FC Bayern Frauen vs. Real Madrid: Bühl hier im Zweikampf
Bild: Daniel Kopatsch/Getty Images

Die FC Bayern Frauen in der Champions League: Unentschieden

Justin • 29.10.2026 •
FC Bayern, FCB, Bundesliga, DFB-Team, Champions League, Alt Text vergessen

So ein Unentschieden ist schon ein sehr schwieriges Ergebnis. Zumindest dann, wenn man sich an einer Einordnung versucht.

Die FC Bayern Frauen haben jetzt in beiden Heimspielen in der Champions League 2:2 gespielt – gegen Manchester City und am Mittwoch gegen Real Madrid. Nur Unentschieden. Oder immerhin Unentschieden?

Wer sich dazu eine klare Meinung bilden möchte, hat eine schwere Zeit oder macht es sich selbst womöglich ziemlich einfach. Denn wer die Argumente abwägt und in diesen Ergebnissen an allen Ecken und Enden Erkenntnisse zu sammeln versucht, der wird in der Meinungsbildung womöglich eher eines bleiben: Unentschieden.

Trotzdem drückt nach drei Champions-League-Spieltagen kaum etwas mehr als die Frage danach, wo dieser FC Bayern jetzt eigentlich zu verorten ist – und was die bisherigen Ergebnisse für den weiteren Verlauf bedeuten könnten.

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Wo stehen die FC Bayern Frauen in der Champions League?

Tabellarisch – und das ist auf der Faktenebene wohl die klarste Erkenntnis – ist noch gar nichts verloren, aber auch noch nicht viel gewonnen. Der Vorsprung auf den 13. Platz, der das Aus bedeuten würde, beträgt am Abend vermutlich zwei Zähler. Der Rückstand auf den vierten Platz, der den Zugang zum Viertelfinale ermöglicht, wird vermutlich ebenfalls zwei Punkte betragen.

Schon wieder „Unentschieden“, wenn man so will. Mit Manchester City und Real Madrid waren zwei der besten Teams Europas zu Gast. Die Engländerinnen kamen als Meisterinnen nach München, Madrid hat wiederum groß aufgerüstet.

„Schon wieder kein Erfolg gegen die Großen“, könnte man murren. Ja, da war mal dieses hart umkämpfte, etwas glückliche, aber dennoch verdiente 3:1 gegen den FC Barcelona in der Allianz Arena. Oder das spektakuläre Comeback gegen den FC Arsenal in der vergangenen Saison. Solche Momente waren gegen die Spitzenteams aber eher Ausnahmen als die Regel.

Wer es etwas positiver mit den beiden Unentschieden hält, könnte aber auch sagen: Nicht verloren. Leistungstechnisch gab es in beiden Spielen längere Phasen, in denen man nicht nur mithalten konnte, sondern sogar klar das bessere Team war.

Viele positive Momente, aber …

Gegen City waren die Münchnerinnen in der ersten Halbzeit drückend überlegen. Mit aggressivem und gut strukturiertem Pressing, schnellem Offensivspiel und hoher Präzision gingen sie nicht nur verdient mit 2:0 in Führung, sie hätten auch höher führen können. In der zweiten Halbzeit gaben sie ihre Kontrolle dann gegen stark verbesserte Engländerinnen aus der Hand.

Am Mittwoch war es dann andersherum: Die Anfangsphase gehörte klar Madrid. Real spielte seine Konter sauber aus und ließ lange nur sehr wenig zu. Bayern wiederum wirkte ungenau und schläfrig. Defensiv fielen beide Tore zu leicht. Nach etwas mehr als einer halben Stunde fingen sich die Münchnerinnen aber.

Bayern übernahm die Kontrolle, kam verdient zum Ausgleich und war drauf und dran, dieses Spiel noch zu gewinnen. Selbst ein 4:2 oder 5:2 wäre denkbar gewesen, wenn das 3:2 zum richtigen Zeitpunkt fällt. Doch es fiel nicht. Optimist*innen werden diese Leistung und jene in der ersten Halbzeit zum Anlass nehmen, um die Qualität des Teams herauszustellen. Zu Recht.

Man muss aber nicht mal pessimistisch sein, um nüchtern festzuhalten: In den Spielen gegen die Top-Teams kommt diese Qualität zu lückenhaft zum Vorschein.

Die unterschiedlichen Gesichter sind ein Muster beim FCB

Beim Comeback gegen Arsenal wurde damals die erste Hälfte komplett verschlafen. Gegen Barcelona im Halbfinale zeigten die Bayern in beiden Spielen viel zu lange großen Respekt, bis sie ihren Mut und ihren Vorwärtsdrang fanden und in mancher Phase sogar gut mithalten konnten.

Dieses Auf und Ab gab es auch gegen Juventus, in Madrid gegen Atlético und mit Abstrichen jüngst sogar gegen Benfica. Zwar war Bayern das bessere Team, aber die Portugiesinnen hatten zwei, drei Situationen, in denen sie selbst in Führung gehen können. Nun heißt dieser Wettbewerb nicht umsonst „Champions League“.

