Alaba

Alaba fehlt wochenlang

Der FC Bayern muss aller Voraussicht nach wochenlang auf David Alaba verzichten. Der Österreicher zog sich im Testspiel seiner Nationalelf eine Knieverletzung zu, die von Teamarzt Eggenhofer in einer ersten Einschätzung mit 6-8 Wochen Pause klassifiziert wurde. Alaba weilte heute morgen in München, um sich bei Müller-Wohlfahrt eine genaue Einschätzung der Verletzung einzuholen. Die Befürchtungen haben sich dort bestätigt. Ein Innenbandriss im Knie könnten bis zu acht Wochen Pause und damit das Saisonende bedeuten. Der FC Bayern sprach in einer ersten Reaktion von einer siebenwöchigen Pause.


Am Tag nach Alabas Diagnose war Steffen zu Gast bei meinsportradio.de.

Die Szene in der sich Alaba verletzte ist wie so häufig bei Knieverletzungen eine im Prinzip völlig ungefährliche Situation. Alaba versucht den Ball durch Abschirmen im Spielfeld zu halten, als der Hoffenheimer Bicakcic ihm seitlich auf das ausgestreckte Bein fällt. Yikes.

Was Alabas Verletzung für den FCB bedeutet

Für die Münchner ist diese Nachricht ein echter Nackenschlag. Mit Arjen Robben und David Alaba werden Guardiola so wohl die beiden am schwersten zu ersetzenden Feldspieler in Bundesliga-Spielen gegen Dortmund und Leverkusen, im Champions League-Viertelfinale gegen Porto und im Pokalviertelfinale gegen Leverkusen fehlen. Selbst bei einem Weiterkommen in beiden Wettbewerben ist eine Teilnahme in den möglichen Halbfinals Ende April und Anfang Mai ausgeschlossen. Bei Robben gibt es hier immerhin noch leise Hoffnungen.

Positiv ist, dass es mit Bernat zumindest auf Alabas früherer Stammposition als linker Verteidiger einen hochwertigen Ersatz gibt. Zwar durchlief der junge Spanier zuletzt ein kleines Formtief, doch insgesamt ist er eine solide Lösung. Bernat ist sehr laufstark und dynamisch, muss aber in Sachen Torgefahr und Torvorbereitung noch deutlich zulegen. Er erzwingt viele Szenen im und am Strafraum (im Schnitt ein Torschuss pro Spiel im Sechzehner), lässt aber häufig noch die notwendige Ruhe und Präzision im letzten Drittel vermissen. Defensiv ist er bisher noch nicht auf allerhöchstem Niveau gefordert worden. Eine endgültige Einschätzung fällt deshalb schwer. Bernat kann sowohl den klassischen Linksverteidiger geben als auch etwas vorgerückt im linken Mittelfeld agieren.

Viel größer wiegt der Ausfall des strategischen Elements Alabas. Guardiola nutze die enorme Vielseitigkeit des 22-Jährigen, um ihn auf unterschiedlichsten Positionen zum Einsatz zu bringen. Mindestens sechs Positionen bekleidete Alaba im Verlauf dieser Saison. Sechser, zentraler Mittelfeldspieler, linker Mittelfeldspieler, Linksverteidiger, Achter und nicht zuletzt seine herausragende Interpretation des linken Halbverteidigers in der Dreierkette. Wenn Guardiola gerade in der Hinrunde während eines Spiels die Formation wechselte und den Gegner so vor ständig neue Aufgaben stellte, stand Alaba meist im Mittelpunkt der Rochaden. Beim 7:1 gegen Rom gelang das nahe an der Perfektion. “Der Alleskönner” titelten wir danach ein Portrait über Alaba. Wäre Fußball Schach, verlöre Guardiola mit Alaba seinen linken Turm und linken Läufer zugleich. Das wird auch der Coach erst einmal sacken lassen müssen.

Rückkehr zur Dreierkette?

