Der FC Bayern ist Meister! Knapper 1:0-Sieg gegen Bremen!

Christopher Trenner 16.06.2020

Die Bundesligasaison 2019/2020 biegt nach der Corona-Pause auf die Zielgerade ein. Mit einer englischen Woche werden die Spieltage 30 bis 33 durchgezogen. Der FC Bayern gastierte in Bremen und hatte die Chance, vorzeitig Meister zu werden.

Falls ihr es verpasst habt

Die Aufstellungen

Hansi Flick wollte kein Risiko eingehen und schickte die Elf aufs Feld, die sich in den letzten Wochen das Vertrauen erarbeitete. Für Lucas Hernández bedeutete das die Bank. Perišić stand nicht zur Verfügung, weshalb Gnabry und Coman auf den Flügelpositionen starteten. Thomas Müller und Robert Lewandowski kehrten erwartungsgemäß nach abgesessener Gelbsperre zurück in die Startelf. Insgesamt waren es vier Wechsel.

Florian Kohfeldts Bremer zogen durch einen 5:1-Sieg am vergangen Wochenende mit Düsseldorf gleich. Es besteht nach wie vor große Hoffnung, dass die Bremer den Abstieg in die 2. Liga verhindern können. Bittencourt und der Ex-Bayer Friedl rückten in die Startelf. Taktisch versuchte es Bremen mit einem 5-4-1-System gegen den Ball.

1. Halbzeit

Die Bayern begannen mit viel Tempo und setzten die Bremer früh unter Druck. Es sollte kein Zweifel am Titelgewinn bestehen. Allerdings fehlte oft die Präzision. Viele gute Ausgangspositionen wurden vergeben, weil zu hektisch der Weg in die Spitze gesucht wurde. Nach 15 Minuten kam Bremen so besser ins Spiel und wagte sich punktuell nach vorne. Dank Bittencourt (13.) und Eggestein (18.) hatte Bremen die ersten Torchancen.

Auch mit dem einsetzenden Starkregen wurde die Partie der Bayern nicht besser. Es fehlte die bekannte Pass- und Kombinationssicherheit. Gefährlich wurde es nur in Ansätzen bei Standardsituationen, wie in der 42. Minute. Bremen bekommt eine Standardsituation nicht geklärt und Boateng chipte den zweiten Ball zurück Richtung Strafraum, dort lauerte Lewandowski, der den Ball mustergültig verarbeitete und zum 1:0 trifft. Einmal mehr macht die individuelle Klasse von Lewandowski den Unterschied.

Mit der knappen 1:0-Führung ging es in die Kabine. Das Spiel der Bayern war lange Zeit nicht gut. Es reichte aber eine Chance aus einer Standardsituation. Bremen bot bis dato wenig an und blieb im Defensivverhalten fast fehlerfrei. Die Münchner durften sich nach einer Davies-Aktion glücklich schätzen, dass das Davies-Nachtreten gegen Bittencourt nur mit einer gelben Karte von Schiedsrichter Osmars geahndet wurde.

2. Halbzeit

Das Spiel änderte sich auch mit dem Seitenwechsel wenig. Bremen war nach wie vor darauf fokussiert, möglichst wenig anzubieten. Der FC Bayern versuchte in den ersten zehn Minuten nach dem Wiederbeginn das Spiel stärker zu kontrollieren und über Lupfer hinter die Abwehr Offensivaktionen zu kreieren.

Kohfeldt reagierte in der 60. Minute und brachte Sargent und Bartels für Bittencourt und Rashica. Es war bereits der dritte Wechsel für Bremen, da Vogt zur Halbzeitpause schon von Langkamp ersetzt wurde.

Es passierte wenig und der FC Bayern cruiste Richtung Titel. 10 Minuten vor dem Ende verdribbelte sich Coman im Mittelfeld und Davies versperrt Veljković den Weg. Osmars zeigt dem Bayern-Spieler die Gelb-Rote Karte. Flick reagierte und brachte Hernández für Gnabry. Im 4-4-1 versuchten es die Münchner das Ergebnis über die Zeit zu bringen.

