Manuel Neuer

Being Manuel Neuer

Steffen Trenner 01.03.2015

Es gibt als Schlussmann des FC Bayern wenig Möglichkeiten Rhythmus aufzunehmen. Sich mit ein oder zwei frühen Paraden die notwendige Sicherheit zu holen. Am Samstag gegen Köln war das zwischenzeitliche 1:2 von Ujah in der Nachspielzeit der ersten Hälfte der erste Ball in Richtung Bayerntor. Neuers Gegenüber Timo Horn hatte zu diesem Zeitpunkt schon vier Schüsse abgewehrt und zwei Tore kassiert. Als das Spiel nach der Pause auf der Kippe stand, schlug Neuers Stunde. Glänzend kratzte der Nationalkeeper eine Direktabnahme von Ujah von der Linie (58.). Nur eine Minute später war er auch gegen Risse zur Stelle und verhinderte erneut den 2:2-Ausgleich. Zwei Momente in 90 Minuten, die gleichzeitig entscheidend für den Spielverlauf waren. Guardiola wusste nach dem Spiel am Freitagabend, bei wem er sich bedanken musste.

Nur zwei Paraden pro Partie

Neuer spielt eine sehr solide Saison, aber Momente in der er sich auszeichnen kann, sind rar gesät. Das 0:0 gegen Mönchengladbach in der Hinrunde kommt einem in den Sinn, bei dem er mit mehreren Klasseparaden in der zweiten Hälfte den Punkt festhielt. Ansonsten? Wenig.

Neuer wehrt im Schnitt zwei Torschüsse pro Spiel ab. Kein Torwart in der Bundesliga muss seltener eingreifen. Bürki (4,5 Paraden), Fährmann (4,2), Trapp (4,1) und Sommer (4) sind laut Whoscored die Spitzenreiter. Alle 42 Minuten hält Neuer in der Bundesliga einen Ball. Spitzenreiter Bürki zum Vergleich alle 20 Minuten. Nur alle 109 Minuten fängt Neuer eine Flanke ab. Mit knapp 33 Pässen pro Partie belegt er immerhin Rang 7 unter den Bundesliga-Torhütern. Hinzu kommen einige Szenen, in denen er als Ausputzer weit vor dem eigenen Tor durchgebrochene Spieler stoppt oder Pässe erläuft und abfängt. Dass Neuer deutlich mehr ins Kombinationsspiel eingebunden ist als zum Beispiel Oliver Kahn, wird ihm dabei entgegenkommen, auch mental im Spiel zu bleiben.

Neuer hatte in seiner Anfangszeit durchaus in der ein oder anderen Szene mit Konzentrationsproblemen zu kämpfen. Immer mal wieder warf oder spielte er sich während eines Spiels einen Ball mit den Ersatzspielern oder Balljungen zu, damit er warm bleibt und das Gefühl für den Ball nicht verliert. Ein paar Patzer gab es trotzdem – meist jedoch ohne größere Folgen, weil viele Spiele bereits früh entschieden waren. Seit der Winterpause der Saison 2012/2013 gab es kaum nennenswerte Fehler. Neuer hat sich an den veränderten Spannungsbogen gewöhnt. Es ist ein Spagat. Im Alltag wird es bei sporadischen Momenten bleiben, in denen er in kritischen Situationen gefordert ist. So wie am Freitagabend gegen Köln. Aber er wird auch wissen, dass gerade am Ende einer Saison die Spiele kommen könnten, bei denen es dann sehr entscheidend auf ihn ankommt. So wie im Champions-League-Finale 2013. Oder im Pokalendspiel gegen Stuttgart wenige Tage später – die er beide entscheidend prägte. Vielfach wurde beschrieben, wie sehr Manuel Neuer mit seiner Spielweise das Torwartspiel mindestens modernisiert wenn nicht gar revolutioniert hat. Doch letztlich ist es nicht zuletzt der beschriebene Spagat, der den Torhüter Manuel Neuer heuer auszeichnet.

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