FC Bayern, FCB, Bundesliga, DFB-Team, Champions League, Alt Text vergessen
Bild: Alexander Hassenstein, Getty Images

Der FC Bayern und die 250-Millionen-Frage

Georg 14.08.2026


FC Bayern, FCB, Bundesliga, DFB-Team, Champions League, Alt Text vergessen

Der FC Bayern steht offenbar vor einem Verkauf weiterer Anteile der FC Bayern AG. Nach Informationen von Münchner Merkur und tz will der Verein fünf Prozent der AG an Viessmann verkaufen. Der Kaufpreis soll bei rund 250 Millionen Euro liegen.

Der Anteil des FC Bayern München e.V. an der AG würde damit von 75 auf 70 Prozent sinken. Adidas, Audi und Allianz halten jeweils 8,33 Prozent. Eine offizielle Bestätigung des Clubs steht bislang aus.

250 Millionen Euro klingen nach einem guten Geschäft für den FC Bayern. Tatsächlich wirft der Deal aber Fragen auf: Ist der Preis gut? Darf der FC Bayern die Anteile oder Zustimmung der Mitglieder verkaufen? Warum verkauft der FC Bayern ausgerechnet jetzt seine letzten frei verfügbaren Anteile? Und vor allem: Was will er mit dem Geld anfangen?

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250 Millionen Euro: fairer Preis, trotzdem schlechtes Geschäft?

250 Millionen Euro für fünf Prozent der FC Bayern München AG entsprechen rechnerisch einer Unternehmensbewertung von rund fünf Milliarden Euro. Das liegt in der Größenordnung dessen, was der FC Bayern nach gängigen Unternehmensbewertungen derzeit wert sein dürfte. Das Wirtschaftsmagazin Forbes schätzt den Wert des FC Bayern ziemlich genau auf knapp fünf Milliarden Euro. Der Verkaufspreis ist also nah am “Fair Value” des FC Bayern. 

Und dennoch: Es sind die letzten fünf Prozent, das letzte Tafelsilber, das der FC Bayern ohne Weiteres, also ohne Satzungsänderung, verkaufen kann. Dafür scheint der Fair Value zu niedrig. Die naheliegende Analogie im Fußball sind Ablösesummen. Der FC Bayern litt im Sommer 2025 darunter, als der VfB Stuttgart den umworbenen Nick Woltemade gerade nicht zum “fairen” Marktwert, sondern nur für ein deutliches Premium verkaufte. Borussia Dortmund beißt sich aktuell die Zähne am 1. FC Köln aus, der für Said El Mala einen Aufpreis zum Marktwert verlangt. Der FC Bayern würde Lennart Karl oder Michael Olise kaum zu ihren Marktwerten (60 bzw. 170 Millionen Euro) verkaufen.

Der Grund ist einfach: Der Fair Value beantwortet die Frage, was ein Vermögenswert ungefähr wert ist. Ob ein Verkauf zu diesem Preis für den Eigentümer sinnvoll ist, ist eine ganz andere Frage. Auch bei Unternehmenskäufen werden deshalb regelmäßig Prämien auf einen rechnerischen Fair Value bezahlt. Oder Abschläge. Auch das kennen Fußballfans vom Transfermarkt. 

Für den FC Bayern strategisch besonders relevant: Jeder Anteil kann nur einmal verkauft werden. Heute fünf Prozent für 250 Millionen Euro zu verkaufen, heißt, diese Anteile nicht in zehn Jahren für dann vielleicht 400, 500 oder 600 Millionen Euro verkaufen zu können.

Darf Bayern das ohne Zustimmung der Mitglieder?

Formal: ja.

Die Satzung erlaubt es dem Verein, weitere fünf Prozent an der AG ohne Zustimmung der Mitgliederversammlung zu verkaufen. Dies würde mit dem Verkauf an Viessmann erfolgen. Erst für weitere Anteilsverkäufe darüber hinaus müsste die Mitgliederversammlung zunächst einer Satzungsänderung zustimmen.

Vereinspolitisch ist die Sache brisanter. Auf der Jahreshauptversammlung 2021 wurde genau über dieses Thema intensiv diskutiert. Michael Ott stellte damals einen Satzungsänderungsantrag, nach dem der FC Bayern keine weiteren Anteile an der AG verkaufen sollte, ohne die Zustimmung der Mitgliederversammlung einzuholen. 

Der Antrag erhielt eine deutliche Mehrheit. 473 Mitglieder stimmten dafür, 236 dagegen, 46 enthielten sich. Gescheitert ist er trotzdem, da für eine entsprechende Satzungsänderung eine Dreiviertelmehrheit notwendig gewesen wäre. Die Logik dahinter: Gravierende Satzungsänderungen sollten nicht mit knappen Mehrheiten beschlossen werden können. Inhaltlich war das Votum dennoch deutlich. Eine klare Mehrheit der anwesenden Mitglieder wollte bei zukünftigen Anteilsverkäufen mitbestimmen.

Bayernpräsident Herbert Hainer argumentierte damals gegen die Satzungsänderung. Der FC Bayern benötige die verbleibenden fünf Prozent als eine Art Manövriermasse, um auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten handlungsfähig zu bleiben. Das war plausibel, gerade in der damaligen, von der Corona-Pandemie geprägten Stimmungslage. Dem FC Bayern für vergleichbare Krisenzeiten einen finanziellen Notgroschen zu überlassen, ohne den formal und zeitlich aufwendigen Umweg über eine Mitgliederversammlung gehen zu müssen, war eine plausible Position.

