FC Bayern: Offensiv-Serie reißt auf Schalke – Grund zur Sorge?
Die nackten Zahlen sprechen eine klare Sprache: Es gab riesigen 83 Prozent Ballbesitz, 15:4 Torschüsse, 2,10 zu 0,21 expected Goals und sechs Großchancen, die nicht verwertet wurden. Das Spiel wirkt im Rückblick dann schnell wie ein Rückfall in alte Muster: zu abhängig von wenigen Unterschiedsspielern, zu wenig Tempo gegen den tief stehenden Gegner, zu schwach im Verwertungsmodus.
Dass Harry Kane und Michael Olise zunächst geschont wurden, war als Belastungssteuerung nachvollziehbar. Es offenbarte aber auch, wie stark Bayerns Angriff an seinen etablierten Schlüsselspielern hängt, sollten deshalb schon die Alarmglocken bei den Verantwortlichen des FC Bayern schrillen?
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FC Bayern-Problem gegen den Block
Der FC Schalke 04 stand kompakt, verteidigte aggressiv und nahm Bayern die Räume. Kein Wunder, dass viele Gegner in dieser Saison genau mit diesem Muster antreten werden. Dagegen braucht es schnelles Passspiel, klare Staffelungen und konsequente Abschlüsse.
Manuel Neuer verwies nach dem Spiel vor allem auf die zu geringe Ausbeute; strukturell deuteten seine Kommentare auf Probleme im Positionsspiel und in der Ballzirkulation hin. Vincent Kompany bestätigte diesen Befund indirekt: Gegen kompakte Gegner müsse man 90 Minuten lang das nötige Tempo halten, sagte er bei Sky.
Bayern hat also nicht deshalb Punkte liegen lassen, weil es keine Chancen gab, sondern weil es sie nicht nutzte. Das ist gegen einen Aufsteiger noch ärgerlich, in Champions-League-K.o.-Spielen, dem DFB-Pokal oder engen Bundesliga-Partien aber schnell kostspielig. Dort genügt oft eine Nullnummer, um ein ganzes Spiel – oder eine Saison – kippen zu lassen.
Die elf Ecken ohne entscheidenden Ertrag unterstreichen zudem, dass es auch über Standards im Spiel gegen Schalke 04 keinen verlässlichen Plan B gab; gegen den VfB waren diese noch für Tore verantwortlich.
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Ladehemmung trotz Top-Chancen: Fehlt Bayern ausgerechnet jetzt die Ibrahimović-Option?
Statistisch war Luis Díaz einer der Hauptverantwortlichen für Bayerns Expected Goals Wert (xG): Allein seine beiden Großchancen summierten sich auf etwa 0,80 xG (0,34 + 0,46), ohne dass ein Tor daraus wurde. Über die ersten zwei Spieltage hinweg werden ihm sogar rund 2,49 erwartete Tore bei nur einem Treffer zugerechnet, das sind fünf liegengelassene Großchancen in Folge. Gerade in solch fahrigen Phasen wie in Gelsenkirchen wiegt jedes vergebene Tor doppelt schwer.
Da drängt sich ein Name auf: Arijon Ibrahimović galt im Sommer als vielversprechende interne Alternative zu Luis Díaz auf dem linken Flügel, bevor er am Deadline Day leihweise zum FC Augsburg wechselte. Und er zeigte am Wochenende, was er kann.
Vor dem Hintergrund, dass Díaz nach einem intensiven Turnierjahr (inklusive WM-Einsätze für Kolumbien) und einer langen Saison erneut viel Spielzeit auf der linken Seite absolviert, hätte der 20-Jährige möglicherweise die Art von Rotation bieten können, die Bayern in Gelsenkirchen gutgetan hätte: frische Beine, mutige 1-gegen-1-Aktionen und zusätzliche Varianten im letzten Drittel.
Noch ist es nicht angemessen, von einer wirklichen Krise zu sprechen – dafür ist die Saison schlicht zu jung. Als Warnzeichen kann das Spiel auf Schalke allerdings verstanden werden. Der FC Bayern muss die Effizienz steigern, gegen kompakte Gegner das Tempo über 90 Minuten sehr hoch halten und die Rotation so gestalten, dass Qualität erhalten bleibt. Wenn das gegen Bodö Glimt und Elversberg gelingt, war das 0:0 nur ein Ausrutscher. Wenn nicht, könnte aus dem Warnsignal schnell ein Muster werden.
Und Bodö Glimt bereitet sich schon seit Samstag in einem Mini-Trainingslager (auf richtigem Rasen) im oberbayerischen Grassau auf den FC Bayern vor, man sollte also gewarnt sein.


