Kommentar: Arrogant, unklug und respektlos

Justin Trenner 19.10.2018

Mit einem freundlichen Lächeln und einem “Viel Spaß” verabschiedete sich Niko Kovač von der versammelten Presse nach der üblichen Spieltags-PK – der Spaßfaktor bei der Versammlung eine halbe Stunde später hielt sich jedoch in Grenzen.

Rummenigge, Uli Hoeneß und Hasan Salihamidžić hatten die wichtigsten Medienvertreter in das Pressestüberl an der Säbener Straße eingeladen zu einer Veranstaltung, von der vorab niemand wusste, worum es gehen sollte. Es wurde eine Generalabrechnung, eine in Teilen groteske Eigendarstellung und eine Veranstaltung, die dem Verein eher schaden dürfte.

“Es ist ein wichtiger Tag für den FC Bayern, weil wir Ihnen mitteilen möchten, dass wir uns das nicht mehr gefallen lassen”, eröffnete Rummenigge vor den Pressevertretern und setzte den Ton für die nachfolgenden Aussagen der Beteiligten. In denen war die Rede von hämischer und herabwürdigender Berichterstattung über Spieler des FC Bayern, über Manuel Neuer, Arjen Robben, Franck Ribéry und einige andere. Polemik kenne keine Grenzen mehr, sagte Rummenigge, der auch verkündete, dass zwei Unterlassungserklärungen gegen den Springer Verlag laufen würden.

Inhaltlich lag der Vorstandsvorsitzende gar nicht mal falsch: tatsächlich hatte in den letzten Wochen eine Entwicklung stattgefunden, die in Teilen sehr unsachlich war und die sich der FC Bayern nicht gefallen lassen muss. Nach zuletzt vier sieglosen Spielen entstand in der Außendarstellung vielerorts ein Bild eines in sich zusammenfallenden Klubs in der Krise, ein Bild das vor allem die Boulevardmedien in großen Lettern und angereichert mit allerlei Gerüchten zeichneten.

Insofern ist es nachvollziehbar, dass der Klub ein Problem damit hat – auch wenn man am Rande erwähnen sollte, dass viele Interna offensichtlich auch aus dem Verein kamen. Doch wegen dieser Thematik eine Pressekonferenz einzuberufen, Medienvertreter namentlich an den Pranger zu stellen und Gegenargumente kaum zuzulassen, zeugt von einem FC Bayern, der sich im Jahr 2018 von der Normalität sehr weit entfernt hat.

Von oben herab versuchten die Bosse, den Journalisten zu erklären, wie sie ihren Beruf auszuüben haben und was sie zu berichten haben. Auch wenn Rummenigge zwischendurch einwarf, nicht alle über einen Kamm scheren zu wollen, tat er am Ende genau das. Die obligatorische Drohung mit Abschottung und der hauseigenen Berichterstattung durfte dabei nicht fehlen.

Es war ein wirrer Auftritt der Bosse, bei dem die eigentliche und verständliche Forderung nach mehr Respekt auch deshalb unterging, weil sie selbst den Anstand vermissen ließen, vor allem Präsident Uli Hoeneß.

Hoeneß wetterte in lautem Ton, er schlug auf den Tisch und er verteidigte sich, indem er sagte, dass manche seiner populistischen und unsachlichen Aussagen der vergangenen Wochen im Affekt passiert seien. Er sagte, dass es ein Fehler gewesen sei, Karim Bellarabis Foul von vor ein paar Wochen “geisteskrank” zu nennen und korrigierte sich: Konfrontiert mit seinen Aussagen, dass Özil in den letzten Jahren einen Scheißdreck zusammengespielt habe, würde er nun den Begriff “Mist” vorziehen.

Beachtlich ist das vor allem deshalb, weil er kurz vor ebenjener Verteidigung sagte: “Der Juan Bernat hat in Sevilla einen Scheißdreck gespielt. Der hat uns fast die Champions League gekostet”. Man habe sich damals noch in der Halbzeit entschieden, ihn zu verkaufen. Eine abstruse Anekdote, die man kaum respektloser hätte erzählen können.

Sich selbst zu hinterfragen, Kritik von außen zuzulassen und zu Fehlern zu stehen – das alles zählt dieser Tage nicht zu den Stärken des FCB. Eine Pressekonferenz nur aus dem Grund einzuberufen, einigen Journalisten eine Predigt darüber zu halten, wie falsch sie ihren Job machen und sich gleichzeitig als Institution aufzuspielen, die sich selbst über dem Rest sieht, zeugt von Arroganz.

Arroganz, die den Planeten FC Bayern sukzessive von der Erde entfernt, obwohl gar kein Anlass dazu bestünde. Arroganz, die dem Verein nachhaltig schaden wird und die an der Art und Weise der Berichterstattung im Boulevard wohl kaum etwas ändern wird. Arroganz, die dem Trainer und den Spielern wohl kaum helfen wird.

Auch wenn eine Kritik an der überzogenen Boulevard-Berichterstattung der vergangenen Wochen und Monate durchaus berechtigt war, haben es die Vereinsoberen nicht geschafft, ihre Botschaft anzubringen – sondern für viel Entrüstung gesorgt und eine Situation eskalieren lassen, die man auch geschickt hätte entschärfen können.

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