Ausgeträumt: Der FC Bayern scheitert an Real Madrid

Georg Trenner 08.05.2024

Es war der erwartet schwere Gang. Real Madrid forderte dem FC Bayern viel ab. Lange sah es für das Team von Thomas Tuchel gut aus, doch kurz vor Schluss drehte Real Madrid die Partie. 

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Der FC Bayern traf im Rückspiel des Champions-League-Halbfinals auf Real Madrid. Nach dem 2:2 im Hinspiel würde es in Madrid schwer werden.

FC Bayern München bei Real Madrid: der Spielverlauf

Im Vergleich zum Hinspiel veränderte Thomas Tuchel sein Team auf drei Positionen: Min-jae Kim, Thomas Müller und Leon Goretzka blieben auf der Bank. Für sie spielten Matthijs de Ligt, Serge Gnabry und Aleksandar Pavlović von Beginn an. 

Jener Pavlović leitete in der achten Minute auch die erste Bayernchance ein. Gnabrys scharfe Hereingabe war zu ungenau für Harry Kane. Jener Gnabry musste bereits Mitte der Halbzeit verletzt raus, für ihn kam Alphonso Davies positionsgetreu. 

Bis auf diese Fast-Chance kam der FC Bayern in der ersten Halbzeit kaum zu Entlastungsangriffen. Zu oft fehlte die Präzision, um freie Räume hinter Reals Abwehr auszunutzen. 

Dem FC Bayern war der Respekt vor Spiel und Gegner anzumerken, sie ließen Vinícius Júnior und Co. teils einen kleinen Sicherheitsabstand. Real Madrid wusste den Raum zu nutzen und setzte sich in der bayerischen Hälfte fest. Nach 45 Minuten standen acht Abschlüssen von Madrid ein Abschluss des FC Bayern gegenüber.

Der FC Bayern konnte sich unter anderem bei Kapitän Manuel Neuer für das Unentschieden bedanken. In der zwölften Minute rettete Neuer im Verbund mit dem Torpfosten gegen Vinícius und Rodrygo und in der 40. Minute nochmals gegen eine tückische Flanke von Vinícius, die gefährlich aufs Tor kam. 

Der FC Bayern kam in der zweiten Halbzeit optisch besser ins Spiel, aber Real Madrid blieb das gefährlichere Team. Allen voran Vinícius Junior war von Kimmich und de Ligt im Verbund kaum zu stoppen. 

Mitten in einer von vielen Drangphasen von Real kam in der 68. Minute einer der langen Bälle von Kane hinter die Kette von Real an, endlich. Diesmal auf Davies über links. Davies zog nach innen und traf zum überraschenden 1:0 für die Bayern. Das so wichtige Tor. 

Nur fünf Minuten später wurde Davies scheinbar zum Pechvogel, als er einen Schuss von Nacho ins eigene Tor lenkte. Vorausgegangen war ein klares Foul von Nacho an Kimmich. Nach VAR-Eingriff entschied Schiedsrichter Marciniak auf Freistoß Bayern statt auf Tor für Real. 

Im Anschluss stärkte Tuchel die Defensive. Kim Min-jae kam für Sané. Kim besetzte die Linksverteidigerposition. Mazraoui rückte nach rechts und half Kimmich gegen Vinícius. Kurz danach gingen auch Musiala und etwas überraschend Harry Kane. Für sie kamen Thomas Müller und Eric Maxim Choupo-Moting. 

Auch Carlo brachte neue Spieler und mit den neuen Spielern die Wende. In der 88. Minute ließ Manuel Neuer einen Schuss von Vinícius abprallen und Joselu schon ein. Nur drei Minuten später war Joselu erneut zur Stelle und traf zur Führung.

Der FC Bayern kämpfte bis zum Ende. In der 104. Minute jubelten die Bayern vergebens. De Ligt hatte getroffen, doch die Aktion war bereits kurz vorher wegen Abseits abgepfiffen. Eine mögliche Fehlentscheidung, die wegen des frühen Pfiffs nicht mehr geändert werden konnte. Eine für den FC Bayern unverständliche Entscheidung.

