Adventskalender: Unsere Wunschtransfers – Türchen 2

Maurice Trenner 02.12.2020

Situation beim Spieler

In einer Zeit lange vor DAZN schaute ich nachmittags nach der Schule immer Eurogoals, die Highlightshow der besten Spiele auf dem Kontinent am vergangenen Wochenende. Ein Spieler stach dabei für mich heraus wie kein Zweiter: Ein langhaariger Hüne im roten Trikot, der es wie kein Zweiter zu dieser Zeit schaffte die Finesse eines Raul mit der Physis und dem Durchsetzungsvermögen eines Christian Vieri zu vereinen. Seine Tore zeichneten eine bemerkenswerte Kombination aus Leichtigkeit und Robustheit aus. Gegen die beinharten englischen Verteidiger musste er in der einen Sekunde standhaft wie Nikolai Walujew sein, um dann butterzart und blitzschnell wie Muhammed Ali zuzuschlagen. Dazu kam sein beidfüßiger Abschluss und ein starkes Kopfballspiel, die ihn nahezu unstoppbar machten.

Rutgerus Johannes Martinus – oder kurz Ruud – van Nistelrooy wechselte 2001 mit der Empfehlung von 75 Toren und 24 Vorlagen in nur 98 Spielen in der Eredivisie von Eindhoven ins Theatre of Dreams. Dort reifte er an der Seite von David Beckham, Ryan Giggs und Paul Scholes zum Stürmer von Weltformat. In der Premier League erzielte er 95 Tore in 150 Spielen und lieferte sich mit Thierry eine Dauerfehde um den Titel des gefürchtetsten Angreifers der Insel. 

Heute steht van Nistelrooy in der ewigen Torschützenliste der Champions League mit 56 Toren auf Rang Sechs, wobei er nach Lionel Messi die zweitbeste Torquote überhaupt aufweist (0,77 Tore/Spiel). 

Situation bei Bayern 

Rückblickend ist es fast überraschend, dass der FC Bayern so knapp vor einer Verpflichtung des Holländers stand. Zwar waren die Münchner unter Felix Magath zwei Mal in Folge Double-Sieger geworden, doch international kann die Mitte der 2000er nur als Saure-Gurken-Zeit in die Vereinsannalen eingehen. Gegen Real Madrid, Chelsea und den “verdammten” AC Mailand war man in drei Jahren spätestens im Viertelfinale unterlegen. In der Saison 2005/06 sogar im Achtelfinale nach einer 1:4-Machtdemonstration des vielleicht besten AC-Teams.

Zudem verlor das Team nach der Weltmeisterschaft im eigenen Land den Capitano. Der unumschränkte Star des Teams Michael Ballack war nach einer langen Posse um seine Vertragsverlängerung zum FC Chelsea gewechselt. Die Mannschaft ging auf dem Zahnfleisch.

Situation im hypothetischen Team

Nach dem Abgang von Ballack hätte der damals 30-jährige van Nistelrooy direkt die Rolle des Weltstars im Team annehmen können. Weitere Transfers im Sommer nach der WM waren Podolski, van Buyten und van Bommel. Die eine durchaus starke Ergänzung des Kaders darstellten. Im Team hätte sich van Nistelrooy mit Makaay, Pizarro und dem jungen Poldi um die Plätze im Sturm streiten müssen. Hier hätte Magath in seinem 4-4-2-System wohl die beiden Holländern als Doppelspitze agieren lassen, wobei Pizarro als Joker und Podolski als Flügelspieler in Frage gekommen wären. 

Langes schlabberndes Trikot, wehende Mähne und die Zunge im Mundwinkel: Ruud van Nistelrooy.
(Foto: ADRIAN DENNIS/AFP via Getty Images)

Die Startelf in solch einer Saison hätte so aussehen können: Kahn – Lahm, Lucio, van Buyten, Sagnol – Hargreaves, van Bommel, Schweinsteiger, Podolski – van Nistelrooy, Makaay. Mit Demichelis, Salihamidzic, Scholl und Pizarro hätte Magath sogar noch einige Optionen auf der Bank gehabt.

