Die Super League als Chance? – Ein Streitgespräch

Daniel Trenner 28.04.2021

Heute also Champions-League-Halbfinale ohne den FCB, aber mit City, Chelsea und Real, deren SL-Pläne vorerst gescheitert sind. In uns rumoren die Pläne weiterhin. Daniel und Georg zum Streitgespräch.

Daniel: Georg, du hast auf Twitter und deinem Blog für die Super League geworben. Bevor du in die Südsee emigrieren musst, um dich vor wütenden Fans zu schützen, kannst du deinen Standpunkt nochmal aufzeigen?

Georg: Hi Daniel! Ich glaube, meine überschaubare Reichweite schützt mich vor einem Shitstorm, so dass ich noch keine Flucht ins Exil plane ;-). Aber zum Thema: Der europäische Fußball steht vor enormen Herausforderungen. Und eine Super League könnte meiner Meinung nach tatsächlich zur Lösung beitragen.

Daniel: Aber eine Super League würde doch bloß endgültig die Superreichen von den Normalen abkapseln. Irreversiv und endgültig. Wo konkret siehst du denn die Chancen einer Super League?

Georg: Genau in dieser endgültigen Abkapselung sehe ich eine große Chance, vielleicht die einzige Chance, den Fußball zukunftsfähig zu machen. Es ist doch so, dass wir eine nie dagewesene Leistungsspreizung in den nationalen Ligen erleben. Juventus ist bereits neunmal in Folge Meister, der FC Bayern wird es gerade. Neun. Das ist eine unvorstellbare Dominanz. Als Kind dachte ich, so etwas gibt es nur in Schottland. 

Das ist ein Punkt, wo ich selbst als Bayern-Fan sage: Stop the Count! Gebt den Spitzenvereinen ihre eigene Liga und lasst sie da untereinander spielen – während gleichzeitig die nationalen Ligen wieder ausgeglichener werden.
Damit bin ich auch beim zentralen Unterschied gegenüber den vorgestellten Plänen: Eine Super League, die ich unterstütze, ist eine konsequente Super League, die mit einem Rückzug der teilnehmenden Clubs aus den nationalen Ligen einhergeht. 

Daniel:  Das was du hier ansprichst, sind exakt die Gründe, wieso auch für mich eine Super League nur eine Frage der Zeit war und eigentlich immer noch ist. Die zentrale Frage ist doch: Wie bringe ich den Wettbewerb wieder zurück?

Doch bevor wir zurückblicken, wie wir hier angekommen sind, möchte ich anmerken, dass auch die Super League sportlich für mich keine Lösung ist. Das tolle am Format der europäischen Ligen ist doch, dass es praktisch kein totes Liga-Mittelfeld gibt. Jede Mannschaft spielt entweder um die Meisterschaft, verschiedenste europäische Wettbewerbe oder den Klassenerhalt. Am Ende der Saison geschieht mit der halben Liga gar nichts, aber auf dem Weg dorthin haben sie um die verschiedensten Dinge gespielt, daher die Spannung. Die Super League hat sowas nicht.

Es heißt oft, wenn Real Madrid jede Woche gegen Liverpool spielt, wird das langweilig. Und das stimmt auch, aber meiner Meinung nach wäre das weniger wegen mangelnder Fan-Bindung der Fall, sondern wegen sportlicher Irrelevanz. Entweder man spielt um nur einen einzigen Meisterschaftsplatz an der Sonne – und dann kann man die halbe Liga vergessen. Oder man spielt wie aktuell angedacht um Play-offs – und dann sind diese ganzen Spiele bis zu den Play-offs irrelevant.

Die Spiele Bayern gegen PSG waren doch nicht einfach deshalb so gute Spiele, weil es sich um zwei Schwergewichte handelte, sondern weil beide Blut sahen. Beiden ging es um die Saisons, den ganz großen Titel am Ende. Pack diese Paarung in eine Super League und du hast nicht ansatzweise diese Spielqualität.

