Miasanrot Awards 2026 – Unsung Hero: Bessermacher Jonathan Tah
Wenn beim FC Bayern München über die Protagonisten einer erfolgreichen Saison gesprochen wird, fallen meist dieselben Namen. Da ist Harry Kane, der mit seinen astronomischen 61 Saisontoren jede Schlagzeile dominiert.
Da ist Michael Olise, der als unermüdlicher Vorbereiter (31 Vorlagen) den Zauber auf den Flügel bringt, oder Königstransfer Luis Díaz.
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Da sind Joshua Kimmich und Aleksandar Pavlović oder der spektakuläre Innenverteidiger Dayot Upamecano – doch für den Teamerfolg ist ein anderer Profi mindestens genauso wichtig. Und der hat noch dazu kaum Ablöse gekostet.
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Gefühlt schon ewig beim FC Bayern: Jonathan Tah ist direkt Leader
Während das Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit die Offensivkünstler erstrahlen lässt, wird der Erfolg im Schatten der großen Zahlen oft einmal vergessen. Genau dort, abseits des ganz großen Spektakels, agiert der „Unsung Hero“ dieser Bayern-Saison: Jonathan Tah.
Es wirkt bisweilen so, als würde der 30-Jährige schon seit Ewigkeiten das Münchner Trikot tragen. Dabei kam er erst im vergangenen Sommer ablösefrei an die Isar, nachdem der Wechsel ein Jahr zuvor noch an den Ablöseforderungen aus Leverkusen gescheitert war (lediglich eine schmale Nachzahlung von zwei Millionen Euro für die Klub-WM floss letztlich noch zu Bayer Leverkusen).
Tah drängt sich selten ins Rampenlicht, doch seine Verlässlichkeit im Hintergrund ist für das Funktionieren des gesamten Münchner Systems unerlässlich. In seiner ersten Saison beim FC Bayern etablierte er sich als unumstrittener Stammspieler und wurde oft zum ultimativen Retter in höchster Not. Wenn es brenzlig wird, bereinigt er die Situation im Strafraum wie kein Zweiter.
Zahlen belegen die gute Wahl des FC Bayern
Wie unverzichtbar Tahs Präsenz auf dem Platz tatsächlich ist, untermauert ein Blick auf seine beispiellose Statistik. Mit 54 Kader-Nominierungen und 49 Einsätzen – was umgerechnet 3.769 Spielminuten entspricht – ist er absoluter Dauerbrenner in der Münchner Defensive. Er hielt damit in Sachen Belastung mit den Offensiv-Stars Luis Díaz (4.060 Minuten) und Harry Kane (4.050 Minuten) Schritt, während er trotz seiner physisch betonten Spielweise mit nur 10 Gelben Karten und ohne einen einzigen Platzverweis eine beeindruckende Disziplin an den Tag legte.
Egal in welchem Wettbewerb der FC Bayern gefordert war, Tah lieferte konstant auf höchstem Niveau. Er ist zugleich ein gutes Beispiel dafür, warum Statistiken nicht ohne Einordnung funktionieren. Seine Leistungen sind rein auf die Zahlen bezogen nicht spektakulär. Tah hat laut Wyscout 6,7 erfolgreiche Defensivaktionen pro 90 Minuten – ca. 0,5 weniger als Kim und rund eine weniger als Upamecano.
4,2 geführte Zweikämpfe sind zudem im Bayern-Kader eher durchschnittlich. Kim kommt hier auf 3,9 und Upamecano auf 6,3. Die meisten hat Konrad Laimer (8,3). So ist es bei vielen Statistiken. Doch der Unterschied war dennoch erkennbar und lässt sich sogar anhand vermeintlich schwächerer Zahlen erklären: Kim verteidigt sehr aggressiv, kommt pro 90 Minuten auf 4,6 Interceptions – die meisten im Bayern-Kader. Tah kommt auf 3,9.
