FC Bayern, FCB, Bundesliga, DFB-Team, Champions League, Alt Text vergessen
Bild: Alexander Hassenstein, Getty Images

Jonas Urbig von der Bayern-Bank in Klopps Aufgebot?

Georg 03.09.2026


FC Bayern, FCB, Bundesliga, DFB-Team, Champions League, Alt Text vergessen

Im DFB-Pokalspiel gegen Osnabrück feierte Jonas Urbig sein Saisondebüt beim FC Bayern. Beim spektakulären Gegentor durch Robin Meißner war er machtlos, ansonsten konnte er sich kaum auszeichnen. An seinen bekannten Qualitäten ändert das nichts.

In zwei Wochen, nach dem 3. Bundesligaspieltag, wird Bundestrainer Jürgen Klopp seinen Kader für die vier Länderspiele in der Nations League von Ende September bis Oktober gegen die Niederlande, Griechenland (2x) und Serbien bekanntgeben. 

Im deutschen Tor scheint die Lage nach dem Rücktritt von WM-Comebacker Manuel Neuer komplett offen zu sein. Für die vielen Spieler auf Klopps Zettel bleibt nicht mehr viel Zeit, sich zu empfehlen.

Schafft es Jonas Urbig von der Bayern-Bank in Klopps Auswahl? Normal wäre die Antwort einfach: nein. Wer kein Stammtorhüter im Verein ist, schafft es nicht zur Nationalelf. 

Aber die Situation im Konkurrenzkampf um die neue deutsche Nummer eins (und Nummer zwei und drei) ist keine normale. Die Kandidatenliste ist lang, aber in der Spitze nicht überzeugend. Dadurch hat Urbig eine Chance. 

Miasanrot blickt auf Urbigs Konkurrenten und bewertet seine Chance im Wettlauf um die Gunst des Bundestrainers. 

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Weitere Artikel zum FC Bayern München:

Jonas Urbig, FC Bayern, 23 Jahre, 0 Länderspiele 

Urbig hat mittlerweile 33 Pflichtspiele für den FC Bayern absolviert, darunter Auftritte in der Champions League und im DFB-Pokal. Dazu hat er im Laufe des letzten Jahre 22 Einsätze für verschiedene deutsche U-Teams gesammelt.

Und Urbig hat überzeugt. Im klassischen Torwartspiel ist er souverän, im Passspiel wirkt er mittlerweile phasenweise stärker als Manuel Neuer. 

Urbig hat in seinen Einsätzen beim FC Bayern so sehr überzeugt, dass er beim FC Bayern als designierter Kronprinz für die Neuer-Nachfolge gilt. Wahrscheinlich ab Sommer 2027, wenn er den Thron nicht schon vorher übernehmen kann.

Reicht die Kronprinzen-Stellung und die damit verbundene Teilzeit-Rolle Jürgen Klopp, um bereits jetzt auf Urbig zu setzen oder wird er klare Stammtorhüter bevorzugen?

Die next Generation

Die New Kids on the Block. Sie sind 20 bis 24 Jahre alt und gelten als große Talente. Darauf hat Deutschland seit ter Stegen gewartet. 

Der Haken: Noch drängt sich niemand von ihnen uneingeschränkt auf, bei allen gibt es derzeit kleinere Abtriche, so wie Urbigs Rolle als Teilzeitkraft.

Noah Atubolu, Eintracht Frankfurt, 24 Jahre, 0 Länderspiele

Er ist der erfahrenste der jungen Garde. Für den SC Freiburg lief er in 125 Spielen auf, inklusive eines Europapokalfinals, für deutsche U-Teams stand er 32-mal auf dem Platz. 

An sich wäre er Pole-Position, um mindestens dabei zu sein, wenn nicht Chancen auf die Nummer eins zu haben. Wäre da nicht sein Wechselchaos im Sommer gewesen. Die lange Suche nach einem neuen Verein kostete ihn eine optimale Vorbereitung und warf ihn etwas zurück, auch hat es nicht mit dem Sprung zu einem Top-Verein in die Champions League geklappt.