Was wäre wenn Ausblick

Es fällt schwer zu glauben, dass die Saison 2006/07 mit dem Holländer den gleichen bitteren Verlauf genommen hätte: In der Liga nur Vierter, dazu das Pokal-Aus gegen Aachen vor Weihnachten und in Europa erneut Endstation Mailand. Einer der Gründe dafür war auch der Sturm, denn hier erzielten Makaay und Pizarro zusammen nur 30 Treffer in allen Wettbewerben. Bei fünf Spielen in der Liga blieb der FC Bayern sogar ganz ohne eigenes Tor. 

Mit seiner ganzen Klasse hätte van the Man hier für Abhilfe gesorgt und den Münchnern die zehn fehlenden Punkte alleine aufs Konto schießen können. In der Primera Division wurde er 2006/07 in seiner ersten Saison für Real Madrid, das Team dessen Angebot er nach eigener Aussage nicht ablehnen konnte, mit 25 Treffern Torschützenkönig. Ein Stürmer von dieser Qualität gab es zu diesem Zeitpunkt in der Bundesliga schlichtweg nicht. Ob es in der Champions League gegen ein Mailänder Team mit Oberwasser gereicht hätte, steht natürlich in den Sternen.

Interessanter sind jedoch die Auswirkungen auf den Sommer danach. Noch während der enttäuschenden Saison musst Magath seinen Stuhl räumen und es übernahm wieder Ottmar Hitzfeld. Für die neue Saison wurden fast 100 Millionen Euro investiert und mit Franck Ribéry der Grundpfeiler für den Erfolg der 10er-Jahre gekauft, während man sich gleichzeitig von vielen altverdienten Spielern trennte. Fraglich, ob der Club nach einem potentiell dritten Double in Folge diesen radikalen Schirtt gegangen wäre. Die notwendige Verjüngungskur mit frischem Wind auf vielen Positionen wäre dadurch ausgeblieben oder aufgeschoben worden. Ein einziger Lichtblick: Vielleicht wäre uns Fans dann ein dreiviertel Jahr Jürgen Klinsmann erspart geblieben.

Hinweis für Türchen 3: Unser Autor hatte die gleiche Ära im Kopf als er diesen Bayern-Schreck nach München holen wollte.

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— Oliver Kahn

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Munich Legend
  1. Hervorragender Mittelstürmer –
    Absoluter Top Level – hätte und sicherlich sehr weitergeholfen. Denke aber nicht das eine Doppelspitze mit Maakey funktioniert hätte.

  2. RvN, einfach nur Legende und anders als der Kollege gestern absolutes Bayern-Material.
    Nur United war damals (trotz CL Triumph 2001) deutlich größer als Bayern, mE die größte Mannschaft der Welt, zusammen mit Real, wo er dann im Anschluss hinging.
    War also niemals realistisch, genauso wenig wie heute die absoluten Topstars in die BuLi wechseln.

    Antwortsymbol1 AntwortKommentarantworten schließen
    1. Ich stimme dir fast vollständig zu. Dass RvN einen Wechsel zu Bayern kurz in Erwägung gezogen hat, halte ich theoretisch für möglich, weil er mit 30 vielleicht ganz gerne wieder näher and der Heimat und in einer Liga gespielt hätte, wo man ihm die Knochen nicht ganz so poliert wie in der Premier League. Dass die Nummer sofort vom Tisch war, als sein Manager das Real-Logo aus seinem Faxgerät kommen sah, ist aber auch klar – der musste nicht mal warten, bis der Text erschienen ist. Dass einer der attraktiveren (zahlungswilligeren) Clubs in Europa Interesse an einem RvN anmeldet, war eigentlich logisch … also stimme ich dir irgendwo dann doch zu, wenn es darum geht, wie realistisch so ein Wechsel war ;)

      Es wäre aber schon geil gewesen!

  3. Ok… heute gibts nichts zu sagen, “the man” war ein Großer!

    Ob er aber wirklich zu Bayern gekommen wäre? Aber Ihr bespielt ja bewusst auch die Grauzone, also alles paletti!