Auch der ehemalige Leverkusener verteidigt hin und wieder nach vorn, hat aber ein besseres Verständnis dafür, wann er tief absichern muss und wann es okay ist, aggressiver zu agieren. Lange schafften es die Münchner, in allen Wettbewerben bei rund einem Gegentor pro 90 Minuten zu bleiben und auch generell in der Abwehr stabiler zu sein als in den Vorjahren. Tah hatte daran großen Anteil.
Dann aber kamen in der Champions League die großen Gegner und in der Bundesliga wurde mitunter stark rotiert. Zwar ging der Schnitt an Gegentoren schon zuvor ein bisschen nach oben, doch am Ende explodierte er. Das verzerrt die Wahrnehmung leicht. Und doch ist Tah ein wichtiger Anker in dieser Saison gewesen, der gemeinsam mit Upamecano noch Schlimmeres in der Defensive zu verhindern wusste.
FC Bayern: Das beste Innenverteidiger-Duo seit Jahren?
Dabei verlief der Start in München keineswegs reibungslos für ihn. Er hatte spürbar mit Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen. Das bittere Aus bei der Klub-WM gegen Paris Saint-Germain oder das wacklige Pokalspiel gegen Wehen Wiesbaden zeigten, dass die Umstellung von der Leverkusener Dreierkette auf die von Vincent Kompany geforderte hohe, mannorientierte Viererkette Zeit benötigte. Selbst im Nationalteam lief es im September so unrund, dass Julian Nagelsmann ihn nach einer Schmach gegen die Slowakei vorübergehend auf die Bank setzte.
Doch Kompany, als Ex-Innenverteidiger ein absoluter Experte für diese Position, vertraute Tah bedingungslos – und das zahlte sich aus. Zusammen mit Upamecano bildet Tah inzwischen die wohl stärkste Münchner Innenverteidigung seit ein paar Jahren.
Die beiden Defensivspezialisten ergänzen sich perfekt: Hier der athletische, extrem aufbaustarke Upamecano, der den direkten Zweikampf sucht. Dort Tah, der das Spiel liest, mit überragendem Timing glänzt und genau im richtigen Moment am richtigen Ort ist. Dass es zuletzt beim dramatischen 4:5-in der Champions League gegen PSG eine Gegentorflut setzte, war dann auch eher strukturellen Lücken im Gesamtsystem als individuellen Fehlern des Abwehrduos geschuldet.
Reifeprüfung im November und der Aufstieg zum Anführer
Wie sehr Tah an seinen Aufgaben gewachsen ist, zeigte sich exemplarisch schon im November beim 2:1-Sieg gegen PSG in der CL-Ligaphase. Nach einer Roten Karte für Luis Díaz mutierte die zweite Halbzeit zu einer historischen Abwehrschlacht. „Wir mussten zusammen leiden und einmal durch diese Hölle gehen“, sagte Tah damals.
Er selbst flog buchstäblich durch den Strafraum, klärte Bälle per Flugkopfball und Fallrückzieher. Am Ende standen laut SofaScore acht klärende Aktionen in einer einzigen Partie auf seinem Zettel – eine Rettungstat in der Schlussminute bejubelte er emotional wie ein eigenes Tor.
Längst ist Tah aber nicht mehr nur sportlich unumstritten, sondern hat sich auch menschlich in Rekordzeit zu einem echten Fixpunkt entwickelt. Kompany berief den Neuzugang sofort in den Mannschaftsrat. Tah übernahm Verantwortung und fungiert als lautstarker Führungsspieler. Das Vertrauen geht mittlerweile so weit, dass er – als neulich gegen Heidenheim die Achse um Neuer, Kimmich und Kane fehlte – den FC Bayern als Kapitän aufs Feld führte. Eine Ehre, die ihm kürzlich auch schon im DFB-Team zuteilwurde.
Für die anstehende Weltmeisterschaft ist Tah in der deutschen Abwehrzentrale (wohl an der Seite von Nico Schlotterbeck) absolut gesetzt. Mit dem Sieg des DFB-Pokals hat er eine für sich hervorragend laufende Saison gleich mit dem Double gekrönt.



