Die Kür glückt: Bayern besiegt Freiburg 3:1

Daniel Trenner 20.06.2020

Für den FC Bayern war bereits alles klar: Von Platz eins würde sie niemand mehr stoßen können, für Freiburg jedoch ging es noch um Europa. Ein einziger Punkt trennte sie vor dem Spiel vom sechsten und siebten Tabellenplatz. Auch wenn man es mit Blick auf den nächstjährigen Abstiegskampf bezweifeln kann, ob dem SC Freiburg der Weg in die schwierige und wenig lukrative Europa-League-Qualifikation gut täte.

Falls Ihr es verpasst habt

Die Aufstellung 

Mit der Meisterschaft im Rücken und einigen verletzten oder gesperrten Spielern im Kader wechselte Flick kräftig durch. Direkt im Tor bekam Sven Ulreich endlich wohlverdiente Spielzeit, dazu durfte Javi Martínez nach langer Zeit wieder von Beginn an spielen. Für beide könnte es das letzte kompetitive Spiel in der Allianz Arena gewesen sein. Neben dem Basken spielte Boateng, nachdem sich Alaba verletzt abmeldete. Den gesperrten Alphonso Davies ersetzte wie erwartet Lucas Hernández. Vor der Doppelsechs Kimmich und Goretzka gingen die Umbaumaßnahmen weiter: In Ermangelung von Außenstürmern kam Mickaël Cuisance zu seinem zweiten Saisonspiel auf Rechtsaußen, Müller begann etwas überraschend im offensiven Mittelfeld. Dazu bekam Sarpeet Singh, mit 14 Scorerpunkten aus der dritten Liga im Rucksack, zum ersten Mal eine Chance von Beginn an. Sein bisher einziges Spiel bei der ersten Mannschaft waren acht recht bedeutungsarme Minuten in der Hinrunde gegen Werder Bremen. Ohne den ebenfalls verletzten Ivan Perišić, saßen auf der Bank neben Neuer und Coman somit ausschließlich Talente. 

In Christian Streichs flachem 4-4-2 lief der SC Freiburg ohne Nationalspieler Robin Koch, aber unter anderem mit Vincenzo Grifo und Ex-Bayer Nils Petersen auf.

1. Halbzeit

Von Beginn an war es ein flotter Sommerkick. Bayern griff sofort munter an und drängte auf die schnelle Führung, nach 15 Minuten kam diese dann auch zu Stande. Nach einer Ecke bekam Lewandowski mit dem Rücken zum Tor den Ball, hielt ihn und legte zu Kimmich zurück, der überlegt flach ins lange Eck einschoss.

Mit einem ähnlich schönen Tor baute Bayern die Führung aus (25.). Kimmich spielte vertikal auf Müller, der halb stehend, halb fallend mit dem Außenrist auf Goretzka durchsteckte. Der inoffizielle Nachfolger des “Schweizer Kraftwürfels” im Kader des FC Bayern scheiterte zunächst noch an Schwolow, doch den Abstauber köpfte Lewandowski mühelos zu seinem 32. Saisontor ein. Aubameyangs und sein eigener Rekord waren damit egalisiert.

Auch wenn Bayern weiterhin stürmte, kam Freiburg aus dem sprichwörtlichen Nichts jedoch zum Anschlusstreffer. Keitel konnte im Strafraum umringt von Bayern-Verteidigern auf Schmid passen, der durch Ulreichs Beine auf Höler quer legte, der den Ball über die Linie drückte. Gar kein gutes Verhalten der bayerischen Defensive (33.).