Das Niveau ist unglaublich hoch und zu erwarten, dass der FCB in jedem Spiel dominiert und von der ersten bis zur letzten Sekunde das Zepter in der Hand hat, wäre zu viel des guten Wunsches. Eine gesunde Erwartungshaltung ist wichtig. Dennoch lässt das Team von José Barcala – und zuvor auch schon unter Alexander Straus – zu oft die Frage offen: Was wäre, wenn sie immer so spielen würden?

So wie in der zweiten Halbzeit gegen Arsenal. So wie in der ersten Halbzeit gegen Manchester City. So wie in den hinteren 60 Minuten gegen Real Madrid. Man könnte die Bayern geradezu als „Was wäre, wenn“-Top-Team bezeichnen. Genau das ist es, was die beiden Unentschieden so ärgerlich macht: Es war einfach mehr drin.

Die Kaderprobleme machen es dem FC Bayern nicht leichter

Zu einer fairen Bewertung gehört auch, dass der Kader seine Probleme hat. Im Mittelfeld muss Barcala seit dem Saisonstart dauerhaft Kompromisse finden. Die Hoffnung, Lena Oberdorf würde sukzessive in die Stanway-Rolle hineinwachsen können, zerschlug sich schnell. Sarah Zadrazil wird richtigerweise sehr behutsam zurückgeführt, fiel gegen Real Madrid aber auch schon wieder aus. Diesmal mit muskulären Beschwerden.

Momoko Tanikawa ist eine sehr gute Übergangslösung, wird in der Offensive aber auch schmerzlich vermisst, wie sie vor allem in der zweiten Halbzeit zeigte, als sie im Angriff deutlich aktiver wurde. Auch auf der rechten Defensivseite sorgte der Ausfall von Giulia Gwinn jüngst wieder für Probleme. Sarah Mattner wird vom Trainerteam offenkundig noch nicht ausreichend viel zugetraut. Stine Ballisager startete gegen Madrid.

Die Innenverteidigerin sah in vielen Situationen nicht gut aus – beispielsweise beim ersten Gegentor. Offensiv kann sie dem Spiel zudem kaum etwas geben. Weil Katharina Naschenweng seit langer Zeit nach ihrer Form und Fitness sucht, war es auch keine Option für Barcala, die Österreicherin links und Kett rechts aufzustellen.

Und dann wäre da noch die Neunerposition. Edna Imade bekam ihre Chance gegen die Spanierinnen und traf immerhin per Kopf. Ihre Einbindung ins Spiel bleibt aber ein Problem und ihre Chancenverwertung war ungewohnt schwach. Eigentlich muss sie zwei, eher sogar drei Tore machen.

Zufrieden und nicht zufrieden gleichzeitig

Nicht alles davon ist mit Pech zu rechtfertigen. Die Kaderplanung hat bewusst auf eine weitere Mittelfeldspielerin verzichtet. Form und Einbindung sind zudem immer auch ein Faktor, den das Trainer*innenteam beeinflussen kann und muss. Zumindest in großen Teilen.

Bei aller Kritik ist es dennoch richtig, dass allein die Ausfälle für Barcala und Co. schwer zu kompensieren sind. Andere Kader sind breiter, weil andernorts eben mehr Geld in die Hand genommen wird. Und trotzdem sind die Bayern konkurrenzfähig, wenn alles passt. Das hat man sowohl gegen City als auch jetzt gegen Madrid gesehen.

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Nicht zu Unrecht war man deshalb nach dem Spiel tendenziell auch eher zufrieden. Oder doch nicht? Irgendwie Unentschieden eben. „Am Ende sind wir zufrieden, nicht richtig glücklich“, sagte beispielsweise Klara Bühl: „Das wären wir dann mit einem Sieg, aber den einen Punkt nehmen wir dann trotzdem gerne mit.“

FC Bayern Frauen: Unentschieden

Ihre Aussage und die ihrer Mitspielerinnen passen perfekt zum Meme, das Comedian und Drehbuchautor Larry David einst produzierte: Während die Kamera näher auf ihn zoomt, wackelt er unentschlossen mit dem Kopf hin und her und zieht Grimassen, als würde er ständig zwischen „ja“ und „nein“ schwanken.


Ja, was denn nun? Einerseits ist die Tabellensituation noch entspannt. Selbst die Top-4 scheinen noch möglich. Andererseits fühlen sich die vier verlorenen Punkte so an, als hätte man große Teile davon hergeschenkt.

Aus dem FC Bayern dieser Saison wird man deshalb noch nicht ganz schlau. So viele positive Momente und so viel Energie. Auch die Resilienz bei Rückschlägen weiß zu beeindrucken. Dinge, die Hoffnung auf Erfolg machen. Und gleichzeitig viele frustrierende Momente, in denen dieser letzte Schritt in die Weltklasse einfach nicht gelingen will.

Letztendlich waren das jetzt sehr viele Wörter, obwohl eines es auf den Punkt bringt: Unentschieden.

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