Hiroki Ito (Japan), Erling Haaland (Norwegen) und zwei Spieler von Ecuador vor rotem Hintergrund. Stellvertretend für die Geheimfavoriten bei der WM 2026.
Bild: Vlnr: Koji Watanabe/Getty Images – Franklin Jacome/Getty Images – Marius Nordnes / Nordnes Foto/Getty Images

WM 2026: Ecuadors Mauer, Japans Spielfreude und Co. – diese Teams solltest du nicht verpassen

Justin 11.06.2026



Wer die Vorschau von Tobias Escher auf alle 48 Teams der WM 2026 gelesen hat, dürfte festgestellt haben, dass sich viele Analysen um Stabilität, Defensive und Kompaktheit drehen.

Das DFB-Team wird mit drei dieser Mannschaften bereits in der Vorrunde konfrontiert sein – darunter vielleicht die Könige der Abwehrschlachten. Aber auch Top-Nationen bevorzugen den gepflegt-kontrollierten Defensivfußball, wie seit einigen Jahren bekannt ist.

Selbst Frankreich, die Nation mit dem wohl größten Talent im Kader, verschreibt sich dem „Low Scoring Game“: Hinten nichts zulassen, vorn richten es Michael Olise, Kylian Mbappé und deren Kollegen. Langweilig und angesichts der individuellen Überlegenheit bei nur einem ganz großen Titel seit 2018 auch streitbar erfolgreich.

Frankreich aber kennt eh jeder. Ebenso wie Spanien, Argentinien, Portugal oder eben Deutschland. Aber welche Nationen haben hierzulande vielleicht nicht ganz so viele auf dem Schirm? Wer kann für fußballerische Begeisterung sorgen und wer mauert sich als Außenseiter zu unvergleichlichem Ruhm? Miasanrot zeigt die (teilweise nicht mehr ganz so geheimen) Geheimtipps für die WM 2026 – und Teams, die ihr auch sonst nicht verpassen solltet.

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Ecuador: Vermauern sie Deutschland den Weg zum Gruppensieg?

Wer A-bwehr sagt, muss auch B-eccacece sagen. Sebastián Beccacece ist seit August 2024 Trainer von Ecuadors Nationalmannschaft und blickt auf eine erfolgreiche Zeit zurück. 1,75 Punkte holte er in 20 Partien im Schnitt, sieben Gegentore kassierte seine Mannschaft dabei und nur ein einziges Spiel ging verloren: Das WM-Qualifikationsspiel in Brasilien (0:1).

Ecuador ist unglaublich schwer zu schlagen. Daheim gewannen sie in der Qualifikation mit 1:0 gegen Weltmeister Argentinien und spielten 0:0 gegen Brasilien. Auch die 1:1-Unentschieden gegen Marokko und die Niederlande zeigen, dass mit ihnen nicht zu spaßen ist.

Unter Beccacece hat sich hier womöglich das defensivstärkste Team der gesamten WM entwickelt. Die Südamerika-Qualfikationsliga schlossen sie mit fünf Gegentoren in 18 Partien ab – sechs Partien davon unter dem früheren Cheftrainer Felix Sanchez. Wer den FC Arsenal in der Champions League schrecklich fand, wird Ecuador regelrecht hassen. Minimalismus ist eine Beschönigung dessen, was diese Mannschaft spielt.

Ecuadors Ansatz lässt sich ein wenig mit dem von Diego Simeone bei Atlético Madrid vergleichen: Gegen den Ball verteidigen sie mit einer Viererkette und einer noch engeren Viererkette davor. Zwei Angreifer kümmern sich darum, den Spielaufbau des Gegners zu lenken. Die Basis des Systems sind ein hohes Laufpensum, viel Physis, aggressive Zweikampfführung und schnelle Umschaltmomente bei Ballgewinnen.

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Haben sie selbst den Ball, spielen sie extrem vorsichtig. Hohes Risiko wird man nur selten sehen. Alles ist der Stabilität und Sicherheit untergeordnet. Das „U“ in Ecuador steht für ein risikoarmes, flügellastiges Ballbesitzspiel, das vor allem den Zweck hat, in Zonen zu kommen, in denen man den Gegner in Pressingduelle verwickeln kann. Auch lange Bälle für aggressives Nachrücken und das Herbeiführen von Pressingsituationen sind zu erwarten.