Die Mannschaft ließ sich davon jedoch nicht beirren und stellte den alten Zwei-Tore-Abstand fast direkt danach wieder her. Cuisance wurde gefoult, fiel jedoch nicht und brachte den Ball auf Goretzka, der mit großen Schritten das Feld überquerte und quer zum mitgelaufenen Hernández passte. Der Franzose machte noch einige Meter und flankte flach zu Lewandowski. Eigentlich deckten die zwei Freiburger Abwehrspieler und Schwolow alle Abschlusswinkel ab, doch im Stile eines absoluten Weltklassestürmers nutzte Lewandowski die eine Möglichkeit, die er bekam. Den Freiburgern konnte man kaum etwas anlasten (36.). Müller bekam noch eine weitere gute Möglichkeit, doch die Halbzeit endete mit einem 3:1-Halbzeitstand.

2. Halbzeit 

Bayern verzichtete in der Pause auf Wechsel, Freiburg brachte Kwon für Sallai. Das Spiel flachte nun merklich ab, Freiburg konnte nicht viel mehr tun, Bayern wollte scheinbar nicht. Nach viel Geplänkel sah sich Hansi Flick genötigt einzugreifen. Für den guten Cuisance und etwas luftigen Singh kamen Zirkzee und Coman, Freiburg brachte parallel unter Anderem Waldschmidt für Torschütze Höler (63.). Offensiv wurde es damit nur marginal stringenter, vielversprechende Abschlüsse von Zirkzee, Müller oder Coman blieben erfolglos. In der 85. Minute kam noch Richards für Martínez, kurz darauf noch Musiala für Müller.

Das größte Erfolgserlebnis der Bayern in der zweiten Hälfte war  so gesehen ein Nicht-Tor: In der letzten Minute der Nachspielzeit tauchte Kwon frei vor Sven Ulreich auf, der im Eins-gegen-Eins lange stehen blieb und schlussendlich die Oberhand behielt. So endete die Partie 3:1 für den Rekordmeister, nächste Woche dürfen sich die Bayern in Wolfsburg die Schale abholen.

Dinge, die auffielen

1. Zurück im Flow

Nach den etwas stotternden Auftritten der vergangenen Spiele, fragte der ein oder andere sich schon, ob der FC Bayern sich unbemerkt in einer Leistungsdelle befand. Trotz der vielen Wechsel kam die Mannschaft gegen Freiburg wieder zurück zum Offensivflow. Man presste hoch und erfolgreich, ließ die Bälle zielgerichtet laufen, erspielte sich kreativ Chancen und schoss richtig schöne Tore. Gerade Lewandowski, Kimmich, Goretzka und Müller waren an fast allen guten Aktionen beteiligt und bestätigten ihre Top-Form nach der Corona-Pause.

Wahrscheinlich lagen die vergangenen durchwachsenen Spiele tatsächlich an der Kondition. 

2. Wieder nur eine Halbzeit

Mag man ganz gehässig sein, man könnte dem FC Bayern unterstellen, er könne aktuell nur eine Halbzeit. Dafür sprechen die Halbzeiten gegen Leverkusen, Frankfurt, jetzt Freiburg und irgendwo auch unter der Woche in Bremen eine zu deutliche Sprache. Nun muss man nicht immer nach dem Haar in der Suppe suchen, heute gegen Freiburg und davor gegen Leverkusen erledigte man die Hausaufgaben eben bereits in der ersten Hälfte, doch bei allem völlig gerechtfertigtem Lob muss Hansi Flick in der nächsten Saison noch den Beweis erbringen, ob sein Fußball wirklich eine ganze Saison über hält. Nichts schlägt im Fußball mehr auf die Kondition ein als den Gegner ständig hoch zu pressen. Eben deshalb variieren Mannschaften für gewöhnlich zwischen Angriffs- und Mittelfeldpressing.

In gewisser Weise half die Frühlingspause durch das Virus dem FC Bayern, dadurch konnte er mit minimaler Rotation einfach weiter fröhlich immer vorne pressen. Man kann mindestens diskutieren, ob denn die dritte Saisonpause nach dem Pokalfinale wirklich nur schlecht sein muss für den FC Bayern, augenscheinlich können die Spieler noch eine Pause derzeit gut vertragen.