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Bild: Imago Images

Georg: Da bist du in meinen Augen jetzt schon einen Schritt weiter, nämlich bei der Frage, wie man eine Super League in sich spannend gestalten kann. So weit bin ich mit meinen Gedanken gar nicht. Mit möglichen Play-offs sprichst du eine denkbare Variante bereits an. Sind Spiele in der NFL langweilig, nur weil es keine Absteiger gibt? Auch könnte ich mir ein Super-League-Modell vorstellen, in dem es Absteiger gibt. Ich würde da jetzt noch nicht so eingeengt denken wollen. 

Daniel: Also ich finde ja Spiele der NFL aus ganz anderen Gründen langweilig, aber das ist natürlich ein völlig anderes Thema…  (lacht)

Das aktuelle Modell der Super League sah ja deutlich vor, dass es 15 Founding Members gab. Nur der Rest sollte sich irgendwie über Qualifikation zu den Großen retten. Modelle mit einem möglichen Abstiegskampf sehe ich auch schwierig, denn wohin sollen sie absteigen? Bei der von dir gewünschten Abkapselung wären sie aus den Ligen raus und die können ja schlecht immer ein paar Plätze für den Fall der Fälle warm halten.

Ich sehe nicht, wie man ohne Attraktivitätsverlust Modelle mit Play-offs realisieren soll. Wenn sich zwei topplatzierte Vereine begegnen, sollte es doch eigentlich ein Spitzenspiel geben, tatsächlich hätte man aber ein denkbar irrelevantes Spiel, eben weil beide Mannschaften bereits ziemlich fest in den Play-offs wären.

Ich mag das amerikanische System mit Regular Season und Post Season auch so schon nicht besonders und auf den Fußball sehe ich es erst Recht nicht übertragbar. In den USA hat man die College-Ligen als Unterbau, man hat den Draft und Vereine sind Franchises. In den Staaten funktioniert es. Aber ich denke, versucht man das in Europa aufzustellen, erhält man nur die Nachteile, nicht aber die Vorteile der amerikanischen Systeme.

Hier sehen wir ja auch ganz konkret einen der vielen Gründe wieso dieser jetzt angebrachte Super-League-Pitch so krachend gescheitert ist. Die amerikanischen Chefs der englischen Teams dachten sich, man könne das US-System einfach auf den europäischen Fußball übertragen, aber so einfach ist das nicht. Vermutlich war auch noch eine ganz große Portion amerikanischer Hybris dabei… 

Georg: Wohin sie absteigen sollen? Zurück in die nationalen Ligen zum Beispiel. Warum nicht die Super League als europäische transnationale Liga oberhalb von Bundesliga, Premier League und Co. einführen? Auch Playoffs machen die vorherigen Ligaspiele nicht obsolet. Es gilt, einen Play-off-Modus zu finden, in dem Teams von der besseren Platzierung in der Regular Season profitieren, z.B. durch Heimspiele. Aber das sind alles Umsetzungsfragen für die Zukunft. 

Mir geht es Stand jetzt noch ums Grundsätzliche. Es gibt doch bereits eine verkappte Super League, nämlich die Champions League. Dort spielt für Real, Juve und Bayern die eigentliche Musik. Diese Spiele finden weltweit Beachtung. Und die dabei erzielten Fernseh-, Matchday- und Sponsoringeinnahmen führen dazu, dass der finanzielle Unterschied zwischen den Superklubs und den normalen Bundesligisten uneinholbar groß geworden ist.

Daniel: Ja, die Finanzen sind die Krux. Hier empfehle ich zurückzuschauen, wie wir eigentlich in diesem Schlamassel angekommen sind.

Jahrzehntelang war alles noch gut, dann kam die Champions League. Die Vorteile der Champions League Anfang der 90er überwogen noch und wir hatten bis zum Ende der 00er Jahre ja auch regelmäßig verschiedene Meister in den Top-Ligen. Doch spätestens mit der Lobbyarbeit der Superreichen in den späten 00er-Jahren wurde sie zum handfesten Problem. Die Zugpferde der Ligen und Champions League wollten eine sichere Einnahmequelle haben und so wurden alle möglichen Legacy-Koeffizenten eingeführt, um nicht einfach bloß eine Setzliste in der Gruppenphasen-Auslosung zu haben, sondern damit Spitzenklubs mehr vom Kuchen abbekommen.