Ecuador ist nicht nur taktisch sehr diszipliniert, sondern bringt mit Willian Pacho, Piero Hincapié, Joel Ordóñez und Moisés Caicedo auch noch herausragende individuelle Qualität in der Arbeit gegen den Ball mit. Die größte Frage für ein erfolgreiches Turnier wird sein, ob sie vorn ausreichend Tore erzielen können. Denn darin sind sie bisher alles andere als gut. Nur 20 Tore gelangen ihnen unter ihrem aktuellen Coach in den 20 Spielen.

Dennoch hat Ecuador das Potenzial zum absoluten Superschurken dieser Weltmeisterschaft. Ein 1:0-Sieg gegen Curacao, zweimal 0:0 gegen Elfenbeinküste und Deutschland und dann fünf Elfmeterschießen zum WM-Titel. Bitte nicht.

MSR444: Unsere Vorschau auf die WM 2026

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Uruguay: Potenzial für absolutes Chaos

Weltmeisterschaften schreiben auch oft besondere Negativgeschichten. Wer erinnert sich nicht an das absolute Chaos in der französischen Nationalmannschaft im Jahr 2010? Wer nach solchen Unterhaltungsgeschichten sucht, könnte bei Uruguay richtig sein. Das Team von Marcelo Bielsa ist eine absolute Wundertüte.

Bei der Copa América 2024 erreichte das Team unter ihm noch das Halbfinale, dann ging es sukzessive bergab. So sehr, dass der Druck bereits weit vor der WM unermesslich groß wurde. Bielsa geriet in den Fokus der Kritik der Öffentlichkeit – die wiederum gestützt wurde von mehreren Spielern, die ihm schlechte Trainingsmethoden und mangelhafte Kommunikation unterstellten. Auch Luis Suárez, der längst nicht mehr Nationalspieler ist, schoss scharf gegen Bielsa.

Trotzdem hat Bielsa überlebt. Uruguay spielt unter ihm mit Mannorientierungen im Pressing. Nicht so gnadenlos wie beispielsweise der FC Bayern unter Vincent Kompany. Oft lassen sie ihre Gegner etwas kommen, um sie dann im Mann-gegen-Mann zu jagen. Hohe Aggressivität und Laufbereitschaft sind die Eckpfeiler dieser taktischen Ausrichtung.

Der Kader gibt eine solche Spielweise mit vielen physisch und athletisch starken Spielern her. Fußballerisch ist aber der Wurm drin. Ballvortrag und Offensivspiel sind überschaubar. Das führt dazu, dass der Fokus auf die intensive Arbeit gegen den Ball zu groß wird und sich im Laufe eines Spiels immer mehr Lücken auftun, die Gegner auf höherem Niveau gnadenlos bestrafen.

Der Weg zu einem erfolgreichen Turnier ist sehr weit für Uruguay, das zu viele sportliche und außersportliche Probleme zu lösen hat. Fußballerisch könnten Partien mit ihrer Beteiligung dennoch hochinteressant werden – und neben dem Platz gibt es auch einiges an Explosionspotenzial.

Japan: Attraktiv und mit Potenzial für große Überraschungen

Doch zurück zu den Teams, die man rein sportlich auf dem Zettel haben muss. Einer der größten „Geheimfavoriten“ ist Japan – auch wenn in der heute gläsernen Welt des Fußballs kaum noch etwas geheim ist. Schon der Blick auf die vergangenen Resultate zeigt, warum mit den Japanern zu rechnen ist.

Im Oktober 2025 besiegten sie Brasilien mit 3:2 und holten dabei einen 0:2-Rückstand auf. Im März dieses Jahres schlugen sie England im Wembley Stadium mit 1:0 und auch Ghana, Bolivien, Schottland und Island wurden mehr oder weniger souverän besiegt. Japan ist in Form. Aus den vergangenen 13 Partien hat man zehn gewonnen und nur eines verloren.

Und hinzu kommt, dass sie einen richtig guten Ball spielen. Die Mischung aus individuellem Talent und taktischer Qualität ist so gut wie vielleicht noch nie in der japanischen Historie. Japans Kader ist voll mit Spielern, die auf dem höchsten internationalen Level spielen. Nur wenige spielen wie Hiroki Ito bei Topklubs, aber das könnte sich nach dieser WM ändern.