Nur: Der FC Bayern befindet sich im August 2026 in keiner Krise. Der jetzige Verkauf passt nicht zu dem Versprechen von 2021, die fünf Prozent als Notgroschen zu verwenden. 

Zumal die nächste Mitgliederversammlung des FC Bayern bereits in etwas über drei Monaten ansteht. Formal kann der FC Bayern die Anteile ohne Beschluss und Diskussion ebendort veräußern. Mit Blick auf die Begründung und das Votum der Mitgliederversammlung 2021 sowie dem generellen Respekt vor der Mitgliederversammlung als wichtigem Organ des Vereins wäre es für den FC Bayern auch eine Alternative gewesen, den Verkauf dort zumindest zu diskutieren, wenn nicht gleich zur Abstimmung zu stellen. So dringlich, keine drei Monate warten zu können, ist die Lage an der Säbener Straße kaum. 

Warum eigentlich Viessmann?

Viessmann ist ein traditionsreiches deutsches Unternehmen im Bereich der Wärme-, Klima- und Energietechnik und seit Jahren Sponsor des FC Bayern. Max Viessmann sitzt zudem im Verwaltungsbeirat des FC Bayern. Viessmann ist ein guter Sponsor und Partner für den FC Bayern.

Ob Viessmann aber auch ein guter Anteilseigner ist, ist eine andere Frage. Auf der Mitgliederversammlung 2021 argumentierten Hainer und der damalige CEO Oliver Kahn auch damit, bei einem potenziellen neuen Anteilseigner nicht nur aufs Geld zu schauen, sondern auch darauf, dass dieser Partner dem FC Bayern einen strategischen Mehrwert bietet. Anders als etwa bei adidas oder der Allianz ist nicht klar, was dieser Mehrwert von Viessmann sein wird.

Hinzu kommt, dass Viessmann selbst ein Unternehmen im Umbruch ist. 2023 verkaufte die Familie Viessmann ihr Kerngeschäft Viessmann Climate Solutions für rund zwölf Milliarden Euro an den US-Konzern Carrier Global. Dieser Bereich stand für den ganz überwiegenden Teil des Viessmann-Geschäfts. 

Daraus ergibt sich ein interessanter Nebenaspekt: Der bisherige Sponsor mit der Marke Viessmann gehört zu dem Teil des Unternehmens, der inzwischen Teil von Carrier ist. Die von Max Viessmann geführte Viessmann Generations Group ist davon getrennt. Sie wäre es wohl auch, die die Anteile des FC Bayern kaufen würde. Die Viessmann Generations Group hat durch den Verkauf des Kerngeschäfts eine gut gefüllte Kasse und entwickelt sich zunehmend zu einer Beteiligungs- und Investmentholding. Sie investiert unter anderem in Unternehmen aus den Bereichen Klima, Energie und Nachhaltigkeit. Und jetzt anscheinend auch in den FC Bayern.

Wofür braucht der FC Bayern jetzt 250 Millionen Euro?

Akut und operativ braucht der FC Bayern das Geld nicht. CEO Jan-Christian Dreesen hat bereits erklärt, dass der FC Bayern auch das Geschäftsjahr 2025/26 mit einem Gewinn abgeschlossen hat. Die AG verfügt weiterhin über hohes Eigenkapital, wertvolle Assets und stabile Einnahmen. 

Der FC Bayern wächst und investiert. Das Stadion in Unterhaching kam als vierter großer Standort der Fußballabteilungen dazu und bedarf weiterer Sanierungen und Modernisierungen. An der Säbener Straße und am Campus sind Investitionen geplant beziehungsweise schon im Gange. 

Und dann ist da noch die Allianz Arena, mittlerweile auch schon 21 Jahre alt. Auch sie wird über kurz oder lang ein Facelifting benötigen. Vor allem in Sachen Hospitality ist die Arena nicht mehr auf dem Stand der Sportwelt. Neue Stadien wie das Madrider Bernabeu oder das neue Camp Nou, oder erst das SoFi in Los Angeles, spielten vor allem in Sachen  Hospitality in einer anderen Liga als die Allianz Arena. Real Madrid erlöst mit seinem neuen Stadion fast 100 Millionen Euro mehr pro Jahr als der FC Bayern.

Oder steckt der FC Bayern einen Teil der Einnahmen in den weiteren und schnelleren Aufbau des Frauenteams? Das kann derzeit finanziell nicht mit den europäischen Schwergewichten Barcelona und Lyon oder der englischen WSL mithalten. 

Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich wäre ein Großinvest in den Basketball. Die NBA plant einen europäischen Ableger, die NBA Europe. Nach aktueller Planung sollen zwölf Teams einen festen Startplatz erhalten. Diese Startplätze verkauft die NBA. Die Eintrittsgebühren sollen bis zu einer Milliarde Euro pro Team kosten, wobei damit gerechnet wird, dass starke Marken in wichtigen Märkten – wie der FC Bayern und Deutschland – hohe Rabatte erhalten. Teuer wäre es dennoch, zumal es mit dem Eintrittspreis nicht getan wäre, sondern danach auch erheblich in die Mannschaft investiert werden müsste. Das wäre für den FC Bayern als Ganzes eine einschneidende strategische Entscheidung.

Ob der FC Bayern mit dem Anteilsverkauf ein gutes Geschäft macht, entscheidet sich maßgeblich daran, was Bayern mit diesen 250 Millionen Euro macht und ob diese Pläne aufgehen.

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