Das Resultat dieser ganzen furchtbaren Änderungen: Unter der gerade beschlossenen Champions-League-Reform könnte Eintracht Frankfurt ins Finale kommen – und würde doch weniger verdienen, als ein in der Gruppenphase gescheiterter FC Barcelona.
Seitdem das Kuchenstück der Topvereine im Verhältnis immer größer wird, können die sich auch ungestraft Fehler erlauben. Hat der FC Bayern früher Fehler gemacht (siehe: Ballack-Nachfolge, Klinsmann) wurden andere Vereine Meister – mitunter schaffte man es nicht einmal in die Champions League. Mittlerweile werden sie auch mit Trainerfehlbesetzungen wie Ancelotti und Kovač Meister.

Und hier gilt es das Rad zurückzudrehen. Sportliche Fehler müssen wieder bestraft werden, diese Reformen müssen bekämpft werden. Resigniert man jedoch einfach vor dieser Entwicklung und stimmt man der Sezession der Topvereine zu, ist der Geist endgültig der Flasche entwischt und es wird nie mehr ein Zurück geben.

Georg: Da sind wir bei einem springenden Punkt. Dieses Zurückdrehen des Rades, das sehe ich einfach nicht. Vielleicht fehlt mir die Fantasie, aber kannst du dir vorstellen, dass Rummenigge und Pérez auch nur auf einen Euro Umsatz verzichten, um ihre Wettbewerber zu stärken? Die großen Klubs sind zu mächtig und machiavellistisch clever, als dass sie eine andere Verteilung zuließen. Die kleinen Klubs ihrerseits haben andere Schwerpunkte und divergierende Interessen, als dass sie sich ernsthaft mit den Großkopferten aus der Champions League anlegen könnten. Nee, ein Zurückdrehen des Rades wird es nicht geben.

Ich bin mir auch nicht sicher, inwieweit ich es wollen würde. Für mich ist beim Wunsch nach einem Zurückdrehen des Rades immer auch viel Verklärung dabei. Wohin denn zurückdrehen? Diese Forderungen bleiben zu oft im Vagen oder Utopischen. Der Fußball, den ich mir seit zehn Jahren in der Champions League anschauen kann, ist großartig. Ich will weiterhin Neymar gegen Kimmich. Ich will mich 24/7 auf verschiedenen Kanälen und Plattformen mit Fußball beschäftigen können. 

Es ist nur schlicht so, dass einige Superklubs ihren nationalen Konkurrenten entwachsen sind. Diese Realität muss man akzeptieren. Als Konsequenz bleiben nur Enteignung oder Abspaltung. Enteignungen kann ich mir nur schwerlich vorstellen, deshalb bleibe ich dabei, dass eine Abspaltung die bestmögliche Lösung ist. 

Weniger Schwergewichtsduelle – Besser für die Zukunft?
Bild: Imago Images

Daniel: Ich kann mir Enteignungen auch nur schwer vorstellen. Aber wenn ich mich zwischen Enteignung und dem Kniefall vor diesem Wettbewerb zerstörenden, unsolidarischen Kapitalismus entscheiden muss, entscheide ich mich für den Kampf für die Enteignung! So unwahrscheinlich die Aussicht auf Erfolg auch sein mag!

Wohin man das Rad zurückdrehen muss, ist für mich recht klar: Den guten finanziellen Mittelweg zwischen Einführung der Champions League und ihrer Deregulierung in der zweiten Hälfte der 00er Jahre. Deren Folgen man so richtig erst im letzten Jahrzehnt spürte, da dann aber auch umso mehr. Vorher wurden Bayerns Fehler stets knallhart bestraft. In Italien gewannen sogar die Römer Vereine Meisterschaften, in Spanien Valencia. Das war auch eine Zeit, wo nicht jeder gute Spieler spätestens mit 21 bei einem Topverein war. David Villa wechselte erst mit 29 nach Barcelona und es war dem Fußball nicht abträglich.