  4. Offenbar war es 2006 tatsächlich so, dass wir sehr nah an van Nistelrooy dran waren. Hat er in der Vergangenheit ja selber öfters bestätigt. Wenn Real nicht noch reingegrätscht wäre, wäre er wohl bei Bayern gelandet. Und das wäre zu der Zeit nun wirklich ein Hammer gewesen.

    Zum morgigen Türchen. Ein Bayernschreck aus der Epoche? Kann doch nur Pippo Inzaghi sein.

    Antwortsymbol4 AntwortenKommentarantworten schließen
    1. Witzig – ich war bei Shevchenko

    2. Einfach nur ein Alptraum für uns, der Inzaghi, immer am Abseits gelauert und kaltblütig zugebissen, äh zugeschlagen…

    3. Aber Pippo als ‘Wunschspieler’? Dann aber bitte nur im Doppelpack mit Özil ;)

  5. Inzaghi!

    Bei dem Namen läuft es mir direkt kalt den Rücken runter, wie oft hat der uns geärgert…

  6. Wann kommt Heiko Westermann?

    Antwortsymbol1 AntwortKommentarantworten schließen
    1. Gleich nach Lord Bendtner.

  7. Inzaghi wär geil.

    “…born offside”

    Kleines Quiz: Zitat von wem? :)

    Antwortsymbol2 AntwortenKommentarantworten schließen
    1. Alex-Football-bloody-hell-Ferguson!

      1. Yes indeed :)

  8. Van the Man! Bei Man Utd schon Wahnsinn gewesen, nicht zu verteidigen.

    Wann kommt Gullit? 8)
    Hab damals so gehofft, dass es klappt, den Typ geliebt. Ging dann zu Chelsea :((

    Antwortsymbol2 AntwortenKommentarantworten schließen
    1. Gullit…..never ever. Der Typ geht gar nicht. Genau wie Koeman

      1. Waaaaas? Gullit von ca. 1988 als Spieler und Typ sensationell für mich. Durch ihn und Van Basten habe ich mich endgültig unsterblich in Fußball verliebt. Pure Coolness, pure Qualität.
        Nicht mit Rijkaard verwechseln, der hatte seine negativen Seiten / Szenen. ;)

  9. Bestes Milan Team 2005/2006? Diese Aussage hätte ich vom Super-duper Taktik blog msr nicht erwartet. Ich sag nur Arrigo Sacchi, Gullit, van Basten Rijkaard. Und der FCB hätte sie in der Regenschlacht in der Verlängerung fast geschlagen …

  10. Van Nistelroy war einer der grossen Namen, von dem man als Fan vom FCB eigentlich nur träumen konnte. Realistisch erschien mir eine Verpflichtung damals jedenfalls nicht. Aber interessant zu hören, dass man gar nicht so weit weg war davon.

    Sicher hatten wir immer sehr gute, auch international bekannte Spieler, aber so richtige Superstars oder Spieler die auch in einer Weltauswahl spielen würden, hatten wir eine ganze Weile nicht (ausgenommen die deutschen Spieler mit internationaler Strahlkraft wie Ballack und Kahn).
    Und klar war das geil, als man dann mal eben so Ribery, Toni und Klose verpflichten konnte, aber so richtig geändert hat sich das in meiner Wahrnehmung erst, als man tatsächlich Robben im Bayerntrikot hat spielen sehen. Das so ein unfassbar guter Spieler seine besten Jahre bei uns verbringt – undenkbar noch wenige Jahre zuvor!

  11. […] Jahr 2006 hätte der FC Bayern mit Ruud van Nistelrooy und Filippo Inzaghi zwei absolute Weltklassestürmer holen können – oder auch nicht. Denn wenn […]

  12. […] gegangen sind, stehen keine Neuzugänge im Mittelfeld im Raum. In den Medien kursiert nur der Name Ruud van Nistelrooys, und das obwohl mit Lukas Podolski bereits ein neuer Stürmer da […]

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