Wochen der Wahrheit beim FC Bayern: Kommt jetzt die entscheidende Saisonphase?
Rund um den FC Bayern wird immer gesagt: Das ganze Jahr zielt nur auf die letzte Saisonphase ab. Dann zählt es. Doch diese Annahme greift zu kurz. Es gibt noch eine Saisonphase, die entscheidend für den Erfolg ist. Sie startet jetzt.
Die XXL-Länderspielpause ist vorbei. Die entspannten Gedankenspiele, mit wem Jürgen Klopp in zwei Jahren auf der Rechtsverteidigerposition in den ersten EM-Titelgewinn des Jahrtausends starten will, damit auch. Der FC Bayern startet am Samstag in Augsburg in vier englische Wochen am Stück.
In diesen vier Wochen werden Vincent Kompany und seine Mannschaft ganz Europa bereisen und in allen drei Wettbewerben bestehen müssen. Danach werden wir einiges darüber wissen, wie diese Saison verlaufen könnte. Und wir können uns wieder in der Klopp-Gedankenspiel-Wohlfühloase ausruhen.
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Die Titel werden im Mai gewonnen
Es ist eine gängige Erzählung beim FC Bayern, vor allem wenn in der frühen Saisonphase etwas besonders gut oder besonders schlecht läuft: Jetzt gerade ist doch eigentlich total unwichtig. Viel wichtiger ist, dass wir die Dinger im Frühling und Frühsommer ziehen. Da geht’s um die Titel.
Irgendwo stimmt das. Eine dumme Niederlage in der Ligaphase kann man sehr leicht ausbügeln. In einem Champions-League-Halbfinale ist das schwerer. Andererseits ist das aber auch ein Luxus der nationalen Dominanz. Sag das mal Real Madrid, die den Flick’schen Katalanen aus Barcelona jetzt schon sechs Punkte hinterherhecheln.
Und auch sonst stimmt diese Erzählung leider nicht ganz.
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Ligaphase nur Aufwärmprogramm?
Denn gerade in der Champions League gilt es jetzt – im Oktober und November – ein Fundament zu bauen. Ein Fundament, auf das man sich später stellen kann, um mit ausgeruhten Beinen den Titel zu attackieren.
Um zu verstehen, wie wichtig dieses Fundament ist, muss man nur mal einen blick zurück werfen. Zu Anfang von Kompanys erster Saison beim FC Bayern lief es ja eigentlich gut – wäre da nicht diese doofe Champions League. In der Ligaphase gab es Niederlagen gegen Aston Villa, FC Barcelona und Feyenoord Rotterdam. Danach wurschtelte sich der FCB gegen Celtic durch und auf das Leuchtfeuer gegen den großen nationalen Konkurrenten aus Leverkusen folgte dann das bittere Aus gegen Inter Mailand. Die waren im Übrigen Vierter der Ligaphase geworden.
Letztes Jahr dann aber ein anderes Bild. Die Bayern gewannen jedes Spiel, in dem es nicht gegen Arsenal ging und wurden Zweiter – hinter ebenjenem Arsenal, das die Ligaphase ohne Punktverlust beendete. Was folgte, war ein Halbfinaleinzug inklusive Siegen gegen Atalanta und den Real-Fluch. Und auch gegen PSG war man dann verdammt nah dran.
Über die französische Mannschaft müssen wir hier ohnehin nochmal sprechen. Außer ihnen gibt es nur eine Mannschaft, die die Ligaphase außerhalb der Top-5 abgeschlossen hatte und danach noch ein CL-Halbfinale erreichte: natürlich die Rabauken von Atlético Madrid.
Die Franzosen haben es gleich zwei Mal geschafft, die Zwischenrunde nicht zu überspringen und am Ende trotzdem den Henkelpott in die Höhe zu stemmen. Doch die Pariser haben eine Strategie, die das möglich macht. Schonen. Die großen Stars spielen in der Liga alle auf Sparflamme. Immer wieder Pausen, gemütliche Bankplätze, wenig Minuten. Es wäre schön, wenn der FC Bayern das auch machen könnte – sie versuchen es teilweise sogar.
Vergangene Saison hat Kompany in der Liga immer wieder die Rotationsmaschine angeschmissen, nur um sie dann in der Halbzeit wieder in die Garage stellen zu müssen, weil die Backups 0:3 gegen Mainz hinten lagen. Der Kader in Paris ist schlicht tiefer und sie sind ihrer Liga noch weiter enteilt als die Bayern.
Die Faustregel bleibt: Ein Ligaphasen-Finish in den Top-5 und deine Chancen aufs Halbfinale stehen gut. Das liegt an der Pause, das liegt an den Heimvorteilen und zum Teil liegt es sicher auch am Selbstbewusstsein, das man in diesen Spielen sammelt.
Was bleibt von vor der Länderspielpause?
Und dieses Selbstvertrauen könnten die Bayern eventuell gut gebrauchen. Vor der Länderspielpause ließ sich schon das ein oder andere Mal beobachten, dass die Bayern Schwierigkeiten mit einem gut angerührten Defensivbeton haben. Die Spiele auf Schalke und in Elversberg kommen einem in den Sinn.
Doch Teil der Wahrheit ist auch: Gegen Bodø/Glimt und Union sah es mindestens eine Halbzeit lang sehr gut aus. Und verloren hat man ohnehin noch nicht. Blickt man dann auf die Form, die gerade die Offensivkräfte aus der Länderspielpause mitbringen, dann erscheinen die Probleme doch eher als Problemchen. Das gilt es nun zu bestätigen.
Ausblick auf die einzelnen Spiele
Denn fertig mit den nervigen Defensivbollwerken ist man sicher noch nicht. Als erstes warten Auswärtsspiele gegen den FC Augsburg (10.10.) und Viking (13.10.). Die werden sich wieder auf die Defensive konzentrieren.
Als Nächstes kommen mit Heimspielen gegen Leipzig (17.10.) und Arsenal (21.10.) zwei Gradmesser in der Bundesliga und in der Champions League. Mit Freiburg (25.10.) und Magdeburg (28.10.) warten danach zwei Gegner, die schwer zu besiegen sein werden. In Freiburg fällt es niemandem leicht und Magdeburg wird sich schon aufgrund des Anlasses in alles reinwerfen.
Richtig eklig wird es aber dann vor allem in den beiden Partien danach: Kovač und Simeone heißen die Trainer vom BVB (31.10.) und Atlético (03.11.). Und noch dazu tanzen da durchaus einige Kicker herum, die mit dem Ball etwas anzufangen wissen. Zum gesunden Abschluss vor der nächsten Klopp-Charmeoffensive wartet dann der schwarze Magier in Mainz (07.11.). Unter Urs Fischer ist Mainz wieder zur gewohnt harten Nuss geworden.
Es ist für alle Fußballgeschmäcker etwas dabei in diesen spielreichen Wochen. Am Ende werden wir um einiges schlauer sein.



