FC Bayern München – ZSKA Moskau 3:0 (1:0)

Steffen Trenner 10.12.2014

Falls Ihr es verpasst habt:

Bayern-Coach Pep Guardiola setzte auf die allgemein erwartete kräftige Rotation. Dante, Rode, Gaudino, Højbjerg und Schweinsteiger rückten im Vergleich zum Wochenende in die Partie. Für Gaudino und Schweinsteiger war es das erste Spiel von Anfang an in dieser Champions League-Saison. Shaqiri, der ebenfalls von Beginn an erwartet wurde, war auf Grund von Leistenproblemen nicht im Kader. Alonso, Lewandowski und Robben zunächst auf der Bank. Guardiola begann mit einem 4-3-3 mit Rode als Rechtsverteidiger und Højbjerg neben Schweinsteiger und Gaudino im zentralen Mittelfeld. Die Gastgeber übernahmen sofort das Kommando und drängten die Gäste aus Moskau mit hohem Ballbesitz tief in die eigene Hälfte. Weil Natcho sich im Zweikampf mit Ribéry extrem ungeschickt anstellte, belohnte Bayern sich für die frühe Drangphase mit einem Strafstoß, den Müller sicher zur 1:0-Führung versenkte (18.). Zuvor hatten die Münchner einige kleinere Chancen liegen lassen.

Moskau verengte in der Folge sehr geschickt die Räume. Die Viererkette ließ sich nicht auseinanderziehen und stand häufig höchstens in der Breite des Strafraums oder noch enger aufgereiht. Die äußeren Mittelfeldspieler kümmerten sich bei Flügelangriffen um den jeweiligen gegnerischen Angreifer, sodass ein Auseinanderziehen der Viererkette nicht wirklich Erfolg hatte. Moskau verhinderte so die Schnittstellenpässe zwischen die Verteidigern am und um den Strafraum. Gleichzeitig konterte das Team von Trainer Leonid Slutskiy mit sehr viel Bedacht und rückte nur bei sehr vielversprechenden Kontersituationen mit Wucht nach. Neuer verhinderte mit einer guten Parade den Ausgleich durch Doumbia (23.).

Nach der Pause und der Einwechslung von Robben und Lewandowski für Ribéry und Müller war der Rekordmeister sichtbar um Kontrolle bemüht und wartete wohl vor allem darauf, dass die Gäste aus Russland die Defensivtaktik auflösten, um ihrerseits eine Chance aufs Weiterkommen zu wahren. Moskau verschob in der Tat im Verlauf der zweiten Hälfte immer stärker nach vorne und bot spätestens ab der 70. Minute extrem große Räume an. Bayern nutzte das zu allerlei guten Torchancen. Trotzdem dauerte es bis zur 84. Minute bis der inzwischen ins Mittelfeld gerückte Sebastian Rode sein Team erlöste. Kurz vor Schluss erhöhte Mario Götze sogar noch auf 3:0 (90.).

Insgesamt war es der erhoffte erfolgreiche und verletzungsfreie Abschluss einer starken Champions League-Vorrunde.

3 Punkte, die auffielen:

1. Interessante Staffelungen ohne Alonso

Es war ein extrem interessanter Test ohne den Dauerbrenner und sehr dominanten zentralen Mittelfeldspieler Xabi Alonso. Zuerst einmal fiel auf wie unterschiedlich Bastian Schweinsteiger den zentralen Mittelfeldspieler im Vergleich zu Alonso interpretiert. Schweinsteiger kippte nur sehr selten ab und überließ die erste Phase des Aufbauspiels mit zunehmender Spieldauer fast vollständig Dante, Boateng und Højbjerg. Trotzdem agierte er sehr dominant, hatte viele Ballkontakte (151), agierte als Ballschlepper und nachstoßender Mittelfeldspieler. Schweinsteiger war wahrscheinlich allein in der ersten Hälfte häufiger im gegnerischen Strafraum, als Alonso in der gesamten bisherigen Saison. An insgesamt vier guten Torchancen war der Co-Kapitän beteiligt. Rodes Treffer bereitete er direkt vor.

