Nathaniel Brown: Das neue Bayerische Taschenmesser des FC Bayern?
Wohl kaum einer hätte damit gerechnet, dass man im ersten Pflichtspiel der Saison den eigentlich hinten links verteidigenden Brown im offensiven Mittelfeld vorfindet.
Doch durch Jamal Musialas Abwesenheit und den wahrscheinlich immer noch nicht ganz fitten Ismael Saibari musste Vincent Kompany umplanen und hatte damit Erfolg.
Dass sich der Neuzugang aus Frankfurt auch im Zentrum wohlfühlt, hat er dort bereits bewiesen. Das Einrücken ins Zentrum gehört schon länger aktiv zu seinem Spiel. Unter Ex-Eintracht-Coach Albert Riera konnte man Brown sogar schon einmal im zentralen offensiven Mittelfeld sehen.
Nach einer guten Vorstellung kommen nun natürlich Gedankenspiele auf. Kann man Brown auf noch mehr Positionen spielen lassen als bisher eingeplant? Miasanrot geht in die Analyse, betrachtet alle Möglichkeiten des flexiblen Nationalspielers und erörtert, welche Lösung sinnvoll ist.
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Die Stammposition von Nathaniel Brown: Links hinten
Mit großem Abstand seine meistgespielte Position. Der Linksverteidiger Brown zeichnet sich durch seine Spielintelligenz und Fähigkeiten am Ball aus. Ein massenhaft Flanken schlagender, an der Linie klebender klassischer Außenverteidiger à la David Raum ist er nicht.
Das ist allerdings auch gar nicht im Sinne des aktuellen FC Bayern. Durch die inversen Fähigkeiten des 23-Jährigen kann das Konzept von Kompany, das extrem fluide ist und gerne durch das Zentrum aufbaut, noch besser funktionieren als mit seinem letztjährigen Vorgänger Josip Stanišić.
Allerdings ist die Kadersituation hierbei auch anzusprechen. Als Linksverteidiger steht etatmäßig nun auch einer der Topverdiener, Alphonso Davies, zur Verfügung. Dass dieser ebenfalls über herausragendes Potenzial verfügt, ist kein Geheimnis. Die Frage ist, ob der Kanadier auch auf verschiedenen Positionen eingeplant wird. Zumindest offensiv könnte er als Ersatz von Luis Díaz ein paar Minuten sammeln.
Für Brown ist die Position derweil die, für die er verpflichtet wurde. Das erklärte jüngst auch Max Eberl, als er im Rahmen des Supercups sagte, dass man ihn zumindest nicht als Zehner geholt habe, es aber schätze, dass er dort spielen kann. Besonders im Hinblick auf den verletzungsanfälligen Davies und den im Ballvortrag etwas limitierten Stanišić kann Brown ein herausragender Transfer sein.
Auch rechts eine Option?
Ebenfalls schon gespielt hat er auf der rechten Abwehrseite. Ein weiterer Verweis auf die Klasse des Spielers, denn Seitenwechsel sind in der Praxis nicht so simpel, wie sie sich vermutlich anhören, da sich die Aktionen und die Gewichtung des starken Fußes auf den beiden Flügeln unterscheiden.
Rechts ist aber die Kadersituation eine andere. Denn dort steht mit Konrad Laimer eine sehr etablierte Stammkraft, die gemeinsam mit Starspieler Michael Olise ein starkes Duo auf der rechten Seite bilden konnte.
Was trotzdem dafür spricht, Brown auch rechts hinten einzusetzen, sind sein weiteres Entwicklungspotenzial im Vergleich zum 29-jährigen Laimer. Auch Rotationsgründe sind hier zu nennen. Besonders mit einem so breiten Kader, wie er dieses Jahr in München zur Verfügung steht, wird die Rotationsmaschine ein-, zweimal öfter angeworfen werden als es letztes Jahr noch der Fall war.
Sportlich interessant wäre garantiert auch das Duo Brown und Olise auf der rechten Seite. Zwei so spielstarke Ausnahmekönner könnten zu guten Spielzügen führen. Ein kleiner Vorgeschmack darauf könnte dabei einer der wenigen Lichtblicke der deutschen Nationalmannschaft gewesen sein, bei der das Hinterlaufen von Florian Wirtz durch Brown einige vielversprechende Situationen schaffen konnte.
Brown kann auch vorderlaufen und mit seinen diagonalen Wegen in die Mitte für Gefahr sorgen. Dass er auch auf dieser Seite invers funktioniert, sah man in Frankfurt und auch schon in der Vorbereitung des FCB.
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Vom Flügel ins Zentrum: Browns Flexibilität ist bemerkenswert
Dass im modernen Fußball der Weg von der Außenverteidigung ins zentrale Mittelfeld nicht so groß ist, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Diverse Beispiele wie Joshua Kimmich, Trent Alexander-Arnold oder Philipp Lahm haben die Transition in die eine oder die andere Richtung bereits gemacht. Selbst beim FC Bayern sahen wir im vergangenen Jahr einen Tom Bischof oft hinten links.