Der FC Bayern unterliegt Real Madrid mit 1:2. Real trifft im Champions-League-Finale auf Borussia Dortmund. Dem FC Bayern bleiben noch zwei Bundesligaspiele zum Schaulaufen. 

Drei Dinge, die auffielen

Aus der “Bestia negra” ist ein Kaninchen geworden

Fans des FC Bayern bezeichnen ihren Verein gerne als Reals “Bestia negra”, als Angstgegner des großen Rivalen. Doch der Begriff hat längst seine Berechtigung verloren. 

Zuletzt setzte der FC Bayern sich 2012 im Elfmeterschießen gegen Real Madrid durch. Seitdem war Real Madrid bei vier von vier Begegnungen Endstation. Auch wenn in einigen Begegnungen viel Pech dazugehörte, ist die gesamte Bilanz ernüchternd. 

De facto ist Real Madrid mittlerweile Bayerns Angstgegner geworden – oder schlicht eine Nummer zu groß.

Pavlović wie Busquets und Neuer wie Kahn

Manuel Neuer wurde auf Social Media während des Spiels als “La Bestia Neua” bezeichnet und Parallelen zu seinem einst legendären Champions-League-Spiel mit Schalke gegen den FC Porto gezogen.

Die Vergleiche waren angebracht. Manuel Neuer hielt den FC Bayern lange im Spiel. Er parierte mehrfach stark gegen Vinícius und Rodrygo. 

Bis er dann nicht mehr parierte, sondern mit einem einfachen Fehler die Niederlage einleitete. So wie Kahn einst im WM-Finale gegen Brasilien.

Auch Aleksandar Pavlović zeigte heute Parallelen zu einem der Großen des Sports. In der ersten Halbzeit trat er heute mit seinen Zehen in die Fußstapfen von Sergio Busquets. 

Zu Beginn des Spiels war Mazraoui nervös, Laimer und Sané zeigten Stoppfehler. Kimmich ging in Risikodribblings, Dier hatte Ballverluste. Kane und Gnabry fehlt vorne die Präzision, um Räume in Chancen zu überführen.  Das war ein Teil des FC Bayern in der Anfangsphase.

Und dann war da noch Pavlović. In der ersten Halbzeit spielte er 41 und brachte alle 41 Pässe an. Wichtiger als die Quantität war die Qualität. Es waren seine Ballbehauptung und sein Pass, die die erste Bayernchance einleiteten. Es war seine Ruhe, seine Anspielbarkeit, die in der ersten Halbzeit für eine gewisse Stabilität im Spiel sorgte, trotz aller Dominanz von Real Madrid. 

Pavlović ist noch kein Busquets. Dafür kam auch er in zu vielen Situationen, gerade gegen den Ball, an seine Grenzen und baute im Laufe des Spiels etwas ab. Er kann dennoch zufrieden auf seine Leistung im Bernabéu schauen.

Die Wachablösung des FC Bayern ist vollbracht

Als Leverkusen die Meisterschaft in der Bundesliga perfekt gemacht hat, schrieb Justin für Miasanrot von einem Idealszenario. Der Verlust der Meisterschaft war nach den Leistungen der letzten Jahre überfällig. Die erstolperte Meisterschaft der Saison 2022/23 erlaubte es dem FC Bayern aber noch, die Augen vor der neuen Realität zu verschließen. 

Der Einzug ins Finale der Champions League hätte eine ähnliche Verschleierung der tatsächlichen Leistungsfähigkeit des FC Bayern im Jahr 2024 bedeuten können. Diese Gefahr besteht nun nicht mehr. 

Insgesamt waren dafür die Leistungen des FC Bayern in dieser Saison und in den Vorjahren zu oft zu dürftig. Diese Klarheit kann der erste wichtige Schritt zur Neuaufstellung sein. Auch wenn es kurzfristig kein Trost für das enttäuschende Aus sein kann.



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