Gaudino agierte als klarer 8er, der häufig neben Ribéry in den zentralen Halbräumen für Unruhe sorgen sollte. Højbjerg agierte im Vergleich dazu sehr zurückhaltend und gab den Stabilisator mit tieferen Ballbewegungen und absichernder Funktion im Gegenpressing. Auch Boateng hatte die klare Aufgabe das neu formierte 3er-Mittelfeld zu unterstützen und rückte anders als Dante früh aus der Kette heraus. Bei Ballbesitz Bayern entstand im Mittelfeld häufig eine vertikale 1-1-1-Staffelung, statt der mit Alonso häufig zu beobachtenden 1-2-Formierung.

Während dem Trio in der Offensive logische Abstimmungsprobleme nur selten anzumerken waren, klappte Defensiv die Abstimmung nicht immer. Gerade Schweinsteiger ging in der Rückwärtsbewegung nicht jeden Weg mit und offenbarte so ein paar Lücken im Konter. Auch Gaudino ließ sich 1-2 Mal zu häufig überlaufen. Ein gelungener Test war es dennoch.

Die große Frage ist, wie es nach der Winterpause im zentralen Mittelfeld weiter geht. Potenziell wäre Schweinsteiger mit seinen offensiven Qualitäten eine sehr gute Ergänzung zum eher aufbauenden Alonso und einem dritten spielstarken Mann (Lahm/Alaba). Guardiola sollte die verbleibende Zeit bis zur Rückkehr der beiden Letztgenannten auf jeden Fall nutzen, um die Kombination Schweinsteiger-Alonso einem echten Härtetest zu unterziehen. Die Leistung von Schweinsteiger gegen Moskau unterstreicht definitiv seine Ansprüche ab jetzt zur Startelf zu gehören.

2.Was Gaudino noch fehlt

Es gibt ein paar Dinge, die Gianluca Gaudino noch fehlen, um in naher Zukunft eine ernsthafte Alternative im Bayern-Kader zu sein. Gaudino hat ausgezeichnete Instinkte, eine überragende Technik und eine insgesamt sehr reife Spielanlage, die er auch gegen Moskau in einigen Szenen als Nadelspieler oder mit 2-3 guten Ballgewinnen im Gegenpressing unter Beweis stellte. Es sind diese Anlagen, die ihn zu einem sehr vielversprechenden Talent machen, der Bayern noch viel Freude bereiten könnte. Trotzdem offenbarte das Spiel gegen Moskau wie schon seine Einsätze zu Saisonbeginn einige Defizite an denen er arbeiten muss.

Auffällig ist vor allem die fehlende Robustheit. Wenn er einen verloren gegangenen Ball nicht durch gutes Timing im Gegenpressing früh gewinnt, fällt es ihm sehr schwer einen gegnerischen Angriff zu unterbinden. Auch offensiv verlor er ein paar freie Bälle im 8er-Raum weil er sich schlicht überpowern ließ. Gaudino ist 1.75m groß. Er muss kein Kraftprotz wie Shaqiri oder Ribéry werden, aber er muss eindeutig Stabilität und Kraft im Rumpfbereich drauflegen, um seine fußballerischen Stärken voll zur Geltung bringen zu können. Mario Götze hat von seinem kräftigen Körper schon mit 18 oder 19 extrem profitiert, weil er sich gegen viele Defensivspieler behaupten konnte. Selbst ein Andrés Iniesta, der vielen als spielerische Blaupause für Gaudino dient, hat sich im Laufe seiner Karriere zu einem drahtigen und auch im direkten Zweikampf respektierten Spieler entwickelt.