Der Kaltstart in Frankfurt am ersten Spieltag gegen Union Berlin funktionierte allerdings. Der Wechsel zur Eintracht könnte sich für Atubolu von der Notlösung zum genau richtigen Schritt erweisen. Stabilisiert er sich in Frankfurt, wird er spätestens mittelfristig zur Nationalelf gehören. Wahrscheinlich ist er bereits im September dabei. 

Mio Backhaus, SC Freiburg, 22 Jahre, 0 Länderspiele

Backhaus kommt auf 32 Einsätze für die Profis von Werder Bremen, dazu lief er 34-mal für Volendam und bereits viermal für den SC Freiburg auf.  In den deutschen U-Teams stand er 26-mal auf dem Platz, außerdem spielte er einmal für die japanische U15. Der Wechsel zum japanischen Verband wäre weiterhin eine Möglichkeit.

Er hat aktuell die vielleicht besten Umstände der jungen Talente. Geordneter Vereinswechsel, Stammplatz, Europapokal. Andererseits galt er im Vergleich mit Atubolu, Urbig oder Seimen bisher nicht als das allergrößte Talent.

Unter normalen Umständen würde Backhaus auf die Beobachtungsliste des Bundestrainers rutschen, für eine Nominierung wäre es noch zu früh. Seine guten und die komplizierten Umstände der Konkurrenten könnten ihn aber bereits jetzt zur Nationalelf spülen. 

Dennis Seimen, VfB Stuttgart, 20 Jahre, 0 Länderspiele

Seimen ist das Top-Talent des VfB Stuttgart. Er lief 21-mal für deutsche U-Teams auf. Für die Profis des VfB allerdings noch gar nicht, nachdem er sich in der Vorbereitung verletzte. Vergangene Saison war er nach Paderborn verliehen, wo er 36-mal in der zweiten Liga und den Relegationsspielen zum Einsatz kam. 

Die dort gezeigte Leistung und sein Talent reichten dem VfB, um alles auf die Karte Seimen zu setzen. Um Platz für ihn zu schaffen, bemühten sie sich gar nicht erst um eine dauerhafte Verpflichtung von Alex Nübel, trotz dessen guter Leistungen als Leihspieler.

Im September-Aufgebot von Klopp wird er verletzungsbedingt nicht dabei sein. Danach wird es für ihn erstmal darum gehen, fit zu werden und in Stuttgart Fuß zu fassen. Die Nationalmannschaft ist noch einen Schritt entfernt. 

Hinter Urbig, Atubolu, Seimen und Backhaus gibt es mit Diant Ramaj (24, Kopenhagen) Tjark Ernst (23, Feyenoord), Max Weiß (22, FC Burnley) und Florian Hellstern (18, Greuter Fürth) weitere Talente, die eine Rolle spielen können, vorerst aber vermutlich nicht zum engeren Kreis gehören werden. 

Die Kompromisse im besten Alter

Sie sind 28, 29, 30 Jahre alt und damit im besten Torhüteralter. Auf ihrer Habenseite stehen viele Einsätze, viel Erfahrung. Sie sind solide. Aber solide ist nicht Weltklasse. Deshalb spielen sie in Istanbul, Augsburg oder Gladbach.

Auch wenn sie vielleicht keine Chance auf die dauerhafte Rolle als Nummer eins haben, könnten sie gute, unaufgeregte Zwischenlösungen für Jürgen Klopp sein. 

Alexander Nübel, Beşiktaş Istanbul, 29 Jahre, 3 Länderspiele

Auf den Wechsel von Schalke zum FC Bayern folgten viele Leihstationen und im Sommer 2026 der endgültige Abgang vom Rekordmeister. Es wurde Beşiktaş, “nur” Beşiktaş. 

