Harry Kane im Trikot von England bei der WM 2026
Bild: Justin Setterfield/Getty Images

Harry Kane und sein Trump-Treffen: Er sollte nicht so einfach davonkommen – ein Kommentar

Katrin Justin 12.07.2026

Eigentlich war es eine total harmlose Pressekonferenz. Doch dann wurde Harry Kane auf etwas angesprochen, was Donald Trump jüngst ausgeplaudert hatte: Beide spielten vor rund anderthalb Jahren in Florida gemeinsam Golf. Kane sprach von einer „surrealen“ und „einzigartigen Erfahrung“, lobte Trumps Fähigkeiten auf dem Golfplatz und zeigte sich „dankbar“ für die Einladung.

„Wenn der Präsident dich einlädt, geht man eben hin“, lautete sinngemäß seine Begründung.
Dieses Schulterzucken wirft die Frage auf, wie unterschiedlich Begegnungen von Spitzenfußballern mit politischen Akteuren bewertet werden.

Und wer diese Geschichte analysiert, kommt an einem prominenten Vergleich der deutschen Fußballgeschichte nicht vorbei: Mesut Özil.

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Als Özil in Deutschland zerrissen wurde

Erinnern wir uns an das Jahr 2018. Als der damalige deutsche Nationalspieler Özil – gemeinsam mit Ilkay Gündogan – ein Foto mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan machte, brachen in Deutschland alle Dämme.

Dem Mittelfeldspieler wurden mangelnde Loyalität, politische Instrumentalisierung und die Missachtung demokratischer Werte vorgeworfen. Hinzu kamen viele rassistische Beleidigungen und Vorurteile. Die Debatte begleitete das deutsche Team bis zum WM-Debakel in Russland und endete mit dem Rücktritt Özils aus der Nationalmannschaft. Ein Ablauf, der auch deshalb so möglich war, weil der Fußballer Özil längst mit schwächeren Leistungen angreifbar wurde. Man muss es so klar sagen: Für die Deutschen war er „verzichtbar“.

Özils Argument, es habe sich lediglich um ein Foto aus Respekt vor dem höchsten Amt des Herkunftslandes seiner Familie gehandelt, wurde von den Medien, Verbänden und breiten Teilen der Öffentlichkeit in der Luft zerrissen. Eine kritische Haltung, die nicht unberechtigt, an mancher Stelle aber doch unfair war, wenn man bedenkt, wie sich andere Fußballer regelmäßig aus den absurdesten Skandalen und Vergehen herauswinden können.

Harry Kane: Vermeintlich unpolitisch

Kane traf sich nicht nur für ein schnelles Erinnerungsfoto mit Trump. Er verbrachte einige Stunden mit ihm auf dem Golfplatz und beschrieb die Begegnung anschließend als positiv. Natürlich gab und gibt es auch Kritik an Kane.

In sozialen Medien, in Kommentarspalten und auch von einigen Journalist*innen wurde hinterfragt, ob ein Treffen mit Donald Trump – inklusive der anschließend ausgesprochenen lobenden Worte – das richtige Signal sendet. Doch gemessen an der Wucht der Debatte, die einst über Özil hereinbrach, fällt die Kritik bislang vergleichsweise moderat aus.

Dabei behauptet niemand ernsthaft, Kane sei MAGA-Anhänger oder teile Trumps politische Agenda, nur weil er mit ihm Golf gespielt hat. Der Kapitän der „Three Lions“ gab sich in der Öffentlichkeit schon immer unpolitisch. Was absolut in Ordnung ist. Die Erwartungshaltung, jeder Fußballspieler müsse sich auch politisch positionieren, ist überzogen.

Kanes bisherige Zurückhaltung ist auch gar nicht das Thema. Die entscheidende Frage lautet vielmehr: Muss man eine solche Einladung überhaupt annehmen, wohl wissend, was das auslösen kann und wird?

