FC Bayern vor dem Topspiel: Drei Wege, gegen den BVB zu treffen – Szenenanalysen
Borussia Dortmund ist solide in die neue Saison gestartet. Ebenso wie der FC Bayern. Was in der Bundesliga bedeutet: Nach Punkten herrscht Gleichstand.
Beide stehen nach sieben Spieltagen bei 17 Punkten. Am Samstagabend treffen die deutschen Top-Teams in der Allianz Arena aufeinander. In den Analyse-Büros der Säbener Straße wird das Team rund um Chefcoach Vincent Kompany bereits seit mehreren Tagen, vielleicht sogar schon länger an Lösungen tüfteln.
Lösungen, wie man den BVB am besten bespielen kann. Auch wenn Kompany im Moment nicht arbeiten kann, wird er intern sicher das eine oder andere Auge nach vorn geworfen haben, als er noch dabei war. Zu groß ist die Bedeutung des Spiels – mindestens für die Fans.
Miasanrot hat sich via Wyscout alle Abschlüsse dieser Saison angesehen, die der BVB gegen sich kassiert hat. Anhand von drei Szenen zeigen wir exemplarisch, wodurch in der Regel am meisten Gefahr im und um den schwarzgelben Sechzehner entsteht – und wie Bayern das konkret ausnutzen kann.
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Der FC Bayern hat womöglich das bestmögliche Mittel gegen den BVB: Harry Kane
Auffällig: Viele Großchancen hat der BVB nicht zugelassen. Unter Defensivcoach Niko Kovac steht die Borussia aktuell bei nur vier Gegentreffern in der Liga. Im Schnitt lassen sie in allen Wettbewerben mit etwas mehr als 1,1 Expected Goals (xG) weniger pro Spiel zu als die Münchner (etwas mehr als 1,2).
Die Defensive kann also als eine der großen Stärken der Dortmunder bezeichnet werden. Es ist davon auszugehen, dass der BVB in München mit einer Fünferkette und mindestens zwei physischen Mittelfeldspielern, vielleicht sogar drei, das Zentrum schließen möchte. Bayern muss sich auf einen tiefen Block einstellen und somit auch auf relativ wenig Raum.
Schaut man sich die Chancen aber genauer an, die Dortmund zugelassen hat, dann gibt es ein Muster, das deutlich häufiger auftritt als alles andere: Ein Innenverteidiger verteidigt nach vorn, kommt einen Tick zu spät und dann ist die Absicherung dahinter schlecht. Das Paradebeispiel jüngst: Niclas Füllkrug zieht im DFB-Pokal Waldemar Anton aus der Kette, kann aufdrehen und tunnelt den Innenverteidiger, weil der zu langsam handelt. Nico Schlotterbeck ist in der einen Halbspur gebunden, Joane Gadou positioniert sich schlecht.
Normalerweise haben die Spieler einer Fünferkette die Aufgabe, den Raum gemeinsam zu verdichten, wenn ein Verteidiger nach vorn schiebt. Das ist eine der größten Stärken von Fünferketten-Systemen. Wenn Anton herausrückt, müssen Schlotterbeck und Gadou sich also eigentlich direkt weiter nach innen orientieren. Füllkrug aber hatte freie Bahn, lief durch und traf sehenswert.
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Szenenanalyse 1: Die Erkenntnisse für den FC Bayern

Zusammenfassend gibt es hier also zahlreiche Übergabe- und Entscheidungsprobleme:
- Anton muss entweder schneller herausrücken oder in der Kette bleiben. Sein spätes Herausrücken öffnet den Raum ohne große Chance auf den Ball.
- Schlotterbeck und Gadou lassen sich von Bremern zu weit nach außen ziehen.
- Die Flügelverteidiger (rot eingekreist) stehen ohne klare Zuordnung zu hoch. Schlotterbeck könnte hier auch an seinen Vordermann Beier übergeben und zentraler bleiben. Aber Beier ist zu weit weg im Nichts.
- Die Sechser sind jeweils zu weit weg vom Ball, um in den Zweikampf gegen Füllkrug zu kommen.
Szenen wie diese gibt es häufiger. Gerade Anton hat Probleme bei der Entscheidungsfindung, wenn er seine Position verlässt. Aber die Absicherung ist oft auch nicht gut. Für den FC Bayern bedeutet das vor allem eines: Harry Kane die Dinge tun lassen, die er häufig macht. Der Engländer muss sich auf Anton fokussieren und ihn immer wieder in Entscheidungsnot bringen. Das hat auch vor nicht allzu langer Zeit schon mal gut geklappt: Zur Szenenanalyse.