Für nur sechs bis zehn Millionen Euro Ablöse. Während der VfB zugunsten von Seimen kein Interesse an einer dauerhaften Beschäftigung zeigte. 

Die vielen Leihen und der jetzige Wechsel sind eine harte Währung: Nübel ist gut, aber bisher keiner aus dem ganz oberen Regal. Dennoch ist er von den Kandidaten aus dem „Kompromiss-Tier“ am nächsten dran. Immerhin fuhr er mit zur Weltmeisterschaft und ist seit Jahren Stammtorhüter. Dazu gilt auch Nübel als moderner Torhüter mit Qualitäten im Passspiel. 

Moritz Nicolas, Borussia Mönchengladbach, 28 Jahre, 0 Länderspiele

Nicolas ist ein Spätstarter. Er wechselte 2023 im Alter von 25 aus Kerkrade als Nummer zwei nach Gladbach. Dort profitierte er dann von der Verletzung der etatmäßigen Nummer eins Jonas Omlin – und gab den Platz im Tor nicht mehr her. 

2025/26 war er einer der besten Bundesligatorhüter. Für die Nationalmannschaft galt er bisher nicht als Kandidat, auch in seinen Jugendjahren waren seine Einsätze für die U-Teams des DFB an einer Hand abzuzählen (vier).

Er hat dann eine Chance, wenn Jürgen Klopp verstärkt auf die jüngeren Leistungen deutscher Torhüter schaut (siehe hierzu: Mythos Leistungsprinzip). 

Finn Dahmen, FC Augsburg, 28 Jahre, 0 Länderspiele

Dahmen ist einer derjenigen, die bis zuletzt auf eine Nominierung für die Weltmeisterschaft hofften, es aber nicht in den Kader von Julian Nagelsmann schafften. Zuvor war er regelmäßig bei der Nationalelf dabei, kam jedoch nie zum Einsatz. 

Nach seinem Besuch in München schaute sich Jürgen Klopp am ersten Spieltag den souveränen 3:0 von Augsburg gegen Schalke im Stadion an. Dahmen dürfte auf der Liste der Spieler gestanden haben, die er genau unter die Lupe nahm.

Trotz einer kleinen Schwächephase in der Saison 2025/26 gehört Dahmen in den letzten Jahren zu einem der besseren Bundesligatorhüter. 

Weitere Kompromiss-Kandidaten wie Marvin Schwäbe (31, Köln), Robin Zentner (31, Mainz) oder Timon Wellenreuther (30, Wolfsburg) haben eher keine Chance. 

Die alten Hasen 

Sie sind alle über 33 Jahre alt. Das ist zwar grundsätzlich nicht zu alt für Torhüter. Aber wenn dazu kommt, dass sie nie Weltspitze waren wie Baumann oder Ortega oder seit Jahren Probleme haben wie ter Stegen, dann drängt sich davon niemand auf. Zumal für einen ausgerufenen Umbruch in der Nationalelf. 

Manuel Neuer, FC Bayern, 40 Jahre, 128 Länderspiele

Eine Rubrik “alte Hasen” kann nicht ohne ihn auskommen. Und dass er nicht mehr dabei ist, dachte Fußball-Deutschland schon öfter.  Doch diesmal spricht sehr, sehr wenig für ein erneutes Comeback, schon gar nicht bereits im September. Diesmal wird der Rücktritt endgültig sein. 

Oliver Baumann, TSG Hoffenheim, 36 Jahre, 13 Länderspiele

Die Wohlfühl-Lösung. Als Anti-Nagelsmann könnte Klopp auf ihn setzen, den von Nagelsmann scheinbar so unfair behandelten. Oder bewertet Klopp es so wie Nagelsmann und traut Baumann die ganz große Klasse nicht zu? 

Denn sowohl unter Nagelsmann als auch vorher war Baumann jahrelang eher die Nummer drei bis fünf im deutschen Tor. Die temporäre Nummer eins wurde er durch Verletzungen von ter Stegen und weil es eine zehnjährige Lücke an Top-Talenten im deutschen Tor zwischen der Generation ter Stegen / Leno und der Generation Atubolu / Urbig gab. 