Kurz vor Ende der regulären Spielzeit zeichnete sich Manuel Neuer aus. Der Bayern-Keeper hielt den Sieg gegen den alten Kameraden Claudio Pizarro und Osako fest.

Es war kein schöner Sieg – egal. Der FC Bayern holt sich mit einer fulminanten Rückrunde den achten Deutschen Meistertitel in Serie.

Dinge, die auffielen

1. Schwaches Flügelspiel

Der FC Bayern schaffte es nicht Gnabry und Coman, bzw. Pavard und Davies ins Spiel zu bringen. Zu stark verdichtete Bremen im 5-4-1-System das Spielfeld. Die Flügelspieler gewannen in den ersten 45 Minuten jeweils nur ein Dribbling, was natürlich auch an der numerischen Unterzahl lag. Coman gewann gar nur 20 % seiner Zweikämpfe. Pavard und Davies konnten nicht wie gewohnt unterstützen und gegnerische Spieler binden. Das galt auch für Thomas Müller, der sich oft im Zentrum aufhielt. Dadurch war die Spielanlage der Bayern sehr statisch, die viele Aktionen auch überhastet lösen wollten.

In der zweiten Halbzeit war Coman deutlich stärker eingebunden, was das Bayernspiel zwar linkslastiger und dennoch variabler machte. Dennoch fehlten die großen Torchancen.

2. Boateng meisterlich

Jérôme Boateng glänzte bereits gegen Gladbach mit einer sehr guten Defensivleistung. Gegen Bremen war er nicht oft gefordert, war aber da, wenn er gebraucht wurde. Wie zum Beispiel bei einer Flanke von Gebre Selassie in der (72.). Boateng verteidigt wieder aktiver und ist dadurch meist besser in der Aktion. Fast wie in den alten Tagen. Zu den alten Tagen gehören auch die gefürchteten ‘Laserzuspiele’. Vor dem 1:0 ließ Boateng abermals seine alte Klasse aufblitzen. Das Zuspiel auf Lewandowski war der Dosenöffner in einer zähen Partie. Auch am Ende in der Unterzahl brannte nichts an. Boateng ist neben Müller der größte Gewinner unter Flick.

3. Das Achte Weltwunder?

Hansi Flick hatte die Aufgabe des Cheftrainers am 11. Spieltag übernommen. Die Bayern verloren mit 1:5 in Frankfurt. Nach den beiden Niederlagen gegen Leverkusen und Gladbach kurz danach, rutschte die Mannschaft auf Platz 7 in der Tabelle ab. Sieben Punkte hinter Gladbach bzw. sechs Punkte auf Leipzig. Selbst die ebenfalls schwach gestarteten Dortmunder waren vor den Bayern.

Der Umbruch der goldenen Generation schien zu scheitern. Es ist die erste Saison nach Franck Ribery und Arjen Robben, die die letzten Jahre beim Rekordmeister geprägt haben. Die den Glamour und das Extravagante auf dem Rasen zeigten. Die Flügelzange war auf Jahre der Unterschied in der Liga.

Flick änderte das System auf ein klares 4-3-3 und fand relativ schnell eine gute Balance im Mittelfeld. Er etablierte ein aggressives Angriffspressing und gab der Mannschaft eine offensive Ausrichtung. In 21 Bundesliga-Spielen holte Flick 18 Siege bei einer Tordifferenz von 68:15. Sein Team erzielt 3,2 Tore pro Spiel – auf die Saison hochgerechnet wären das 108 Tore.

Nicht weniger wichtig als der sportliche Erfolg, ist die menschliche Komponente. Flick hat es geschafft, die Überbleibsel der 10er-Jahre, namentlich Jérôme Boateng, David Alaba, Manuel Neuer und vor allem Thomas Müller wieder auf das alte Niveau zu bringen. Belohnt wurde er, und wie er es wohl selbst beschreiben würde, seine Mannschaft mit dem achten Meistertitel in Serie. Ein kleines Wunder.

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