Nach Brown und Saibari: Ist der FC Bayern auf dem Transfermarkt fertig?
Ein guter Schüler, der seine Hausaufgaben schon freitags macht, kann am restlichen Wochenende die Füße hochlegen. So oder so ähnlich muss sich der FC Bayern München nach den frühzeitig eingetüteten Transfers von Ismael Saibari und Nathaniel Brown gefühlt haben. Immerhin konnte man damit frühzeitig zwei wichtige Personalien klären.
Mit Brown und Saibari kommen zwei durchaus interessante und aktuell gut performende Spieler. Brown zählte wohl zu den besten deutschen Spielern bei dieser Weltmeisterschaft. Saibari überzeugt ebenfalls bei Marokko.
Damit steht die Arbeit von Max Eberl im Kontrast zum vergangenen Jahr, als Last-Minute-Transfers und endlose Wechselpossen den Sommer bestimmten. Zwar kamen Tom Bischof, Jonas Urbig (Winter) und Jonathan Tah damals schon frühzeitig, doch viele Themen zogen sich endlos lang. Übereinstimmend ist zu hören, dass zumindest vorerst weniger los sein wird. Doch die Frage bleibt, ob nicht doch noch Baustellen vorhanden sind.
Miasanrot geht dafür in die Analyse und schaut, ob es noch sinnvoll wäre, aktiv zu werden.
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Welche Baustellen wurden durch Brown und Saibari geschlossen?
Besonders interessant: Die Münchner haben zwei Profis geholt, die schon auf mehreren Positionen gespielt haben. Ein guter Kniff, um mit möglichst wenig Aufwand möglichst viele Kaderstellen abzudecken.
Besonders Saibari sticht dabei heraus. Der marokkanische Nationalspieler ist in erster Linie ein Zehner: ein wuchtiger Spieler mit Power, überdurchschnittlichen technischen Fähigkeiten, gutem Passspiel und starkem Abschluss.
Geplant wird mit ihm allerdings auf mehreren Offensivpositionen. Neben der Zehn wird man den Ex-Eindhovener wohl auch auf den Flügeln sehen, vielleicht sogar im Sturmzentrum. Dass die Bayern-Bosse genau diese Vielseitigkeit am Marokkaner schätzen, kam in Medienberichten rund um den Transfer immer wieder auf.
Damit soll der Offensivspieler den Angriff der Bayern gleich auf mehreren Positionen verstärken. Hinter der A-Elf stünden mit Lennart Karl, Serge Gnabry und Saibari drei sehr gute Optionen für den Münchner Offensivapparat bereit.
Nach dem bisherigen WM-Verlauf kann man sich wohl glücklich schätzen, den Transfer frühzeitig eingetütet zu haben. Denn nach dem Turnier hätten sich die Gespräche womöglich deutlich schwieriger gestaltet.
Offene Fragen bei Brown
Brown wiederum stach in Frankfurt ebenfalls dadurch heraus, dass er auf mehreren Positionen überzeugte. Besonders prominent dürfte bei den Bayern sein Ausflug auf die Rechtsverteidigerposition sein. So kann man den meist über links kommenden Außenverteidiger bei Bedarf auch relativ bedenkenlos die Seite wechseln lassen.
Doch in der Mainmetropole standen auch Einsätze auf dem linken Flügel sowie gelegentliche taktische Ausflüge auf die Sechserposition zu Buche. Das zeigt, dass der Halb-Amerikaner allgemein ein so gutes spielerisches Profil besitzt, dass er flexibel eingesetzt werden kann. Damit bleibt grundsätzlich die Frage, welche Rolle Brown genau einnehmen wird. Auf seiner Stammposition, der Linksverteidigerposition, ist Alphonso Davies zur neuen Saison endlich wieder fit. Rechts steht mit Konrad Laimer einer der besten Rechtsverteidiger Europas der abgelaufenen Saison bereit.
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So gibt es eine realistische Bandbreite: vom häufig eingesetzten Rotationsspieler bis hin zur Stammkraft. Besonders, nachdem das Standing von Davies in München angekratzt scheint und Brown sich aktuell in der deutschen Nationalmannschaft hervortut, wirkt ein offener Konkurrenzkampf hinten links nicht unrealistisch.
So oder so steht nach dem Transfer des 23-Jährigen eine Bayern-Defensive da, die auf den Außenverteidigerpositionen nach der wohl bevorstehenden Verlängerung Laimers und dem Brown-Transfer hervorragend aufgestellt ist.
Gibt es noch andere Lücken im Bayern-Kader?