Eine Zusage war nicht alternativlos

Gerade von einem politisch so zurückhaltenden Menschen wie Kane hätte man erwarten können, dass er sich hier nicht von einem Autokraten instrumentalisieren lässt. Und wenn es nur eine freundliche Lüge als Absage gewesen wäre.

Das Argument, man könne eine Einladung eines Präsidenten nicht ausschlagen, überzeugt nur bedingt. Kane ist einer der bekanntesten Fußballer der Welt, finanziell unabhängig und von einem professionellen Beraterteam umgeben. Er wurde sicher nicht dazu gezwungen, diese Einladung anzunehmen.

Die ehemalige US-Nationalspielerin Megan Rapinoe etwa kündigte bereits vor dem Gewinn der Frauen-WM 2019 an, eine Einladung Trumps ins Weiße Haus nicht anzunehmen – und blieb auch nach dem Titelgewinn bei dieser Haltung. Man kann also durchaus ablehnen. Kane hätte das nicht mal so offensiv tun müssen wie Rapinoe. Es wäre dann einfach geheim geblieben.

Nun aber ist er mindestens zu einem kleinen Spielball Trumps geworden, ohne das aktiv angepeilt zu haben. Es ist authentisch, dass er wirklich glaubt, eine Runde Golf mit dem US-Präsidenten sei komplett unpolitisch und einfach nur eine Möglichkeit, einen Menschen kennenzulernen, den man sonst nur aus dem Fernsehen kennt.

Kane darf nicht unangreifbar sein, weil er gut kicken kann

Es ist aber gleichzeitig eine falsche Sicht der Dinge. Es geht nicht darum, Harry Kane zum Trump-Anhänger zu erklären oder ihm eine politische Gesinnung zu unterstellen. Sondern darum festzuhalten, dass jede öffentliche Begegnung mit einem Politiker auch eine bewusste Entscheidung ist und seine Auswirkungen hat.

Autokraten nutzen den Sport häufig dafür, ihr Image reinzuwaschen und sich mit den großen Namen zu schmücken. Schaut man sich den Werdegang von Özil und sein Abdriften in radikale Kreise genauer an, steht sein Foto mit Erdogan natürlich heute nochmal in einem ganz anderen Licht. Von Kane ist jetzt nicht zwingend zu erwarten, dass er morgen mit einer „Maga“-Kappe durchs englische Camp marschiert. Es gibt (noch) klare Unterschiede zwischen Özils Kumpelei mit Erdogan und Kanes „Starstruck“-Verhalten Trump gegenüber.

Und doch ist gerade die Rezeption des Ganzen sehr spannend. Die Art und Weise, wie Kane vor allem deshalb von vielen in Schutz genommen wird, weil er nicht nur gut gegen den Ball treten kann, sondern er auch generell in einer privilegierten Situation ist. Özil wurden wegen seiner politisch extremen Haltung in Deutschland sogar die Rassismuserfahrungen abgesprochen, die ganz offensichtlich zu erkennen waren, wenn man nur ein bisschen auf das Thema geschaut hat.

Kane hat ein Standing, das ihn nahezu unangreifbar macht. Das sollte er aber nicht sein. Sein Treffen mit Trump darf nicht nur, es muss sogar kritisiert werden. Er sollte sich nicht damit herauswinden dürfen, „nur“ eine Runde unpolitisches Golf mit dem US-Präsidenten gespielt zu haben. Natürlich sollte andererseits auch nicht sinnlos skandalisiert werden.

Aber man kann nicht einerseits immer wieder zu Recht kritisieren, wie sehr sich der Spitzenfußball von der Politik vereinnahmen und instrumentalisieren lässt, um andererseits dann genau diese kleinen Themen abzuwinken und zu sagen: Ja mei, er ist halt nur ein unwissender Sportler, der ein bisschen golfen wollte. Kane ist mehr als das. Und es ist selbst für einen Fußballprofi in seiner Bubble unmöglich, nicht mindestens grob zu wissen, wofür Trump steht.

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