessen.

Denn Ibrahimovic hat bereits bewiesen, dass er Qualitäten auf Bundesliga-Niveau besitzt und hat in seinem jungen Alter noch Entwicklungspotenzial. Mit einem klareren Plan hätte man wohl entweder eine höhere Ablösesumme generieren können oder die Entwicklung des 20-jährigen selbst vorantreiben können.

Fazit: Gut mit Abzügen in der B-Note

Der FC Bayern ist mit einer klaren Zielsetzung in die Sommertransferperiode gegangen. Einerseits sollte die Qualität des Kaders trotz zahlreicher Abgänge erhalten bleiben, andererseits sollten die laufenden Ausgaben reduziert werden.

Mit Brown und Saibari verpflichtete man frühzeitig zwei Spieler, die mehrere Positionen auf allerhöchstem Niveau bekleiden können und Kompany somit zusätzliche Optionen bieten. Durch die enorme Qualität, die beide mitbringen, können sie zusätzlich Konkurrenzkampf entfachen, wo es letzte Saison aufgrund der recht dünnen Kaderbesetzung wenig Möglichkeiten zur Rotation gab.

Mit Ndiaye kommt zusätzlich ein junger Spieler hinzu, der kürzlich bereits Erfahrungen auf internationaler Bühne sammeln konnte und nach dem Abgang von Goretzka eine Lücke im Mittelfeld schließt, die durch das Aufrücken in der Hierarchie von Bischof entsteht.

Der Kader, dem man bereits die vergangene Saison erfolgreich Vertrauen schenkte, wurde nur punktuell verstärkt. Gleichzeitig schaffte man es mit Palhinha und Nübel Spieler von der Gehaltsliste zu streichen, bei denen bereits beschlossen war, dass sie keine Zukunft an der Säbener Straße haben würden.

Auf Basis der Nachwuchsarbeit der vergangenen Jahre konnte man Transfererlöse generieren, die zumindest einen Teil der über 100 Millionen Euro, die auf der Ausgabenseite stehen, refinanzieren. Das Lob dafür gebührt aber in erster Linie dem Scouting und der Entwicklungsarbeit am Campus, weniger dem Verkaufen der talentierten Spieler. In der Bewertung steht daher zunächst eine gute Transferperiode für den FC Bayern.

Abzüge gibt es allerdings in der B-Note. Die Situation um Sacha Boey ist nach wie vor ungelöst und kann weder für den Spieler noch für den Verein zufriedenstellend sein. Zudem war der kurzfristige Abgang von Ibrahimovic in Richtung Augsburg in Punkto Ablauf und Transferkonditionen nicht optimal.

Insgesamt bekommt der FC Bayern für die Transferperiode von miasanrot daher die Note 2-.

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