Alaba

Der Alleskönner

Steffen Trenner 22.10.2014

Elf Mal kam der Österreicher in dieser Saison in Bundesliga und Champions League zum Einsatz. Vier Mal begann er dabei als Innen- oder Halbverteidiger, drei Mal als Außenverteidiger. Dazu drei Mal als zentraler offensiver Mittelfeldspieler und ein Mal als defensiver Mittelfeldspieler. In vielen Spielen schob Guardiola den 22-Jährigen auch innerhalb eines Spiels zwischen den Positionen hin und her. So auch gegen Rom, als er in der zweiten Hälfte aus der Dreierkette stärker in die Mittelfeldzentrale rückte. Der Katalane lässt seinem Allrounder extrem viele Freiheiten. Er weiß, dass Alabas offensive Dynamik und Vertikalität eine gute Ergänzung zum eher balancegebenden, horizontalerem Spiel von Lahm und Xabi Alonso im Zentrum ist. Alaba muss dafür nicht im Mittelfeld spielen. Er passte im Spiel gegen Rom 13 Mal zu Götze, 9 Mal zu Bernat und 7 Mal zu Ribéry. Er kommt aus der Tiefe. Sieht er die Möglichkeit für einen Vorstoß, verlässt er seine zentrale Position in der Dreier- oder Viererkette. Alonso sichert dann häufig für ihn ab, um Kontersituationen zu verhindern und die entstehende Asymmetrie aufzuheben.

Für den Gegner sind seine Vorstöße extrem schwer auszurechnen. Vor allem weil er anders als zum Beispiel Boateng oder Hummels weniger mit Wucht, sondern mit extrem scharfen Sprints nachrückt. Alaba zählte bisher in jedem Spiel zu den laufstärksten und sprintstärksten Spielern der Bayern. Guardiola gewinnt so eine zusätzliche Option, um das gegnerische Pressing zu umgehen und die entstehenden Lücken zu bespielen. Auch deshalb zieht er Alaba in einem Spiel wie gegen Rom dem defensiv individuell stärkeren Dante vor. Das Zusammenspiel mit Linksfuß Bernat hat sich dabei im Verlauf der Saison eindeutig stabilisiert.

Vom Rollenspieler zum Schlüsselspieler

Alabas Bedeutung für Bayerns Spiel ist enorm gewachsen. Er ist mehr Schlüssel-, denn Rollenspieler. Die Anforderungen an ihn entsprechend komplex. Er übernimmt innerhalb eines Spiels Funktionen als sichernder Verteidiger, Aufbauspieler, Nadelspieler, Box-to-Box-Spieler und Flügelstürmer. Bisher löst er diese Aufgabe zumeist mit Bravour, auch wenn sein Spiel nach wie vor nicht ohne Schwächen ist. Es gibt Momente, in denen Alaba noch zu sehr auf den direkten Weg fokussiert ist. Auffällig vor allem in den Spielen, in denen er auf der 8 neben Alonso und Lahm gegen meist tiefstehende Gegner begann. Er wirkt dann gelegentlich zu hektisch. Statt geduldig auf einen besser postierten Mitspieler oder die bessere Angriffsoption zu warten, versuchte er es zu häufig mit dem Kopf durch die Wand – so wie er es als Linksverteidiger bei seinen Vorstößen gewohnt war. An seiner Entscheidungsfindung im letzten Drittel muss er in zentraler Rolle deshalb noch arbeiten. Als linker Verteidiger oder linker Innenverteidiger in einer Dreier- oder Viererkette spielt er hier deutlich sicherer – auch weil von ihm dann nicht in jedem Angriff offensive Impulse erwartet werden.

Es ist nicht abzusehen, dass Alaba in naher Zukunft eine feste Rolle beim FC Bayern zugewiesen bekommt. Guardiola wird ihn je nach Gegner, Personalsituation und Ausrichtung weiter auf verschiedenen Positionen einsetzen. Beim Schach wäre Alaba wahrscheinlich ein Läufer. Eine strategisch unheimlich wichtige Figur, die je nach Ausrichtung auf verschiedenen Positionen des Spielfelds sichernd oder angreifend agieren kann. Immer auf der Suche nach den anfälligen Räumen des Gegners. Guardiola fügt seinem System so eine zusätzliche Variante hinzu, die dem jeweiligen Kontrahenten eine Aufgabe stellt und ihn zu einer Reaktion zwingt. Bisher hat sich dieser Schachzug ausgezahlt. So wie am Dienstagabend in Rom – bei einer magischen Europapokalnacht des FC Bayern.

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