Zugegeben, die ganz großen Schwergewichtskämpfe werden dann zwangsläufig abnehmen, weil die Bayerns der Welt mit weniger Geld zwangsläufig einen schwächeren Kader haben werden. Und das akzeptiere ich.
Wir reden hier ja nicht vom Einführen des sportlichen Kommunismus, wo Vereine mit guten Leistungen keinen Wettbewerbsvorteil haben werden. Er wird weiter bestehen – nur eben abgeschwächt. Dafür bekommen wir aber wieder stärkere Ligen, eine respektable Europa League.

Das Problem ist das Erreichen dieser Utopie. Hierfür müssten alle Entscheidungsträger an einem Strang ziehen. UEFA, FIFA und vor allem die verschiedenen Parlamente und Regierungen. Möglich wäre es definitiv, da unterschätzt manch einer die legislative Macht eines Parlaments, aber es müssten wirklich alle dabei sein und das ist wahrlich nur schwer vorstellbar. 

Aber wir drehen uns hier schlussendlich im Kreis: Die Alternative wäre die unumkehrbare Akzeptanz der Diktatur der superreichen Vereine und das möchte ich nicht.

Georg: Für mich bleiben Diskussionen rund um Enteignen oder Zurückdrehen der Zeit rein akademisch. Theoretisch möglich, natürlich, aber praktisch nicht vorstellbar. Dafür haben zu wenige der beteiligten Institutionen (Vereine, Verbände, Medien) ein Interesse daran.

Ich bleibe dabei: Für einen zukunftsfähigen Fußball braucht es eine Super League. 
Ich will einen Fußball, der auch meine Kinder erreicht. Ich brauche TikTok nicht, aber der Fußball braucht TikTok, wenn er die nächste Generation erreichen will. So wie der Fußball sich für unsere Generation mit Pay-TV, Champions League und Blogs veränderte, so wird er sich für die nächste Generation nochmal verändern müssen. 

Ich will einen Fußball, der für alle Menschen da ist. Gehört der FC Bayern nur dem Fan aus Rosenheim, der im Auswärtsblock in Stuttgart mitsingt, oder gehört er auch jener Anhängerin aus Phnom Penh, die in erster Linie online mitfiebert? 

Ich will einen Fußball, in dem Frankfurt, Köln, Bilbao und Atalanta in ihren Ligen Meister werden können. Ich will einen Fußball, in dem der Tabellenletzte öfter als einmal alle 100 Spiele gegen den Tabellenersten gewinnen kann. 

Die jüngst geplante Super League als private VIP-Champions-League parallel zu den nationalen Ligen hätte das nicht erfüllt. Die lehne ich ab. Aber eine echte Super League, die Superklubs dauerhaft oder temporär aus den nationalen Ligen entfernt, die könnte das schaffen. Es wäre weiß Gott keine perfekte Lösung. Aber es ist die einzige, die ich bisher sehe. 

Daniel: Der Fußball nutzt die Neuen Medien natürlich grotesk schlecht, darüber brauchen wir gar nicht zu sprechen. Aber die Bundesliga auf Twitter und TikTok geht auch ohne Super League. Und um die Jugend verstärkt zu erreichen, braucht man Wettbewerb. Wettbewerb für den man, wie ich versucht habe herauszustellen, keine Super League braucht. Für den Rest gilt wohl oder übel: Agree to disagree.

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  1. Wenn es irgendwann Mal eingeführt werden sollte, schaut kein Schwein mehr die Bundesliga. Warum auch mittelmäßigen Fussball schauen wenn ich auch die Kirsche auf der Torte haben kann.
    Zu Beginn werden es noch die”alten” bzw. derzeitigen Fans der Vereine verfolgen was in der Bundesliga abgeht, aber nach und nach suchen sich die heranwachsenden dann ihren Verein aus der SL. Dann führts zu Einbrüchen in allen Einnahmefeldern der Vereine….Und damit wäre die Buli tot.