Auffällig ist auch, dass Gaudino sich noch zu häufig Auszeiten nimmt. Nicht mal 50 Ballkontakte in 72 Minuten sind für einen zentralen Mittelfeldspieler in Bayerns ballbesitzintensivem Spiel etwas zu wenig. Auch an der Handlungsschnelligkeit muss Gaudino noch arbeiten. Højbjerg war hier im selben Alter schon etwas weiter. Trotzdem ist es gut, dass Guardiola Gaudino Möglichkeiten eröffnet sich mit Spielpraxis auf hohem Niveau weiterzuentwickeln. Eine echte Alternative bei den Profis wird er aber auf Grund der beschriebenen Defizite in dieser Saison wohl noch nicht werden. Das muss so realistisch eingeschätzt werden. Der FC Bayern ist bei Gaudino ähnlich wie Højbjerg gefordert einen Plan zu entwickeln, wie er trotz der großen Konkurrenz im Kader spielerisch wachsen kann.

3. Rode belohnt sich für starken Spätherbst

Es war der dritte richtig gute Auftritt in den letzten drei Wochen von Sebastian Rode. Nach seinem Tor gegen Hoffenheim, einer Klasse-Leistung in der zweiten Hälfte gegen Leverkusen, zeigte der Neuzugang dieses Mal von Anfang was in ihm steckt. Zum zweiten Mal nach dem Sieg gegen Paderborn bot ihn Guardiola von Beginn an als Rechtsverteidiger auf. Rode ist in den vergangenen Tagen – zu recht – viel für seine Giftigkeit gelobt worden. Er bringt damit ein einzigartiges Element ins Bayern-Spiel, das im Moment im Kader so nicht unbedingt zu finden ist. Rode gewann auch gegen Moskau über 50 Prozent seiner Zweikämpfe, unterstützte Dante und Boateng vorbildlich bei den Gegenstößen der Gäste und setzte ein paar gute Nadelstiche nach vorne. Mit 91 Prozent Passquote zeigte er sich dabei auch deutlich sicherer als in einigen Auftritten zu Beginn der Saison als er dich sichtbar noch ans Tempo in München gewöhnen musste.

Mit seinem Treffer zum spielentscheidenden 2:0 belohnte sich Rode, der nach der Auswechslung von Gaudino ins Mittelfeld rückte, nun selbst für seinen starken Spätherbst, der ihn endgültig zu einer sehr ernsthaften Alternative im Bayern-Kader wachsen lassen hat. Vor allem die Position des Rechtsverteidigers in der von Guardiola zuletzt favorisierten Viererkette bietet dabei eine spannende Perspektive für Rode, weil die Konkurrenz mit Rafinha hier nicht so groß ist wie auf anderen Positionen. Wir haben hier im Blog oft darauf hingewiesen, dass seine Fähigkeiten sehr gut zum Anforderungsprofil eines Außenverteidigers bei Guardiola passen. Es wird spannend zu beobachten sein, ob der Bayern-Coach auch in wichtigeren Spielen Rode eine Chance geben wird. Rafinha scheint aber weiter einen Vertrauensvorschuss zu haben.

Unabhängig von seinen spielerischen Leistungen hinterlässt der 24-Jährige übrigens auch als Persönlichkeit einen exzellenten Eindruck. Er scheint die Chance in München mit aller Kraft nutzen zu wollen, spricht auf dem Platz, statt in der Zeitung. Rode könnte so absolut zu einer positiven Transferüberraschung werden.

FC Bayern München – ZSKA Moskau 3:0 (1:0)
FC Bayern München Neuer – Rode, Boateng, Dante, Bernat – Hojbjerg, Gaudino (72. Weiser), Schweinsteiger – Müller (46. Robben), Götze, Ribéry (46. Lewandowski)
Bank Zingerle, Alonso, Rafinha, Kurt,
ZSKA Moskau Akinfeev – Fernandes, Berezutskiy, Ignashevic, Nababkin – Wernbloom – Natcho (65. Tosic), Dzagoev – Musa, Eremenko (82. Milanov) – Doumbia (90. Efremov)
Bank  Cepchougov, Chernov, Cauna, Vitinho
Tore  1:0 (18. Müller), 2:0 (84. Rode), 3:0 (90.) Götze
Karten Gelb: Dante / Ignashevic, Natscho, Dzagoev
Schiedsrichter Benquerenca (Portugal)
Zuschauer 68.000 (ausverkauft)

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