Borussia Dortmund – FC Bayern 4:2 (1:0)

Steffen Trenner 27.07.2013

Natürlich sollte dieses Spiel allein jedoch nicht überbewertet werden. Dafür befinden wir uns immer noch in der Vorbereitung und dafür entstanden 2 der 4 Gegentore zu absurd. Dennoch war es bemerkenswert wie leicht es Borussia Dortmund in diesem Spiel gelang, den Großteil der Vorzüge von Guardiolas neuem System komplett zu neutralisieren. Das zeigt, wie viel Arbeit auf die Münchener wartet. Unlösbar sind die Probleme jedoch nicht. 

3 Dinge, die auffielen: 

1. Wieder Probleme mit dem Dortmunder Pressing

Ich habe es hier auch vor und nach dem Champions League Finale in London geschrieben. Ich halte das Dortmunder Pressingsystem für das beste der Welt. Pep Guardiola wurde am Samstag-Abend zum ersten Mal mit der gesamten Wucht dieses Systems konfrontiert.

Dortmunds Ausrichtung war klar. Die Borussen liefen die Innenverteidiger ab 20 Meter vor dem Tor aggressiv an und stellten gleichzeitig die Passwege auf Thaigo und die beiden Achter Müller und Kroos geschickt zu. Gleichzeitig schob die Viererkette extrem vor und verengte so den bespielbaren vertikalen Raum auf häufig weniger als 30 Meter. Ganz deutlich war dabei zu sehen, dass die Dortmunder das Hauptaugenmerk auf das Mittelfeldzentrum richteten, während Robben und Shaqiri auf den Außen nur halbherzig gedoppelt wurden. Dies ist ein ganz klarer Unterschied zu den Vorsaisons und mit Sicherheit eine Reaktion auf das neue 4-1-2-3 der Münchener. Guardiolas Ziel, das Mittelfeldzentrum durch einen zusätzlichen Spieler zu dominieren verpuffte, weil die Dortmunder die geforderten Dreiecksbildungen im Zentrum verhinderten. Müller und Kroos fanden auf den Halbpositionen kaum statt.

Es macht durchaus etwas nachdenklich wie leicht es Dortmund so gelang schnelle Kombinationen im Zentrum, die Bayerns berauschendes Spiel in den bisherigen Vorbereitungsspielen prägten, weitgehend zu unterbinden.

Nicht überbewerten würde ich zum jetzigen Zeitpunkt, die enormen Lücken die der FC Bayern in der Schlussviertelstunde im defensiven Umschaltspiel offenbarte. Die Guardiola-Elf hatte die Schwarz-Gelben zuvor defensiv recht gut im Griff. Die ersten beiden Gegentore waren Slapstick, das 3:1 war eine Einzelleistung von Gündogan. Dass Dortmund sich am Ende 3, 4 Konterchancen erspielte, würde ich jetzt noch nicht allein auf die Systemumstellung auf nur einen Sechser schieben. Bayern war am Ende müde und versuchte das Spiel noch zu drehen. Dass es dann Lücken gibt, ist fas zwangsläufig. Trotzdem wird dies weiter zu beobachten sein.

2. Bayern nutzt Dortmunds Schwächen auf den Flügeln nicht konsequent

Dortmund offenbarte durch die zuvor beschriebene zentrale Ausrichtung gerade auf den Flügeln enorme defensive Lücken. Immer wenn ein Außenverteidiger mit einem Außenstürmer und einem der beiden Achter den Flügel überlud oder ein Halbstürmer in die Nahtstelle zwischen dem Dortmunder Außen- und Innenverteidiger startete. wurde es löchrig bei den Schwarz-Gelben. Beide Robben Tore wurden von Lahm über Außen vorbereitet – dazu hatte Mandzukic nach schönen Flanken zwei weitere gute Möglichkeiten. Bayern erkannte diese Optionen viel zu spät und nutzte sie längst nicht konsequent genug. Zu knacken ist Dortmund hier allemal.

Etwas tölpelhaft verpassten es die Münchener einen weiteren potenziellen Schwachpunkt der Klopp-Elf zu offenbaren. Viel häufiger hätten es die Roten mit einem Pass in den Rücken der Abwehr oder durch die Nahtstelle versuchen sollen. Durch die extrem hohe Position der Viererkette ergaben sich immer wieder Möglichkeiten. Weil Bayern aber 7 Mal ins Abseits lief, sprang dabei aber zu wenig heraus.

3. Mandzukic sucht seine Rolle

Mario Mandzukic war mit Sicherheit einer der Erfolgsgaranten der Triple-Saison 2012/2013. Auch gegen Dortmund wurde jedoch deutlich wie sehr er im Moment nach seiner Rolle in der neuen Ausrichtung der Münchener sucht. Seine Bereitschaft sich defensiv aufzuopfern tat Bayern auch in diesem Spiel gut, dennoch wirkte der Kroate im Offensivspiel phasenweise wie ein Fremdkörper. Mandzukic war immer darauf bedacht selbst scharfe Anspiele mit nur einem Kontakt abzulegen oder weiter zu leiten. Mit Sicherheit eine Anweisung Guardiolas. Meist ging dies schief. Vorzuwerfen ist ihm dies nicht.

Mandzukic ist trotz seiner fußballerischen Vorzüge keiner, der auf engstem Raum im Sturmzentrum ins Hochgeschwindigkeits-Kurzpassspiel einbezogen werden kann. Er ist ein Arbeiter, einer, der Bälle abschirmen kann und nicht zuletzt ein exzellenter Kopfballspieler im Zentrum. Guardiola wird seine Ausrichtung ein Stück weit anpassen müssen wenn er dauerhaft auf den Stürmer setzen sollte. Ein Mandzukic, der so spielen soll wie Götze, hilft dieser Mannschaft nicht unbedingt weiter.

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