  2. GestrandetinBerlin Seite 28.04.2021 - 09:30

    Spannende Diskussion. Georg, zwei Hinweise, die aus meiner Sicht ein Problem für deine Argumentation sind. 1) hat the athletic darauf hingewiesen, dass es ein Urteil im Bezug zum Eislauf gab, wo, wenn ich es richtig verstanden habe, der (Welt)Verband Sportler sperren wollte, die bei einem neuen Wettbewerb mitmachen wollten. Dies wäre gegen Wettbewerbsrecht (oder so ähnlich). Das heißt, es ist gar nicht gesagt, dass die Super League Teilnehmer nicht auch weiter in den Ligen/ in der CL teilnehmen. Sie haben dann aber ein strafferes Programm, haben ja mehr Geld und verbreitern dann halt einfach den Kader. und b) Sind die Teams ja nicht autark in dem Sinn, als dass sie nicht in die Ligen eingreifen würden durch Spielereinkäufe. Wie frustrierend dies für die anderen Teams wäre, kann man sich wohl ausmalen.

    Apropos: auf the athletic (was ja eher ein englisches/internationales Publikum ist) wird von den Usern oft darauf hingewiesen, dass Bayern ja lustig ist, gegen die Super League und für fairen Wettbewerb zu sein (falls das dem folgt) und dann Nagelsmann zu holen. Ich finde Nagelsmann ne super Lösung aber irgendwie hätte ich mir gewünnscht, mir die nächsten Jahre nicht laufend wieder anhören zu müssen, dass Bayern die Liga kaputt kauft.

  3. Nach dieser Nummer, werde ich als der MiaSanRot-Marx gelten, was? ;D

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    1. Schlimmer!

  4. Gratulation und vor allem vielen Dank für diesen spitzen Artikel!!!
    Kann beide Sichtweisen nachvollziehen und gestehen, dass ich die Pragmatik von Georg noch einen Ticken überzeugender finde. Ich glaube die Frage ist tatsächlich nicht ob, sondern wann die SL kommt.
    Der Fußball ist bei dieser Thematik aber mal wieder absolut im Zentrum der Gesellschaft, da die wachsende Schere zwischen Arm und Reich alle Aspekte des Zusammenlebens stark beeinträchtigt. Wie damit umzugehen ist wird vermutlich die nächsten Jahrzehnte prägen, wie kaum ein anderes Thema.

    So schade aus meiner Sicht eine Teilnahme Bayerns an einer SL wäre, wird sie dennoch kommen. Ich für meinen Teil werde dann vermehrt wieder zu den Amateuren gehen und die Profis nur noch sporadisch bzw. im Fernsehen anschauen. Wenn das mehrere Fans machen, wäre das ein Kompromiss mit dem ich persönlich gut leben kann, der aber für die meisten Bundesligavereine fatale folgen hätte. Die kleinen Vereine würden davon aber imo profitieren

  5. Es gibt schon denkbare Super-League-Modelle, die sportlich kompetitiv, attraktiv und fair wären. Nur habe ich nicht den Eindruck, dass die irgendjemand wirklich dem Status Quo vorzieht. Das fängt beim Abzug aus den nationalen Ligen an: klar würde man so das Problem der Serien-Meister lösen, aber selbige wollen die SL-Einnahmen ja zusätzlich haben, nicht als Ersatz für nationale TV-Verträge. Und die ganzen anderen hätten so zwar endlich mal wieder die Chance auf eine Meisterschaft (und Aufstieg in die SL), aber um den Preis deutlich geringerer Einnahmen, weil die nationalen TV-Rechte dann viel weniger einbringen würden.

    Dann hast du das Problem, wie sich eine SL zur CL verhält. Eigentlich duplizieren die einander und können kaum koexistieren. Aber warum das erwiesene, zumindest bis zur jüngsten Reform spannende und relativ offene Modell abschaffen? Da beschweren sich alle, die an der deutlich grösseren CL teilgehabt hätten, aber bei der SL aussen vor bleiben.

