Pflichtsieg eingefahren, Viertelfinale gebucht

Maurice Trenner 17.03.2021

Die große Spannung war bereits spätestens zum Abpfiff des Hinspiels raus aus der Begegnung, denn der deutsche Rekordmeister hatte Lazio im Römer Olympiastadion mit 4:1 geradezu dominiert. Die Leistung an jenem Februarabend war eine der stärksten Saisonleistungen der Münchner, die schon zur Halbzeit mit 3:0 in Führung lagen. Ein höherer Sieg wurde lediglich dadurch verhindert, dass die Münchner den Fuß vom Gaspedal nahmen. Jamal Musiala erzielte das zwischenzeitliche 2:0 und wurde damit zum jüngsten Europapokal-Torschützen der Vereinshistorie.

Falls ihr es verpasst habt

Die Aufstellungen

Mit dem Vorsprung im Gepäck hätte Flick die große Rotationsmaschine anwerfen können – oder sogar müssen. Doch der baldige Fast-beinahe-Nationaltrainer stellte nur minimal um. Die prominenteste Änderung fand sicherlich im Tor statt, wo Alexander Nübel seinen dritten Einsatz im Münchner Team bekam. Manuel Neuer stand nicht im Kader. Ein kleines Goodie für Nübel, der sich zwischen den Stühlen im Zwist von Trainer Flick mit Sportvorstand Salihamidzic befindet. 

In der Verteidigung durfte mit Pavard und Lucas die französische WM-Sieger-Flügelzange beginnen während Boateng und Alaba den Mittelblock stellten. Für Alaba war es das 89. Champions-League-Spiel für den FC Bayern wodurch er mit Bastian Schweinsteiger gleichzieht. Davor brachte Flick die volle Kapelle samt Lewandowski, Sané und Müller. Letzterer durfte an diesem Abend die Kapitänsbinde tragen.

Die Gäste aus Italien traten ohne ihren Goalscorer Ciro Immobile im 3-5-2-System an. Zentraler Spieler im Team von Simeone Inzaghi ist der 26-jährige Serbe Milinkovic-Savic. Der Lazio-Trainer ist jedoch Realist und wünschte seiner Mannschaft in der Pressekonferenz noch eher viel Spaß als ernsthaft an ein Wunder zu glauben. 

Die erste Halbzeit

Im Gegensatz zum Hinspiel begann Lazio deutlich engagierter, doch auch die Hausherren wollten mehr als nur den Vorsprung verwalten. Es ergab sich eine vor allem pressingintensive erste Viertelstunde ohne die ganz großen Torchancen. Highlight war sicherlich der schöne Schlenzer von Leroy Sané in bester Arjen-Robben-Manier (12.), der allerdings das Tor verfehlte.

Auch in der Folge blieb Lazio aktiv und presste die Münchner früh im Spielaufbau. Das Videostudium hatte sich gelohnt, doch Kapital konnten die Italiener daraus nicht schlagen. Während die Bayern die Partie kontrollierten, waren Chancen Mangelware.

Nach exakt einer halben Stunde gab es dann plötzlich Strafstoß für die Münchner. Nach einer Ecke von Kimmich klammerte Acerbi gegen Goretzka und rang den deutschen Nationalspieler zu Boden. Den fälligen Elfmeter versenkte Lewandowski gegen seinen Ex-Teamkollegen Reina (33.). Für den Polen war es der fünfte Treffer in der laufenden Europapokal-Saison. Seine zehnte Spielzeit in Folge mit mindestens dieser Torausbeute in Europas höchster Liga.

Mit der knappen aber durchaus verdienten 1:0-Führung ging es dann in die Pause. Lazio war ambitioniert gestartet, doch die Münchner wankten zu keinem Zeitpunkt.

Die zweite Halbzeit

Zur Pause brachte Flick positionsgetreu Süle für Boateng. Direkt nach dem Wiederanpfiff hatte Lewandowski eine große Chance, traf allerdings nur den eigenen Mitspieler (46.). Nach diesem ersten Schocker plätscherte die Partie vor sich hin, da die Münchner bei voller Kontrolle nicht mehr als nötig taten.

Nach einer Stunde nahm Flick den gelb vorbelasteten Goretzka vom Feld und brachte Davies. Als direkte Folge rückte Alaba ins Mittelfeld und Lucas durfte in die Innenverteidigung. Davies brachte sichtbar Belebung in die Partie. Nach einem ersten Dribbling fand er wiederholt keinen Abnehmer, dann scheiterte Lewandowski nach seinem Pass per Fernschuss am Pfosten (66.).

