FC Bayern München – Borussia Dortmund 4:1 (2:1)

Justin Trenner 08.04.2017

Während Ancelotti nur auf Manuel Neuer und Thomas Müller verzichten musste, fielen bei den Dortmunder gleich mehrere Stammspieler aus. Dennoch konnte Thomas Tuchel eine schlagkräftige Mannschaft aufstellen.

Falls Ihr es verpasst habt:

Die Bayern überraschten nicht.

FC Bayern gegen Borussia DortmundBayern gegen Dortmund – Grundformationen

Bis auf Ulreich im Tor bot der Trainer die bestmögliche Elf auf, wenngleich diese Bewertung gerade in der Innenverteidigung schwer fällt. Vor Alaba, Martínez, Boateng und Lahm agierten Vidal sowie Alonso auf der Doppelsechs. Ribéry, Thiago, Robben und Lewandowski komplettierten das 4-2-3-1 des Italieners.

Thomas Tuchel musste da schon etwas kreativer werden. Bürki hütete das Tor hinter einer Dreier- beziehungsweise Fünferkette, die aus Schmelzer, Bartra, Sokratis, Ginter und Passlack bestand. Im Mittelfeld mussten Weigl und Kagawa passen, weshalb Castro und Guerreiro begannen. Dembélé und Pulisic besetzten die Flügel und Aubameyang nahm das Duell mit Lewandowski an.

Die Begegnung startete mit Ballbesitz für die Borussia, die auch die erste kleine Chance vorweisen konnte. Dembélé bekam viel Platz auf dem rechten Flügel, ließ Boateng stehen und verzog dann um einige Meter (2.).

Doch dem frühen Druck setzten die Münchner mit ihrem ersten guten Angriff ein Ende. Nach gutem Laufweg von Robben fand Thiago den freigelaufenen Lahm. Der Kapitän brachte den Ball schließlich in den Rückraum zu Ribéry, der die frühe Führung erzielte (4.).

Dennoch blieben die Dortmunder druckvoll. Sie waren von Anfang an um Ballbesitz und offensiven Fußball bemüht und spielten wenig abwartend. Bayern verteidigte aber zunächst stabil und konzentriert.

Genauso konzentriert waren die Münchner vor dem Tor. In der 9. Minute war es Lewandowski, der einen Freistoß nur deshalb zum 2:0 versenkte, weil Dembélé sich in der Mauer wegduckte. Ein Traumstart für den Rekordmeister, obwohl der BVB gut begann.

Bayern zeigte sich vor allem im Gegenpressing und in der Verteidigung hellwach und erspielte sich so immer wieder die nötigen Räume für die Offensivspieler.

Es folgte eine Phase, in der die Bayern auch die Kontrolle mit dem Ball übernahmen. Speziell über Lahm, Thiago und Robben lief jetzt jeder Angriff. Letzterer hatte zwei gute Möglichkeiten, verzog aber knapp (12. und 17.).

Bis zur 20. Minute dauerte es, bis der BVB wieder vor das Tor der Münchner kam. Da allerdings mit dem Anschlusstreffer. Eine Hereingabe wurde von Vidal schlecht ins Zentrum geklärt, wo Guerreiro sehenswert abschloss. Nur noch 2:1.

Wenig später holte sich Lewandowski seine fünfte gelbe Karte in dieser Saison ab, womit er gegen Leverkusen in einer Woche fehlen wird (24.). Das Spiel des Rekordmeisters war nun wieder zerfahrener und die Begegnung offener.

Höhepunkte blieben jedoch erstmal aus. Eine Ecke, die durch den Strafraum der Dortmunder segelte, war noch die gefährlichste Möglichkeit zwischen der 25. und der 35. Minute.

Die Schlussphase der ersten Halbzeit war das genaue Gegenteil vom Beginn der Partie. Unkonzentriertheiten auf beiden Seiten, viele Fouls, kaum Höhepunkte. So ging es mit dem 2:1 in die Kabinen, wo Thomas Tuchel Rode für Castro einwechselte.

Heraus kamen beide Mannschaften ähnlich wie zu Beginn des ersten Durchgangs. Die Dortmunder bemüht, aber Bayern mit einer unglaublich präsenten rechten Seite um Robben und Lahm.

Aus einem Konter resultierte so auch das 3:1. Robben setzte sich in typischer Art und Weise von außen nach innen durch und setzte den Ball flach ins lange Eck (49.).

Es schien, als wäre die Partie nun entschieden gewesen. Bayern fand sich nach der eher schwächeren Phase in Halbzeit 1 wieder und dominierte den Gegner mit Gegenpressing und cleveren Passstafetten. Tuchel brachte zwar Mor für Dembélé, doch auch das half wenig (59.).

Die Münchner mussten nicht mehr viel tun und versuchten sich regelmäßig ihre Chancen zu erspielten. Immer wieder war Robben der Mittelpunkt. So auch in der 64. Minute, als ein Distanzversuch nur knapp das Tor verfehlte.