Den entstehenden Raum müssen die restlichen Offensivspieler dann natürlich für sich nutzen. Das Trainerteam wird hier genau abwägen müssen, wer dafür am besten geeignet ist. Der Ausfall von Luis Díaz tut weh, weil der Kolumbianer ein Spieler ist, der das sehr gut kann und der viel Tempo mitbringt.
Szenen wie diese sind allein in dieser Saison schon wieder zu oft vorgekommen, um nicht von einem klaren Muster sprechen zu können. Der große Unterschied gegen den FC Bayern wird aber sein, dass Dortmund zumindest bei Gleichstand nicht allzu offen hinten stehen wird. Es wird für die Münchner also schwerer, Anton und Co. ins Mittelfeld zu ziehen als für andere Teams.
Dortmunder Standardschwäche?
Von den zwölf Gegentoren, die der BVB bisher in allen Wettbewerben kassiert hat, fielen immerhin fünf per Standardsituation. Eine Ecke, drei indirekte Freistöße (zwei von außen, einer als Chipball aus dem Zentrum) und ein Elfmeter.
Generell brennt es hinten in dieser Saison etwas mehr beim ruhenden Ball als noch in der vergangenen Saison. In der Bundesliga zeigt sich das bisher etwas weniger als in der Champions League. Aber: Laut Ben Griffis, der mit Opta-Daten arbeitet, hat der FC Bayern die zweitmeisten xG nach Standardsituationen.
Sollte das Spiel zäh werden, könnte das also ein probates Mittel sein. Was bei der Sichtung der Szenen unter anderem auffiel:
- Der zweite Pfosten ist oft überraschend frei. Vor allem, wenn der Ball auf den ersten Pfosten geht, schauen viele BVB-Spieler nur in diese Richtung, aber nicht, was hinter ihrem Rücken los ist.
- Bälle auf den ersten Pfosten scheinen sehr oft Gefahr und Unordnung zu erzeugen.
- Kreuzende Laufwege lösen Übergabeprobleme beim BVB aus.
Den BVB im Aufbau unter Druck setzen
Eine dritte Chance bietet sich dem FC Bayern im Pressing. Der BVB geht fast schon seltsam oft ein sehr großes Risiko ein, wenn er das Spiel aufbaut. Vor allem dann, wenn der Gegner Druck macht. In der Bundesliga leitete Schlotterbeck das Comeback von Werder Bremen ein, indem er einen vollkommen absurden Pass durchs Zentrum spielte – und damit den Konter verursachte.
Gegen Frankfurt spielte Schlotterbeck in der 33. Minute einen ähnlich riskanten Ball durchs Zentrum – diesmal beim Stand von 0:0.

Der Ball wird abgefangen und kommt als Boomerang direkt zurück. Warum Veerman in einer solchen Notsituation allerdings herausrückt und damit der SGE eine Überzahlsituation ermöglicht, bleibt sein Geheimnis. Es entsteht eine Großchance, die Frankfurt aber ungenutzt lässt.
Das Problem ist weniger, dass Schlotterbeck ab und zu ein Wagnis eingeht. Er kann gute Pässe spielen und das ist eine seiner Stärken. Ihm fehlt manchmal aber das Gefühl dafür, wie viel Risiko wann okay ist und wann der sichere Ball besser ist. Auch andere BVB-Spieler machen im Aufbau unter Druck mehr Fehler, als auf diesem Niveau passieren sollten.
Bayern muss sein Pressing in den Griff bekommen
In den defensiven Umschaltsituationen ist der BVB oft nicht gut. Spieler verlassen ihre Positionen, öffnen Räume und es entsteht ein regelrechter Panikmodus. Bayern konnte das im Supercup auch ausnutzen. Das zweite Tor entstand nach einem Dortmunder Einwurf.
Bayern kam an die Kugel, der BVB eroberte sie nochmal zurück, aber dann spielte Bellingham einen Katastrophenpass unter Druck. Für die Bayern bedeutet das, dass sie mit viel Intensität spielen sollten.
In den vergangenen Wochen war das eigene Pressing oft nicht gut. Lässt man dem BVB zu viel Raum, kann er gut kombinieren und sich selbst Spielanteile erarbeiten. Das gilt es zu vermeiden. Viel Ballkontrolle und ein druckvolles Spiel sind der Schlüssel zum Erfolg. Vielleicht mit einem der drei dargelegten Wege.