Zur 70. Minute kamen mit Choupo-Moting und Musiala für Lewandowski und Müller nochmal zwei Neue. David Alaba streifte sich die Kapitänsbinde über. Der eingewechselte Kameruner erzielte dann auch direkt mit seiner ersten Aktion das 2:0. Plötzlich machten die Münchner über Alaba im Zentrum schnell und Choupo blieb vor Reina souverän (73.).

Mit dem letzten Wechsel kam auch Javi zu einem weiteren Einsatz. Der Spanier entlastete Dauerläufer Kimmich und bekam erneut den Vorzug vor seinem Landsmann Roca. Der Publikumsliebling sah noch den Anschlusstreffer durch Lazio. Nach einem Freistoß aus dem Halbfeld traf Parolo per Kopf (82.). Auch Nübel sollte also nicht ohne Gegentreffer bleiben.

Eine kleine Schlussoffensive der Lazio versandete allerdings schlussendlich und es blieb beim 2:1-Heimsieg für die Roten.

Die Auslosung für das Viertel- und Halbfinale findet am Freitag statt. Für diese Runden gibt es keine Beschränkungen der Duelle nach Nationalitäten oder Gegnern aus der Gruppenphase. Das Hinspiel in der Runde der besten Acht findet am 6./7. April statt. 

Dinge, die auffielen

1. Fight of the Century: Flick vs Salihamidzic 

Die Aussagen von Hansi Flick gegenüber einem deutschen Pay-TV-Sender waren Wasser auf die Mühlen der lokalen Sportpresse. Ein kleiner Riss zwischen den beiden Verantwortlichen hatte sich schon länger angedeutet und wurde zuletzt auch vom Coach in der Pressekonferenz adressiert. Damals stellte Flick klar, dass sich die beiden nicht immer einig sind, aber eine professionelle Zusammenarbeit selbstverständlich weiterhin möglich.

Vermutlich angestachelt durch die Personalie Nübel, den Salihamidzic mit einem Karriereplan von einem Wechsel an die Isar überzeugen konnte, der wohl auch fixe Einsatzzeiten vorsah, warf der sonst so ruhige Bammentaler seinen Kollegen aus dem Vorstand noch nicht unter aber vor den Bus. Was aufgrund der Einsatzzeiten schon offensichtlich war, fasste Flick in Worte. Es klang durch, dass die Last-Minute-Transfers von Salihamidzic die notwendige Qualität missen lassen und seine Wunschlösungen, hier erwähnte er Dest und Hudson-Odoi, wechselten am Ende nicht nach München. Wie zur Bestätigung brachte Flick im Schaulaufen gegen Rom weder Sarr noch Roca.

Die Storyline wird den Verein sicher durch die nächsten Wochen verfolgen. Interessant ist allemal, dass sich Flick genötigt sah mit solch klaren Worten an die Öffentlichkeit zu treten. Seine Beliebtheit hat dieser Hausfriedensbruch jedenfalls sicherlich nicht gesteigert.

2. Souverän is the Champions League normal

Simone Inzaghi hatte seiner Mannschaft einen klaren Matchplan mitgegeben. Mit drei hohen Spielern wollte er die Münchner tief in der eigenen Hälfte beim Spielaufbau stören und vielleicht den unerfahrenen Nübel oder einen der wackeligen Verteidiger zu einem Fehler zwingen. Dann ein frühes Tor und vielleicht ist dann etwas möglich…

Doch es sollte ganz anders kommen. Die Münchner agierten extrem souverän und umspielten ein ums andere Mal das Pressing der Gäste. Wie immer war dabei Kimmich oft der Schlüssel, der durch geschickte Seitenverlagerungen das Anlaufen der Römer ins Leere laufen ließ. Auch Nübel präsentiere sich als sichere Anspielstation, um im Aufbau zu entlasten.

SIcherlich zahlte sich dabei aus, dass Flick eben nicht rotiert hatte sondern seiner Stammelf vertraute. Jeglicher Anflug von Nervosität konnte sich dadurch erst gar nicht ins Spiel der Münchner einschleichen. Der Rekordmeister brannte kein Feuerwerk ab wie noch einen Monat zuvor, doch agierte wie eine Mannschaft, die eine so eine Situation auf solch einer Bühne schon oft erlebt hat. 

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