Harry Kane (FC Bayern) jubelt
Bild: Alex Grimm/Getty Images

Analyse: Warum das Abkippen von Harry Kane so wichtig für den FC Bayern ist

Justin 25.08.2026
FC Bayern, FCB, Bundesliga, DFB-Team, Champions League, Alt Text vergessen

Es hätte eine recht hitzige Anfangsphase in Dortmund werden können. Der BVB presste hoch und wollte den FC Bayern damit verunsichern.

Gerade zu einem frühen Zeitpunkt der Saison wäre das vielleicht sogar denkbar gewesen. Doch es kam anders. Beinahe mühelos bauten die Münchner ihr Spiel auf, der Gegner lief immer wieder ins Leere, bis er auf diesen Aufwand keine Lust mehr hatte und sich fallen ließ.

Klar, Joshua Kimmich und Aleksandar Pavlović hatten mit starken Leistungen ihren Anteil daran, dass die Passquote laut Wyscout bei über 90 Prozent blieb und wirklich gefährliche Ballverluste die Ausnahme blieben. Doch einer, der ebenfalls dazu beiträgt, ist Harry Kane.

Das Abkippen des Engländers wird oft genug beschrieben. Er macht halt mit und verteilt die Bälle klug nach vorn. Beeindruckend. Aber was steckt eigentlich genau dahinter? Warum funktioniert das für den FCB so gut? Eine Analyse.

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Harry Kane: Warum seine Bewegungen so wichtig für den FC Bayern sind

Bereits in der Anfangsphase beteiligte sich Kane mehrfach am Spielaufbau der Bayern. So beispielsweise in der vierten Minute, als er sich in den Sechserbereich fallen lässt.

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Mit seiner Bewegung löst er eine Kettenreaktion aus:

  • Waldemar Anton rückt vorsichtig heraus, weil er unsicher ist, ob er es sich erlauben kann, seine Kollegen hinten allein gegen Brown, Díaz und Olise zu lassen.
  • Die Dortmunder weiter vorn werden unsicher, wie ihre Zuordnung aussehen sollte. Kane positioniert sich direkt zwischen zwei Gelben: Jobe Bellingham und Felix Nmecha.

In der Folge wird der Ball nach innen gespielt, wo Bellingham dann aggressiv ins Pressing geht und damit auch die Mitspieler um sich herum animiert, aggressiv den Ball zu jagen. Drei Dortmunder pressen nun im höchsten Tempo. Dank Kane ist das aber gar kein Problem.

Fünf Bayern-Spieler kombinieren nun auf engstem Raum gegen drei pressende Dortmunder. Nur ein untypischer individueller Fehler könnte die Schwarzgelben hier in Ballbesitz bringen. Theoretisch gibt es durch das Abkippen aber noch einen weiteren Effekt als die schiere Dominanz und Kontrolle.

Durch das Herausrücken von Anton öffnet sich für einen kleinen Augenblick die Fünferkette im Zentrum. Wenn Olise, Díaz oder Brown hier tief in die Lücke starten und Stanišić rechtzeitig Wind davon bekommt, ist ein langer Ball möglich, der mit sehr viel Raum zwischen Mittellinie und BVB-Tor gefährlich werden könnte.

Wie Harry Kane eine ganze Defensivformation manipuliert

Kane bringt mit solchen Bewegungen den Stress in die gegnerische Formation:

  • Anton muss im Bruchteil einer Sekunde entscheiden, ob er mitgeht oder nicht. Geht er mit, ist die Abwehr hinten luftiger, geht er nicht mit, kann Kane womöglich aufdrehen und mit Tempo auf die BVB-Abwehr zulaufen.
  • Bellingham und Nmecha müssen entscheiden, wen sie nun pressen. Beide haben nun keine klare Zuordnung mehr und weil sich Bellingham dazu entscheidet, Kane zu folgen, ist plötzlich Pavlović frei. Und der bekommt im weiteren Spielverlauf auch die Kugel mit viel Raum.

Bayern lässt Dortmund in dieser Szene in etwa eine Minute lang hinterherlaufen. Wie im Rondo läuft der Ball durch die eigenen Reihen. Das saugt am Energielevel des Gegners und bringt Sicherheit. Außerdem führt es dazu, dass der hohe Pressingdruck im Spielverlauf weniger wird, wenn es kaum gute Ballgewinne gibt.

Kanes Abkippen ist kein Selbstzweck

Gegen das Abkippen Kanes könnte man argumentieren, dass er vorn fehlt. Aber das ist nicht wirklich so. Hat sich der Gegner zurückgezogen, ist Kane relativ bald auch wieder auf seiner angestammten Position. Er ist quasi ein Mittel zur Übernahme der Kontrolle.

Und gleichzeitig ist er ein herausragender Spielgestalter, der lange Bälle nach vorn schlagen kann, wenn er einen Innenverteidiger aus der Kette zieht und die schnellen Offensivspieler tief gehen. Das fehlte gegen den BVB manchmal noch etwas, wird mit mehr Rhythmus aber zurückkommen.

Kanes Abkippen ist nicht Selbstzweck oder die Übernahme von Aufgaben, die andere nicht übernehmen könnten. Es ist ein gezielt eingesetztes taktisches Mittel, um tiefe Fünferketten zu bespielen, den Gegner zu locken und Überzahl gegen höheres Pressing zu schaffen. Eine smarte Möglichkeit, einen Weltklassespieler so einzubinden, dass das gesamte Team profitiert.

Für Kimmich und Pavlović ist das eine enorme Entlastung, weil sie so häufig noch mehr Raum vorfinden, um ihre Klasse auszuspielen. Und Díaz, Olise und Co. profitieren, weil sie ihre Stärken bei Tiefenläufen voll ausspielen können. Gegner werden damit vertikal auseinandergezogen und ausgerechnet der Raum, den Mannschaften wie der BVB so kompakt wie möglich halten wollen, öffnet sich plötzlich für den FC Bayern: Das Mittelfeldzentrum.

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