Fraglos ist es positiv, dass mit Lahm und Thiago weitere Alternativen zurück in die Startelf drängen. Die Situation zeigt einmal mehr, dass ein Kader bei den Belastungen des heutigen Profifußballs gar nicht breit genug sein kann. Zwei Lösungen bieten sich auf den ersten Blick an. Vor allem so lange Ribéry und Thiago noch nicht spielfit sind, spricht viel für ein 3-4-2-1 wie hier im rechten Bild zu sehen. Bernat und Rafinha würden in dieser Ausrichtung die beiden Flügelpositionen alleine beackern und könnten die Dreierkette auch schnell zu einer Fünferkette ergänzen. In der Hinrunde war eine ähnliche Ausrichtung zum Beispiel gegen Dortmund erfolgreich. Wenn Ribéry und/oder Thiago zurückkehren ist auch das zuletzt häufig praktizierte 4-3-3 eine Lösung – wie links im Bild. Denkbar wäre hier zusätzlich, dass Lahm zurück auf die Rechtsverteidiger-Position rückt und einen hineinkippenden Außenverteidiger gibt, der je nach Situation seine Positionierung sucht. Im zentralen Mittelfeld wäre dann ein zusätzlicher Platz frei für Thiago. Guardiola könnte sich durch den Ausfall von Alaba auch darin bestärkt sehen, es erneut mit Alonso und Schweinsteiger von Beginn an zu probieren, um dem Spiel von Beginn an mehr Sicherheit zu geben. Die Probleme dieser Konstellation haben wir hier und hier bereits ausführlich erläutert.

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Als Alaba in der Hinrunde wegen einer Knieverletzung zwischen dem 11. Spieltag und der Winterpause ausfiel, war Guardiola schon einmal zur Improvisation gezwungen. Weil damals auch Lahm wochenlang fehlte, setzte er dabei meist auf Alonso als alleinigen Sechser und eine spielstarke Variante mit allen fünf Offensivkönnern davor. Ribéry und Robben fanden sich hier häufiger auf den Achter Positionen wieder. Die Münchner gewannen in dieser Phase zwar bis auf das Champions League-Spiel gegen City jede Partie, boten aber mit 1:0-Erfolgen über Hertha und Leverkusen, einem 2:0 gegen Freiburg und einem 2:1 gegen Mainz auch sehr viel Ergebnisfußball. Durch die Rückkehr von Lahm und die Verletzung von Robben muss Guardiola nun abermals etwas Neues ausprobieren. Nur er kann entscheiden, wie schnell Thiago und Lahm wieder in die Startelf zu integrieren sind. Der Handlungsdruck hat sich durch die Alaba-Verletzung sicher noch einmal deutlich erhöht. Ob gerade Thiago nach einem Jahr ohne Pflichtspiel direkt in die K.o.-Spiele gegen Leverkusen und Porto hineingeworfen wird, bleibt fraglich. Einen klaren, auf der Hand liegenden Plan B gibt es also nicht. Ein Qualitätsverlust ist da. Möglichkeiten hat Guardiola trotz allem genug.

Fehlen werden den Bayern übrigens auch Alabas Qualitäten bei Standardsituationen. Drei Mal traf der 22-Jährige allein in dieser Rückrunde mit einem direkten Freistoß. Gerade gegen defensiv ausgerichtete Gegner könnten erzwungene Freistöße in Strafraumnähe ein wichtiges Mittel sein. Alonso, Schweinsteiger und vielleicht sogar Badstuber heißen hier die ersten Alternativen.

Klar ist: Alabas Verletzung hat eine ohnehin schon komplizierte Saisonphase noch komplizierter gemacht. Klar ist: Auch ohne Robben und Alaba muss der FC Bayern in der Lage sein den Vorsprung in der Bundesliga für die dritte Meisterschaft in Folge zu nutzen und den FC Porto in der Champions League zu schlagen. Hinter allen weiteren Zielen und Aufgaben steht nach der erneuten Verletzung von Alaba im Moment ein dickes Fragezeichen.

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Leserkommentare
  1. Bayernexpat

    Mir is im ersten Augenblick auch eher nach Schwarzmalerei.