Das technische Niveau dieser Mannschaft ist enorm hoch. In engen Räumen macht den Japanern kaum jemand etwas vor. Sie spielen einen sehr gepflegten, schnellen und kleinteiligen Fußball, der in seiner besten Ausführung hochattraktiv ist. Escher schreibt in seiner Vorschau zudem vom „vielleicht komplexesten Defensivsystem, das bei dieser WM zum Einsatz kommt“. Japan hat ungemein viele verschiedene Pressingtrigger, spielt während der Eröffnung des Gegners erst noch abwartend, um dann im richtigen Augenblick zuzupacken.

Die Mischung aus physischer Robustheit und technischer Finesse macht Japan zu einem echten Geheimtipp auf ein sehr erfolgreiches Turnier. Von ihnen ist offensiver Fußball bei gleichzeitiger defensiver Kontrolle zu erwarten. Ein Balanceakt, der sich auf WM-Niveau erst noch beweisen muss. Zumal mit Takumi Minamino und Kaoru Mitoma zwei wichtige Spieler ausfallen und einige weitere Akteure aus Verletzungen kommen. Das könnte die Erfolgschancen deutlich mindern. Spaß sollte mit Japan dennoch garantiert sein.

Senegal: Zwischen Kontrolle und Tempoverschärfung

Wie viel Spaß der Senegal machen wird, bleibt abzuwarten. Fakt ist: Beim Afrika Cup haben sie bewiesen, dass sie derzeit eines der stärksten afrikanischen Teams sind – vielleicht sogar das stärkste. Auch wenn ihnen der Titel aberkannt wurde und das Drumherum noch bis heute nachwirkt, haben sie gezeigt, dass sie in einem Turnier die wichtigsten Anforderungen erfüllen können.

In der K.-o.-Phase kassierten sie nur ein einziges Gegentor. Natürlich wird das Niveau bei einer WM deutlich höher sein, zumal sie mit Frankreich und Norwegen direkt zwei Gegner aus Europa haben, die zu den Top- oder Mitfavoriten zählen. Ein frühes Ausscheiden ist also im Bereich des Möglichen. Ebenso aber auch eine kleine Überraschung.

Die Senegalesen haben einen sehr talentierten Kader. Angeführt von Superstar Sadio Mané gibt es mit Iliman Ndiaye, Ismaïla Sarr, Nicolas Jackson, Assane Diao, Ibrahim Mbaye (alles Offensivspieler) und weiteren Akteuren ordentlich Tempo im letzten Drittel. Eine wichtige Rolle nimmt hier auch El Hadji Malick Diouf ein, der ebenfalls eine hohe Endgeschwindigkeit und Explosivität hat.

Der Fokus des Teams liegt darauf, dieses Tempo zu nutzen. Entweder in offensiven Umschaltsituationen oder aus kontrollierten Angriffen heraus. Immer wieder attackieren die schnellen Angreifer die Schnittstellen der Abwehrkette, um ihren Speed auszuspielen. Taktisch komplex ist das Spiel mit dem Ball nicht.

Senegal setzt auf Sicherheit und Kontrolle, was wiederum bedeutet, dass das Spieltempo nicht allzu hoch ist. Spektakulär wird es nur, wenn sie ihre Angreifer in die Tiefe schicken. Und diese Rhythmuswechsel sind für viele Gegner schwer zu verteidigen. Taktisch geht Trainer Pape Thiaw kein Risiko. Es gibt kaum Überladungen im Offensivbereich, der Spielaufbau ist behäbig und personell gut abgesichert.

Anders als beim Afrika Cup werden sie aber nur selten selbst das Spiel machen müssen und genau das wird ihnen bei der WM in die Karten spielen. Denn das Tempo der Offensive könnte zum Gamechanger gegen Nationen wie Frankreich oder Norwegen werden. Überstehen sie die schwere Gruppenphase, haben sie das Potenzial, weit zu kommen.

Türkei: Spektakel zum Frühstück?

Dieses Potenzial hat auch die Türkei. In Deutschland ist das Geraune dieser Tage groß: Eine WM, bei der viele Spiele in der Nacht oder sehr früh am Morgen stattfinden? Das verpassen wir doch gern, um auf der Arbeit am nächsten Tag ausgeschlafen den Bundeskanzler glücklich machen zu können. Früh aufzustehen könnte sich im Fall der Türkei aber lohnen.