Trotz aller Dominanz kam der BVB jedoch beinahe zurück. Aubameyang tauchte frei vor Ulreich auf, aber Boateng klärte auf der Linie. Der direkte Gegenstoß führte dann allerdings zur Entscheidung.

Lewandowski lief allein auf Bürki zu, wurde dann allerdings gefoult. Elfmeter, gelb für den Torwart und das 4:1 durch den Gefoulten (68.). Beim Foul schien der Pole sich jedoch an der Schulter verletzt zu haben, weshalb Ancelotti sofort reagierte und Kimmich brachte (71.). Reine Vorsichtsmaßnahme.

Auch der BVB-Trainer wechselte zuvor ein letztes Mal. Für Guerreiro kam Merino (69.). Die Wechselspiele führte Bayerns Trainer fort, indem er Ribéry gegen Costa tauschte (74.). Dementsprechend beruhigte sich auch die Partie für einen Moment, der nicht lange anhalten sollte.

Kimmich verpasste das 5:1 aus spitzem Winkel knapp (76.). Es war eine Vorführung des FC Bayern und die mit Abstand konsequenteste und beste Saisonleistung gegen einen BVB, der zumindest bis zum vierten Gegentor keine schlechte Leistung bot.

Javi Martínez, der sich mit seiner Leistung erneut für die Startelf am Mittwoch empfehlen konnte, bekam unter großem Applaus ebenfalls ein paar Minuten Erholung. Für ihn kam Mats Hummels (79.).

Vidal (84.) und Pulisic (87.) hatten die nächsten Chancen auf ein Tor. Beim Abschluss des Dortmunders durfte sich auch Ulreich nochmal mit einer guten Parade beweisen.

3 Dinge, die auffielen:

1. Bayerns Arbeit gegen den Ball

In der Anfangsphase machten die Münchner aus wenigen Chancen zwei Tore. An der Effizienz gibt es derzeit wenig zu kritisieren und so ist zu erwarten, dass der Rekordmeister auch gegen Real Madrid das ein oder andere Tor schießen könnte.

Umso spannender ist es aber, die Arbeit ohne Ball zu bewerten. Gegen einen offensiv ausgerichteten BVB offenbarten sich hier einige Schwächen, aber auch viele Stärken.

Positiv zu bewerten sind das direkte Gegenpressing bei Ballverlusten und die Eins-gegen-Eins-Verteidigung der Viererkette. Die Bayern haben es selbst in komplizierten Phasen verstanden, wenige Großchancen zuzulassen. Dembélés Dribblings und Aubameyangs Läufe wurden weitgehend gut verteidigt.

Gerade Javi Martínez sticht in dieser Saison heraus, aber auch Lahm und Boateng machten ihren Job gut. Kleinere Schwächen gab es hingegen bei Alaba zu beobachten, der sich von Dembélé immer wieder düpieren ließ. Mit Bale wartet am Mittwoch ein anderes Kaliber auf den Österreicher.

Grundsätzlich lässt sich jedoch festhalten, dass die Münchner in diesem Bereich eine Entwicklung vollzogen haben. Die zu Beginn der Saison schwache Konterabsicherung und Unsicherheit in den Zwischenräumen ist fast komplett abgestellt. Gegen Offensivreihen wie die des BVB lässt sich nicht alles verteidigen, aber viele Großchancen boten sich den Gästen nicht.

Woran bis zum Mittwoch noch zu arbeiten ist, ist aber das Angriffspressing. Dieses funktionierte zwar nach Ballverlusten gut, doch in längeren Ballbesitzphasen gelang es den Dortmundern immer wieder sich freizuspielen. Nutzen konnten sie dies zwar zu selten, aber bei Real Madrid kann man sich sicher sein, dass kleine Fehler sofort bestraft werden.

Beide Mannschaften werden am Mittwochabend großartige Offensivspieler aufstellen. Umso entscheidender wird die Defensive sein. Schaffen es die Bayern, ihre Arbeit gegen den Ball zu optimieren, wird Real es äußerst schwer haben, ein Tor in der Allianz Arena zu erzielen. Trotz Bale. Trotz Benzema. Trotz Ronaldo.

2. Robben und Lahm rechtzeitig in guter Form, Alaba noch nicht

Ein weiterer Faktor für das Champions-League-Viertelfinale wird die rechte Seite des Rekordmeisters sein. Marcelo, Linksverteidiger bei Real Madrid, ist einer der Schlüsselspieler und entwickelt während eines Spiels eine Dynamik in der Offensive, die es zu verteidigen gilt.

Umso wichtiger sind Robben und Lahm, die den Brasilianer so lange wie möglich in der eigenen Hälfte binden müssen. Gegen Borussia Dortmund begannen beide überragend. In der starken Anfangsphase lief fast jeder Angriff über die rechte Seite. Lahm hinterlief Robben, Robben zog nach innen und brachte seinem Kapitän so wichtige Räume ein oder es war mal andersherum.