Passend dazu verfügt Brown über ein ähnliches Skillset wie die genannten Kandidaten: Ruhe am Ball, Spielintelligenz sowie Pass- und Flankenstärke. Von Pressingdruck lässt er sich kaum beeindrucken. Gerade in diesem Jahr ist die Bayern-Sechs mit drei Top-Optionen relativ dünn besetzt. Da liegt die Möglichkeit gar nicht so fern, dass jemand Positionsfremdes einmal aushelfen müsste.
In der vergangenen Saison konnte man in Frankfurt auch schon oft beobachten, dass der ehemalige Nürnberger vor die Dreierkette gezogen wurde und begann, den Spielaufbau zu leiten.
Wie schon gegen den BVB im Offensiven Mittelfeld?
Der Ausflug in die Offensive gegen den BVB kam auf den ersten Blick überraschend. Doch nachdem man das Spiel gesehen hat, gibt es gar keinen Grund für Pessimismus. Das Zusammenspiel mit dem Rest der Offensive klappte mit etwas Anlaufzeit und offensive Akzente konnte er ebenfalls setzen. Allen voran sein Tor fiel natürlich auf.
Dort sieht man auch einen der Gründe, warum man bei Brown über so viele Möglichkeiten spricht. Der Abschluss war einfach super. Ruhig, platziert und ohne Chance für den Torwart. Das beruht auf der extrem sauberen und intelligenten Spielweise des Allrounders.
Deswegen war es auch nicht abwegig, ihn auf die Zehn zu stellen. Der Vergleich zu Raphaël Guerreiro kam öfters auf und er passt. Bloß besitzt Brown teilweise Stärken, die Guerreiro so nie hatte: Endgeschwindigkeit und Defensivstärke beispielsweise.
Aber der gemeinsame Nenner ist die starke Technik und Spielintelligenz, die einen Verteidiger auch in der Offensive nützlich machen. Besonders in der Zentrale, wo Kreativität und technische Qualitäten besonders zur Geltung kommen. In einem System, das den Fokus auf die Arbeit mit dem Ball legt.
Wo kommen seine Stärken am besten zum Vorschein?
Nach tieferer Analyse kann man sich die Erörterung, auf welcher Position Brown am besten zur Geltung kommt, fast sparen und schnell zu einem Entschluss kommen: Die Rolle als Bayerisches Taschenmesser passt ihm am besten.
In der Endqualität des Spielers gibt es vielleicht Akteure, die auf einem ähnlichen Niveau agieren können. Doch die Vielseitigkeit ist im Bayern-Kader fast einmalig. Deswegen besteht aktuell gar kein Bedarf dafür, diesen Spieler auf eine bestimmte Position festzunageln.
Genau damit ist er für den FC Bayern am nützlichsten. Für Kompany ist er damit eine ungemein wichtige Komponente, wenn es darum geht, sich auf unterschiedliche Arten von Gegnern vorzubereiten. Es gibt natürlich die Möglichkeit, Abstufungen zu machen, wo er individuell gesehen am besten ist.
Links hinten dürfte weiterhin seine Paraderolle sein. Als defensivstarker, aber eben auch gestaltender Außenverteidiger. Führt der Konkurrenzkampf mit Davies aber dazu, dass beide Spieler Top-Leistungen bringen, gibt es Ausweichmöglichkeiten für das Trainerteam. Gut möglich also, dass Brown am Ende auf vielen Positionen mehrere Einsätze haben wird.
Nathaniel Brown: Zukunft auf der rechten Seite des FC Bayern?
Als letzte Anmerkung wäre aber noch ein Gedankenspiel interessant. Die aktuelle Altersstruktur der Münchner Außenverteidiger lässt Überlegungen zu, Brown langfristig zumindest auf die rechte Seite zu versetzen. Dass ein Davies in Topform zu den besten Spielern auf seiner Position gehört, steht außer Frage. Seine Athletik und seine Dribblings sind einmalig.
Auf der anderen Seite steht Laimer, der herausragend gut spielt, diese Saison aber auch schon in seine 30er eintritt. Was in den nächsten Jahren vermutlich einen Platz auf der rechten Seite frei macht. Was einen gezielten Versuch, Brown auf der rechten Seite einzusetzen, zumindest interessant macht. In einer verletzungsfreien Welt wäre die Perspektive eines Davies und Brown auf den Außenverteidigerpositionen eine reizvolle Überlegung.
Aber dafür muss sich Davies eben noch strecken – und vor allem fit bleiben. Für Brown sieht es schon sehr früh sehr vielversprechend beim FC Bayern aus. Auf welcher Position auch immer.