6 Uhr, 5 Uhr, 4 Uhr – das sind die Anstoßzeiten des hochtalentierten Teams von Trainer Vincenzo Montella. Die Türken werden zudem wieder einen intensiven, aggressiven und temporeichen Fußball mit viel individueller Qualität liefern. Etwas, was es bei einer WM nicht allzu oft zu sehen gibt. Mit ihrem hohen und mannorientierten Pressing haben sie einen Ansatz, den es in dieser extremen Form wohl kaum nochmal geben wird.

Schon bei der EM vor zwei Jahren setzten sie auf Überforderung des Gegners. Gerade mit den frischen Beinen zu Beginn der Halbzeiten geben sie Vollgas, um die andere Mannschaft zu überrumpeln. Manchmal führt das dazu, dass bald darauf Phasen folgen, in denen sie die Kontrolle verlieren. Seit der Europameisterschaft in Deutschland haben sie sich taktisch aber nochmal weiterentwickelt und scheinen eine bessere Balance aus gnadenlosem Vollgasfußball und Phasen des kompakten und tieferen Verteidigens gefunden zu haben.

Die Mannschaft wird natürlich angeführt von einer im europäischen Spitzenfußball sehr bekannten Achse: Merih Demiral in der Innenverteidigung, Kapitän Hakan Calhanoglu im Mittelfeld sowie Kenan Yildiz und Arda Güler im Offensivbereich. Auch Talente wie Can Uzun oder erfahrene Spieler wie Ferdi Kardioglu sorgen für taktische Optionen und Variationen.

Ein Knackpunkt für die Türken könnte trotz der technischen Qualität im Spiel sein, dass ihr Ballvortrag bisweilen sehr holprig wirkt. Trotzdem: Wer nach Teams sucht, die zumindest in Teilen mutigen und offensiven Fußball spielen, der könnte bei der Türkei richtig sein. Vielleicht gibt es Spektakel zum Frühstück.

Norwegen: Das neue Belgien?

Mit Norwegen gibt es eine weitere europäische Mannschaft, die man auf dem Schirm haben sollte. Vieles erinnert dabei an die jahrelangen Predictions zu Belgien. Die waren solange Geheimfavorit, bis sie plötzlich der „Geh-Heim-Favorit“ waren. Norwegen steht noch am Anfang dieser Aufmerksamkeit. Wirklich geheim sind sie längst nicht mehr.

Hauptgrund dafür ist die Offensive, die angeführt wird von Superstar Erling Haaland. Doch damit nicht genug: Auch Spieler wie Antonio Nusa, Andreas Schjelderup oder Alexander Sørloth haben enorme Qualität. Im Mittelfeld ruhen die Hoffnungen auf Martin Ödegaard, der die Fäden ziehen soll. Auch der laufstarke und aggressive Julian Ryerson wird auf dem rechten Flügel eine wichtige Rolle einnehmen, da er es als Breitengeber erlaubt, dass Sörloth einrücken kann. Wie gefährlich seine Flanken sind, hat er beim BVB hinlänglich bewiesen.

Norwegen hat in der WM-Qualifikation erstmals so richtig auf sich aufmerksam gemacht. Satte 37 Tore erzielten sie – europäischer Rekord. Sieben Treffer erzielten sie dabei in den beiden Spielen gegen Italien. Taktisch sind sie mit einigen Positionswechseln sehr flexibel und schaffen es ihre Offensivwucht über Varianz ins Spiel zu bringen: Mal greifen sie flügellastiger an, mal brechen sie über die Halbräume oder das Zentrum durch. Sie haben eine gute Mischung aus Wucht und Spielstärke.

Für Gegner ist das Angriffsspiel von Norwegen nur schwer auszurechnen. Zwar ist Haaland die prägende Figur des Teams, aber der Fokus auf ihn allein reicht im Defensivspiel bei weitem nicht aus. Die Norweger können aus strukturierten Ballbesitzphasen zu Torchancen kommen, sind aber besonders stark nach Balleroberungen und schnellen Umschaltsituationen, in denen Haaland in die Tiefe geschickt werden kann.

Norwegens Achillesferse ist, dass ihr Kader nicht allzu breit ist und vor allem im Defensivbereich individuelle Klasse fehlt. Das könnte bei erfolgreichem Turnierverlauf in der K.-o.-Phase zum Problem werden, wenn auch die Gegner stärkere Offensivreihen mitbringen. Schon das Duell mit Frankreich dürfte in der Gruppenphase ein klarer Gradmesser dafür sein, wie weit es wirklich gehen kann für den neuen Geheimfavoriten aus Europa.

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