Der BVB bekam die beiden überhaupt nicht unter Kontrolle und schob auch noch Thiago auf die halbrechte Seite, gab es so unfassbar starke Szenen wie beim 1:0-Führungstreffer. Robben hatte am Ende 12 Abschlüsse, brachte 24 von 28 Pässen im letzten Drittel an einen Mitspieler und bereitete 2 Torschüsse vor. Ganz abgesehen von seinem Tor. Der Niederländer machte mit der Dortmunder Abwehr, was er will. Belegt wird das durch 8 erfolgreiche Dribblings.

Lahm leitete viele Angriffe ein, überzeugte wiedermal durch seine Spielintelligenz und kontrollierte die linke Seite der Borussia nach Belieben. Eine Torschussvorlage, 64 erfolgreiche Pässe (von 71), 5 Balleroberungen und 3 der berühmten Lahm-Grätschen komplettierten eine Leistung des Kapitäns, die für die wichtigen Spiele gegen Real hoffen lässt.

Etwas schwächer war das Zusammenspiel hingegen auf der anderen Seite. Ribéry drehte zwar gehörig auf und war an vielen Angriffen beteiligt, aber gerade Alaba hatte Probleme, seinen Vordermann perfekt zu unterstützen. Vielleicht auch, weil Ribérys Rolle nun eine andere ist. Das Einrücken bekommt dem Franzosen gut, lässt Alaba aber etwas isoliert zurück. So agierten die Bayern doch sehr rechtslastig. Schlussendlich aber dennoch erfolgreich und es wird spannend zu sehen, wie dieser Fokus in der Champions League funktioniert.

3. Noch mehr Konzentration mit dem Ball

Bei aller Effizienz, die den FC Bayern gegen Dortmund auszeichnete, muss man aber auch sehen, dass sich dem BVB einige Kontersituationen boten. Meist aus einfachen Ballverlusten, weil Vidal, Ribéry oder Robben zu leichtfertig oder zu ballverliebt waren.

Am Positionsspiel lag es in den wenigsten Fällen, denn das war, wenn man nur die Ancelotti-Zeit als Vergleich nimmt, vollkommen okay. Oft war es die Entscheidungsfindung, die zu lange dauerte, oder das Ignorieren eines besser stehenden Mitspielers.

Vor drei Jahren waren solche Leichtfertigkeiten und Fehler mitverantwortlich für die insgesamt hohe Niederlage gegen Madrid. Das gilt es am Mittwoch abzustellen. Die Zentrale wird eine große Rolle spielen und man kann davon ausgehen, dass die Königlichen solche Situationen konsequent bespielen und ausnutzen werden.

Auch die Absicherung der Flügelspieler sollte besser gewährleistet werden als am Samstagabend gegen Borussia Dortmund. Fast jeder Ballverlust Ribérys resultierte in gefährlichen Gegenstößen.

Alles in allem haben die Bayern aber eine sehr gute Leistung abgerufen, die Hoffnung macht, dass die nötigen 5% gegen Real Madrid hinzukommen. Sie kontrollierten ein Top-Team aus der Bundesliga, das trotz guter Leistung hoffnungslos unterlegen war. Der Unterschied zwischen dem FCB und den Dortmundern war größer denn je.

Das lag zwar auch an der Verletzungssituation der Gäste, doch das ändert nichts an der insgesamt herausragenden Leistung der Münchner. Selbst in Situationen, in denen sie in dieser Saison oft den Faden verloren hatten, blieben sie konzentriert und fokussiert. In den richtigen Momenten bremsten die Bayern ihren Gegner aus und tankten so das nötige Selbstvertrauen für das Highlight am Mittwoch.

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FC Bayern – Borussia Dortmund 4:1 (2:1)
FC Bayern Ulreich – Lahm, Martinez (79. Hummels), Boateng, Alaba – Alonso, Vidal – Robben, Thiago, Ribery (74. Costa) – Lewandowski (72. Kimmich)
Bank Starke – Bernat, Rafinha, Coman
Borussia Dortmund Bürki – Passlack, Ginter, Sokratis, Bartra, Schmelzer – Dembele (59. Mor), Castro (46. Rode), Guerreiro (69. Merino), Pulisic – Aubameyang
Bank Weidenfeller – Bender, Piszczek, Sahin
Tore 1:0 Ribery (4.), 2:0 Lewandowski (10.), 2:1 Guerreiro (20.), 3:1 Robben (49.), 4:1 Lewandowski (68., Foulelfmeter)
Karten Gelb: Lewandowski, Vidal / Passlack, Bartra, Bürki
Schiedsrichter Marco Fritz (Korb)
Zuschauer 75.000 (ausverkauft)

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