3. Schlussendlich war es nur die Kür

Nichtsdestotrotz muss man wegen der zweiten Halbzeit nicht die härtesten Geschütze der Kritik auspacken, es war schlussendlich nunmal nur ein Spiel für die Galerie ohne sportlichem Wert. Für den FC Bayern schon gar nicht und selbst beim SC Freiburg bekam man den Eindruck, dass Vereine schon mal härter um die Europa League gekämpft hatten. Höchstwahrscheinlich bekamen die Spieler spätestens in der Halbzeit mit, dass alles unter einem Sieg in München nicht ausreiche und so versuchten sie es gar nicht erst so richtig.

Der FC Bayern indes musste nicht mehr tun als er es in der ersten Hälfte bereits tat und so ergab sich ein lasches Fußballspiel, dass frappierend an ein Vorbereitungsspiel erinnerte. Die einzigen Motivationsspritzen wären da noch diverse mögliche Rekorde gewesen, doch Hansi Flick meinte in der Pressekonferenz vor dem Spiel noch direkt, dass ihn diese gar nicht interessierten. Währenddessen suchte Robert Lewandowski auch im vorletzten Bundesligaspiel weiterhin erstaunlich mannschaftsdienlich seine Mitspieler, statt zu versuchen Dieter Müllers 34-Tore-Bundesligasaison einzuholen.

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King Coman Hands of God
  1. Hervorragend analysiert.
    Schön, dass Martinez und Ullreich nochmal in der Arena spielen durften, auch wenn diese leer war.

    Antwortsymbol1 AntwortKommentarantworten schließen
    1. Das fand ich auch, wobei mich der halbgare Pass von Martínez vor dem 1:2 schon etwas geärgert hat.

  2. Finde auch dies ist eine super Analyse.

    Bin überrascht wie gut sich die jungen Spieler in das System eingefügt haben.
    Daran erkennt man das der Trainer die Spieler erreicht und diese wissen was sie zu tun haben.
    Zweite HT naja.

    Trotzen angenehm überrascht.
    Bitte weiter so.

    Wenn Davies der Roadrunner ist dann ist Kimmich das Duracell Männchen.
    Wahnsinn der Typ!

    Antwortsymbol11 AntwortenKommentarantworten schließen
    1. P.s. Lucas
      Sehr solides Spiel aber was die Körpersprache von ihm, seinen Mitspielern und Flick zeigen ist ziemlich eindeutig- Lucas will sich hier durchsetzen. Er ist voll integriert.
      Keine Ahnung wie sich das nächste Saison mit ihm und Süle hinschaukelt aber kann nicht erkennen das das ein Spieler vor dem Absprung sein soll.
      Bin immer noch von seinen Qualitäten überzeugt. Er braucht eben Zeit sich technisch-taktisch im System von Flick zu entwickeln.

      1. lucas wieder sehr ungluecklich vor dem gegentor

      2. Der Fehler war vorher bei Martínez, der den Ball nicht sauber geklärt bekommt. Dann steht Lucas alleine gegen zwei Gegenspieler – da sieht man immer blöd aus.

      3. @Grullit
        MMn hat Lucas ein gutes Spiel gemacht. Er braucht eben Minuten und Rhythmus wie jeder andere auch. Javi der nicht so lange verletzt war genauso.
        Wie Chris schon sagte sah Javi bei dem Tor wie auch in einigen anderen Situationen sehr unglücklich aus.

      4. Sicher begann die Fehlerkette mit Martinez. Aber Hernandez darf sie auch gerne einmal unterbrechen. Ein Verteidiger wird ja dafür geholt, Tore zu vermeiden und gelegentlich auch mal Fehler der Mitspieler auszubügeln. Êr war dann dran am Freiburger und gewinnt das Duell nicht. Er muss halt auch mal zeigen, dass er das Geld wirklich wert war, indem er auch mal nicht ganz so leicht zu verteidigende Situationen zu unseren Gunsten auflöst.