    Eine SL mit echtem Auf- und Abstieg wäre für die Spitzenklubs auch riskant gegenüber dem bisherigen Modell mit relativ sicheren, sehr hohen nationalen und UEFA-Einnahmen. Wenn Du einmal rausfällst, ist der Weg zurück steinig – der Aufstieg wäre bei so vielen untergeordneten Ligen wohl nur mit einem komplizierten KO-Turnier machbar, und da setzen sich nicht immer die stärksten Teams durch. Wer länger als ein Jahr unten hängen bleibt, muss sehr viel kleinere Brötchen backen.

    So oder so, ich sehe keine wirkliche Alternative zum aktuellen System. Die Kartellisierung des Fussballs ist durch, das dreht man nicht mehr zurück. Ein ESL-Modell würde das entweder noch verschärfen (nach Willen von Perez&Co), oder an so viele Besitzstände rühren, dass kaum jemand besser da steht.

  6. Ich fände eine echte übergeordnete Liga gut. Mit Auf- und Abstieg quer durch ganz Europa. Natürlich wahnsinnig schwierig zu organisieren. Vermutlich am besten mit Playoffs zwischen dem Meister der heimischen Liga und dem schlechtesten Team aus dem Land in dieser neuen Superleague. Die Spiele finden am Wochenende statt. Unter der Woche gibt es DFB Pokal und zusätzlich einen europäischen Pokalwettbewerb mit jeweils nur einem Spiel damit es da mehr Überraschungen gibt. Das würde zu spannenden nationalen Ligen führen, zu einer spannenden Superleague (ich geh doch als Fan gern am Samstag zu FCB-Liverpool, zumindest lieber als zum Spiel gegen Bielefeld). Nur die Allesfahrer sind gekniffen da sie jedes zweite Wochenende quer durch Europa müssen

  7. Ein Streitgespräch (also 2 Meinungen!) über ein (fußball-)politisches Thema in diesem Blog? Ohne meine Beteiligung? Ich muss mal ein Machtwort aus meinem Diktatorsessel heraus sprechen.

    (Danke für den tollen Artikel, Daniel und Georg!)

    Antwortsymbol2 AntwortenKommentarantworten schließen
    1. Ich finde auch Justin, bring deinen Laden wiedermal auf gleich :D.

    2. Let the dogs out, Kim Jong Just… ;-) ;-) ;-)

  8. Die Ausgangslage ist ziemlich kompliziert, da die Sportfans den Lauf der Dinge nicht akzeptieren wollen und der Lauf der Dinge die Sportfans ignoriert. Da ein Umbau des bestehenden Systems aus allerlei Gründen äußerst schwierig wäre, ohne dass auch nur die geringste Chance auf eine für alle Beteiligten zufriedenstellende Lösung bestünde, präferiere ich eine rein sportliche, moderne und billige Lösung.

    Vor jeder Begegnung wird mithilfe eines (sich ständig verbessernden) Algorithmus die aktuelle Chancenungleichheit berechnet und ein Handicap für das unlauter-überlegene Team festgesetzt. Im aktuellen Fall würde Bayern München beim Stande von 1-3 gegen Borussia Mönchengladbach ihr Heimspiel am nächsten Spieltag beginnen. Dieser Fairness-Faktor kann sich in den kommenden zwei Wochen natürlich noch leicht verändern, da Verletzte, Wetterbedingungen, vereinsinterne Spannungen und sonstige aktuelle Umstände einkalkuliert würden; entscheidend ist allein, dass der Gewinner am Ende ein fairer Sieger ist, der stolz auf seine sportliche Leistung sein kann.

    Unterdessen könnten die Ambitionierten weiter Ligen und Wettbewerbe nach Gutdünken und ökonomischer Notwendigkeit ersinnen, der Algorithmus würde ihnen diese Flausen nachsehen – wichtig ist auf’m Platz.

    Ich habe mich mit der Veröffentlichung bisher bewusst zurückgehalten, weil ich nicht genau wusste, welche konkreten Konsequenzen das Verfahren für den FC Bayern hätte, aber seitdem wir Nagelsmann verpflichtet haben, bin ich mir sicher, dass wir endlich auch in einem fairen sportlichen Wettbewerb erfolgreich bestehen könnten.