Was direkt auffällt: Beide Transfers betreffen die Offensive und die Außenverteidigerpositionen. Doch die Frage bleibt, ob es nicht auch an anderer Stelle noch neues Personal brauchen könnte.
Mit Leon Goretzka gibt es einen prominenten Abgang im zentralen Mittelfeld des Deutschen Meisters. Sollte man dort also noch einmal nachlegen? Der Ist-Zustand besteht nun aus Joshua Kimmich, Aleksandar Pavlović, Tom Bischof sowie dem zurückgekehrten Noël Aséko, der in der 2. Liga bei Hannover überzeugen konnte. Auch Bara Sapoko Ndiaye könnte als WM-Rückkehrer eine Rolle spielen.
Auch wenn man bei Aséko noch nicht sicher sein kann, welches Level der U21-Nationalspieler mitbringt, könnte man diese Konstellation rechtfertigen. Allerdings gibt es bis auf Kimmich wenig Erfahrung im Team. Hinzu kommt die Rückkehr von João Palhinha, den man aber wohl am liebsten abgeben würde. Das Problem: Gehalt und Ablöse.
Ebenfalls letzte Fragezeichen gibt es in der Innenverteidigung, weil dort die Abgangsgerüchte konkreter sind. So soll der FC Bayern sogar einen Verkauf von Hiroki Ito planen. Bei Min-jae Kim könnte es bei einem passenden Angebot für alle Beteiligten ebenfalls sehr schnell gehen. Sollte das so passieren, wäre es dringend nötig, noch einen gelernten Innenverteidiger zu verpflichten. Mit Jonathan Tah und Dayot Upamecano ist man in der Spitze zwar sehr gut aufgestellt. Würden die genannten Abgänge aber Realität, stünde dahinter nur noch Josip Stanišić, der seine Stärken eher außen hat.
Braucht es einen Backup für Harry Kane?
Ein häufig geäußerter Wunsch der Fans ist zudem ein klassischer Stürmer als Kane-Backup. Eine Frage, die bereits zu Lewandowski-Zeiten viel diskutiert wurde. Doch da man im vergangenen Jahr bereits einen solchen Spielertyp im Kader hatte, ist es ein Hinweis darauf, dass dieses Profil nicht wirklich viel gebraucht wurde. Nicolas Jackson konnte die Mannschaft zwar hin und wieder entlasten, doch sein Profil passte trotz guter Scorerpunkte nicht optimal rein.
Ein klassischer Stürmer à la Dušan Vlahović oder Jackson kommt eben nur für eine Position infrage und wäre damit viel Geld für vergleichsweise wenig Einfluss auf das gesamte Offensivspiel. Wahrscheinlich ist es sinnvoller, diesen Bereich mit Spielern wie Gnabry oder Saibari aufzufüllen, die der gesamten Offensive mehr Flexibilität und Impact geben können.
Wie man merkt, steckt in der restlichen Kaderplanung noch viel Konjunktiv. Nach aktuellem Stand hat man mit den beiden ersten Transfers des Sommers die wenigen Schwachstellen des Bayern-Kaders aber ziemlich gut geschlossen.
Werden die Bayern nochmal aktiv?
Doch wie realistisch sind weitere Bayern-Transfers in diesem Sommer? Zumindest ist es möglich, dass sich gar nichts mehr tut. Der deutsche Branchenführer befindet sich nun in der komfortablen Position, nur noch auf mögliche neue Entwicklungen reagieren zu müssen. Hinzu kommt, dass die Ausgaben für Brown und Saibari bereits nah am Maximum dessen sein dürften, was man sich für den Transfersommer vorgestellt hatte – sollten nicht noch große Einnahmen erzielt werden können.
Übereinstimmend ist zu hören, dass man in der bayerischen Landeshauptstadt wohl nur noch aktiv wird, wenn exakt das passiert: Verkäufe. Diese würden dann vermutlich in einen jeweiligen Ersatz für den abgewanderten Spieler fließen. Die Innenverteidigerposition ist wohl der Bereich, in dem sich noch am ehesten etwas tun könnte. Dort treffen mögliche Abgangskandidaten auf einen Markt, der für die jeweiligen Spieler interessant sein könnte.
Ansonsten dürfte es erst einmal ruhig um den FC Bayern werden. Der Klub kann nun entspannt beobachten, was die anderen Top-Vereine machen und sich darauf fokussieren, den Kader an mancher Stelle eher noch auszudünnen, wenn Spieler keine Perspektive haben.