      5. 1. Ich habe mir das Gegentor gerade angeschaut. Die Szene beginnt mit einem Einwurf. Martinez rückt raus, um beim Gegenspieler zu bleiben und blockt die Flanke. Hernandez orientiert sich weg vom Gegenspieler, um anspielbar zu sein.
        2. Martinez Klärung landet beim Gegenspieler. Keitel kann sich drehen, da Hernandez die Lücke schließen muss (siehe 1) und nicht abgestimmt ist mit Kimmich, der die Martinez Position deckt.
        3. Der Durchstecker von Keitel auf Schmid kommt, weil Martinez das Abseits aufhebt.
        4. Boateng und Kimmich können den Querpass auf Höhler nicht verhindern.

        Kurzum – ich sehe hier den Löwenanteil bei Martinez (1, 2 und 3).

      6. Martinez ist ganz klar beteiligt und geht auch den Weg von Schmid nicht mit, obwohl er das eigentlich müsste. Es ist unbestritten, das Martinez dort mehr als nur einen Fehler gemacht hat. Nur hatte Hernandez seinen Gegenspieler mit Ball erst gestellt und nimmt ihm den Ball eben nicht ab. Das hätte er dort aber tun können (nicht müssen!). Und darum geht es mir: Wenn wir schon 80 Mios für einen Verteidiger ausgeben, dann muss er eben auch mal Fehlerketten unterbrechen anstatt nur ein weiteres Glied in der Reihe zu sein. Das war er in dieser Saison zu oft – und eben zu selten derjenige, der das Tor noch verhindert (wenn ich da an Boateng zu seinen besten Zeiten denke, dann fehlt mir da noch sehr, sehr viel).

      7. @Herrispezial:
        Er war hier aber kein Glied in einer Fehlerkette, sondern hat einen Zweikampf nicht gewonnen.
        Ernsthaft? Willst du jetzt bei jedem verlorenen Zweikampf auf dem Spieler rumhacken und auf die Ablösesumme verweisen?
        Das dürfte anstrengend werden.

      8. Das ist eine in meinen Augen müßige Diskussion. Herrispezial hält nichts von Hernandez und wird weiterhin jede (Nicht-) Gelegenheit nutzen, um ihn zu kritisieren. Um ein altes Klischee zu zitieren: geht Lucas über Wasser, wird Herrispezial kritisieren dass er für 80 Mio Ablöse noch nicht mal schwimmen kann ;-)

        Insofern: lasst ihm seine Meinung. Dieses Dauergeplänkel, ihn vom Gegenteil zu überzeugen, führt zu nix. Er ist Hernandez gegenüber voreingenommen und daran wird sich nichts ändern bis dieser den Verein verlassen hat.

      9. @Stiftl: Ich werde meine Meinung über ihn ändern, wenn er spielt wie eine 80-Millionen-Verpflichtung, die ihr Geld wert ist. Derzeit ist er weder in der IV noch als AV gesetzt (und das zurecht).

      10. @Herrispezial:
        Ja, und da gibt es eine Menge Gründe für, die alle hinlänglich erläutert wurden.
        Aber statt sich mal aufgeschlossen zu zeigen, reitest du immer nur auf der Ablösesumme rum.

        So funktioniert Fussball aber nunmal nicht und im Gegensatz zu dir wissen Flick und Co das auch und deswegen bleibt Hernandez uns erhalten.

