Italienisches Feuer und US-Athletik

Maurice Trenner 05.08.2020

Von Robert Heusel

Die Verantwortlichen kündigten eine intensive Analyse an und präsentierten Mitte Juli nach einer langen Zeit des Schweigens den neuen Dirigenten an der Seitenlinie: Andrea Trinchieri. Der Italiener, der mit Brose Bamberg zwischen 2014 und 2018 begeisternden Basketball spielen ließ und den Bayern immer wieder empfindliche Niederlagen zufügte, kommt von Partizan Belgrad nach München. Den serbischen Traditionsverein hatte er an die Spitze der Adria-Liga und des EuroCups geführt, ehe die Saison wegen der Corona-Pandemie abgebrochen wurde. Um den Wechsel zu ermöglichen, machte Trinchieri von einer Klausel in seinem Vertrag Gebrauch, die es ihm erlaubte, sich einem EuroLeague-Club anzuschließen. Dies sind die Bayern, da sie auch in der kommenden Saison noch über eine Wildcard für die Königsklasse verfügen. 

Mit der Bekanntgabe des neuen Cheftrainers begann sich auch das Spielerkarussell zu drehen. Maodo Lo, Danilo Barthel, Star-Center Greg Monroe und Mathias Lessort verabschiedeten sich teils erwartbar, teils überraschend aus München. Vor allem die Abgänge von Lo zum Erzrivalen Alba Berlin und von Barthel zu Fenerbahçe schmerzen. Besonders Kapitän Barthel hätte man liebend gerne gehalten, denn auf dem deutschen Markt gibt es keinen annähernd gleichwertigen Ersatz. Die kolportierten 1,7 Millionen Euro, die Barthel in Istanbul in zwei Jahren verdienen soll, konnte man allerdings nicht mitgehen.

So bedienten sich Kaderplaner Daniele Baiesi, der im Übrigen in Bamberg sehr erfolgreich mit Trinchieri arbeitete, und Geschäftsführer Marko Pešić besonders auf dem internationalen Transfermarkt. Der Fokus lag dabei offenbar auf der Athletik. Mit Malcolm Thomas, JaJuan Johnson und Jalen Reynolds angelte man sich drei Modellathleten und stellte sich so auf den Positionen unter dem Korb nahezu komplett neu auf. Die Schwachstelle „Rebound“ aus der Vorsaison sollte in jedem Fall behoben sein. Wade Baldwin aus Piräus und Nick Weiler-Babb zeichnen sich ebenfalls durch starke Athletik aus und sollen auf den Guard-Positionen frischen Wind wehen lassen.

Spannend ist die Kaderzusammenstellung allemal. Aktuell stehen bei den Bayern nämlich zehn Ausländer unter Vertrag. In der EuroLeague ist das kein Problem, in der Bundesliga dürfen aber nur sechs nicht-deutsche Akteure pro Spieltag zum Einsatz kommen. Als deutsche Leistungsträger bleiben lediglich Nihad Đedović und Paul Zipser, die von Alex King und Leon Radošević ergänzt werden. Wie wird Trinchieri dies handeln? Was passiert, wenn sich Zipser oder Đedović verletzen? Wie kommt das neu zusammengestellte Team mit der impulsiven Art Trinchieris klar? Ist die Spielmacherposition auf EuroLeague-Level ausreichend besetzt?

Die bisherige Sommerpause verbreitet leichte Aufbruchstimmung in München, lässt aber auch viele Fragen offen. Die neue Saison soll in der EuroLeague wie geplant bereits im Oktober starten. Ob dies realistisch ist, wird man sehen. In der BBL soll Mitte November der Spielbetrieb aufgenommen werden, wobei geplant ist, dass der Pokal in geändertem Modus an einzelnen Standorten vor Saisonbeginn ausgetragen wird.

Fest steht in jedem Fall, dass die Spielzeit 2020/21 – in welchen Modi sie auch immer gespielt werden kann –  aus Bayern-Sicht die spannendste seit Jahren werden wird. Ein ähnliches Abschneiden wie 2019/20 will und darf man sich nicht mehr leisten.

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King Coman Hands of God
  1. Guter Artikel – bringt das Wesentliche auf den Punkt. Ergänzen würde ich noch, dass der Kader aktuell “übervoll” ist und dass in schwierigen Corona-Zeiten einige Spieler noch rechtzeitig den Verein verlassen müssen.

    Der Star ist der Trainer. Weitere Stars wurde nicht verpflichtet.

  2. Sehr schöner Überblick, danke! Ich denke dass die PG Position stärker mit einem klassischen Spielmacher besetzt werden sollte und halte die wenigen deutschen für ein großes Problem.

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