  2. Ibiza

    eieiei, ja, wenn schon so ne miese Nachricht zu verarbeiten ist, dann muss natürlcih auch noch Meister “Effenberg” seinen üblichen depresiven Müll abladen – war mir schon klar was da wieder für ein Rumgeheule zu lesen sein wird als den Namen als Kommentarschreiber sah..

    klar, haben wir ein Riesendefizit im Mittelfeld, neben den 3 von Dir genannten (und ja, das ist halt Pech wenn 3 von 4 Ausfällen/Rekonvaleszenten gerade auf derselben Position zu beklagen sind und der 4. Ausfall den wertvollsten Feldspieler überhaupt betrifft) gibts da ja nur noch Schweini, Lahm, Alonso und Rode (letztere beide waren übrigens noch nicht da letztes Jahr, also kein bisschen so dass auf der Posi nichts gemacht worden wäre, aber ein Alabaersatz wäre Kroos auch kein bisschen, dafür haben wir dieses Jahr übrigens auch mit Bernat einen deutlich passender Spieler neuverpflichtet), also satte 7 Spieler im Kader für die 2 (bei ner 3er Kette spielt oft sogar nur ein einziger) defensiveren Zentralmittelfeldpositionen. Das ist natürlcih völlig unterbesetzt….

  3. Marco05

    Das Ganze wird natürlich auch durch den Ausfall von Robben und aktuell noch Ribery richtig bitter.
    Allerdings werden wir auch ohne ihn eine gute erste 11 stellen könnnen. Zumal er mMn abgesehen von seien Freistößen eher nicht in Topform war.

    Mit Schweinsteiger, Alonso, Lahm und Rode stehen genug defensive MFler zur Verfügung, demnächst kommt noch Martinez. Gaudino hat auch immer gut gespielt wenn er drin war.

    Offensiv haben wir mit bald Thiago, Götze, Müller auch Optionen. Schön wäre halt wenigstens noch Ribery.

    Allerdings frage ich mich schon, wieveil Spiele in 7 Wochen ab jetzt noch stattfinden. Außer den beiden Finals kann ich mir da kaum noch welche vorstellen…

    1. DS

      Natürlich gibt es Spieler die ihn nominell ersetzen können. Eine der größten Stärken der Bayern in dieser Saison war allerdings eine hohe Dynamik mit Alaba als Schlüsselspieler. Dieser Punkt fällt nun weg. Es müssen neue Ansätze gefunden und Abläufe einstudiert werden. Auch wenn man mit Thiago und Lahm nun wieder zwei weitere Schlüsselspieler zur Verfügung hat, wird es seine Zeit dauern bis diese mit dem restlichen Team harmonieren und diese Zeit ist nicht wirklich vorhanden.

  4. Jo

    Der letzte Absatz im Beitrag fasst das alles schön zusammen. Genau so isses.

    Noch dazu: Weswegen haben wir 2013 unsere legendäre Triple-Saison gehabt?

    Weil genau solche Dinge nicht passiert sind. Das entscheidende letzte halbe Jahr konnte (mit Ausnahme der Kroos-Verletzung) die annähernd identische Mannschaft durchziehen. Die Spieler waren fit, im Rhythmus, hatten alle eine gute Vorbereitung. Durch die früh sichere Meisterschaft und die dadurch mögliche Rotation konnte bei den wichtigen Spielen relativ erholt angetreten werden.
    Um die Worte des großen Fußballphilosophen mal umzuformulieren: Für die großen Dinge wie Triple, oder CL brauchst du nicht nur Glück. Du darfst auch kein Pech haben.

    Schade, aber vielleicht kann (oder sollte) man auch nicht erwarten, dass einem das Glück immer günstig ist.

    1. Oliver

      Ja, plus der Tatsache das man mit Juve, dann Barca mit einem verletzten Messi und im Finale mit dem BVB wirklich machbare Gegner hatte was man auch immer berücksichtigen sollte.

      Traurig ist das es einfach zu wenig Spiele der großen Mannschaften gegeneinander mit Top Besetzung gibt. Barca und Bayern z.B. treffen kaum aufeinander und das ist sehr schade. Die ganze Welt will doch wissen wie es wäre wenn Barca mit Messi, Neymar, Suarez und auf der anderen Seite Bayern mit Ribery, Robben, Schwerinsteiger und Thiago aufeinander treffen würden.

  5. blub

    Ach Leute, heult nich so viel rum. Den Ausfall von strategisch wichtigen Schlüsselspielern muss man verkraften können.
    Das ist Pech, aber um ehrlich zu sein: dessen ausbleiben ist der unwahrscheinlichere Fall. Real hat ohne Rodriguez und Modric auch lange verhältnismäßigen rumpelfußball gepielt und fragt mal in Dortmund nach was sowas wirklich bedeutet.
    Ja, Bayern hat grade mit Robben und Alaba die beiden fokussierten Spieler verloren aber es gibt noch weiteres Potetial das man nutzen kann, man darf es nur nicht auf die gleiche weise tun wie bisher.
    Dazu mudd der trainer den richtigen Ansatz finden und ehrlichgesagt: mit Guardiola ist der shot auf ein gutes Ende ziehmlich gut.