  3. Hmm…das Spiel unserer Jungs mit einem Vorbereitungskick zu vergleichen, finde ich übertrieben und den Spielern gegenüber ungereicht. Die Einschätzung widerspricht meines Erachtens auch der Schilderung der ersten Halbzeit, die ein recht flottes Spiel beschreibt; selbst nur die zweite Hälfte betrachtet, war schon mehr geboten, als in einem lauen Sommerpausen-Vorbereitungsspiel.
    Schön fand ich vor allem das Bemühen, wieder mehr den Ball laufen zu lassen und zu kombinieren, aber auch die Raumaufteilung und Laufwege passten trotz der für Flicks Verhältnisse großen Rotation.
    Martinez ist für mich immer noch ein verlässlicher Turm in der Defensive und hat – für mich überraschend – prima Verlagerungspässe geschlagen. Da ist noch mal bei ihm eine Entwicklung zu sehen, denn bislang bevorzugte Javi doch eher den kurzen, sicheren Pass.
    Von den Jungen hat mir “Sarri” Singh am besten gefallen! Sehr gutes Positionsspiel und Übersicht, und seine Pässe teils mit Zauberfuss gespielt machen Lust darauf, mehr von ihm zu sehen zu bekommen. Auch ist er sich – im Gegensatz zu Cuisance – nicht zu schade, dem Gegenspieler hinterher zu setzen, wenn der Ball verloren geht. Vielversprechend!

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    1. In der 2. Halbzeit wohlgemerkt. Die erste war gut und lobe ich im 1. Punkt, die 2. kritisiere ich im 2. Punkt, im 3. Punkt war mir dann nochmal wichtig die Dinge zu relativieren. Kritik darf nicht einfach zum Selbstzweck verkommen, die äußeren Gegebenheiten spielen auch mit und das war hier nunmal die komfortable Führung und Freiburgs Siegeszwang.

      1. Alles klar, das war für mich ein bisschen missverständlich!

  4. habe mir nur gedacht, wann wenn nicht heute bekommt Kimmich mal ne Pause? Aber scheinbar braucht er keine , konnte das SPiel nicht sehen, die letzten SPiele wirkte er für mich überspielt, wie wars heute? Flick sieht ihn wohl als unersetzbar an, wenn Thiago fehlt

  5. Auf jeden Fall besser als erwartet. Das war so ein Spiel bei dem man schon mal mit einem eher müden Kick rechnen musste.
    Aber trotz der entschiedenen Meisterschaft, dem wenig inspirierenden Ambiente, der Rotation in der 1.HZ ein topseriöser Auftritt. Schön, dass man sich so die leidige Diskussion um Wettbewerbsverzerrung o.ä erspart hat.
    Die 2.HZ dann, fast schon wie gehabt runtergespielt, ohne allerdings den dann öfters aufgetretenen Kontrollverlust. Viel hat man Freiburg dann auch nicht zugelassen.
    Cuisance hat man angemerkt, dass ihm die Rolle als halber AS nicht so gelegen hat. War dann aber halbwegs o.k. So spielt er sich nicht in die Mannschaft, aber auch nicht hinaus.
    Singh hat einige Male seinen feine Technik gezeigt, aber auch so gut wie keinen Zweikampf gewonnen. Allerdings ist diese Position jetzt auch nicht gerade seine Paraderolle.
    Jetzt sollte in Wolfsburg der Rotation zweiter Teil folgen. Gerade die Allesspieler Kimmich und Pavard würde ich auch mal draußen lassen.

    Antwortsymbol2 AntwortenKommentarantworten schließen
    1. Ordriozola soll laut Flick starten. Das spricht für eine Pause für Pavard. Kann mir vorstellen, dass Davies – Hernandez – Alaba – Odriozola starten.

      1. Ob es bei Odriozola eine Vertragsklausel über Einsätze und Spielminuten gibt? Es wäre sonst gestern auch ein guter Zeitpunkt für ihm gewesen. Trotzdem freue ich mich, dass Flick es mit den jungen Spielern nicht direkt übertrieben hat. Die können nämlich nur im Zusammenspiel mit den erfahrenen Profis glänzen. Singh zuerst gut, Cuissance macht mir richtig Spaß.