    Die Idee ist gemeinfrei und kann sofort angewendet werden.

    Antwortsymbol9 AntwortenKommentarantworten schließen
    1. So gesehen werden wir dann heuer ja so was von verdient Meister, weil wir oft genug in der Anfangsphase dem Gegner klare Führungen ermöglichten. Somit haben wir es uns ja sogar noch schwerer gemacht, als bei deinem Modell, da wir z.B. gegen den BVB ja nicht ein ganzes Spiel Zeit hatten, um ein 0:2 zu drehen, sondern nur 80 Minuten.
      Deine Idee hat natürlich Charme. Wie früher auf dem Bolzplatz: “Wir spielen bis 10 Tore und ihr bekommt 3 Tore Vorsprung”

      1. Genau, die Idee stammt tatsächlich vom Bolzplatz, Romantik pur: unterschiedliche Mannschaftsgröße, mit oder gegen den Wind, mit oder gegen das Gefälle usw. Alles wurde ausgereizt, damit es am Ende ein faires und spannendes Spiel war.

      2. 3 Ecken, 1 Elfer würde uns auch weiterhelfen.

      3. Ich verstehe offen gestanden nicht, warum du so zynisch reagierst – ich versuche gerade den Fußball zu retten.

      4. 3 Ecken, 1 Elfer nicht schlecht. Das würde uns endgültig unschlagbar machen.

      5. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob Nagelsmann diese Taktik überhaupt kennt.

      6. Wie wäre es, wenn wir die Bolzplatzregeln bezüglich der Mannschaftszusammensetzung verwenden? Wir erstellen eine Liste mit allen Bundesligaspielern und jeder Verein darf der Reihe nach einen Spieler nehmen. So dürften dann ziemlich ausgeglichene Kader entstehen und zudem hätten wir dann auch wieder eine Liga, in der mehrere Mannschaften Meister werden könnten. Bezahlt werden die Spieler ausnahmslos von der DFL, die sämtliche Einnahmen aus TV und Sponsoring bekommt.

      7. Dann läuft man allerdings Gefahr, dass die Vereine ihren Wiedererkennungswert verlieren.
        Deshalb ja mein Vorschlag alles beim alten zu belassen und lediglich beim vorläufigen Ergebnis einen minimalinvasiven Eingriff vorzunehmen – das fällt kaum auf, hat aber durchaus Wirkung.

    2. Eine geniale Idee! Familienväter kennen das ja z.B. bei Brettspielen mit unterschiedlich alten Kindern. Das Schönste: es führt garaniert zu stundenlangen Diskussionen und das Interesse würde sich ins Unermessliche steigern! Gibt es schon eine UEFA-Petition? Wo kann ich unterschreiben? Darf ich den Algorithmus mitentwickeln? Bitte, bitte, bitte…

  9. Auf der englischen Seite von MSR hat ein Kommentator einen sehr pragmatischen Ansatz:
    “Unfortunately I don’t have a solution nor responsible people. Super League definitely is not. So at the end I tend to ignore this big picture, pretend that everything is still okay, and concentrating on the team’s match to match.”

    Antwortsymbol1 AntwortKommentarantworten schließen
    1. Nicht nur pragmatisch, sondern auch weit verbreitet; eigentlich sehe ich nirgends auch nur den bescheidensten Ansatz für eine wirklich grundlegende Erneuerung, nicht einmal bei den benachteiligten Vereinen und ihren Anhängern.
      Ist das noch Pragmatismus oder nicht vielmehr Resignation?