Dass Baumann als dann 38-Jähriger als Nummer eins zur Europameisterschaft fährt, ist äußerst unwahrscheinlich. Es wäre konsequent, den Neuaufbau ohne den Hoffenheimer Evergreen zu beginnen. 

Marc-Andre ter Stegen, Ajax Amsterdam, 34 Jahre, 44 Länderspiele

Von Mönchengladbach nach Barcelona gewechselt und dort jahrelang überzeugend, wartete er seit seinem Debüt 2012 geduldig hinter Manuel Neuer auf seine Zeit. 

Sie kam nicht. Erst verletzte er sich, dann wurde er beim FC Barcelona ausgebootet, dann verletzte er sich erneut. Seine zweijährige Leidenszeit kostete ter Stegen die WM-Teilnahme und vermutlich sogar die Chance als Nummer eins. 

Seit diesem Sommer wagt er einen Neustart bei Ajax Amsterdam. Kommt im Herbst der Karriere nochmal die Chance auf das späte Happy End? Wenn er an seine Leistungen von bis vor zwei Jahren anknüpfen kann, ist er ein Top-Torhüter. Es ist ein großes Wenn.

Bernd Leno, FC Fulham, 34 Jahre, 9 Länderspiele

Jürgen Klopp kennt Leno aus der Premier League, wo er seit 2018 erst für Arsenal, mittlerweile im fünften Jahr für Fulham spielt. Vielleicht ein entscheidender Vorteil für ihn? 

Leno galt einst zusammen mit ter Stegen als großes Talent (28 U-Einsätze für Deutschland), schaffte es aber nie, sich im Kreis der Nationalelf festzuspielen. Auch er wäre eine erfahrene, solide Übergangslösung.

Weitere alte Hasen wie Kevin Trapp (36, FC Paris), Stefan Ortega (33, Olympiakos) oder Loris Karius (33, Schalke) sind ebenfalls in der Verlosung, aber keine ernstzunehmenden Kandidaten.

Prognose: gute Chancen für Urbig

Es gibt ein gutes Dutzend Kann-Lösungen, keine einzige Muss-Lösung. Keiner der Kandidaten drängt sich auf, die großen Fußstapfen der Maiers, Schumachers, Kahns und Neuers im deutschen Tor auszufüllen. Noch nicht. 

Besonders auffällig: Nur ein Torhüter unter 30 Jahren hat überhaupt bereits Länderspielerfahrung gesammelt. Und das ist der 29-Jährige Nübel mit ganzen drei Einsätzen, der im September 30 wird. Dieses Vakuum der 25- bis 30-Jährigen kombiniert damit, dass auch von den alten Hasen niemand uneingeschränkt passt, öffnet die Tür für die next Generation. Weit. 

Für Klopp ist die Situation Fluch und Segen zugleich. Fluch, weil es keine klare Lösung gibt und damit noch einige Monate lang zur Baustelle wird. Segen, weil es eine große Longlist gibt, er fast nichts falsch machen kann und vielversprechende Talente auf dem Sprung sind. Gut möglich, dass der Bundestrainer zunächst viel experimentiert und für die lange Länderspielpause sogar vier Torhüter nominiert und mehrere spielen lässt. 

Wenn es vier Torhüter werden, bedient er sich vielleicht in jedem Tier: einen der alten Hasen, einen der Kompromisslösungen und zwei Talente. Dann hätte Urbig gute Chancen, eines der Talente zu sein.

Wie auch immer die Torhüter in Klopps erster Länderspielphase aussehen, die Chance ist groß, dass das Bild bei der Europameisterschaft 2028 ein anderes sein wird. So wie nach der EM 2008, als zunächst René Adler übernahm und Manuel Neuer sich den Platz im Tor erst 2009 eroberte.

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