  6. Mir gefällt vor allem die Entwicklung von Goretzka. Wirkte er auf mich immer ein wenig Fehl am Platz und nicht richtig integriert und auch mal übermotiviert um seine Aufstellung zu rechtfertigen, scheint Flick samt Trainerteam ihn auf den richtig Weg gebracht zu haben. Ob es am taktischen Training oder Muskelzuwachs liegt kann ich nicht sagen aber er wirkt deutlich selbstsicherer und er ist im Spiel viel besser eingebunden.

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    1. Er hat jedenfalls deutlich mehr Ballaktionen – und es könnte noch immer mehr gehen. Zuletzt ca. 70 – 85. Beispielsweise in Mainz in 65 Minuten nur 34.

  7. Was für mich auch spannend zu sehen sein wird in der kommenden Saison ist, ob es Flick weiterhin schafft, die Spieler hinter seiner Topelf bei Laune zu halten. Dieses Jahr klappte es zumindest nach Außen ganz gut. Wenn man sich ansieht, wie viele Spieler mit der Spielzeit aus persönlicher Sicht sicherlich nicht zufrieden sein können, dann vernimmt man erstaunlich wenige Störgeräusche. Sicherlich nicht glücklich mit dieser Saison waren von den namhaften Spielern: Odriozola, Hernandez, Martinez, Thiago (bis auf die Phase vom Beginn der Rückrunde bis zum Lockdown), Tolisso und Coutinho. Da wäre im Normalfall bei solchen Kalibern schon Konfliktpotential vorhanden. Es kann natürlich auch sein, dass von diesen genannten Spielern (wenn es extrem läuft), kommende Saison keiner mehr da ist, was ich allerdings nicht hoffe. Das würde dann eher dafür sprechen, dass die Spieler auch deswegen still gehalten haben, weil sie alles dem Erfolg untergeordnet haben und persönlich schon andere Pläne haben. 2013 war es ja ähnlich. Da hat man von Luiz Gustavo und Mario Gomez während der Saison auch kein Murren gehört, aber trotzdem wollten sie nach der Saison weg.
    Auf jeden Fall hat Flick (im Gegensatz zu Kovac) recht schnell kapiert, welche Spieler man unbedingt auf seiner Seite haben muss, damit man den Kader einigermaßen ruhig managen kann.
    Bislang hat Flick einen Superjob gemacht, aber leichter wirds für ihn sicher nicht. Er braucht und will mehr Spieler, die er dann allerdings auch einbauen muss. Wenn das klappt, dann wäre das sozusagen ein Ritterschlag für ihn. Dieses Jahr war mMn sein größter Verdienst, dass er dem psychisch angeknacksten Kader wieder Selbstvertrauen einimpfte und zu einem Fußball zurückkehrte, der dem Selbstverständnis des Vereins und der Spieler entspricht. Das eine hängt natürlich mit dem anderen eng zusammen.

    Antwortsymbol4 AntwortenKommentarantworten schließen
    1. Flick hat meines Erachtens auch davon profitiert, dass Coutinho unter Kovac nicht gezeigt hat, dass er eine Verstärkung ist. So konnte er problemlos wieder Müller aufstellen und hier einen Konflikt vermeiden. Ansonsten waren Hernandez, Martinez und Tolisso ja immer wieder verletzt – ebenso wie Thiago. Solang sich die Mannschaft so oft wie bei uns quasi von selbst aufstellt, bekommst Du als Trainer natürlich auch wenig Probleme mit der Kadermoderation.
      Aus meiner Sicht war das also weniger “still halten” – durch die dauernden Verletzungen saß ja keiner wochenlang auf der Bank ohne zu seinem Einsatz zu kommen (mit Ausnahme von Odriozola, aber der war ja ohnehin nur als Notnagel ausgeliehen worden). Wenn der Kader in der Breite verstärkt wird, dann wird das kommende Saison sicherlich spannender für Flick.