  10. @Alain
    Es ist so einfach
    Siehe Alex Artikel

    Antwortsymbol1 AntwortKommentarantworten schließen
  11. Sehr gut, dass hier über das Thema ohne Schaum vorm Mund diskutiert wird (btw: würde ich mir auch für die Debatte über gewisse Schauspieler-Videos wünschen…).
    Ein wesentlicher Nervenkitzel für mich als FCB-Fan ist der alljährliche Tanz auf drei Hochzeiten: Nationale Meisterschaft, Pokal und Königsklasse. Das Triple ist ja deshalb so wertvoll, da es nicht nur drei Wettbewerbe, sondern auch drei unterschiedlliche Modi beinhaltet – gewissermaßen eine Art Mehrkampf:
    https://www.youtube.com/watch?v=uxRa9vs2aDM
    Dieser Reiz würde bei einer Verabschiedung aus dem nationalen Kontext in eine Super League entfallen. Gerade im DFB-Pokal haben die sogenannten “Kleinen” ja zuletzt wieder mehr Überraschungen zustande gebracht, als noch vor einigen Jahren. Ich finde, diese Teams – aber auch BuLi-Aufsteiger wie Paderborn, Bielefeld oder jetzt Bochum – sollten weiter die Möglichkeit haben, gegen die besten deutschen Teams (und eben nicht nur das dritt- oder viertbeste) anzutreten.

  12. Die ideale Superliga:

    Seit Jahren denke ich mir, dass es eine Europäische Liga braucht, weil Vereine wie FCB, PSG, Juve, Barca und Real ihren Ligen einfach entwachsen sind. Gerade in Zeiten zunehmender Integration innerhalb Europas wäre auch eine Europäische Liga (vllt sogar eine 2. EL) möglich mit den nationalen Ligen darunter.
    Und um die Spannung aufrecht zu erhalten: Die obere Hälfte der Tabelle spielt in Play-Offs gegeneinander und die untere Hälfte spielt gegen den Abstieg. Dies wäre somit das Gegenkonzept einer geschlossenen Liga weil im Extremfall sogar die Hälfte der Liga absteigen könnte.
    Der große Vorteil: So könnten auch Vereine wie Ajax, PSG, Celtic usw. wiederbelebt werden. Das oben genannte Modell könnte somit zu mehr Vielfalt führen anstatt immer nur die gleichen 4-5 Ligen. Also jene Vereine, welche international keine Rolle mehr spielen können, weil deren Liga einfach zu unbedeutend geworden ist.

  13. Eine “echte”, d. h. durchlässige Europaliga / Superleague wäre sicherlich ein attraktiver Wettbewerb, keine Frage.

    Zwar würde die hoch attraktive KO-Phase entfallen – von Playoffs nach der regulären Runde wie beim Eishockey halte ich gar nichts – aber dafür gäbe es eben auch keine öde Gruppenphase mehr: Gleichmäßig “mittlere” Spannung anstelle von fadem Herbst und tollem Frühjahr in der CL – damit könnte man als Fan schon leben, denke ich.

    Der große Nachteil für die nationalen Ligen unter dieser Liga wäre es, dass es in den Top-Ligen keine “echten” Meister mehr gäbe: Wenn Real, Barca und Atleti in der Europaliga spielen würden, könnten Valencia oder Sevilla zwar “Meister” werden, aber eben nur als “best of the rest”. Zudem würden, wie schon oben erwähnt, nach wie vor die oberen Vereine den Unteren die Spieler wegkaufen.

    Ich denke aber nicht, dass es so kommen wird, da die Agenten der Super League ja primär an garantierten Einnahmen interessiert sind und daher keine Durchlässigkeit wollen.

    So oder so ist der Fußball an Grenzen gestoßen, was ja nicht zuletzt die Trainerrochaden in D und das aktuelle Halbfinale der CL zeigen. Wenn in Zukunft ohnehin nur noch Clubs mit reichen Investoren oder Freischeinen für die Verschuldung (Real, Barca…) die CL dominieren, dann kann man den Bewerb auch abkoppeln, da es kein WETTbewerb mehr ist.

    Ich bin insofern bei Daniel: Enteignung. ;-) Bzw. ein absolut konsequent umgesetztes FFP, in dem die Cities, Chelskis und PSGs endlich vernünftig wirtschaften müssten.

    Antwortsymbol1 AntwortKommentarantworten schließen
    1. P. S.: Dieses Format bei msr finde ich richtig gut. Merci!

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