Min-jae Kim nach zwei Spielen einer der Gewinner beim FC Bayern
Min-jae Kim steht im Zentrum, den Rücken zur eigenen Linie, den Blick frei fürs Spiel. Ein langer Ball kommt in die Tiefe, der Stuttgarter Stürmer will ihn annehmen. Kim ist einen Schritt früher da, legt den Körper dazwischen, köpft klar nach vorn.
Keine Hektik, kein Foul, nur Timing und Präsenz. Genau so hat er auch den Supercup gegen Dortmund geprägt und genau so begann für ihn auch der Bundesliga-Auftakt gegen den VfB Stuttgart: ruhig, bestimmt, mit dem Gefühl, dass hier nichts durchrutscht.
Jonathan Tah saß in beiden Spielen zunächst auf der Bank. Ist Min-jae Kim also der erste große Gewinner beim FC Bayern?
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Kim war Verkaufskandidat bei den Bayern
Noch vor wenigen Monaten sah die Lage etwas anders aus. Kim war in den vergangenen zwei Jahren zeitweise als Verkaufskandidat gehandelt worden, die Münchner hätten bei einem guten Angebot vermutlich reagiert. Jetzt hat er sein früheres Napoli-Niveau zurückgefunden und sich möglicherweise als erster großer Gewinner der neuen Bayern-Saison etabliert.
In der ersten Bundesliga-Saison (2023/24) war Kim ein fester Teil der Innenverteidigung, stand in 22 von 25 Spielen in der Startelf und kam auf fast 2.000 Minuten. Das zeigt: Er war an sich von Anfang an gesetzt, aber noch nicht in jedem Spiel unverzichtbar. In der zweiten Saison (2024/25) zog er noch einmal an: 27 Spiele, 27-mal von Beginn, über 2.280 Minuten. In der dritten Saison (2025/26) zeigte sich dann ein anderes Bild: 25 Einsätze, aber nur noch 19-mal in der Startelf, 1.602 Minuten. Die Minutenzahl sinkt, die Zahl der Einwechslungen steigt, vor allem vermutlich weil Jonathan Tah verpflichtet wurde. Kim war längst nicht mehr ununmstritten.
Trotzdem: der Wechsel von „fast verkauft“ zu „unverzichtbarer Teil der Rotation“ kam nicht über Nacht, sondern über eine spürbare Stabilisierung, die bereits in der zweiten Hälfte der Vorsaison begann und sich jetzt fortsetzt. Was ihn dabei auszeichnet: eine hohe Passsicherheit (94% gegen den BVB laut fotmob), viele geklärte Bälle (Bestwert 13 Klärungen gegen den VfB laut fotmob), besonders per Kopf, keine verlorenen Duelle im eigenen Strafraum, keine Fouls, solide Balleroberungen. Defensiv ein wirklich aufgeräumtes Profil, das den Bayern den Rückhalt gibt, um vorne Risiko zu gehen.
Was Kim konkret gut macht, zeigt sich in den Details. Er liest die Situation früh, stellt sich zwischen Angreifer und Tor, gewinnt den ersten Kontakt. Bei langen Bällen in die Spitze ist er präsent, bei Flanken entscheidet er die Zweikämpfe. Im Aufbauspiel bleibt er ruhig, spielt kurze, sichere Pässe nach innen oder diagonal nach außen, ohne das Risiko zu suchen. Genau diese Mischung aus physischer Dominanz und kontrolliertem Spiel macht ihn für Vincent Kompanys System wertvoll. Das auch von miasanrot kritisierte Herauslaufen aus der Kette oder leichtsinniges Verschieben scheint erst einmal kein Thema mehr zu sein.
Die Ergänzung zu Upamecano und Tah funktioniert dabei über unterschiedliche Profile. Upamecano bringt Dynamik und Ballgewinn in der vorderen Zone, Tah die Ruhe und das Spiel nach vorne. Kim liefert die Konstanz in der letzten Linie, die Ruhe im Strafraum und die Zuverlässigkeit bei Standards. Wenn zwei von drei spielen, bleibt die Qualität hoch, ohne dass das System bricht. Diese Rotation ist für Bayern essenziell, weil die Zahl der Spiele in Liga, Pokal und Europa kaum Pausen zulässt, das wird man spätestens beim Spiel in Osnabrück sehen oder dann auf Schalke.
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Ausblick für die Bayern sehr positiv
Der Ausblick ist klar. Kim wird im weiteren Saisonverlauf eine zentrale Rolle spielen, mal als Teil der ersten Elf, mal als Rotationsspieler, der die Qualität hält, wenn andere Pause haben. Die Konkurrenz mit Tah und Upamecano ist real, aber sie ist auch ein Vorteil für Bayern. In der Bundesliga, im Pokal und in der Champions League wird die Tiefe entscheidend sein, um frisch zu bleiben und Verletzungen vorzubeugen. Genau hier liegt Kims Stärke: Er bringt Konstanz, Ruhe und Zuverlässigkeit in eine Abwehr, die in jeder Woche auf höchstem Niveau bestehen muss.
Max Eberl spricht mit Recht von einer Konstellation mit Jonathan Tah, Dayot Upamecano und Min-jae Kim, die viele Vereine beneiden würden. Drei Weltklasse-Innenverteidiger, so Eberl, seien eine Qualität, die man in der Vielzahl der Partien brauchen werde.
Wenn Kim so weitermacht, wird er nicht nur als „erster Gewinner“ der Saison gelten, sondern als einer der Spieler, die den Ton angeben. Kein lauter Auftritt, kein großes Gerede, sondern Leistung, die im Spiel bleibt und am Ende zählt. Für Bayern ist das genau das, was sie brauchen: eine Abwehr, die trägt, und ein Innenverteidiger, der in jedem Spiel das Gefühl gibt, dass hier nichts passiert. Und dann werden automatisch auch die Spielminuten bei Min-jae auf ein höheres Niveau steigen, als in der letzten Saison.