      Im Übrigen hielte ich es für problematisch wenn Flick das Team nach dem Motto “wen muss ich auf meiner Seite haben” aufstellt. Wenn Müller nicht in Form ist wie zu Beginn der Saison, dann muss auch er mit der Bank vorlieb nehmen.

    2. “Dieses Jahr war mMn sein größter Verdienst, dass er dem psychisch angeknacksten Kader wieder Selbstvertrauen einimpfte und zu einem Fußball zurückkehrte, der dem Selbstverständnis des Vereins und der Spieler entspricht.”
      Volle Zustimmung. Bedenklich stimmt mich dabei, welche Macht die Spieler haben. Lässt der Trainer nicht den Fußball spielen, den wir wollen, dann verweigern wir halt den Dienst. Um taktische Veränderungen durchzubringen, musst du die Spieler hinter dir haben, sonst bist du weg.
      Musste schon Erich Ribbeck feststellen, als er Anfang der 90er auf Viererkette ala Milan umstellen wollte, die Spieler aber lieber mit Libero und Manndeckern spielen wollten.

      1. Und dann lass mal irgendwann die Spieler mit viel Macht in der Kabine, leistungsmäßig so abfallen, dass ein Startelfeinsatz nicht mehr gerechtfertigt ist.
        Das wird eine Herkulesaufgabe.

      2. Man könnte natürlich einmal darüber nachdenken, was ein Flick unter Anderem jahrelang mitbegleitet hat – einen Kader aus 23 bis 25 Spielern, von denen dann am Schluß meistens auch immer die Gleichen gespielt haben. Und die musste der Trainerstab auch immer bei Laune halten! Und auch vor einem Turnier noch ein paar aussortieren. Vielleicht hat er ja da doch das ein oder andere mitgenommen.

        Und wenn es um die Macht der Spieler geht, dann muss man eben auch einmal überlegen um was es denn wirklich geht.
        Das Paradebeispiel ist doch ein Heynckes, der es in seinen späteren Jahren immer geschafft hat, jedem Spieler zu vermitteln, wie wichtig er ist. Der hat auch einen Robben wochenlang auf der Bank schmoren lassen und der hat das akzeptiert. Und genau das haben Spieler, wenn es um Heynckes ging, immer wieder betont, dass sie bei ihm die entsprechende Wertschätzung erfahren haben. Und daran änderten auch diverse Spiele auf der Bank nichts.
        Wenn Spieler – wie bei Ancelotti – das Gefühl haben, dass zu wenig im Training getan wird, dann finden sie das nicht lustig, weil sie auch genau wissen, wer z.B. bei Punktverlusten wegen fehlender Fitneß als erstes schuld ist – die Spieler!
        Und wenn die Spieler das Gefühl haben, dass im Training auf bestimmte Dinge kein Wert mehr gelegt wird, was man sich in Zeiten von Youtube auch noch ansehen kann, finden sie es auch nicht lustig hinterer genau dafür kritisiert zu werden, weil diese Dinge nicht funktionieren.
        Und wenn die Spieler – auch aufgrund ihrer Erfahrung – feststellen, dass sie ein System spielen sollen, für das ihnen die passenden Spieler fehlen, dann finden sie das auch wenig erheiternd.
        Insofern muss man das mit der Macht der Spieler auch mal von beiden Seiten sehen.
        Im Verein ist das sicher schwieriger als in einer NM.
        Aber wenn Spieler, die ihre Zugehörigkeit zur Weltklasse über Jahre bewiesen haben, plötzlich vor den Medien als leistungsunwillige Deppen bezeichnet werden, dann darf man sich nicht wundern, wenn sie dem Verband sagen – entweder oder. Topstars der Top-Vereine wie Barca, Juve, Real, und anderen haben es nämlich nicht nötig, sich abqualifizieren zu lassen, solange sie in ihren Vereinen zu den Leistungsträgern gehören.

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