  6. Johannes

    Der Gips ist noch nicht mal dran dann kommen die schon mit ihren 7 Wochen was soll das bringen?!
    Alaba sollte sich lieber richtig auskurieren, der hatte doch erst im November einen Innenbandriss, dass ist nicht mal ein halbes Jahr her.Die sollen mal aufwachen bevor wir den nächsten Dauerpatienten haben, scheiss aufs Saisonfinale.Wir sollten mal aus der Sache mit Thiago lernen der hat sich fast genau vor einem Jahr am 29.3 das Innenband gerissen, da hat die Wunderheilung auch nix gebracht.

  7. Done

    Ich hoffe doch sehr, dass man sich jetzt nicht gezwungen sieht, Thiago zu früh zu belasten.

    1. kurt

      Langsam glaube ich du bist echt nur zum Trollen hier. Das es hier um den FC Bayern geht ist dir aber bewusst? Deine Aufstellung nimmt es immer noch locker mit jeder Mannschaft dieser Welt auf. Dortmund in diesjähriger Form sowieso.

      Die offensiven Alternativen heißen Lahm, Kurt, Weiser und Pizarro. Letzterer hat übrigens mit einem wunderschönen Pass das 2:0 im DFB-Pokalfinale gegen Dortmund vorbereitet. (Nur falls du das Spiel nicht gesehen hast.)

      Und unser Spieler heißt Bernat. Bernard ist der kleine Brasilianer, der im WM-Halbfinale (wie so viele andere) so gar nix gerissen hat und nur dadurch in Erinnerung blieb, als er am Berg Neuer zerschellte. (Minute 23)

      Und neue Leute kaufen? Mit Gaudino und Kimmich stehen schon die zwei nächsten Mittelfeldspieler bereit. Höjbjerg kommt auch wieder. Ein Mangel an Spielern sieht anders aus. Man stelle sich mal vor Kroos wäre noch da, zusätzlich eben noch ein, zwei Kracher wie Verratti und dann gäbe es doch mal keine Verletzten. Wäre interessant gewesen zu sehen, wer von den Spielern die für das “Hierarchien in Frage stellen” geholt worden wären, als erstes angefangen hätte zu murren.

      Also einfach mal chillen, klar ist die Verletzung beschissen, gerade weil Alaba super in Form war und so flexibel ist, aber das restliche Team ist ja trotzdem Weltklasse.

      Porto muss man auch so schlagen können und die Bundesliga ist mehr oder weniger Pflicht egal was für eine Elf auf dem Platz steht.

      Wer weiß wie die Situation bei den richtig harten Brocken aussieht, wenn es dann so weit ist.

  8. Marco05

    Könnte man so sehen. In einem Punkt sehe ich es aber ähnlich: offensive Alternativen. Vor allem mit “Durchschlagskraft”. Pizza ist kein mann mehr für die erste 11, somit ist Lewa der einzige nominelle Stürmer, mit Müller vielleicht noch je nach Interpretation. Also da sehe ich auch Handlungsbedarf, aber ich fürchte das Pep “falsche 9” Guardiola das anders sieht.

    Zu den genannten kommt noch Sinan Kurt hinzu, aber die brauchen alle noch eine Zeit.

    Im übrigen sind es für mich nicht die Verletzungen die mir am meisten Sorge machen, sondern die (noch) nicht vorhandene Bestform. Die wird auch schwer erreicht, wenn man immer wieder umbauen und rekonvaleszente Spieler einbauen muss. Die Eingespieltheit, die wir gegen Ende der Triple-Saison hatten werden wir dieses Jahr nie erreichen.

    Und so wird es mMn auch gegen Port eng, zumal sich jetzt alles ballt: BVB, LEV, Porto…

  9. Bundesliga Tickets

    Bin echt mal gespannt ob Alaba diese Saison tatsächlich nochmal zurückkommt. Selbst wenn, nach 6-7 Wochen ohne Praxis wird er auf Anhieb ohnehin keine allzu große Hilfe sein können…echt bitter, wenn man bedenkt, dass es “nur” ein Test-Länderspiel war

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